Porträt

laut.de-Biographie

Jigzaw

Vorbestraft, "Asyltrickser", abschiebepflichtig, von der Polizei gesucht, ein selbsternannter Gangstarapper – so und so ähnlich lauten 2017 die Schlagzeilen zu Nuhsan Coskun alias Jigzaw. Die Boulevardmedien stürzen sich mit Wonne auf den Hagener Emporkömmling, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren mit atemlosem Vortrag und brutalen Lines über Drogen, Gewalt und Hass auf die Gesellschaft von sich reden macht.

Jigzaw: Nach Macheten-Angriff droht die Abschiebung
Jigzaw Nach Macheten-Angriff droht die Abschiebung
Kollegahs Schützling muss Deutschland verlassen. Sein Asylantrag wurde endgültig abgelehnt.
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Als Jigzaw nach monatelanger Flucht, die er für höhnische Trackbeiträge auf YouTube zu nutzen weiß, im November 2017 doch den Behörden in die Fänge geht, verurteilt ihn das Amtsgericht im westfälischen Hagen zu dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug. Grund: Coskun soll im Alter von 23 Jahren einen Mann vor einem Wettbüro mit einer Machete attackiert haben. Die Anklage lautet somit auf gefährliche Körperverletzung. Jigzaw erklärt wiederum, er habe sich lediglich gegen einen Angriff verteidigt. Der türkischstämmige Rapper legt Berufung gegen das Urteil ein.

Unterdessen ist Alpha Music Empire-Labelboss und Gangsta-Bossrapper Kollegah auf ihn aufmerksam geworden. Für eine Kaution von 40.000 Euro holt er ihn im Juni 2018 medienwirksam aus der Haftanstalt ab. Vor laufenden Fernsehkameras und johlenden Fans vorm Gerichtsgebäude überreicht Kollegah die Kaution, die er selbstverständlich "aus der Portokasse" zahlt, und fährt Coskun umgehend ins Tonstudio. Die Unterschrift unter den Plattenvertrag folgt.

Viel Pose also, und als Teil der Marketingmasche "G wie Gangstarapper" leicht zu dechiffrieren. Bei etwa 40 Vorstrafen wegen Diebstahl, Drogendelikten und Gewalt scheint die Selbststilisierung zum typischen Rapmärtyrer in manchen Kreisen bedauerlicherweise irgendwann recht naheliegend. Dass Jigzaw ungeachtet des medialen und justiziellen Drumherums durchaus ein fähiger MC ist, bleibt dabei allerdings unbestritten.

Der Rapper, dem seine Männlichkeit und Ehr- und Stolzbegriffe nicht nur in den Lyrics stets über geltendes Recht zu gehen scheinen ("Ich hab gesagt, ich bring' Hagen nach oben / Doch für die Ehre meiner Schwester gingen Jahre verloren"), nutzt die Zeit bis zur Neuverhandlung seines Falls, um sein Debütalbum "Post Mortem" bei Alpha Music Empire fertigzustellen. Dann heißt es für Jigzaw: "Rasieren" und "ficken" oder endgültig verurteilt und abgeschoben werden.

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