Porträt

laut.de-Biographie

Sleigh Bells

Versteht man eigentlich gar nicht, dass es das nicht schon viel früher gab: Noisepop synthetisiert aus Hardcore-Riffs, Crunk-Bumms und R&B-Claps, dazu mal zuckersüße Singsänge, mal aggressive feminine Shouts.

Sleigh Bells - Reign Of Terror
Sleigh Bells Reign Of Terror
Schmollmundiger Lolli-Pop und ordentlich Noise.
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Dass aus diesem einen der wenigen verbleibenden Popcultureclashes eine derart unwiderstehlich-energetische Mischung und ein Riesenhype resultieren würde, war im Jahr der Bandwerdung 2008 bestimmt noch nicht einmal den Beteiligten klar.

New Yorker, New York Times, Stereogum, Pitchfork, ABC, BBC usw. usf. – seit einem legendären Auftritt beim CMJ Showcase 2009 preisen Feuilletons wie Indiemagazine und Blogs weltweit den neuesten neuen LoFi-Sound aus New York. Der ist instrumental minimal, dafür akustisch ohrenbetäubend bombastisch.

Schon das Kennenlernen geht unter kuriosen Bedingungen vonstatten: Songwriter/Gitarrist/Produzent Derek E. Miller, der bis 2004 als mit hauptverantwortlicher Kopf der bekannten Post-Hardcore-Band Poison The Well fungiert, kellnert in einem brasilianischen Restaurant im Brooklyner Hipsterparadies Williamsburg. Einer der Tische ist besetzt von Sängerin Alexis Krauss und ihrer Mutter.

Miller erwähnt, er befinde sich zurzeit auf der Suche nach einem weiblichen Vocalist für ein neues musikalisches Projekt. Daraufhin schlägt Mutter Krauss augenblicklich ihre Tochter für den Part vor – schließlich hat Alexis ihre Jugendjahre unter anderem in der Teenpop-Formation RubyBlue zugebracht.

Und tatsächlich: Trotz aller vermeintlichen musikalischen Widersprüche schmeißt Krauss ihren Job als Spanischlehrerin, Sleigh Bells sind geboren. Ein wundervoll doppeldeutiger Name, im gesprochenen Englisch mit "Slay Bells" klanggleich und dadurch umso passender als Beschreibung ihres Sounds.

Derek Millers kantig-schroffen Riffs und übersteuerten Beatsalven setzt Alexis ebenso manisch laute, aber auch Girlgroup-artig verspielte Vocals entgegen. Subversion von Post-Hardcore und 60s-Girlgroup-Soul zugleich steht auf ihren Fahnen. "It's simple and unpretentious", sagen sie von sich selbst.

Dabei setzt man auf crunky Hip Hop als domestizierendes Element. Die spastische Kopfnickerkompatibilität verhindert jederzeit, dass Sleigh Bells' Spaß am Krach ins Unhörbare verläuft. Inwieweit der Labelboss hier eingewirkt hat, ist unklar.

Fest steht lediglich, dass das noisy Duo von M.I.A., mittlerweile einer der laut Time Magazine "world's most influential" im Popgeschäft, persönlich unter die exklusive Fittiche genommen und für ihr N.E.E.T. Recordings gesignt wird, als Filmregisseur Spike Jonze M.I.A. einige Tracks vorspielt.

"Unsere musikalischen Prioritäten beginnen mit den Füßen und enden am Kopf", betonen Sleigh Bells. Derek und Alexis laden in Kapuzensweater bzw. hipper Spandexhose zum launigen Dirt Dance. Oder wie es bei N.E.E.T. so treffend heißt: "Thank fuck it's the future!"

Alben

Sleigh Bells - Treats: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2010 Treats

Kritik von Matthias Manthe

Zwischen Headbanger's Ball und Kopfnicker-Cool. (0 Kommentare)

Videos

Comeback Kid
Rill Rill
Infinity Guitars
Bitter Rivals
  • MySpace

    Streams, Blog, Freunde.

    http://www.myspace.com/sleighbellsmusic
  • N.E.E.T. Recordings

    Neben Mum & Pop das Labelhome.

    http://neetrecordings.com
  • ABC Amplified

    Videointerview.

    http://www.youtube.com/watch?v=mQrxpKK09xo&feature=channel

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