laut.de-Kritik

Music for the jilted iPod generation.

Review von

The Smiths, Primal Scream, Stone Roses, Manic Street Preachers, The Charlatans, The Verve und Oasis borgten sich mehr als nur ein paar Riffs und angeberische Gesten, bevor sie das Erbe von Mick Jagger und Keith Richards an die Britpop-, Indie- und iPod-Generation weiter reichten.

Das ist doch mal ein Satz. Den muss man erst mal sacken lassen. Niedergeschrieben hat ihn Pierre Perrone, Musikjournalist und Stones-Experte, verantwortlich für den historischen Abriss im Booklet von "Rolled Gold +".

Zwar klingt Perrone schwer nach krampfhaft erdachtem Pseudonym und auch Google hat von diesem Spezialisten noch nie etwas gehört, aber wer auch immer dahinter steckt, die Bandauswahl verrät den Autor eindeutig als Engländer.

Überflüssig auch, die Songrasterfahndung anzuwerfen, um zu eruieren, wo genau Morrissey, Tim Burgess oder Richard Ashcroft mal die Stones haben anklingen lassen oder Mutmaßungen darüber anzustellen, ob in deren Songs nicht vielleicht öfter Lennon/McCartney anklingen.

Grund: It's all about history. Und da gibts nur die Guten (Beatles) und die Bösen (Stones). Gemeinsam sind sie in die Geschichtsbücher eingegangene Vordenker einer neuen Ära, die eine Revolution in Gang setzte, deren Codes und Symboliken bis in die heutige Jugendkultur spürbar sind.

Die juvenile Faszination für einen kajalgeschminkten, ekstatisch zappelnden Magdeburger namens Kaulitz ohne das laszive Bühnengebaren des Pilzkopf-Rebellen Mick Jagger? Schwer vorstellbar.

Moralgeschwängerte Kampagnenkreuzzüge zur Rettung des von Marilyn Manson oder Berliner Asirappern verwahrlosten Nachwuchses ohne die Eskapaden der Glimmer Twins vor 40 Jahren? Undenkbar.

"Rolled Gold +" verzeichnet auf zwei CDs die 40 wichtigsten Stones-Songs von Anbeginn ihrer Karriere 1963 bis ins Jahr 1971 und dem Album "Sticky Fingers". Keine ganz neue Idee, mag man einwenden, und tatsächlich erschien die Platte im Jahr 1975 schon einmal.

Und wie damals bleibt einem auch 32 Jahre (bzw. dem gesamten Menschenleben des Autors) später nur die Wiederholung alter Einschätzungen: Vor uns liegt die definitive Stones-Kollektion.

Denn mal ehrlich: Nach "Sticky Fingers" kamen zwar vereinzelt noch sehr ordentliche Songs, doch spätestens ab 1981 wars dann aus mit der einstigen Wucht des Anti-Establishment.

Auf "Rolled Gold +" dagegen findet sich alles: Das zaghafte Beat-Poltern im Schatten der Beatles, die schamlose wiewohl schwungvolle Adaption alter Chuck Berry-, Muddy Waters- und anderer Chicago Blues-Helden der Twens. Das erste messerscharfe Richards-Lick ("The Last Time") als Sprungbrett für das bereits drei Monate später folgende, umstürzlerische "(I Can't Get No) Satisfaction".

Vom Soundtrack der Unzucht ("Satisfaction", "Street Fighting Man", "Sympathy For The Devil") über sexuell aufgeladene ("Under My Thumb") und erste Honky Tonk-Experimente ("Let It Bleed") bis hin zu Jam- ("Midnight Rambler") und Balladen-Meisterwerken ("Wild Horses").

Anhand der Psychedelic-Stücke "She's A Rainbow" und "2000 Light Years From Home", jüngst gecovert von Nena bzw. Monster Magnet, darf man sich zwischen all den Klassikern auch an Obskuritäten laben.

Garage Rock, wie wir ihn kennen, hätte ohne sie wohl nicht stattgefunden. Und ein Leben ohne die White Stripes, The Strokes, The Libertines, Jon Spencer und die Dirtbombs mag man sich nun wirklich nicht vorstellen, oder?

Trackliste

CD1

  1. 1. Come On
  2. 2. I Wanna Be Your Man
  3. 3. Not Fade Away
  4. 4. Carol
  5. 5. Tell Me
  6. 6. It's All Over Now
  7. 7. Little Red Rooster
  8. 8. Heart Of Stone
  9. 9. Time Is On My Side
  10. 10. The Last Time
  11. 11. Play With Fire
  12. 12. (I Can't Get No) Satisfaction
  13. 13. Get Off Of My Cloud
  14. 14. I'm Free
  15. 15. As Tears Go By
  16. 16. Lady Jane
  17. 17. Paint It Black
  18. 18. Mother's Little Helper
  19. 19. 19th Nervous Breakdown
  20. 20. Under My Thumb
  21. 21. Out Of Time
  22. 22. Yesterday's Papers
  23. 23. Let's Spend The Night Together
  24. 24. Have You Seen Your Mother, Baby, Standing In The Shadow?
  1. 1. Ruby Tuesday
  2. 2. Dandelion
  3. 3. She's A Rainbow
  4. 4. We Love You
  5. 5. 2000 Light Years From Home
  6. 6. Jumpin' Jack Flash
  7. 7. Street Fighting Man
  8. 8. Sympathy For The Devil
  9. 9. No Expectations
  10. 10. Let It Bleed
  11. 11. Midnight Rambler
  12. 12. Gimme Shelter
  13. 13. You Can't Always Get What You Want
  14. 14. Brown Sugar
  15. 15. Honky Tonk Women

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2 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Hui, eine Stones-Compilation. Wie, ähhh, aufregend :-/. Ist ja auch erst die *schnellbeiwikiguck* etwa fünfzehnte.
    Ist natürlich schön, wenn auch BestOf's besprochen werden, aber eben auch annähernd überflüssig.
    Das tut natürlich der Aussage, dass dies die definitive Stones-Kollektion sei keinen Abbruch ;-).

  • Vor 6 Jahren

    haha ... lustig: ein Beatles kontra Stones-Disput. Nach so langer Zeit mal wieder :D

    Also was Primal Scream anbelangt: Spiel einem "Pro-Stones-Veteranen" und altgedientem Beatles-Verächter, der den Britrock-Revival der letzten 10,20 Jahre komplett verschlafen hat "Riot City Blues" vor - und er wird vollkommen aus dem Häuschen sein. Versprochen!

    Und "The Verve" sind nun mal allein schon durch den Rechtsstreit mit den Stones bezüglich "Bitter Sweet Symphony" auf ewig mit denen verbandelt.