Porträt

laut.de-Biographie

Vanilla Ice

Peinlich zu sein, ist für Vanilla Ice (oder V-Ice, wie er sich gelegentlich nennt) mittlerweile mehr Gewohnheitssache als ein Problem. Das blonde Föhnwellen-One-Hit-Wonder dürfte inzwischen in jedes Fettnäpfchen getreten sein, das die Pop-Welt hergibt. Aufgeben will er trotzdem nicht und arbeitet seit seinem Mega-Erfolg "Ice, Ice, Baby" munter weiter an Platten, die praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit erscheinen.

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Wenn Robert Van Winkle (wie der am 31.Oktober 1968 in Miami Lakes, Florida geborene Ice mit bürgerlichem Namen heißt) auch nicht viel gut kann, so hat er das Darüber-Hinwegsehen wenigstens voll drauf. Obwohl die Kritiker sich konstant das Maul über ihn und seine musikalischen Fähigkeiten zerreißen, trotzt er allem und vertraut lieber auf sich selbst. Schon auf den 91er American Music Awards verkündetet er lauthals sein Lebens-Motto: "Alle Leute, die mich zurückhalten wollen, können meinen weißen Arsch küssen!"

Damals konnte sich Vanilla Ice solche Sprüche noch erlauben. Als kleiner weißer Rapper wird er 1987 von Tony Quon im City Lights Club zu Dallas entdeckt. Quon avanciert zu Ices Manager und formt schnell eine Art weißen MC Hammer aus ihm, der Rap auch für weiße Vorstadtkids durch eine glatte und saubere Art salonfähig macht. 1989 veröffentlicht Ice sein Debüt "Hooked" – allerdings mit mäßigem Erfolg.

Das soll sich schlagartig ändern, als 1990 SBK Records die Platte unter neuem dem Namen "To The Extreme" wieder veröffentlicht und Vanilla Ice noch eine Spur "cooler" macht. V-Ice gerät zu einem Zwitterwesen zwischen B-Boy-Style und Glitter und schießt mit tatkräftiger Unterstützung von MTV auf Platz Eins der amerikanischen Charts - erst 16 Wochen später verschwindet er wieder von diesem Thron. Weltweit verkaufen sich von "To The Extreme" mehr als 15 Millionen Exemplare.

Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs beginnen die Journalisten, in Vanilla Ices Vergangenheit herum zu schnüffeln und werden dort auch schnell fündig. V-Ice wächst zwar in einem der ärmeren Viertel von Miami bei seiner Mutter auf und bekommt seinen Vater nie zu Gesicht, mit seinem frisierten Lebenslauf, der sich wie eine Art Gangsta-Lexikon liest, hat seine wahre Geschichte aber gemein. Von Street-Credibility ist nicht einmal der Hauch einer Spur zu finden. Den größten Tiefschlag muss Vanilla Ice erleiden, als er gestehen muss, dass seine Hit- Single "Ice, Ice Baby" doch auf einem Sample von "Under Pressure" beruht.

Danach kennt V-Ices Karriere nur noch eine Richtung: streng nach unten. Um dem Hype wenigstens noch ein bisschen Geld abzuschöpfen, erscheint das Live-Album "Extremely Live", doch auch hier bleiben die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurück. Als kurz danach auch noch sein Film "Cool As Ice" in die Kinos kommt, ist Vanilla Ice schon so unten durch, dass die Kinosäle praktisch leer bleiben. Der dazugehörige Soundtrack, auf dem Ice ein Duett mit Naomi Campbell singt, befindet sich nicht mal so lange in den Charts, wie "To The Extreme" auf Nummer Eins war. Auch sein Auftritt im Schildkröten-Drama "Turtles 2" ist nur mäßig erfolgreich.

Den Absturz will sich der Junge aus Miami aber nicht eingestehen, er poltert lieber auf seinem zweiten Album "Mindblowin" prollig gegen alles und jeden. Vergeblich versucht sich der einstige Mega-Star daran, mit seinem heraus posaunten Drogenkonsum und Gewaltverherrlichung in die Major-League des Gangsta-Rap aufgenommen zu werden. Die Platte ist ein veritabler Total-Flop. Kurz darauf erleidet Ice eine Überdosis, die er nur knapp überlebt und die zum Wendepunkt in seinem Leben wird.

Nach seiner Genesung findet er zu Gott, heiratet und bekommt zwei Töchter. Als, wie er es benennt, "emotionale Therapie" versucht V-Ice wieder den Weg in die Musik. Mit einem kleinen Auftritt auf dem Hit-Album "One Fierce Beer Coaster" der Bloodhound Gang verschafft er sich wieder etwas Aufmerksamkeit und nützt diese geschickt aus, um 1998 mit "Hard To Swallow" zurückzukehren.

Die Platte produziert – man wagt es kaum zu glauben – niemand anderes als Ross Robinson, dessen Arbeit mit den Deftones, Korn, Limp Bizkit oder Slipknot die Musikwelt bereits mehr als einmal gehörig umgekrempelt haben. Mit ihm versucht Vanilla Ice, sich dem harten Nu Metal-Sound (oder wie er es ausdrückt: "Es ist kein Rock'n'Roll. Es kein Hip-Hop. Man nennt es 'Skate Rock', und nur eine Handvoll Leute spielen diesen Sound.") der Zeit anzupassen und scheitert erneut kläglich.

Drei Jahre später fährt Vanilla Ice zweigleisig, das Doppelalbum "Bi-Polar" enthält eine Scheibe mit Rock- und eine mit Hip Hop-Tracks. Für letztere schart er Chuck D, Wu-Tangs La The Darkman und die Insane Clown Posse um sich, bei den Rocksongs helfen Slipknot-Gitarrist Josh Brainard und Billy Milano von S.O.D.

Doch die rockigen Tracks finden wenig Anklang, weshalb Vanilla den Hip Hop-Teil des Doppelalbum noch einmal unter dem Titel "Hot Sex" veröffentlicht. Auf "Platinum Underground" (2005) versucht er dagegen wieder, Rap und Metal unter einen Hut zu bringen.

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