Porträt

laut.de-Biographie

Asche

"Das Empire wächst, Kollegah signt die Straße. Setz' das ganze Land in Brand, Mann, was bleibt, ist Asche." Standesgemäß führt Kollegah im ausgehenden Jahr 2018 einen bis dahin noch weitgehend unbekannten Rapper in die höfische Gesellschaft ein. Asche soll sich mit "Macht" an der Seite von den Mittelgewichten Seyed, Gent und Jigzaw etablieren. "Gut rappen kann jeder heutzutage", führt der Berufene gegenüber TV Strassensound ambitioniert aus, "es geht nicht darum, irgendein Rapper zu sein, sondern es geht darum, der Rapper zu sein, etwas Besonderes zu sein."

Asche wird 1989 in Grosny geboren, der Hauptstadt der autonomen Republik Tschetschenien im Nordkaukasus. 1995 erfolgt die Flucht aus der konfliktbeladenen Region in das Ruhrgebiet. "Das ist für mich Heimat. Für mich persönlich ist das der Ort, wo ich hingehöre", schwärmt er von Bochum und verabschiedet sich zugleich von einer gerade im Rap noch immer alltäglichen Marotte: "Es gibt viele Leute, die sind stolz darauf, eine bestimmte Nationalität zu haben oder dort geboren zu sein. Du kannst dir aber nicht aussuchen, wo du geboren wirst. Es ist von dir selbst keine erbrachte Leistung."

Anfang der 2000er hört er in einem Jugendzentrum "Forgot About Dre" aus Dr. Dres zweitem Album "2001". Er zeigt sich begeistert und versucht, Eminem zu imitieren. Zunehmend fuchst er sich in die Technik ein. Tupac Shakur, "die Stimme der Straße", kommt als weitere Inspiration hinzu: "Dieser Hype um Tupac auch nach seinem Tod ist nicht umsonst. Dieser Mensch war nicht nur ein Rapper, sondern allgemein eine Figur, die für etwas stand." "Junge Aus Dem Viertel" markiert im September 2015 sein erstes Musikvideo. Es folgen "Hier In Meiner Gegend" und "Draußen Auf Der Straße".

Das dazugehörige Debüt erscheint unter dem Titel "Barcodes". Asche gibt sich keinen Illusionen hin: "Egal, wo du hingehst oder was du machst. Die Jungs, die auf der Straße sind, die sind da, um Geld zu verdienen. So gesehen ist 'Barcodes' ein Synonym dafür, dass es um Geld geht. Es geht nur um Geld." 2018 folgt das Album "Pandemonium", das über Major Movez erscheint. SadiQ, Sami, Zemine und Estecado treten mit Gastparts auf. Asche selbst wiederum besucht Jasko auf seinem Album "Fiasko" und schließlich auch Kollegah im einleitend erwähnten Song aus "Monument".

"Ich bin sehr stolz unseren Bruder in unseren Reihen begrüßen zu dürfen", stellt Kollegah betont höflich im Gespräch mit Hiphop.de Asche als Neuzugang vor. Weitaus weniger taktvoll tritt der selbsternannte Boss einige Monate später im viel beachteten, oft parodierten Statement-Video "Alles auf Null" auf. Während der Bochumer wie bei einer Geiselnahme verunsichert im Hintergrund steht, preist sein Chef lautstark dessen Leistung im "Oktagon" an. Alpha Music Empire gerät im Folgenden zusehends in Turbulenzen, aus denen Asche als Last Man Standing hervorgeht.

Gemeinsam mit Kollegah entstehen die Single "Bullets" sowie gleich drei breitbeinige Songs für "Alphagene II". Asche sieht sich dabei als Gegengift zu einer soften Szene. "Hart, direkt, düster" müssen die entscheidenden Attribute des Rap sein. Kayef und Liont seien dagegen "unmännlicher Scheiß". Selbst Raufbold Bass Sultan Hengzt verkörpere für ihn die "Entwicklung vom Hetero zum Schwulen". Ohnehin steht er für klare Geschlechterrollen ein: "Jungs, werdet wieder Männer. Tragt keine Leggins oder Skinny Jeans. Mädchen, rudert ein bisschen zurück, werdet wieder femininer."

Wie sich Asche gelebte Männlichkeit vorstellt, zeigt er im Sommer 2020 mit dem Musikvideo zu "Stress", in dem er mit seiner durchtrainierten Clique oben ohne auf Schrott- und Spielplätzen posiert. Weitere Aufmerksamkeit generiert er durch seine Beteiligung an "No Limit" von Freshmaker und an der Seite von Fard auf "Sinaloa". Der Rapper sieht sich auf einem guten Weg. Mit ihm kehre die Realität, Härte und Authentizität zurück. Damit sei Rap wieder "da wo Rap hingehört, da wo Rap eigentlich hingehören sollte".

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