Porträt

laut.de-Biographie

Union Youth

Was macht eine Band, die von Ober-Keks Fred Durst einen Plattenvertrag angeboten bekommt? Beispielsweise kann man seine Bandkollegen raus schmeißen, um den Forderungen des Bizkit-Frontmannes nach zu kommen. Man kann aber auch als erstes auf die Toilette gehen und sich vor lauter Freude die Nudel würgen, oder das Glatze-Mütze-Spiel spielen. Nichts von dem trifft auf Union Youth zu, denn statt dem findigen Geschäftsmann um den Hals zu fallen, haben sie ihm kurzerhand eine Absage erteilt.

Hervor gegangen ist Union Youth aus den Überresten von Jonas. Aus dem beschaulichen Kurstädtchen Bad Bentheim im südwestlichen Niedersachsen zieht es die Band hinaus in die Welt, um ihre Musik zu verbreiten. Bei einem Konzert von Tocotronic drücken sie Basser Jan Müller ein Tape in die Hand. Das Band läuft bei den Tocos im Tourbus - spontan entschließt sich Müller dazu, die Band beim eigenen Label Rock-O-Tronic unter Vertrag zu nehmen. Mit Arne Zank und Tocotronics Mischer Christian Mevs produziert er zwei Platten ("Suicide September Relationship" und "Sorry, I'm Sorry, I'm Sorry"). Diese beiden Scheiben stehen auch heute noch bei Liebhabern melancholischer Rockmucke hoch im Kurs. Aber irgendwie war diese Ehe von vorneherein zum Scheitern verurteilt. In das eher spröde-intellektuelle Umfeld der Hamburger Schüler will der amerikanisch gefärbte Grunge-Sound der blutjungen Buben (Schlagzeuger Sebastian Fremder ist mit 19 Jahren Ältester der Gruppe) nicht so recht passen. Das Echo auf Jonas ist zwar überwiegend positiv, aber von Komsumentenseite leider nur ein kleines und so kommt es, dass sich die Band in Stille auflöst. Matthias Exler (Gitarre, Gesang) und Jan Van Triest (Bass) - die sich schon länger kennen und auch gemeinsam zur Schule gegangen sind, machen alleine weiter, ohne richtige Vorstellung, wohin die Reise eigentlich gehen soll.

Im Sommer 2001 steht fest, dass die Zusammenarbeit mit Rock-O-Tronic und L'Age D'Or keine Fortsetzung erfährt. Trotzdem werkeln Matthias und Jan an ersten Demos. In Kollaboration mit Scumbucket- und Blackmail-Produzent Kurt Ebelhäuser entsteht eine CD mit fünf fertigen Songs, erste Konzerte unter dem Namen Union Youth werden absolviert. Im Dezember erscheint der Song "Planet Of Pity" auf der Bonus-CD eines Alternative-Magazins und kann überzeugen. Der gute Kontakt zu Ebelhäuser sorgt für Engagements der Combo im Vorprogramm von Blackmail und Scumbucket. Im weiteren Verlauf des Jahres 2002 treten sie auch noch im Rahmen der Hurricane-Southside-Clubtour auf. Der größte Slot aber sind die zwei Konzerte im Vorprogramm von Bush. Ebenjener Band, bei der Matthias und Jan einmal versucht haben, ein Demotape auf die Bühne zu werfen, das aber (glücklicherweise?) nicht beim Adressaten ankommt. Auf Tour machen sie eine mehr als nur gute Figur - mit der Folge, dass langsam aber sicher das Interesse der Plattenfirmen geweckt wird. Ein erstes Lebenszeichen auf offiziellem Tonträger ist die Split-EP mit Songs von Ken und einem Nebenprojekt der Scumbucket-Blackmail-Truppe auf RaketeMusik.

Bis nach Amiland dringt die Kunde der Bad Bentheimer: Durst soll Gerüchten zufolge schon mit dem Scheckbuch gewedelt haben, als sich Matthias und Co. dann aber für Eastwest Records entscheiden, die ihnen die größere künstlerische Freiheit einräumen. In aller Ruhe können sie sich jetzt auf die Aufnahmen zum im September 2002 erscheinenden Album "The Royal Gene" vorbereiten. Die Essenzen des Union Youth-Sounds unterscheiden sich nicht so sehr von dem, was Jonas ausgemacht haben. Songstrukturen, die an Nirvana erinnern, würzen sie, damit sie nicht zum tumben Plagiat verkommen, mit jugendlicher Frische.

Insgeheim schielt man anscheinend auch auf den internationalen Markt, denn Namen wie Exler und Van Triest führen im angelsächsischen Sprachraum zu Zungenbruch. Deshalb gibts neue Spitznamen: die Band besteht aus den sagenumwobenen Maze Budget (Gitarre und Gesang), Bowy (Schlagzeug), Nosse K. (Bass) und Jon Orion (Gitarre). Das Interesse des Labels scheint aber - ganz im Gegensatz zur gängigen Praxis - ein langfristiges zu sein. Eine Single soll zunächst nicht veröffentlicht werden, stattdessen liegt das Augenmerk auf dem behutsamen Aufbau einer jungen Band. Letztlich erscheint 2003 dann aber mit "Fruits For The Nation" doch eine Single. Schließlich wachsen Union Youth noch zu Viva Zwei-Zeiten auf, diese Plattform will genutzt werden.

Es vergehen Jahre, in denen von der Band nichts zu vernehmen ist. Erst der Frühling 2005 hält für die Fans musikalischen Nachschub bereit. Drummer Bowy blickt später zurück auf die Zeit zwischen Platte eins und zwei: "Wir sind gedroppt worden, als wir gerade im Studio waren (...) Wir hatten uns gerade für einen coolen Produzenten entschieden und angefangen, das neue Album aufzunehmen, und auf einmal sagte uns jemand, dass wir keinen Plattenvertrag mehr haben." Zum Glück erhalten Union Youth eine ordentliche Abfindung. Die ermöglicht es, die Aufnahmen mit The Hives-Mixer Michael Ilbert und Fireside-Gitarrist Pelle Gunnerfeldt nach eigenen Vorstellungen fortzusetzen.

Die Sessions in der "dänischen Pampa" (Bowy) erweisen sich als äußerst fruchtbar. "The Boring Years" heißt das Resultat und klingt nach wie vor deutlich nach energischem US-Grunge. Der Nirvana-Vergleich hängt Union Youth übrigens mittlerweile aus den Hälsen. Sänger Maze hat dafür zwar etwas Verständnis. Trotzdem will er sich und die Band nicht in die Schublade "Die deutschen Nirvana" weggesteckt wissen.

Mit der fertigen Platte macht sich die Band auf Labelsuche, wird schließlich bei Eat The Beat fündig: "Weil da Leute sitzen, die richtig Lust haben, das mit uns zu machen, und uns auch nicht nur als irgendeine kleine Nummer sehen." Doch das Glück hält nicht lange. "Wenn es einen nicht mehr glücklich macht, dann muss man gehen!". Das posten die Jungs am 1.1.2006 auf ihrer Homepage und verabschieden sich damit von ihren Fans. Die Band gibt es nicht mehr, alle anstehenden Konzerte sagen die Jungs ab. Im August erscheint als Abschiedsgeschenk noch "And Somebody Said That He Should Go" mit unveröffentlichten Songs/Demos und Live-Material.

Alben

  • Union Youth

    Offizielle Seite, mehr Schein als Sein.

    http://www.union-youth.com
  • Fanpage

    Fanpage, mehr Sein als Schein.

    http://www.unionyouthpage.de/

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