Porträt

laut.de-Biographie

Equadrat

Wer ist dieser Equadrat? "A gentleman lyricist", fördert die Recherche zutage. "Phinetius Rudolph Rottingham, geboren in Texas." Hoppla, falsch. Wikipedia weiß eigentlich immer Bescheid: "Sven Günther (* 22. Februar 1974 in Zwickau) ist ein deutscher Fußballspieler", heißt es da. Klingt ebenfalls nicht nach einem Treffer.

Equadrat - Denkzettel Aktuelles Album
Equadrat Denkzettel
Eidgenössische Mundartistik - unwiderstehlich kopfnickbar.

Schon diese kleinen Irrwege machen die Krux des Schweizers offenbar: Man muss tatsächlich nach den Mundartisten suchen, um auf den richtigen Equadrat, den gesuchten Sven Günther zu stoßen. Zu häufig verschwindet er in den Reihen der Langenthaler Crew, zu deren Gründungsmitgliedern er zählt. Kein Wunder: Sich neben einem Bühnenviech wie Knackeboul zu behaupten, ist schließlich kein Spaziergang.

Fakt ist: Ohne Knackeboul wären die Mundartisten nicht, was sie sind: einer der am höllischsten abrockenden Hip Hop-Live-Acts der Eidgenossenschaft. Ohne Equadrat allerdings auch nicht. Er ist vom ersten Moment an mit von der Partie, als er sich gemeinsam mit Knackeboul die Wirren der Pubertät in Langenthal im Kanton Bern mit ersten Rap-Versuchen versüßt.

Als 2001 noch der Dritte im Bunde, Chocolococolo, auftaucht, ist der Grundstein für die Mundartisten gelegt. Bei Beatbox- und Reim-Einlagen bleibt es nicht: Mit Drummer Kwest, dessen Schlagzeug und dem passenden Übungsraum kommt eins zum anderen.

Die Mundartisten spielen sich mit Hunderten von Liveshows quer durch die Eidgenossenschaft und den süddeutschen Raum, veröffentlichen mehrere Platten und DVDs. Bekanntheit über die Grenzen der Schweiz hinaus erlangen sie mit dem Dokumentarfilm "Chrigu", der den Krebstod eines Freundes dokumentiert. Die Mundartisten steuern auch den Soundtrack bei.

Knackeboul legt einen erfolgreichen Alleingang hin, Chocolococolo zieht nach. Im Sommer 2009 tritt endlich auch Equadrat aus dem langen Schatten: Zehn Jahre Bühnenerfahrung, ein Jahr intensive Arbeit im Studio von Why Not Recordings in Herzogenbuchsee und Berge von auf Notizzettel gekritzelter Zeilen stecken in "Denkzettel", das sich auf die Werte besinnt, die Hip Hop auszeichneten, ehe finstere Klischees die Machtübernahme probten.

Equadrat setzt auf Skillz und Inhalt, auf Tiefgang und Spaß an der Sache. Die Zusammenarbeit mit den Mundartisten bleibt auch auf seinem Soloalbum intensiv. Der auf ihn geschwenkte Fokus bringt aber ans Licht: Wie so oft blühen die interessantesten Gewächse im Verborgenen.

Alben

Equadrat - Denkzettel: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2009 Denkzettel

Kritik von Dani Fromm

Eidgenössische Mundartistik - unwiderstehlich kopfnickbar. (0 Kommentare)

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