Porträt

laut.de-Biographie

Sage Francis

Wahrscheinlich personifiziert Sage Francis genau das, was ein Großteil der Mainstream Hip Hop-Fans an Underground-Rap nicht leiden können: schwer durchschaubare Lyrics und vertrackte Beats.

Dem umtriebigen Rapper ist die so abhanden gekommene Käuferschicht aber ziemlich egal. Er findet großen Gefallen an seinen lyrischen Hirngespinsten und außergewöhnlichen Instrumental-Eskapaden. Außerdem ist es ja nicht so, dass er damit keinerlei Erfolg hätte.

Der Legende nach fängt Paul Francis Mitte der Achtziger bereits im Alter von acht Jahren zu rappen an. Erfreulicherweise unterstützen die Eltern den jungen Paul in seiner Faszinationen für das Genre. Mit zehn Jahren begleitet die bemühte Mama Paul auf sein erstes Konzert von Run DMC.

Der New Yorker Stadtteil Rhode Island gilt zu dieser Zeit zwar nicht als das Mekka der Hip Hop-Kultur, bietet dem mittlerweile 13-Jährigen aber doch die Möglichkeit, in Kontakt mit anderen Rappern zu kommen. Paul findet großen Gefallen an Battles und übt sich auf den Freestylebühnen im lyrischen Kampf mit anderen Halbwüchsigen. Die müssen jedoch schnell erkennen, dass ihnen Sage Francis, so sein Künstlername, oft einen Schritt voraus ist.

1996 nimmt Sage sein erstes Demo auf. Über seine eigene Radiosendung erreicht er einen bescheidenen Bekanntheitsgrad. Er gründet seine erste Band – Art Official Intelligence – und findet in Joe Beats einen Gleichgesinnten, mit dem er gemeinsame musikalische Wege geht.

1999 stellt sich für Sage als Erfolgsjahr heraus. Einerseits releast er gemeinsam mit Joe Beats seine erste 12" unter dem Namen Non Prophets auf Emerge Records. Außerdem gewinnt er den bekannten Superbowl MC Battle von Boston. Im nächsten Jahr folgt der Gewinn des Freestyle-Contest Scribble Jam in Cincinnati.

Dem Klischee des gebildeten Underground-MCs wird er gerecht, indem er mit dem Bachelor ein Studium der Journalistik an der Universität von Rhode Island abschließt. Außerdem nimmt Sage nicht nur an Freestyle-Battles in dunklen Straßenclubs teil, sondern partizipiert auch an verschiedenen Poetry Slams und Spoken Word-Wettbewerben.

Sein Name macht weiter die Runde – emsige Tourtätigkeit und eigens produzierte und zusammengemixte Compilations, die als "Sick Of Wating ..."-Serie den einen oder anderen Abnehmer finden, tragen das Ihre dazu bei. Erst im Jahr 2002 gibt ihm das Underground-Label Anticon die Möglichkeit, sein Solodebüt aufzunehmen.

"Personal Journals" vermischt Sage Francis' Vorliebe für Battle-Rap, seine Rapfertigkeiten, die er auf zahlreichen Live- und Freestyle-Auftritten gesammelt hat und seine poetische Tiefe, die er bereits bei seinen Spoken Word-Aktivitäten unter Beweis stellte.

Die Presse klebt dieser Art von Rap das befremdliche Etikett "Emo-Hip Hop" auf, was weder Sage, noch seinen Fans so richtig gefallen mag. Natürlich erzählt er in seinen Texten weniger von Autos, Cash und Champagner, doch unterstellt ihn die Kategorisierung "Emo" eine deutlich falsche Richtung. Dass er definitiv zu den krediblen Rappern gehört, zeigt er nur ein Jahr später mit "Hope", der ersten LP gemeinsam mit Joe Beats als Non Prophets auf Lex Records.

Einen weiteren ungewöhnlichen Schritt für einen Hip Hop-Künstler macht Sage im Jahr 2004, als ihn das Punk-Label Epitaph unter Vertrag nimmt. Er trifft dabei eine durchaus richtige Entscheidung, denn Acts wie Atmosphere oder der Blackalicious-MC Gift Of Gab liefern noch vor Sage bahnbrechende Alben für Epitaph ab. Im Februar 2005 erscheint sein erstes Album mit dem Epitph-Logo.

"A Healthy Distrust" unterscheidet sich vom Vorgänger besonders in der Stimmung. Deutlich dunkler, vertrackter und vor allem bissiger wirkt das Album des mittlerweile 27-Jährigen. Die teilweise durchgeknallten Texte drehen sich vorwiegend um Kritik an der Obrigkeit – politisch und religiös.

Im Ganzen liefert die Platte ein Gesamtkunstwerk aus ungewöhnlichen Soundspielereien, lyrisch-durchgeknallter Rappoesie und simplem, symbolhaftem Artwork. Beim ersten Hören erschließt sich seine Klasse nicht im Geringsten, aber eine intensivere Auseinandersetzung mit "A Healthy Distrust" offenbart dem Hörer ein geniales, revolutionäres Kunstprodukt, das sich vor den Veröffentlichung des Mainstreams nicht verstecken muss.

Francis schreibt die Texte für den Soundtrack des Films "Pride And Glory" von Gavin O'Connor, während Filmkomponist Mark Isham für den Sound sorgt. Oft wird der Rapper als Straight Edger dargestellt.

Er ist Vegetarier und verzichtet auf den Konsum von Alkohol und Drogen. Von diesem feststehenden Begriff möchte sich Francis jedoch distanzieren und propagiert in einem Interview bei Headcase Live, man solle sich nicht darüber definieren, was man nicht tut. 2006 kandidiert er für PETA als "heißester Vegetarier". Ein Jahr danach veröffentlicht er seine dritte Platte "Human The Death Dance".

Für "Li(f)e" holt sich Sage Francis, inzwischen beim Label ANTI- gelandet, Experten ins Boot, die so gar nichts mit Hip Hop am Hut haben: "Wir haben extra Songwriter ausgesucht, die nie zuvor mit einem Rapper gearbeitet haben", erklärt er. "Und ich wollte nicht, dass sie Musik schreiben, von der sie dachten, sie sollten sie schreiben, wenn es Hip Hop werden soll."

Unter anderen sorgen Jason Lytle (Grandaddy), Chris Walla (Death Cab For Cutie) und Mark Linkous (Sparklehorse) für alternativen Gitarren-Sound, in den sich Sage Francis' lyrische Perlen und episch ausgebreitete Geschichten verblüffend gut einfügen.

Der Genre-Clash funktioniert zur Abwechslung einmal prächtig: Dem durchschnittlichen Head werden Gitarren geradezu schmackhaft gemacht. Im Gegenzug lernen Indie-Pop-Rock-Alternative-Anhänger möglicherweise die Vorzüge eines gut gemachten Rap-Textes zu schätzen.

Alben

Sage Francis - Li(f)e: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2010 Li(f)e

Kritik von Dani Fromm

Perlen des Sprechgesangs nicht nur für Kopfnicker. (0 Kommentare)

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