Porträt

laut.de-Biographie

Ben Kweller

Musikalische Wunderkinder sind meistens kleine Japanerinnen, die von den vielen Schlägen schon wunde Finger haben und kaum über die Tasten ihres sündhaft teuren Flügels schauen können. Der Texaner Ben Kweller ist das Wunderkind des Indie-Rock – hat mit dämlichen Musikschulwettbewerben aber nichts am Hut. Er ist einfach nur ein verdammt guter Songwriter, der in fantastischer Weise Weezer, die Lemonheads und so ziemlich jede amerikanische Indie-Band der Achtziger vereint und dabei noch so frisch klingt, dass man nicht mal darüber nachdenkt, die alten Scheiben wieder rauszuholen.

Seit frühester Kindheit spielt der junge Vorzeige-Slacker ohne Frisur bereits Klavier und Gitarre. Die schlichte Erkenntnis, dass eine andere Kombination der Akkorde eines eben gelernten Songs etwas völlig Neues ergeben, begeistert ihn so stark, dass er mit acht Jahren anfängt, eigene Stücke zu schreiben. Ein Jahr später gewinnt sein Demo beim Songwriting-Contest des Billboard Magazins, und Kweller gründet in den folgenden Junior High School Jahren drei Bands (Green Eggs & Ham, Mirage und Foxglove), die in den lokalen Clubs seiner Heimatstadt Greenville, Texas zu frühen Zeiten auftreten.

1993 gründet Kweller im Alter von dreizehn Jahren mit zwei Schulfreunden eine neue Band namens Radish. Schnell machen sie mit ihrem niedlichen Post-Grunge auch im nahegelegenen Dallas ihre Runden und veröffentlichen ein Jahr später eine kleine EP und das Album "Dizzy" über Practice Amp Records. Bei Teenager-Groups kriegen die Majors natürlich schnell helle Ohren, und so unterschreiben Kweller und seine Kumpels mit fünfzehn einen dicken Vertrag bei Mercury, die Radish als die neuen Silverchair etablieren wollen. Das gelingt nicht ganz. Ein Uk Top 40-Hit und Reisen durch die Welt sind mit dem Album "Restraining Bolt"(1997) zwar drin, aber der Durchbruch gelingt bis zum Split der Band 1999 nicht.

Daraufhin zieht Ben, inzwischen ganze zwanzig, nach Brooklyn, besinnt sich auf sich selbst und auf seinen neuen Leitsatz: "Keep it simple". In seinem Appartement kehrt er zurück ans Piano und schustert neue Songs, mit viel Witz, Naivität und viel Melancholie. "Freak Out It's Ben Kweller" heißt seine erste selbst releaste EP, und tatsächlich dreht die damals noch recht überschaubare New York Anti-Folk-Szene komplett durch und gibt dem Jungen aus Texas ein neues zu Hause.

Nach Support Gigs für Juliana Hatfield, Kristin Hersh, die Moldy Peaches oder Evan Dando – natürlich eines seiner größten Idole – unterschreibt er 2001 einen Plattenvertrag und veröffentlicht eine zweite EP ("Phone Home"). Sein im selben Jahr folgendes Solo-Debüt "Sha Sha" wickelt jeden, der auf simplen Indie-Rock der Früh-Neunziger steht, mühelos um den Finger. Es folgt eine Support-Tour für die Strokes und eine dreifach Ben-Tour (Kweller, Ben Lee und Ben Folds) durch Australien.

Nach und nach etabliert sich Kweller in der internationalen Indie-Szene. Mit seinem Kumpel Adam Green wird er von allen Seiten schnell zur neuen Indie-Hoffnung ernannt und unterstreicht diesen Status mit seinem zweiten Album "On My Way" ein weiteres Mal. Darauf klingt Kweller zwar etwas leiser, doch auch wenn er eher auf 60ies-Folk-Nummern im Lo-fi-Pop-Gewand schielt als auf Schrammel-Indie, bricht er mit seinen weichen Melodien aber immer noch jedes Herz.

Zwei Jahre später ist Ben Kweller mit Liz verheiratet, der er schon auf den vorherigen Alben Songs widmete. Auch hat er sein Label gewechselt: Er veröffentlicht jetzt für das Sony Spin-Off Red Ink und kommt 2006 endlich auch auf Deutschland-Tour. Mit dabei hat er sein selbstbetiteltes Album "Ben Kweller", auf dem er über merkwürdige Begegnungen mit alten Schulkumpels sinniert und sonst immer noch kindlich-naiv und unbekümmert klingt. Das Cover spricht für den Sound.

Da man im Leben viel Abwechslung braucht, zieht Ben 2008 von New York zurück in seine Heimat Texas. Dieser Rückkehr widmet er ein ganzes Album: "Changing Horses" ist eine Hommage an seine musikalischen Wurzeln, die einmal mehr zeigt, dass Kweller sein Indie-Wunderkind-Image nie besonders interessiert hat.

Alben

Ben Kweller - Ben Kweller: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2006 Ben Kweller

Kritik von Vicky Butscher

Mit dem Pixies-Produzenten ging die Unbekümmertheit. (0 Kommentare)

Ben Kweller - Sha Sha: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2002 Sha Sha

Kritik von Stefan Friedrich

Wird dieses Bübchen zum neuen Heiligen des Indie-Rock? (0 Kommentare)

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