laut.de-Kritik

Diese Hits reißen Löcher in jede noch so dichte Wolkendecke.

Review von

Vor ziemlich genau vier Jahren stritten sich mehr als die Hälfte der Songs des selbstbetitelten The Virgins-Debüts um die vorderen Plätze nahezu sämtlicher Indie-DJ-Playlisten rund um den Globus. Wie ein Buschfeuer breiteten sich seinerzeit funkige Garage-Pop-Songs à la "Rich Girls", "Fernando Pando" oder "One Week Of Danger" auf den Untergrund-Tanzflächen von New York bis Melbourne aus.

Statt sich allerdings mit reichlich Lobgesängen im Gepäck so schnell wie möglich ans Zweitwerk zu machen, gingen die Jungspunde um Sänger Donald Cumming in den Folgejahren erst einmal auf Tauchstation. Zwar tourte man fleißig um die Welt, doch in punkto Debüt-Nachfolger regte sich lange Zeit gar nichts. Letztlich kam es gar zum Bruch, und so rieben sich Szene-Insider verwundert die Augen, als der Virgins-Frontmann im letzten Jahr mit drei neuen Mitstreitern (Max Kamins, Xan Aird und John Eatherly) die Räumlichkeiten des East Village Recording Center in Manhattan besuchte.

Das Ergebnis dieser Visite hört auf den Namen "Strike Gently" und dürfte bei all denjenigen ekstatische Zuckungen hervorrufen, die ihren heimischen CD-Player seit nun mehr vier Jahren zum Sperrgebiet für anderweitiges Schaffen erklärt haben. Denn das zweite Album der Big Apple-Dudes macht in punkto Hitdichte genau da weiter, wo der erste Longplayer im Jahr 2009 aufgehört hat.

Abermals mit dem Charme des pubertierenden Lou Reed gesegnet, säuselt sich Frontmann Donald Cumming durch endlose Melodielandschaften, ohne dabei den Zuckerpegel zu überschreiten. Bereits zu Beginn schöpft das Quartett aus dem Vollen. Sowohl das Hi Hat-lastige Indie-Pop-Juwel "Prima Materia", als auch der anschließende Prärie-Ritt "Wheel Of Fortune" reißen im Handumdrehen tiefe Löcher in jede noch so dichte Wolkendecke.

Mit markantem Bass-Thema und funkigen Strat-Spielereien hält das folgende "Flashbacks, Memories, and Dreams" die tanzenden Hüften bei der Stange, ehe das spartanisch instrumentierte "Figure On The Ice" die durchgeschwitzte Anhängerschaft zum kurzweiligen Verschnaufen nach draußen verabschiedet. Zurück auf dem Dancefloor treffen sich auf dem Albumteiler "Impressions Of You" plötzlich der The Police-Evergreen "Every Breath You Take" und Prince' Grammy-Hit "Kiss" zur musikalischen Vereinigung, während sich Donald Cumming im Refrain mit angestaubten Vintage-Effekten vergnügt. Perfekt.

Beschwingte Surf-Chöre und crunchige Gitarren läuten auf "What Good Is Moonlight" die zweite Hälfte des Albums ein, die mit nicht minder gehaltvollen Soundperlen aufwartet. Auch hier geben sich große Harmonien im Verbund mit abgedämpften 80s-Grooves ("Travel Express (From Me)") und eingestreuten Bluesrock-Experimenten ("Amelia") nur so die Klinke in die Hand, so dass die Repeat-Taste nach dem fünften Durchlauf schon langsam klemmt.

Trackliste

  1. 1. Prima Materia
  2. 2. Wheel Of Fortune
  3. 3. Flashbacks, Memories And Dreams
  4. 4. Figure On The Ice
  5. 5. Impressions Of You
  6. 6. What Good Is Moonlight
  7. 7. Travel Express (From Me)
  8. 8. The Beggar
  9. 9. Amelia
  10. 10. Blue Rose Tattoo

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