Porträt

laut.de-Biographie

Woven Hand

Woven Hand sind ein 2001 gegründetes US-Projekt von David Eugene Edwards, dem ehemaligen Kopf der aufgelösten Alternative-Country Band 16 Horsepower. Musikalisch folgen Woven Hand den Pfaden der Vorgängercombo, gehen aber zugleich über die Country/Americana-Schublade hinaus. Country, Blues und Bluegrass bilden lediglich das Fundament fast jeden Tracks. Edwards vermischt diese Rootsmusik jedoch stets mit einer großen Portion New Wave-Rock und Gothic. Er verbindet die entlegene Welt von Joy Division und Bauhaus mit dem musikalischen Kosmos von Woody Guthrie, Hank Williams und Creedence Clearwater Revival.

Wovenhand - Star Treatment
Wovenhand Star Treatment
Eine Bergpredigt im Gitarreninferno.
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Die Texte behandeln überwiegend biblische Themen. Im Zentrum steht meist der Mensch in seiner Suche nach oder Abkehr von Gott. Erzählungen von apokalyptischer Verdammnis und der erlösenden Gnade Gottes halten sich die Waage. Zwischendurch setzt es Short Storys von legendären amerikanischen Outlaws, Rebellen und Renegaten. Edwards selbst sieht darin übrigens keinen thematischen Widerspruch.

"Jeder lebt nach seinen eigenen Regeln und folgt seinem eigenen Weg. Jemand, der nur nach seinen eigenen Regeln lebt - das ist in den Augen der meisten ein Outlaw. Da ist es fast irrelevant, ob jemand von den Reichen nahm, um das Erbeutete den Armen zu geben - oder ob einer als Einsiedler nach dem Sinn des Lebens sucht. Aber wir erinnern uns an diese Menschen, weil es Lieder über sie gibt."

Eingerahmt und zusammengehalten wird das aussergewöhnliche Gebräu von Edwards' charismatischer Stimme und seinem teilweise manischen Gesang. Beschwörend wie ein wahnsinniger Wanderprediger und mit der flackernden Energie eines Schamanen hämmert und heult und schreit der Sänger seinem Publikum den Weltenuntergang um die Ohren.

In den Anfangstagen bezeichnet Edwards Woven Hand nicht als Band, sondern als Soloprojekt mit wechselnden Gastmusikern. Mittlerweile ist Woven Hand jedoch längst zu einem Act im eigentlichen Sinne zusammengewachsen. Stammmitglieder sind Ordy Garrison (Drums)und Pascal Humbert (Bass) sowie der Belgier Peter van Laerhoven (Gitarre).

In schöner Regelmäßigkeit begeht man den Zyklus Tour/CD/Tour/CD. Das rastlose Leben unterwegs bedeutet für Eugene Edwards Inspiration und Lebensphilosophie. "Ich selbst verspüre dieses Gefühl der Heimatlosigkeit in mir. Nirgendwo auf dieser Erde ist mein Zuhause. Das ist zugleich eines der zentralen Themen der Bibel: Wir sind alle Fremde auf dieser Welt, unsere Heimat ist nicht hier, sondern im Himmel - auf der Erde sind wir obdachlos. Wo immer ich gerade bin, ist mein Haus."

Ab 2012 reißt Edwards das musikalische Ruder radikal herum. Er will fort von den filigranen Platten a la "Mosaic" etc. Mehr Power, mehr Rock, mehr Inferno! Das ist von nun an die Devise. Keine leichte Umstellung für altgediente Fans. Die Qualität von Wovenhands thematisch wie musikalisch lose zusammenhängender Trilogie "The Laughing Stalk"/"Refractory Obdurate"/"Star Treatment" ist jedoch durchschlagend. Am Ende behält er die alten Freunde und gewinnt zahlreiche neue Anhänger hinzu.

Für Edwards, der sich mittlerweile selbst fast ausschließlich nur noch DEE nennt, folgt die Entwicklung einer inneren Logik. Beeinflusst von rohen Indie-Legenden wie Crime And The City Solution pusht er Sound und Dynamik in deren Richtung, geht dabei jedoch deutlich weiter als die Australier. Zwischendurch steigt er bei ihnen sogar als Teilzeitmitglied ein und spielt auf deren "American Twilight" eine bedeutende Rolle.

DEES Texte entwickeln sich parallel mittlerweile zum spirituellen Gesamtkunstwerk. Von Platte zu Platte klingen die Zeilen komplexer, philosophischer und - kaum zu glauben - sogar noch ringender als ehedem. Die Zeiten, in denen die Lyrics Wovenhands als Aufreger fungierten, sind auch medial endlich Geschichte. Edwards wird kaum noch als fundamentalistischer Bible Belt-Missionar missverstanden.

Er stellt lediglich seine rein individuelle Sicht zur Schau. Ob man ihm oder seinem Gott zuhören oder gar folgen mag, interessiert ihn dabei nicht die Bohne. Auch die weltweiten politischen und ökonomischen Krisen und Kriege können sein urchristliches Weltbild nicht erschüttern. Auf die Frage, ob all dieses Unheil nicht Beweis für die Nichtexistenz oder Abwesenheit Gottes sei, antwortet er lakonisch: "Nein, das sind nur die Gründe, warum ich meinem Gott vertraue und nicht den Menschen."

Alben

Surftipps

  • Woven Hand

    Offizielle Homepage.

    http://www.wovenhand.com
  • TAZ

    ausführliches Interview mit D.E.Edwards.

    http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2004/12/17/a0195

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