Porträt

laut.de-Biographie

Bombino

Das Mitglied des Ifoghas-Stammes der Tuareg vermischt traditionelle Musik seiner Heimat mit Rock und Blues-Elementen. Der Sand der Sahara durchweht die raue und unverfälschte Musik des Sängers und Gitarristen.

Bombino - Nomad Aktuelles Album
Bombino Nomad
Der wahre Held im Hirsefeld.

Der muslimisch erzogene Bombino kommt am 1. Januar unter dem Namen Omara Moctar in Tidéne, heute Dabaga, in Niger als Sohn eines Automechanikers und einer Hausfrau zur Welt.
Anfang der 1990er muss die Familie für drei Jahre auf Grund der Tuareg-Rebellion zu Verwandten ins algerische Tamanrasset fliehen. Nach den ersten demokratischen Wahlen in Niger kehrt sie aber wieder in ihre Heimat zurück.

Noch im Exil verschlingt der junge Omara mit seinen Freunden Videos von Jimi Hendrix und Mark Knopfler. Als sein Onkel von der Rebellions-Front kommt, leiht er dem Jungen für einige Monate seine Gitarre. Bombino beginnt Ishoumar-Songs zu spielen, nimmt gegen den Willen seines Vaters Unterricht. Dieser möchte Omara lieber zuerst im Schulunterricht sehen. Doch dieser widmet sich lieber seiner neuen Liebe, der Musik.

Um dem Druck seines Vater zu entfliehen, reist Omara nach Algerien und Libyen. In den langen Stunden, die er als Hirte in der Wüste verbringt, verfeinert er sein Gitarrespiel.

Zurück von der Reise fragt ihn die ansässige Gitarren-Legende Haja Bebe, ob er nicht in seiner Band mitspielen möchte. Als Nesthäkchen erhältt Omara von seinen Mitmusikern den Spitznamen Bombino (der kleine Junge), den er fortan trägt.

2004 veröffentlicht der Songwriter aus der Sahara sein erstes Album "Agamgam", das er regional auf Kassette anbietet. Als Mitglied der Gruppe Tidawt gibt er 2007 Konzerte in Kalifornien. Diese verhelfen ihm überraschend, an den Aufnahmen von Tim Ries "Stones World: The Rolling Stones Project, Vol. 2" teilzunehmen. An der Seite von Keith Richards und Charlie Watts spielt er den Stones-Klassiker "Hey Negrita" neu ein.

Ein weiterer Auftritt in Agadez aus dem selben Jahr schneidet ein Mitarbeiter von Sublime Frequencies mit. Die Veröffentlichung von "Guitars From Agadez, Vol. 2" zögert sich jedoch bis 2009 hinaus.

Neue Unruhen der Tuareg erschüttern 2007 Niger. Dies zieht harte und wahllose Gegenmaßnahmen der Regierung nach sich. Zuerst schlägt sich Bombino auf die Seite der Rebellen. Nach dem Tot zweier Mitmusikern zieht er sich ins Exil nach Burkina Faso zurück.

Nachdem der Filmproduzent Ron Wyman auf einer Tour durch Agadez ein Tape von Bombino hört, macht er sich auf die langwierige und beschwerliche Suche nach dem Musiker. Kaum hat er ihn gefunden, nimmt er ihn in seinem Dokumetarfilm "Agadez, The Music And The Rebellion" auf. Dieser Auftritt macht den Gitarristen und Sänger endgültig über die Grenzen seiner Heimat bekannt und ermöglicht ihm die Arbeit an seinem weltweit beachtetem Album "Agadez" in den Vereinigten Staaten.

Um das Ende des Konflikts und die Rückkehr in seine Heimat im Jahr 2010 zu feiern, organisiert er mit Segen des Sultans ein Konzert vor der großen Moschee in Agadez. Bombino spielt mit seiner Band vor tausenden von Menschen. Gemeinsam tanzen sie, feiern das Ende der blutigen Fehde.

Zwischenzeitig, im weit entfernten Amerika, empfiehlt ein guter Freund dem Black Keys-Gitarristen und Sänger Dan Auerbach die Aufnahmen von Bombino. Sofort Feuer und Flamme, nimmt Auerbach den Nigrer unter seine Fittiche. Als Produzent zeigt er sich für die Aufnahmen von "Nomad" im Jahr 2013 verantwortlich, führt den afrikanischen Musiker zum amerikanischen Record-Label Nonesuch Records.

Bombinos Stil bricht mit der Vergangenheit, hinterlässt aber keine brennenden Brücken. "Ich habe großen Respekt vor den älteren Generationen", stellt der Sänger fest. "Ich bin ein großer Fan von Ibrahim Ag Alhabib der Band Tinariwien und baue all meine Stücke auf alten Tuareg-Rythmen auf. Dem Puls der Wüste. Aber wir können nicht immer weiter so tun, als hätten wir 1963, das Jahr des ersten Tuareg-Aufstands. Auch 1990 liegt weit zurück. Meine Musik trägt ebenso den Sound der Stadt in sich. Aber darunter findet sich immer die offene Wüste wieder. Wenn man seine Anfänge vergisst, wird man zu einem Baum ohne Wurzeln. Instabil."

Alben

Bombino - Nomad: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2013 Nomad

Kritik von Sven Kabelitz

Der wahre Held im Hirsefeld. (0 Kommentare)

Surftipps

Noch keine Kommentare