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"I want to wake up in a city that never sleeps" sang Frank Sinatra einst in seiner Liebeserklärung an New York City. The Velvet Underground, Blondie, Interpol und ganze Generationen von Musikern ließen sich schon vom einzigartigen genius loci der Ostküstenmetropole anstecken und inspirieren, sodass die Stadt heute untrennbar mit diesem mysteriös unterkühlten wie unnahbaren Sound verbunden ist. Auch The Virgins haben in den Straßen New Yorks ihre musikalische Unschuld verloren.
Donald Cumming (Gesang, Gitarre), Wade Oates (Gitarre) und Nick Zarin-Ackerman (Bass) stammen hörbar direkt aus dem Herzen des Big Apple. Sie haben den Rock und sie haben den Roll, sie sind arty, ohne bemüht nach Artrock zu klingen, und ihre Einflüsse reichen von Velvet Underground über Jonathan Richman und Talking Heads bis hin zu den Strokes. Indierock-Melodien aus dem 21. Jahrhundert treffen auf den New Wave-Charme der ausgehenden 70er.
Mit souverän cooler Gitarrenarbeit, einem traumhaft stilsicheren Achtziger-Beat und unglaublich eingängigen Refrains haben The Virgins verdammt zwingende Argumente auf ihrer Seite. Ob Funk-verseucht oder mit ehrwürdig subtilem AC/DC-Gedächtnis-Riffing – bei diesen Melodien erscheint jeder Widerstand zwecklos.
Cummings Vater besaß dereinst einen Liquor Store im Tribeca-Viertel von Manhattan (Triangle Below Canal Street), und gleich um die Ecke befand sich das Don Hill's. Schon mit 14 Jahren beginnt Cummings, sich die Nächte in dem berühmt-berüchtigten Club um die Ohren zu schlagen. Er gewöhnt sich von der Pike auf an das New Yorker Nachtleben und die dort verkehrende Künstlerszene.
Auf einem Foto-Shooting in Mexiko lernt das Teilzeitmodel Cumming dann Wade Oates kennen und gründet mit ihm und Nick Ackerman The Virgins. Nach gerade mal zwei Auftritten winkt ihnen gleich das ganz große Los: Als Support von Patti Smith und Sonic Youth treten sie auf einem Showcase während der "Fashion-Week" in Paris auf.
Dieser Senkrechtstart bleibt natürlich nicht unbemerkt, und so beschließen die Produzenten der hippen TV-Serie 'Gossip Girls', gleich die komplette erste EP "The Virgins" aus dem Jahr 2007 als Soundtrack zu verwenden. Mit der Hitsingle "Rich Girls" im Rücken absolvieren die Jungs kurz danach die erste große US-Tournee mit Jet, bevor sie im Anschluss als Support für die Band Of Horses auch Europa bereisen.
Ihr Debütalbum haben The Virgins schlicht nach sich selbst benannt: "Man hat nur einmal im Leben die Chance, ein selbstbetiteltes Album vorzulegen. Das kann man zwar auch später machen, aber das wäre doch echt lahm, oder? Wir wollen vor allem kreativ sein und Spaß haben und nicht immer über alles nachdenken", erläutert Donald Cumming die Band-Philosophie.
Für Kreativität und Spaß scheint in New York bestens gesorgt zu sein, "and if I can make it there, I'm gonna make it anywhere", hat ja schon Ol' Blue Eyes goldrichtig erkannt.
Mit dem Debütalbum geht es erst mal auf große Tour. Dabei machen The Virgins auch Halt in diversen TV-Studios, Latenight-Talker wie David Letterman, Conan O'Brien und Jimmy Fallon von ihrem Können zu überzeugen.
Danach wird es allerdings ziemlich ruhig um die Band. Statt sich Hals über Kopf in die Arbeiten für ein neues Album zu stürzen, beschäftigen sich die Verantwortlichen eher mit Grundsätzlichem. Letztlich entscheidet man sich völlig überraschend für getrennte Wege.
Frontmann Donald Cumming etabliert so 2012 mit Max Kamins (Bass), Xan Aird (Gitarre) und John Eatherly (Drums) ein komplett neues Line-Up: "Es ging einfach nicht mehr. Wir hatten alle verschiedene Ansichten. Mit den neuen Jungs habe ich vorher schon in einer Country-Coverband gespielt. Ich kenne sie gut, und es passt jetzt alles wieder wunderbar", erlärt er den Neuanfang.
Die neuen Virgins marschieren noch im selben Jahr ins East Village Recording Center in Manhattan, um die Arbeiten am neuen Album zu beginnen. "Strike Gently" erscheint im April 2013 und wartet mit einer ähnlichen Hitdichte auf wie das Debüt.
Mit neuer Band, neuem Album und einem Label im Rücken geht es dem Chef der Virgins in Zukunft vor allem darum, aus der Vergangenem zu lernen: "Die ersten Jahre waren echt hart. Es ist viel Mist passiert. Die Band, das alte Label, die Musik ... Alles passte irgendwie nicht so richtig. Ich weiß jetzt worauf es wirklich ankommt und werde die Fehler nicht noch mal machen".
Donald Cumming über Idole, nervige Vergleiche und 80s-Sounds.
Ihr Debütalbum geht gerade durch die Decke. Und was machen die Virgins? Stehen auf einem Parkplatz in den Alpen.
Das Label händigt uns zwei Handy-Nummern aus, eine von Virgins-Sänger Donald Cumming, eine vom Tourmanager. Die US-Band ist in Europa unterwegs und stellt gerade ihr gleichnamiges Debütalbum vor. Nachdem eine Telefonnummer scheinbar fehlerhaft ist, meldet sich an der zweiten der Tourmanager mit französischem Akzent. "For di Interview?" Ja, genau. Donald steht scheinbar direkt neben ihm. Donald Cumming: Hi, wie gehts?
Sehr gut, in Deutschland scheint die Sonne.
Yeah, in Italien auch.
Wo seid ihr gerade?
Auf dem Weg nach Mailand. Gerade sind wir irgendwo in den Alpen.
Ihr kommt gerade aus Frankreich, wo fast alle Clubs ausverkauft waren, obwohl euer Debütalbum erst noch erscheint. Wie fühlt sich das an?
Totaler Wahnsinn. Es macht irre viel Spaß. Die Clubs waren echt gut voll, die Reaktionen super und auch unser Sound. Wir können es kaum fassen.
Wo würdest du Unterschiede zum Publikum in den USA verorten?
Also zunächst mal kommen wir hier an lauter Orte, an denen wir noch nie zuvor waren. Daher macht hier sogar die Rumfahrerei richtig Spaß. Wenn auch nicht ganz so viel wie die Konzerte. Dagegen bist du in Amerika froh, wenn du endlich raus bist aus dem Bus.
Bist du zum ersten Mal in Europa?
Nein, aber zum ersten Mal in Italien, der Schweiz und ein paar anderen Ländern der Tour.
In Deutschland ist eure Platte auch nicht erschienen, trotzdem spielen eure Songs bereits Mainstream-Radiosender und sie tauchen im ein oder anderen TV-Trailer auf. Was ist euer Geheimnis?
Echt? Cool! Unser Geheimnis? Haha. Wir haben einfach verdammtes Glück, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, unsere Musik vor Publikum zu spielen. Wir sehen neue Orte, treffen neue Leute, ein aufregendes Leben.
Kannst du dir erklären, warum eure Songs bei sehr vielen Menschen auf Anhieb zünden?
(lacht) No man, keine Ahnung! Ich kann nur nochmal sagen, dass die ganze Aufmerksamkeit, die wir bekommen, ziemlich cool ist.
Findest du, dass eure Songs dem Mainstream zuzuordnen sind?
Hmm, jedenfalls wurden sie geschrieben, um mehr als nur einer Person etwas zu bedeuten.
Mehr Pop oder Indie Rock?
Weder noch. Unsere Musik reflektiert uns einfach als Personen, als Individuen. Ich tue mich schwer, uns in irgendein Genre einzuordnen. Wenn alles gut läuft, müssen wir das auch nicht.
(lacht) Einer meiner Lieblingsfilme ist "King Of New York" von Abel Ferrara. Dort gibt es zu Beginn eine Szene mit ein paar Dealern, in der jemand eine Hoteltüre eintritt und "Room Service, motherfuckers" brüllt. Das fand ich einen tollen Start für eine Platte.
Ihr werdet mit haufenweise Bands verglichen. Welcher Vergleich nervt euch am meisten?
Gar keiner. Ich finde es einen nützlichen Weg, um Menschen aufzuzeigen, wie wir klingen oder wer wir sind. So läuft das doch, oder? Wir sind eigentlich ganz froh darüber, wenn wir Presse bekommen und auf Fragen antworten dürfen. Wenn die Leute sich ein Bild machen wollen, besuchen sie unsere Konzerte.
Manchmal erinnert mich deine trockene Stimme an Julian von den Strokes.
Ja.
Einverstanden?
Weißt du, ich bin ein sehr großer Strokes-Fan. Sie gehören zu meinen Lieblingsbands. Ich habe sie mehrmals live gesehen, daher könnte man da schon von einem Einfluss sprechen.
Gibt es eine Band oder einen Künstler, der alle vier von euch inspirierte?
Wir alle stehen auf Nile Rodgers, ein beeindruckender Musiker und Produzent, der ein paar der besten Dance-Songs überhaupt geschrieben hat.
Was euch von vielen Indie-Bands unterscheidet, ist der elektronische 80er-Bezug, der besonders in "Murder" hervor tritt.
Absolut. Ich bin 1981 geboren, in den 80ern aufgewachsen und fühle mich zu den Sounds dieser Zeit hingezogen. Das macht Spaß.
Ich weiß nicht, ob es schwerer ist. Es herrscht definitiv eine große Konkurrenz. Aber natürlich habe ich keine Vergleichsmöglichkeit.
Wenn ihr euch für drei Coverversionen entscheiden müsstet, welche würdet ihr auswählen?
Haha, das haben wir bereits getan. Im Augenblich spielen wir ein Velvet Underground-Cover, ein Squeeze-Cover und einen Song von INXS.
Squeeze?
Yeah, "Up The Junction". Einer meiner absoluten Lieblingstracks.
Das Toursupport-Angebot welcher Band würdet ihr auf keinen Fall annehmen?
Puh, keine Ahnung. Wir haben schon für viele wundervolle Bands im Vorprogramm spielen dürfen. Ich bin nicht sicher, ob wir wirklich ein Angebot ablehnen würden. Wir müssen auf jeden Fall mit der Musik der jeweiligen Bands etwas anfangen können. Sonst würden wir nicht zusagen.
Infos as usual: News, Blog, Tourdaten, Bilder & Clips.
https://de-de.facebook.com/thevirgins
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