Porträt

laut.de-Biographie

The Jeremy Days

Die 80er Musikshow Formel Eins mit dem Moderator Peter Illmann ist den meisten wohl noch ein Begriff. Mit Fußball-Vokuhila und schrecklichem Penner-Style sagt der ewig grinsende Kopfnicker Videos an und begrüßt große und weniger große Künstler. Man erinnert sich an eine Band aus Deutschland, die schon häufiger in der Autokulisse zu Gast war. The Jeremy Days aus Hamburg fallen einem allein schon wegen ihrem britischen, smarten Outfit auf. Zumindest den weiblichen, pubertierenden Zahnspangengroupies. Beatles-Frisuren und eng anliegende Jeansjacken lassen das Ende der 80er Jahre modemäßig aufleben. Und auch musikalisch zeigen die fünf jungen Männer, dass es ohne Synthesizer und schwermütigen Dark-Sound in Richtung Charts gehen kann. "Are You Inventive"?

1985 begegnen sich zuerst Dirk Darmstädter (Sänger und Gitarrist) und Christoph Kaiser (Bassist und Sänger) in der großen Hansestadt. Gemeinsam schreiben sie Songs und aus dem Duo wird mit dem Bulgaren Louis Oberländer (Keyboard), Schlagzeuger Stefan Rager und dem zweiten Gitarristen Jörn-Christof Heilbutt die Band The Jeremy Days 1987 komplett. Hier beginnt der normale Musikalltag einer noch unbekannten Musikgruppe. Man verbringt die meiste Zeit im Proberaum. Tauscht seine musikalischen Backgrounds aus und wagt sich später an einzelne Demoaufnahmen, die in Hamburg und Umgebung an Plattenfirmen und andere Medienmonster verschickt werden.

In einigen norddeutschen Radiostationen laufen die ersten Songs der Jeremy Days. Polydor sind die ersten wachsamen Ohren. Hier soll 1988 das gleichnamige Debüt der Hamburger Popband herauskommen. Produziert von den Briten Clive Langer und Alan Winstanley, die auch schon Erfolge mit Madness und Elvis Costello verbuchen dürfen.

Das Erstlingswerk "The Jeremy Days" verkauft sich gut 150.000 mal. Die Single "Brand New Toy" platziert sich auf Nummer 11 der deutschen Charts. Ein großartiger Erfolg, der die Jungs überrascht. Doch der Ruhm zeigt sofort seine Schattenseite. The Jeremy Days landen in der Teeniepopper-Schublade, und darüber sind Dirk Darmstädter und Co. nicht sonderlich amused.

Nach zahlreichen Konzertreisen und intensiver Studionutzung kommt die zweite Platte "Circushead" 1990 noch besser bei der Presse an. Hier steckt nun sehr viel mehr Erfahrung drin, großartige 60s Sounds fließen sanft in die einzelnen Stücke. Natürlich wird auch hier und da sehr übertrieben, Schlagzeilen wie "Weltruhm" und "Die neue deutsche Hoffnung für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten" lässt die Jeremy Days nicht durchdrehen.

Dirk: "Das ist immer so ein Schwachsinn, der gesagt wird. Entweder es heißt bei deutschen Gruppen: 'Ach weh! Wir schaffen es ja doch nie, weil wir nur Deutsche sind', oder, wenn da mal eine daher kommt die so klingt, als ob sie es irgendwo anders als in Würzburg schaffen könnte, sagt man gleich 'Jetzt ziehen sie los und erobern die Welt'. Ich stehe einfach nicht auf diese teutonischen Sprüche."

Diese Worte sollen der Wahrheit entsprechen. Der Hype um die fünf Hamburger läuft noch eine lange Zeit sehr gut. Man hat Spaß an Konzerten, gibt gerne Autogramme und die Auftritte im Fernsehen sorgen für gute Laune. Bis nach Amerika reicht das Erfolgsticket zwar nicht wirklich, aber die Briten auf der schönen Insel sind ganz aus dem Häuschen. Einige Platten werden produziert, die beim Zielpublikum leider nicht mehr so gut ankommen. Die Konkurrenz ist groß, und die deutschen Fans schauen lieber in die internationalen Musikcharts. 1995 trennen sich die Jeremy Days.

1997 begibt sich Dirk Darmstädter auf den einsamen Solopfad und ist 2004 mit seinem dritten Album als Me And Cassity immer noch unterwegs in der großen, weiten Musikwelt. Und gönnen würde man ihm einen erneuten Hit in den Charts auf jeden Fall. Egal ob in Deutschland oder Übersee. Die Zahnspangengören sind ja schließlich auch älter und reifer geworden.

Alben

  • Fanseite

    Erinnerungen, Nostalgie, mit Liebe gestaltet, allerdings nicht mehr so aktuell.

    http://www.jeremydays.de

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