Porträt

laut.de-Biographie

eloQuent

"Ich bin ein Parasit, ein sonderbarer Fremdkörper, der nur schräge Blicke erntet, wenn er sein Talent fördert. Ich bin ein Pendler zwischen dieser und jener Welt. Ein Querdenker, der Verrückte, der sich für Jesus hält, der Geächtete, Ketzer, das kleinere Übel, aber manchmal wachsen auch der größten Scheiße noch Flügel."

eloQuent ist wahrlich kein Rapper der leichten Muse. Vielmehr bewegt sich der textaffine Wiesbadener in seinem konstant hohen Output irgendwo zwischen Stieber Twins und Huss & Hodn.

"Und die anderen Individuen, sie brauchen halt Bestätigung. Ich brauch' 'n guten Beat und eine Aufenthaltsgenehmigung." Ähnlich wie im Falle einiger Genre-Kollegen sind auch eloQuents Eltern aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Ein Umstand, der ihn besonders gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen wie dem AfD-Aufstieg sensibilisiert. Dennoch vermeidet eloQuent explizit politischen Rap: "Egal, was du machst, es sollte so wirken, als würdest du es 'easy' machen. Sobald das zu politisch aufgeladen ist, wird es hölzern und krampfhaft."

"Ich mach es 9 to 5. Du betreibst diesen Rap-Scheiß nebenbei." 2007 erscheint sein Debüt "Traumhaft". In Eigenregie veröffentlicht er eine ganze Reihe an Alben und EPs, bis HHV.de ab 2013 eloQuents zungenfertige Publikationen unter die Kopfnicker bringt. Für Aufmerksamkeit sorgen dabei etwa das Soloalbum "Absolution Vodka" sowie das Kollaboprojekt "Skizzen In Blau" mit I.L.L. Will.

Da ein einziges Label kaum im Stande ist, die Schaffenslust des Hessen zu handhaben, vereinbart zusätzlich das Label Sichtexot um Loki, Tufu und Luk&Fil die Zusammenarbeit mit eloQuent. Vor allem die gemeinsamen Alben mit Wun Two ("Jazz Auf Gleich"), Hulk Hodn ("Mit Kanonen Auf Spatzen Schießen") und Twit One ("Folie à Deux") finden positiven Anklang. Wie die Musik des Rappers sind auch seine präferierten Tonträger ein wenig aus der Zeit gefallen. In der Regel erscheinen seine Alben auf Vinyl, in Ausnahmefällen als MC. Der Download-Link wird dann eher pflichtschuldig beigefügt.

"Bitte frag' mich nicht, warum ich Beats mag. Ich glaub' es liegt an Premo, Q-Tip, Dilla und Pete Rock." Musikalisch sorgen trockene Produktionen ohne Schnick-Schnack dafür, dass nichts von eloQuents wortgewandtem Vortrag ablenkt. In ausgefallenen Ausnahmefällen ergänzt ein einsames Saxophon den reduzierten Beat um eine jazzige Atmosphäre ("Jazz Auf Gleich"). Im Grunde unnötig zu erwähnen, dass der Rapper keine hohe Meinung von Auto-Tune, Trap und Cloud-Rap à la LGoony hat.

eloQuent trägt seine Anti-alles-Attitude vor sich her. So missbilligt er nicht nur die Charts dominierenden Produktionen, sondern praktisch alles Auswüchse, die den heutigen Rap wahlweise interessant oder unerträglich machen: Promophasen und Purple drank, Familienehre und Frauenverachtung, Bling-Bling-Fetisch und die Bushido-Biografie. Er bewegt sich geistig schlicht und einfach in anderen Sphären.

"Der Shit ist so dope, ich bring' Literaten zum Kopfnicken." eloQuents Strophen sprühen vor literarischen Querverweisen. Von Charles Dickens bis Ernest Hemingway, von Franz Kafka bis Johann Wolfgang von Goethe räumt er der kulturellen Elite Platz ein. Aber auch andere Kunstformen finden ihren Weg in das Werk des Rappers. Sei es der französische Filmklassiker "Fahrstuhl zum Schafott" oder die dramatische wie schwarzhumorige Serie "Breaking Bad", die schon mal für Sprachsamples herhält.

Trotz seiner arbeitswütigen Einstellung reichen die Einnahmen aus der Musik nicht aus, um ein Leben davon zu bestreiten: "Ich zehre von der Musik und ab und zu, wenn ich 'ne Platte rausbringe, kriege ich 'n bisschen Geld. Dann geht es mir 'ne Zeitlang 'n bisschen besser als vorher." Bei derartigem Fleiß sollte das dauerhafte Wohlbefinden über kurz oder lang in Sichtweite rücken.

Alben

Surftipps