Porträt

laut.de-Biographie

Herr von Grau

"Ich will nicht, dass ich später ohne Plan in meinem Golf sitz' / und mir sage: Du hast nie getan, was du wolltest." ("Risiko", 2010) Dieser Maxime fühlt sich Benny, geboren 1981 in Wolfsburg, schon früh verpflichtet. Bereits im Alter von zwölf Jahren schnappt er sich ein Mikrofon und bringt sich das Rappen bei.

Auf die ersten Gehversuche als Solokünstler folgen Mitgliedschaften in den extravagant betitelten Crews Feegefeuer.de und Der Aksel Des Bösen. Herr von Grau bringt der Niedersachse 2007 an den Start.

Doch entgegen dem weit verbreiteten Irrglauben handelt es sich dabei nicht um ein Soloprojekt, sondern um ein Duo in der klassischen 'Two Turntables & One Mic'-Besetzung. Von Anfang an steht Benny der gebürtige Braunschweiger Kraatz zur Seite.

Dieser sitzt zuvor bereits mit acht Jahren hinterm Schlagzeug, grast seitdem verschiedenste Genres ab und betätigt sich dabei nicht nur als Turntablist auf Hip Hop-Jams, sondern auch als House-DJ und Drummer einer Post-Hardcore-Band.

So verwundert es nicht, dass sich die beiden im Januar 2007, mittlerweile in der deutschen Hauptstadt ansässig, ausgerechnet auf einem Punk-Konzert im legendären Berliner SO36 kennen lernen. Die ursprüngliche Idee, einen gemeinsamen Song als Samplerbeitrag aufzunehmen, wächst sich schon bald zum ganzen Album aus: Das Debüt "Blumenbeet" erscheint im Juni und markiert den Startschuss der gemeinsamen Rapkarriere.

Den musikalischen Unterbau für Bennys Lyrics gestaltet das Duo dabei in Zusammenarbeit, schließlich beschäftigt sich auch der MC seit seiner Volljährigkeit mit der Kunst des Beatbastelns. Erst auf der Bühne teilen sich Herr von Grau in Rapper und DJ auf.

In den darauffolgenden Jahren setzt die Crew auf eine ungewöhnliche Vertriebsstrategie. In mehreren Großstädten streut man so genannte 'Versteck-CDs' unters Volk, die mit je zwei Tracks als Audioflyer fungieren. Auf diesem Weg sollen "Manni" (2007), "Gudrun" (2008), "Eberhard" (2009) und "Detleph" (2010) Herr von Grau Aufmerksamkeit bescheren.

Dazwischen versorgen die Wahlberliner ihre wachsende Fanbase weiterhin mit reichlich Material. "Blumenbeet 2.0" erscheint 2008 als Re-Release der ausverkauften Erstauflage über MKZWO Records, der Zweitling "Heldenplätze" wenig später über rappers.in.

Nach der Veröffentlichung trennen sich Benny und Kraatz vom Berliner Hip Hop-Label und gründen ihr eigenes: Grautöne Records. "Revue" erscheint 2010, anschließend dauert es nicht lange, bis auch die HvG-Alben Nummer zwei und drei nur noch digital erhältlich sind.

Die Platte heimst viel Lob ein, auch wenn sich die großen Rapmagazine noch weitgehend in Schweigen hüllen. Zumindest der längst etablierte Prinz Pi scheint spätestens seit der EP "Das Erste Buch Grau" vom August 2011 von Herr von Graus Qualitäten überzeugt und nimmt sie im Herbst und Winter 2011 als Supportact mit auf seine "Rebell Ohne Grund"-Tour.

Dutzende Gigs in teils ausverkauften Clubs verschaffen dem Duo Auftrieb: Im September 2012 folgt die "Herrbst"-EP, anschließend geht es auf die ausgiebige "Herrbst von Grau"-Tour durch Deutschland. Zum "Freiflug" in voller Album-Länge heben Herr von Grau im Sonner 2013 ab.

Mit Vergleichen mit anderen Hip Hoppern sehen sich Herr von Grau nur selten konfrontiert. An Alleinstellungsmerkmalen mangelt es den Niedersachsen schließlich nicht. Bereits die oftmals Elektro-beeinflussten Beats verschiedenster Stimmungslagen stellen ein musikalisches Erlebnis dar. Bennys Lyrics tun ihr Übriges, sie geben Geschichten aus dem Leben und die damit verbundenen Gefühle in eindringlichen Bildern wieder.

"Wir stellen zu unserem Erschrecken fest, dass wir echt überall Fans haben - und zwar krasse", erzählt der MC während der "Revue"-Tour 2010. Er habe jetzt schon Angst davor, dass das Ganze irgendwann aufhört und er nicht mehr durch die Gegend fahren und spielen kann. "Was mach' ich dann? Kein Plan. Im Moment ist es jedenfalls saugeil und macht richtig Spaß!"

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Herr von Grau - Freiflug: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2013 Freiflug

Kritik von Thomas Haas

Dunkles, sperriges Album mit ausgefeilten Lyrics. (0 Kommentare)

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