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Mitte der 80er Jahre besucht Bryan Holland, Spitzname Dexter, die Pacifica Highschool in Garden Grove in Kalifornien. Sein festes Ziel ist, Arzt zu werden. Auch der Sport zählt zu seinen Leidenschaften, nicht umsonst ist Holland Mitglied im Leichtathletikteam der Pacifica High. Dort steht auch Greg Kriesel unter Vertrag, dessen Vater, Investmentbanker, eine Karriere als Jurist für ihn vorsieht. Durch Dexter kommt Greg K zum Punk, denn eigentlich interessiert ihn Musik nicht so besonders. So lernt er Hollands Lieblingsbands T.S.O.L. und The Adolescents kennen.
Beide gründen 1984 mit zwei anderen Läufern des Teams ihre erste Band Manic Subsidal. Instrumente besitzt keiner, geschweige denn Ahnung vom Spielen. Nach einer Weile läuft die Sache runder und Gigs finden in Kriesels Haus statt. Im Frühjahr beginnt Holland ein Studium in Molekularbiologie an der University of Southern California und Kriesel studiert Jura an der Long Beach State University. Mittlerweile hat Holland eine Reihe von Songs geschrieben und die Band plant, in ein billiges Studio zu gehen. Dummerweise springt ein Gitarrist vorher ab, aber mit Kevin Wassermann ist schnell Ersatz zur Stelle. Der ist zu diesem Zeitpunkt bereits 21 Jahre alt und für die noch jüngeren Bandkumpels der Garant für die Alk-Logistik. Der vierte im Bunde, Ron Welty, wird Holland durch seine Stiefschwester vorgestellt. Der sechzehnjährige Welty bettelt um die Stelle als Banddrummer, die er letztendlich auch bekommt.
1987 bringen The Offspring in Eigenregie eine 7inch Single in einer Auflage von 1000 Exemplaren heraus, auf der sie fast zweieinhalb Jahre lang sitzen bleiben. Zwei Jahre später ergattert die Band einen Deal mit dem Punklabel "Nemesis". Der Produzent Thom Wilson nimmt mit ihnen die 7inch Single "Baghdad" und das selbstbetitelte Debutalbum auf.
Bei der Aufnahme eines Stückes für eine "Flipside"-Compilation entsteht der Kontakt zu Brett Gurewitz, Gitarrist von Bad Religion und Eigentümer des Labels "Epitaph Records". 1992 kommt schließlich bei Epitaph das Album "Ignition" heraus. The Offspring befinden sich nun in bester Gesellschaft von Rancid, Pennywise und NoFX. Das Jahr 1994 markiert mit den Singles "Come out and Play" und "Self Esteem" den Durchbruch für die Band. Smash avanciert mit über neun Millionen verkauften Einheiten zur erfolgreichsten Independentplatte. 1995 wird das Debutalbum über das eigens aus der Taufe gehobene "Nitro" Label wiederveröffentlicht.
Mit dem Erfolg wachsen die Begehrlichkeiten bei den Majors und das Buhlen um The Offspring nimmt seinen Lauf, aus dem Sony Music Tochter Columbia Records als Sieger hervorgeht. Der Wechsel wird von den Credibility-bewussten Labelmates, von denen sich Pennywise besonders hervortun, harsch kritisiert. Punk gehört ihrer Meinung nach zum Underground. The Offspring lassen sich davon nicht beirren und vollziehen den Wechsel.
Mit dem Wechsel zu Colombia folgt die Veröffentlichung des vierten Studialbums "Ixnay On The Hombre" im Jahre 1997, auf dem auch Dead Kennedys-Sänger Jello Biafra zu hören ist. Ein Jahr später kommt die fünfte Platte "Americana" auf den Markt, die sich zehn Millionen Mal verkauft. 1999 spielen die Jungs bei Woodstock III und schieben eine Tour durch Japan und Australien hinterher.
Im ersten Jahr des neuen Jahrtausends erscheint "Conspiracy Of One" und zwei Jahre später entschließt sich Schlagzeuger Ron Welty für den Ausstieg aus der Band. Nur vier Wochen steigt Alessandro Fecke, Drummer bei Interims, bei den Sprösslingen ein, den danach Josh Freese (Vandals, A Perfect Circle) ersetzt.
"Splinter" steht im Jahre 2003 in den Plattenläden und Adam 'Atom' Willard verstärkt die Band anstatt Drummer Freese. Im Februar tourt die Combo mit ihrem neuen Album im Gepäck durch 22 Länder und veranstaltet 97 Konzerte. Zwei Jahre später erscheint das "Greatest Hits"-Album, das nur Tracks ab Album Nr. drei beinhaltet. Einen Monat nach dem Release kommt die DVD "Complete Music Video Collection" auf den Markt, die alle Videos und einige Konzerte beinhaltet.
Nach ihrer Greatest Hits-Welttour nehmen sich Offspring eine Auszeit, die Tom DeLonge von Angels And Airwaves dazu nutzt, sich Atom Willard zu krallen und ihn fürs Album "We Don't Need To Whisper" trommeln lässt.
Ende Juli 2007 geben The Offspring auf ihrer Website bekannt, dass Atom Willard weiterhin bei Angels And Airwaves die Felle verhaut und nun Pete Parada (Save The Days, Face To Face und Alkaline Trio) bei Offspring als fester Drummer einsteigt. Der ist dann auch auf dem achten Studioalbum "Rise And Fall, Rage And Grace" zu hören (2008).
Die Arbeit am Nachfolger beginnt im folgenden Jahr, wird aber immer wieder durch Touren und Festival-Auftritte, nicht selten als Main Act, unterbrochen. Im Sommer 2012 schließlich erscheint das neunte Studioalbum "Days Go By".
Greg Kriesel über die angebliche Kommerzialisierung des Punk und die Macht des Internets.
Passend zum Sommerbeginn kommt das neue Album einer Band daher, die seit gut zwanzig Jahren in regelmäßigen Abständen für Partygelüste unter Freunden punkrockiger Klänge sorgt. The Offspring hatten ihre Glanzzeiten Mitte der Neunziger, durchlitten zu Beginn des neuen Jahrtausends wie viele andere Bands ihrer Generation das Tal der Bedeutungslosigkeit und besinnen sich dieser Tage wieder auf ihre Tugenden. Denn hält man auf ihrem neuen Album "Days Go By" die beiden pubertären, fahnenflüchtigen "Cruising California" und "OC Guns" unter Verschluss, erfreut man sich beim Rest des Materials an erfrischendem Arena-Rock mit Punk-Einschlag.
All das klingt nach einer Band, die im Herbst ihrer Karriere entspannt und unspektakulär ihren Stiefel runterspielt, bis halt irgendwann die Klampfen zu schwer werden und man sich in die Rockerrente verabschiedet. So richtig relaxt geht es im Lager des Quartetts aber derzeit nicht zu, denn keine andere Band wurde in den letzten Jahren dermaßen oft mit der Genrezugehörigkeitsfrage belästigt wie The Offspring. Und auch dieser Tage entdeckt man kaum ein Interview, in dem nicht irgendwann die Frage auftaucht: Seid ihr eigentlich noch Punk? The Offspring-Bassist Greg Kriesel zeigt sich dahingehend allerdings alles andere als genervt und präsentiert sich uns stattdessen im Interview mit dickem Fell.
Hi Greg: Habt ihr überhaupt noch Lust Interviews zu geben?
Greg: Selbstverständlich. Warum fragst du?
Nun, ich habe ein bisschen recherchiert und habe gemerkt, dass ihr bereits seit vielen Jahren mit der immer gleichen Frage konfrontiert werdet.
Greg: (unterbricht mich) Bevor du weiter redest; ich weiß, was jetzt kommt (lacht). Du meinst die Frage, ob wir noch Punks sind, stimmt's?
Genau.
Greg: Nun, ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum wir uns dazu immer wieder aufs Neue äußern müssen. Irgendwie kommen viele Journalisten scheinbar nicht ganz klar mit der Entwicklung der Band.
Demnach nervt es euch?
Greg: Ich finde es einfach nur ein bisschen traurig. Ich meine, who cares? Punk, Rock, Alternative: Wen interessiert schon eine genaue Definition? Wir haben uns noch nie hingesetzt und behauptet, eine reine Punkband zu sein. Natürlich haben wir viele Elemente aus diesem Genre in unserem Sound, aber das ist nur ein Teil des Ganzen. Und wer genau hinhört, der wird feststellen, dass das auch schon ganz am Anfang so war. Heutzutage musst du einfach irgendwo reinpassen. Die Leute wollen definieren und kategorisieren. Für alles gibt es eine Schublade. Sobald es eine Band gibt, die nicht klar verstaubar ist, ist das Geschrei groß. So ist das halt.
Hast du das Gefühl, dass ihr euch fast schon rechtfertigen müsst?
Greg: Nein, nicht wirklich. Ich glaube, wir sind alle schon lange genug Teil des Business, um zu wissen, wie man mit so etwas umgeht. Das Problem ist einfach, dass es bei dem einen oder anderen gar nicht so sehr um die musikalische Entwicklung geht, sondern darum, dass eine Band mit punkigen Roots Millionen Platten verkauft. Dann ist von Verrat an der Ideologie des Genres die Rede und lauter so ein Quatsch. Ich kenne keine Band, und sei sie noch so Punk, die sich nicht freut, wenn die Musik die sie macht, dazu führt, dass am Ende des Monats die Miete bezahlt werden kann.
Greg: Es geht uns einfach darum, den Leuten zu zeigen, dass wir uns stetig weiter entwickeln. Das ist letztlich der Hauptgrund, warum wir all diese Songs ausgekoppelt haben. Komischerweise funktionieren diese Songs aber live mit am besten. Und es flippen dann nicht nur die Mainstream-Fans aus, sondern auch die im Dead Kennedys- oder Ramones-Shirt, verstehst du?
Ich denke, dass auch euer neues Album in beiden Lagern Freunde finden wird. Wie siehst du das?
Greg: Das hoffe ich. Es gibt definitiv viel zu entdecken auf dem Album. Dennoch klingt jeder Song nach The Offspring. Und genau das ist uns wichtig gewesen.
Habt ihr euch soundtechnisch extern inspirieren lassen? Ich denke da insbesondere an Bands wie die Foo Fighters oder auch The Cult.
Greg: Es gibt sicherlich einige Songs, die in diese Richtung gehen, aber auf dieser Basis arbeiten wir schon seit vielen Jahren. Mir wurde auch schon des Öfteren gesagt, dass insbesondere "Days Go By" stark nach The Cult klingen würde. Wenn du dir ältere Songs wie "The Kids Aren't Allright" oder "Want You Bad" anhörst, wirst du feststellen, dass diese Songs einen ähnlichen Aufbau und Grundsound haben.
Wir haben uns beim Schreiben nicht von anderen Bands beeinflussen lassen, sondern nur auf uns geguckt. Wir sind jetzt seit mehr als 25 Jahren unterwegs. Irgendwann hört man einfach auf, sich zu sehr von anderem leiten zu lassen. Wenn man eine Band gründet, geht es zunächst in erster Linie darum, eine eigene Identität zu finden. Diesen Prozess haben wir auch durchlaufen. Ich würde sagen, dass wir ab der "Ixnay On The Hombre" aufgehört haben, uns allzu sehr auf Externes zu konzentrieren.
Gab es einen Schlüsselmoment in punkto Selbstfindung?
Greg: Bis zur "Smash" haben wir alle noch nebenbei gearbeitet und sind zur Uni gerannt. Die Band war nicht mehr als ein Spaß-Projekt. Nach den Single-Erfolgen von "Come Out And Play" und "Self Esteem" war aber Schluss mit lustig (lacht). Danach war uns klar, dass wir von nun an von der Musik würden leben können. Wenn dieser Punkt erreicht ist, geht man automatisch anders mit dem Ganzen um. Alles wird ernster und professioneller. Man will einfach sein eigenes Ding daraus machen. Irgendwann hat man dann die Basis, auf der sich alles Folgende aufbaut. Leidet nicht irgendwann der kreative Prozess darunter, wenn man sich ausschließlich nur noch mit sich und seiner eigenen Vergangenheit beschäftigt und keinen Input mehr von außen zulässt?
Greg: Ganz so drastisch ist es ja auch nicht. Natürlich hört man sich um und schaut was andere Bands so von sich geben. Wir sind schließlich nicht nur Musiker, sondern auch Konsumenten. Wir machen nicht nur Musik, weil es unser Job ist. Wir alle lieben Musik, und wir alle hören auch viel Musik. Es sind auch nicht immer nur unsere eigenen Alben, die bei uns zuhause rauf und runter laufen (lacht). Aber wenn es um das eigene Schaffen geht, dann rückt man nicht mehr vom selbst gelegten Fundament ab.
Ich meine, die Foo Fighters oder The Cult sind ähnlich lange unterwegs. Ich würde behaupten, dass die auch nicht mehr allzu häufig über den eigenen Tellerrand schauen. Warum auch? Anders ist es vielleicht mit Bands, die permanent zwischen verschiedenen Genres hin und her hüpfen. Aber bei uns sind die Wurzeln mittlerweile klar definiert.
Greg: Das hat sich einfach so ergeben. Wir haben immer noch ein tolles Verhältnis zu Josh und es gab einfach Songs, die wie gemacht waren für seinen Drum-Style. Pete war einfach an einigen Aufnahmetagen nicht entbehrlich, also fragten wir Josh, ob er nicht Lust hätte bestimmte Parts einzuspielen. Das Ganze hat aber keine größere Bedeutung.
Ihr hattet bereits einen Großteil der Songs im Frühjahr 2011 im Kasten. Statt die Produktion zu beenden habt ihr euch aber dann im Sommer entschlossen auf Festival-Tour zu gehen. Brauchtet ihr etwas Abstand vom Aufnahmeprozess?
Greg: Grundsätzlich waren wir schon sehr zufrieden mit den ersten Recordings. Aber irgendwie fehlte noch ein bisschen Frische, also haben wir uns entschieden, noch ein paar Shows dazwischen zu schieben, um den Kopf wieder etwas frei zu bekommen und neue Ideen zu sammeln. Ich glaube diese Auszeit hat dem Album letztlich sehr gut getan. Außerdem ist Europa immer eine Reise wert.
Wenn dort die großen Festivals rufen, dann kann man schwer nein sagen. Wir hatten zudem die Möglichkeit schon einige neue Songs live zu testen. Danach sind wir wieder zurück ins Studio und haben mit Bob zusammen noch mal richtig Gas gegeben. Eigentlich dachten wir, dass wir früher fertig werden würden. Aber es zog sich dann doch noch etwas hinaus.
Ihr habt jetzt das zweite Album hintereinander unter der Regie von Bob Rock aufgenommen. Da scheint sich mittlerweile so eine Art Zwei-Alben-Rhythmus bei euch einzustellen, wenn es um die Produzenten-Personalie geht. Sitzt demnach beim nächsten Output wieder ein neues Gesicht hinter den Reglern?
Greg: Vielleicht sieht es auf den ersten Blick nach einem Ritual aus, aber so ist es nicht. Die Entscheidung, wer bei einem Album Regie führt, ist mit die wichtigste, die es zu treffen gilt. Da machen wir uns keinen Spaß draus. Dass es die letzten Jahre so lief, dass Dave Jerden, Brendan O'Brian und Bob Rock je zwei Alben produziert haben, hat nichts mit irgendeinem Rhythmus zu tun, den wir beibehalten wollen. Es geht einfach darum, für den jeweiligen Moment, den passenden Mann zu finden.
Wir sind sehr glücklich mit den Resultaten der letzten Jahre, und finden, dass jeder, egal ob Dave, Brian oder Bob einen tollen Job gemacht hat. Ob wir jetzt beim nächsten Album wieder ein neues Gesicht präsentieren werden, kann ich dir nicht sagen. Das hängt auch davon ab, was wir in punkto Sound in Zukunft machen wollen.
Mir ist gerade in alten Interviews aufgefallen, dass ihr damals kaum eine Gelegenheit ausgelassen habt, um eure Pro-Internet-Meinung nach außen zu tragen. Steht ihr dem Ganzen heute auch noch so positiv gegenüber?
Greg: Grundsätzlich schon, auch wenn wir früher als Kids eine ganz andere Herangehensweise hatten. Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, als ein Album noch das Königsprodukt eines jeden Künstlers war. Es ging um komplette Geschichten, inklusive einer aufwendigen Verpackung. Das spielt für die Fans heutzutage kaum mehr eine Rolle.
Durch das Internet hat das Album als Produkt an Wert verloren. Das ist etwas, was ich persönlich sehr schade finde. Es geht fast nur noch um Singles. Kaum jemand nimmt sich heute noch die Zeit, ein komplettes Album durchzuhören. Das macht es vor allem für Bands schwierig, die keinen Wert auf Hit-Singles legen. Viele grandiose Alben, die über keine massentauglichen Singles verfügen, kommen erst gar nicht an die Oberfläche. Das ist sicherlich eine Entwicklung, die nachdenklich stimmt.
Auf der anderen Seite war es noch nie so einfach, seine Musik einem breiten Publikum vorzustellen, wie dieser Tage. Also, ich denke, gerade für junge Bands ist das Internet ein absoluter Glücksfall. Wir mussten uns damals den Hintern wund spielen, ehe überhaupt Notiz von uns genommen wurde. Heute spielst du einen Song ein, stellst ihn ins Netz und mit ein bisschen Glück hast du eine Woche eine Fangemeinde am anderen Ende des Planeten. Das ist schon toll. Fakt ist, egal wer, alle müssen sich mit dem Internet auseinandersetzen. Denn es wird nicht mehr von der Bildfläche verschwinden.
Ixnay On The Hombre (1997), Smash (1994), Ignition (1992), The Offspring (1989)
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