Porträt

laut.de-Biographie

Julia Michaels

"Ihr kennt mich als Sängerin. Doch ich bin auch: Songschreiberin", eröffnet Julia ihre Konzerte. Etliche Popstars interpretierten jahrelang Songs von Julia Michaels, bis diese selbst ans Mikrofon trat. Trägt Selena Gomez "Slow Down" oder "Hands To Myself" vor, flossen diese Titel aus Julias Feder. Landet Justin Bieber mit "Sorry" einen Hit, steckt Julia als Autorin dahinter. Die Fifth Harmony nahm "Miss Movin' On" und "All In My Head (Flex)", Britney Spears "Slumber Party" von ihr auf.

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Selena Gomez beschreibt ihre Kollegin Julia als "Soul Mate", Seelenverwandte. Der gemeinsame Song "Anxiety" der beiden handelt von Ängsten, wie Selena sie somatopsychisch empfindet. Denn Gomez hat eine chronische Erkrankung, derentwegen sie sich "mit Angst auskenne". Daher bedeute ihr der Song besonders viel.

"Die besten Songs sind die ehrlichen", meint Julia Michaels selbst dazu im US-Fernsehen: "Wenn du jemanden, den du nicht kennst, dazu bringst, dass er mit dir connected ist, kannst du diesen Menschen dazu bringen, sich mit einer Menge Leuten zu verbinden." Akkorde sind die Grundlage für alles. Auch wenn Julia selten die Melodien komponiert, muss sie Akkordfolgen hören, die sie selbst berühren, um sich zu trauen zu texten und zu singen.

Ihre Lyrics zeichnen sich durch Eleganz und Wortwitz aus, sind selten metaphorisch und meistens recht direkt. Das Magische daran scheint die Kombination aus einfach und messerscharf zu sein, ohne etwas allzu Festgenageltes auszudrücken: "Before I'm too invested / Don't make your words selective / No no no no no no, if you're gonna do it / Then, baby, just do it / Don't let me down gently / Baby, at least it would be better than this". Also übersetzt: "Bevor ich zu viele Gefühle in dich 'investiere', rede mit deinen Worte nicht so um die Sache herum / Wenn du's machen willst, tue es / aber lass mich nicht mit Freundlichkeit im Ungewissen / Es wäre zumindest besser als das hier jetzt."

Julia Michaels kommt als Julia Carin Cavazos am 13. November 1993 im US-Staat Iowa zur Welt. Der Namenswechsel zu Julia Michaels geht auf ihren Vater zurück. Der Halbmexikaner/-Puertorikaner versuchte in den USA Angebote als Schauspieler zu bekommen und wollte hierfür mit einem englischen Namen seine Chancen erhöhen.

Über ihre eigene Bedeutung als Latina sagt sie einem US-Latina-Blog, mit Demi Lovato, Selena Gomez, Camila Cabello oder Fifth Harmony seien Frauen mittelamerikanischen Hintergrunds in den Mittelpunkt gerückt: "Gerade jetzt kommt es darauf an, besonders in diesem 'neuen' Amerika. Es ist gut, Diversität zu sehen. Darin besteht ein wirklicher kultureller Gewinn. Glücklicherweise arbeite ich in einer sehr divers zusammengesetzten Umgebung von Songwritern und Künstlern. Aber auch wenn ich nie Einseitigkeit erlebt habe, passiert es natürlich, dass ich die einzige Latino-Frau bin, die einen Raum betritt – nicht nur in Bezug auf 'Latin', sondern auch in Bezug auf 'Frau'. Und für gewöhnlich bin ich in der Aufgabe als Songschreiberin die einzige Person im Raum mit Latino-Ursprung. So gesehen sind Leute wie ich rar."

Digital erscheinen mit "Julia Michaels" und "Futuristic" zwei EPs in MP3-Format als sie 16, später 18 ist. Für diese Aufnahmen arbeitet sie mit einer Frau, der einflussreichen Songschreiberin Joleen Belle, zusammen. Ihr Durchbruch gelingt Julia mit einem Soundtrack-Song zur Disney-Sitcom "Austin & Ally", der eine Zeitlang im Vorspann läuft: "Can't Do It Without You".

Ihre Aufgeregtheit lässt sich Julia Michaels bei ihren ersten Konzerten lange anmerken. Etwa Ende 2017 beim "Full Live Set from #VevoHalloween 2017" spürt man, dass ihre Stimme bei den Ansagen zittert und sie ab und an nervös lacht. Julias erster offizieller Release mit großem Vertrieb ist die EP "Inner Monologue Part 1" bei Republic/Universal Anfang 2019.

Zu dieser Zeit finden sich ihre Credits längst in Rita Oras "Poison", auf "Barbies" bei P!nk, ebenso bei Linkin Park feat. Kiaara in "Heavy". Letzteren Song verfasst sie gemeinsam mit den Bandmitgliedern.

Nach dem Tod des Linkin Park-Sängers Chester Bennington sorgt sie für Schlagzeilen, weil sie auf der Trauerfeier ausgelassen tanzt. Sie rechtfertigt sich: "Ich weigerte mich, dort trübselig und starr aufzutreten - bei jemandem, der charakterlich überhaupt nicht zu sowas neigte. Ich war dort um seine Musik und seine Kunst zu feiern (...) und wessen Leben er verändert hat. Und eben nicht um ihn zu betrauern.", erklärt sie, und fügt über das negative Echo der Boulevard-Presse hinzu: "Leute können so unnötig bösartig sein."

Julia Michaels fühlt sich missverstanden, und entdeckt die Nachteile des Rampenlichts. In Bezug auf solche öffentlichen Missverständnisse und auch musikalisch eröffnen sich Parallelen zu Lena Meyer-Landrut, die sich im Interview als Julias Fan erklärt. Ähnlich wie Lena lotet Julia Michaels das Spielfeld zwischen akustischem Pop und Dance-Kontext aus. Es existieren Remixes für den Dancefloor, so der "Issues (Alan Walker Remix)" oder Songs, die gleich als Dance-Pop gestaltet sind, z.B. "Jump", mit Trippie Redd, wobei darin ruhiger Chill Out-Sound anklingt.

Andererseits achtet Julia bei Konzerten auf ein anderes Image. Ihre Bühnenpräsentation umfasst tatsächliche Instrumente, Unplugged-Momente und rockige Elemente. Dabei überrascht nicht nur ein echtes Schlagzeug, das von manch künstlich klingenden Song-Abmischungen abweicht.

Dass sie mit 80er Disco-Musik eine gute Liaison eingeht und mutmaßlich in die Synthie-Ära gut gepasst hätte, zeigt sich auf "Just Do It". Als Autorin schafft sie den Spagat, so unterschiedliche Leuten wie Ed Sheerans und Janelle Monaés zu versorgen. Zu Sheerans "Dive" steuert Julia Teile des Textes bei. An "Make Me Feel" auf Janelles "Dirty Computer" wirkt sie als Co-Autorin mit.

Dass es sich gänzlich anderes anfühlt, selbst Musik herauszubringen, formuliert sie bei MTV so: "Musik zu veröffentlichen ist die aufregendste Sache der Welt. Man will, dass es den anderen Menschen genauso viel bedeutet, wie dir selbst. Aber man weiß nie, wie die anderen es annehmen werden."

Mit "Issues" von der EP "Nervous System" gelingt ihr auf jeden Fall ein Hit und der wichtigste Schritt auf dem Weg zur 20 Millionen-Monthly-Streams-Marke auf Spotify. Der Song handelt davon, nahestehende Menschen zu werten, sie zu beurteilen. Diamantscharfe Killer-Zeilen funkeln aber auch in anderen Tracks. Etwa in "Heaven", zu finden auf dem "Fifty Shades Of Grey"-Soundtrack zur dritten Staffel. Darin singt Julia wortspielerisch: "They say / All good boys go to heaven / Bad boys bring heaven to you / It's automatic / It's just what they do / Nothing prepare's for that."

Zu Julias Art gehört die augenzwinkernde Ironie, so auch in "Pink": "He's got a thing for fitness, seven days a week / But I don't really care unless he's working out with me / He's got a thing for flowers, but only certain kinds / And by certain kinds, I mean, only if it's mine." Der Songeinstieg handelt von einem jungen Mann, der täglich ins Fitnessstudio geht. Bereits die erste Zeile springt sofort und unvermittelt ins Ohr. Julia mag es auf den Punkt zu kommen und körperbezogene Aussagen zu treffen.

Zudem mag sie es verspielt. In "Pink" flüstert sie Passagen des Textes. "Uh Huh" beschreibt höchst poetisch, mit Wörtern wie "electric", "pathetic", "symmetric" und "phonetic" die Verschmustheit des Frischverliebtseins. Adjektive mit lateinischem und griechischem Ursprung tauchen für einen Mainstream-Pop-Act erstaunlich oft in ihren Lieder auf.

Trotz ihrer Ausflüge in die High Society in jungem Alter wirkt Julia Michaels down-to-earth, schüchtern und relativ authentisch. Während sie dabei ist, sich als Live-Performerin erst einmal zu etablieren, führt eine kleine Tour sie im Herbst 2019 in vier deutsche Großstädte und nach Zürich. Angesichts ihrer unterhaltsamen Konzertgestaltung und ihres stimmlichen Talents dürfte die humorvolle Amerikanerin dabei viele neue Fans gewinnen.

Alben

Termine

So 22.09.2019 Köln (Live Music Hall)
Di 24.09.2019 Hamburg (Docks)
Sa 28.09.2019 Berlin (Kesselhaus)
So 29.09.2019 München (Backstage)
Mo 30.09.2019 Zürich (Kaufleuten)

Surftipps

  • Offizielle Seite

    Die Basics.

    http://www.juliamichaelsofficial.com/
  • Soundcloud-Profil

    Wessen Musik folgt Julia? Soundcloud.

    https://soundcloud.com/juliamichaelsofficial
  • Insta-Account

    Um alle Tattoos von Julia zu sehen, die man nicht hören kann: Instagram.

    https://www.instagram.com/juliamichaels/?hl=de

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