Porträt

laut.de-Biographie

A Camp

Liebe, Entfremdung und typisch schwedische Melancholie – die ganz große Gefühlspalette ist für Nina Persson schon seit jeher eine Herzensangelegenheit und dient ihr als unerschöpfliche Inspirationsquelle. Die Pop-Prinzessin aus Jönköping gilt in ihrer Heimat noch immer als berühmteste Sängerin nach den ABBA-Sirenen Agnetha und Frida.

Obwohl die hauptberufliche Frontdame der Cardigans die Indie-Pop Welt konstant mit unwiderstehlichen Hitsingles à la "Lovefool",
"My Favourite Game" und "For What It's Worth" bereichert, ist Nina im Kreis ihrer Band noch lange nicht ausgelastet.

Als sich die Cardigans 1999 nach einer monströsen Welttournee zu ihrem Durchbruchsalbum "Gran Turismo" restlos ausgebrannt fühlen, herrscht aufgrund interner Spannungen innerhalb der Band lange Zeit Funkstille und – zur Besorgnis vieler Fans - auch Unklarheit, ob es mit dem Quintett überhaupt weitergeht.

Nina nutzt diese Auszeit, um ihre jahrelang ausgereiften Pläne für ein Soloalbum in die Tat umzusetzen. Die Idee für das Projekt A Camp kommt ihr bereits 1997 in einer schwedischen Bar, als sie und der befreundete Musiker Niclas Frisk bei einigen Gläsern Wein erstaunliche Gemeinsamkeiten bezüglich ihrer Plattensammlungen bemerken. Da beide ein Faible für Neil Young und Dolly Parton teilen, beschließen sie, gemeinsam mit Ninas Ehemann Nathan Larson (Ex-Shudder To Think), Mark Linkous von Ninas Lieblingsband Sparklehorse und Ex-Guided By Voices-Drummer Kevin March ein Country-Album aufzunehmen.

Das selbstbetitelte Resultat erscheint 2001 und lediglich Ninas markante Stimme und ihr untrügliches Gespür für griffige Melodien erinnern an die bisherigen Großtaten der Cardigans. Ansonsten lebt das Album von einem erdigen Vibe und hebt sich mit Folk- und Americana-Anleihen deutlich vom hallschwangeren Glamour-Pop der "Gran Turismo"-Phase ab.

Von Ninas Ausflügen in klassische Singer-Songwriter-Gefilde profitieren 2003 auch die Cardigans, denen mit "Long Gone Before Daylight" ein organisches Comeback gelingt. Dass A Camp Ninas Hauptband auch langfristig inspiriert und beflügelt, ist auch "Super Extra Gravity" deutlich anzuhören, auf dem die Cardigans ihren rustikalen Weg konsequent fortsetzen.

Acht Jahre nach dem Debüt wagt Nina 2009 einen weiteren Seitensprung. Für das deutlich poppigere "Colonia" lässt sie sich hauptsächlich von Kölnisch Wasser (Titel), "Sechziger Girl-Pop, Achtziger-Punk und David Bowie" inspirieren. Neben ihrem Gatten, Mark Linkous und Kevin March sorgt diesmal auch Ex-Smashing Pumpkins und A Perfect Circle-Gitarrist James Iha für namhaften musikalischen Beistand. In lyrischen Fragen hält Persson Morrissey für die unangefochtene Nummer Eins in der Popwelt. "Ich liebe ihn noch immer! Aufgrund seiner sexuellen Anspielungen und seiner Ambivalenz übt er eine unglaubliche Anziehungskraft aus."

Dass ihre oftmals ironisch gefärbten Texte nicht selten um zwischenmenschliche Belange jenseits der Gürtellinie kreisen, kommt also nicht von ungefähr. "Natürlich kann man Songs über Gott, Tod und Religion schreiben", findet Nina. "Aber die Liebe ist noch immer das inspirierendste und geheimnisvollste Phänomen, das es gibt – sowohl in sexuellen, als auch in geistigen Belangen. Sie ist eine ernorme, treibende Kraft für die Kunst und beeinflusst wichtige Entscheidungen, die wir im Leben treffen."

Alben

A Camp - Colonia: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2009 Colonia

Kritik von Thomas Klaus

Bittersüßes zwischen ABBA, Beatles und 60s-Girlpop. (0 Kommentare)

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