Porträt

laut.de-Biographie

Chocolococolo

"Ich bin eher ruhiger, stehe nicht so gerne im Mittelpunkt", so die für einen Rapper nicht gerade typische Selbsteinschätzung Chocolococolos. An seinen Fähigkeiten am Mikrofon, die er in den Reihen der Mundartisten und seit 2009 zusätzlich solo unter Beweis stellt, ändert dieser Umstand nichts.

Der Diplomatensohn Hans-Jakob Mühletaler ist reichlich herumgekommen, ehe seine Familie Anfang der 90er Jahre im Kanton Bern ansässig wird. Geboren in Kanada lebt er in Saudi-Arabien, in Tschechien und in Deutschland. Der Grundstein für seinen musikalischen Werdegang wird jedoch in Langenthal gelegt.

Wie nahezu jeder Junge seiner Generation hört er zunächst Hardrock. "Später fand ich das 90er-Jahre-Seattle-Rock-Zeug gut. Kurt Cobain und so, aber ich hab' auch Techno gehört", erinnert er sich in einem Radiointerview.

Zur Initialzündung taugt aber erst ein Vanilla Ice-Mixtape: Hier hört er die erste Human Beatbox: "Huueregeil. Das wollte ich auch können." Übung macht den Meister, der richtige Umgang erledigt den Rest: Hans-Jakob, der sich den lautmalerischen Zungenbrecher Chocolococolo zum Decknamen wählt, trifft schon zu Schulzeiten auf Knackeboul und Equadrat.

Gemeinsam gründen sie die Mundartisten. Weitere Mitglieder, Live-Instrumente, der erste Probenraum ... alles findet sich wie von selbst. Zwei Wochen steigt - in eben diesem Proberaum - der erste Auftritt. Hunderte sollen sich anschließen, in der Schweiz und im süddeutschen Raum.

Wobei: "Am Anfang habe ich gar nicht richtig gerappt, nur gebeatboxt und ein bisschen mitgesungen." Mit der Zeit folgen die ersten eigenen Parts, ganze Tracks und auch die ersten selbstgebastelten Beats.

Internationale Anerkennung erfahren die Mundartisten mit "Chrigu". Der Dokumentarfilm, der den Krebstod eines Freundes begleitet, sorgt für Aufsehen. Die Mundartisten sind darin mit von der Partie und liefern zudem den Soundtrack.

"Knack ist ein Live-Tier", ist sich Chocolococolo bewusst. Um aus seinem Schatten zu treten, schlägt er Solo-Pfade ein. "Das war schon lange mein Wunsch", betont er gegenüber 78s.ch. "Ich habe als Rapper und als Produzent gewirkt und meine Texte über die Beats gelegt, die in den letzten zwei, drei Jahren entstanden sind."

Von einem Auseinanderbrechen des Mundartisten-Kollektivs kann indes keine Rede sein: Selbst die Alleingänge Knackebouls, Chocolococolos und später Equadrats "Denkzettel" entstehen im Kreis der Freunde. Es verschiebt sich lediglich der Spot auf den jeweiligen Solisten.

Der Versuch, die diversen Aktivitäten - darunter Beatbox-Workshops, die Mundartisten, die Solo-Karriere, diverse Blogs und ganz nebenbei ein Lehramtsstudium - unter einen Hut zu bringen, gestaltet sich als schwierig. Zudem fordert das zweihundert Jahre alte Bauernhaus, das Chocolococolo zusammen mit Knackeboul bewohnt, seinen Tribut.

"Das Haus kann man nicht heizen, es ist unaufgeräumt. Man wird nie fertig mit Putzen. Der reinste Hustle ... Keine Ahnung, wie lange diese WG noch besteht. Einen nächsten Winter überlebe ich dort nicht." In einer Kolumne auf studets.ch sucht er verzweifelt eine robuste Allround-Putzhilfe: "Mami, könntest du dir vorstellen, wieder mit mir zu wohnen?!!"

Chocolococolos selbstbetiteltes Debüt stellt im Frühjahr 2009 die erste Veröffentlichung auf dem frisch gegründeten Haus-Label Mundartisten Records dar. Er bietet handwerklich astreinen Rap mit Tiefgang, gewürzt mit Spuren aus Elektro, Rock und Reggae.

Selbst an Stellen, an denen es derbe zur Sache geht, schimmert eine leise Melancholie durch. Grund zur Besorgnis sieht Chocolococolo jedoch keinen: "Auch, wenn das, was ich mache, ein bisschen traurig ist: Ich bin schon ein glücklicher Mensch."

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