Porträt

laut.de-Biographie

Stefan Waggershausen

Immer ein gutes Zeichen, wenn die Etikettierung eines Künstlers nicht so recht funktioniert. Seit jeher tut sich das Feuilleton schwer, Stefan Waggershausen zu schubladisieren: da fallen Begriffe wie Liedermacher, Song-Poet, Rock-Chansonnier, Schlagersänger, und nach einem 1984 erschienen Album muss auch dessen Titel "Sanfter Rebell" zur Klassifizierung herhalten.

Stefan Waggershausen - So Ist Das Spiel Aktuelles Album

Doch sogar die gern benutzte Vermengung "von allem ein bisschen" schlägt in diesem Falle fehl. Der am 20. Februar 1949 in Friedrichshafen geborene Sänger und Songwriter entzieht sich in seiner Karriere gewandt allen Vorverurteilungen. Den Auslöser zur musikalischen Karriere des Künstlers geben in den sechziger Jahren zunächst die Beatles: fasziniert von den Boys aus Liverpool, ersteht Stefan seine erste Gitarre, übt sich darin und absolviert mit kleinen Bands erste Auftritte.

Nach Beendigung der Schule zieht Waggershausen nach Berlin und beginnt ein Psychologiestudium. Auch hier lässt ihn die Musik nicht los, und er arbeitet an eigenen Songs. Dank seiner Beharrlichkeit erlangt Stefan sogar einen Plattenvertrag. 1974 steht dann "Traumtanzzeit" in den Regalen - und bleibt dort liegen. Doch durch seine bisherigen Kontakte eröffnet sich die Chance, bei den lokalen Sendern RIAS und SFB als Moderator zu arbeiten. Stefan greift zu, betätigt sich aber weiter als Songwriter.

1979 erscheint unter dem Namen "Waggershausen & Co. KG" die Single "Sie Ist Wieder Da". Das musikalisch ungewöhnliche Cover eines Marion Maerz-Schlagers wird mit einer Mixtur aus Rock- und Reggae-Elementen eingespielt. Die Aufnahme findet Gehör beim Publikum, und verschafft dem Künstler die Gelegenheit zu ersten TV-Auftritten. Der eigentliche Durchbruch erfolgt 1980 mit dem Album "Hallo Engel" und der gleichnamigen Single-Auskopplung.

Waggershausen beschreitet neue Wege im Bereich der deutschen Rock-Musik: er verbindet als einer der ersten hiesigen Künstler Elemente angelsächsischen Singer/Songwritertums mit amerikanischem Rock'n'Roll, Ska, gleichzeitig setzt er auf Balladen mit starken Blues-Akzenten. Auch südamerikanische Rhythmen baut er in seine Songs mit ein.

Lohn dafür: 1981 verleiht ihm die Deutsche Phono-Akademie den Award "Künstler Des Jahres". Waggershausen ist wer im deutschen Show-Biz, Nachfolgealben wie "Fang Mich Auf" (1981) und "Sanfter Rebell" (1982) festigen seinen Status. 1984 veröffentlicht er mit "Mitten Ins Herz - Live" ein Konzert-Doppelalbum. Bis 1993 erscheinen in unregelmäßigen Abständen weitere Alben, auf dem er seinen typischen Stil stets ergänzt, erweitert und auch musikalischen Experimenten nicht abgeneigt ist.

Ein besonderes Kapitel im Output des Künstlers stellen seine großen Single-Hits dar, die außer "Hallo Engel" mit weiblicher Unterstützung die Charts-Spitzen erobern. 1984 fungiert die Italienerin Alice als Duettpartnerin für "Mitten Ins Herz", 1990 gelingt ein Smash-Hit mit Viktor Lazlo und dem Titel "Beim Ersten Mal Tat's Noch Weh". Die Nachfolgesingle "Jessi", ebenfalls mit Lazlo, findet gleichfalls den Weg in die Hitparaden. Die Aufnahme "Jenseits Von Liebe" mit Ofra Haza (1993) steht aber schon unter dem Zeichen fallender Charts-Platzierung.

Seit 1993 bekleidet der Künstler einen Posten im GEMA-Aufsichtsrat und fungiert als Mitglied der deutschen Phono-Akademie. 1995 überrascht Waggershausen mit einem Stilwechsel: das in New Orleans prodzierte Album "Louisiana" präsentiert südstaatliche Blues- und Cajun-Sounds. Die Kritiken fallen positiv aus, doch an frühere Verkaufserfolge kann Waggershausen damit nicht mehr anknüpfen. Der Nachfolger "Die Rechnung Kommt Immer" (1997) bleibt musikalisch ähnlich gelagert.

In den Folgejahren zieht sich Waggershausen aus der Öffentlichkeit zurück, arbeitet aber weiter an verschiedenen Projekten. U. a. schreibt er TV-Songs für die ZDF-Reihe "Siebenstein" und ist federführend beim Projekt der Kinder-CD "Wolke 7 - Das Musikmärchen". 2010 legt Stefan nach rund dreizehn Jahren ein weiteres Solo-Album vor: "So Ist Das Spiel" bleibt an die "Louisana"-Phase angelehnt, ergänzt durch variable Blues- und Rock-Elemente.

In all seinen Karriere-Jahrzehnten beweist sich Waggershausen als ungewöhnlich innovativer Storyteller, dessen Texte fernab von landläufigen Rock- und Songwriter-Klischees fungieren. Das verbale Spiel mit Legenden aus der Vergangenheit nimmt einen breiten Raum ein, etwa in den Songs "Kapitän" (1984), einer Adaption der Sage vom Fliegenden Holländer, und "Ludwig II" (1987), der die Gralssuche des einstigen Bayern-Königs thematisiert.

Den größten Raum nehmen allerdings Liebes- und Beziehungsgeschichten ein, und auch da entwirft Waggershausen ganz eigene, originelle und oft ungewöhnliche Bilder. "Der Teufel Schaut Mir Über die Schulter" (1982) beschreibt die Gedanken eines von der Liebsten verlassenen Lebensmüden, der Nachts am Rande eines Hotelbalkons steht, "Fünf Uhr Früh" (1980) und "Fang Mich Auf" (1981) sind atmosphärisch überaus dichte Varianten des ewigen Themas vom Sehnen und Verlassenwerden. Klassische Film Noir-Elemente finden sich in den Texten der Songs "Bäng Bäng" und "Wenn Der Blitz Dich Trifft" (beide 1982).

So bleibt eine endgültige Einordnung des Waggershausen-Styles, über die gesamten Jahres gesehen, noch immer eine ungelöste Aufgabe. Immer wieder entzieht sich der Künstler einer Kategorisierung, und dahinter steckt fraglos auch persönliches Kalkül, denn: "Da, wo das Gedränge und die Warteschlange am größten ist, war nie mein Zuhause".

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