Porträt

laut.de-Biographie

Remy Shand

Remy Shand ist eine Kalkleiste mit einer Mütze. Seine Mütze erinnert an Jamiroquai, seine Musik nur an eines: guten alten Motown-Soul. Das 24-jährige kanadische Multitalent ist der erste weiße Artist, der einen Vertrag mit diesem berühmt-berüchtigten Label ergattert hat, und kein Anderes wäre wohl für ihn passender. Seine Kopfstimme bevorzugende Art und Weise zu singen ähnelt der Marvin Gayes und auch seine Finger sorgen auf zahlreichen Instrumenten, live bevorzugt auf Tasten, für einen fließenden, jazzigen, zuckerwattewolkigen Soul.

Remys erste musikalischen Erinnerungen stammen aus der Zeit als er drei ist, und sein Vater hinter einer Disco-Wand, die abgerissen wurde, eine Ansammlung von alten Soulplatten findet. Muttern schwärmt derweil für Ann Peebles und Al Green und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Remy sich genau auf diese Schiene begibt.

Mit zwölf Jahren lernt er Gitarre und Bass, indem sein Vater ihm ein paar Griffe beibringt und ihn anschließend mit diesen und etlichen alten Platten einfach ein bisschen rumschrammeln lässt. Fünf Jahre später beherrscht Shand zusätzlich Rhodes, Orgel, Clavinee, Saxophon, Trompete, Percussion und etliches mehr. Da in Winnipeg keiner seine Art von Musik spielen will, macht er sich daran, im Alleingang Songs zu schreiben, sie einzuspielen, und das Ergebnis auf Demoband zu verschicken.

Gleich drei Plattenfirmen zeigen auf Anhieb starkes Interesse, wodurch Remy in den Genuss kommt frei wählen zu können. Er entscheidet sich für die Plattenfirma Universal, da diese ihm die Produktion eines kompletten Albums zusichert, und ihm erstaunlicherweise die Zeit, die er sich dafür nimmt, sowie die alleinige Gewalt über das Album lässt.

Ergebnis von ganzen vier Jahren Arbeit ist "The Way I Feel", das 2001 auf dem Universal Sub-Label Motown erscheint, das Remy schon wieder vollkommen alleine in seinem Schlafzimmer in Winnipeg eingespielt und produziert hat. Und dass nun auf seinem Album "Motown" steht, kann ihn ruhig stolz machen, wurden doch nahezu sämtliche seiner musikalischen Vorbilder, über Stevie Wonder, The Isley Brothers bis Marvin Gaye, dessen Ausnahmealbum "Here, My Dear" sowas wie eine musikalische Bibel für Remy darstellt, von Motown vertrieben.

"The Way I feel" landete in Canada auf Platz eins, mittlerweile sind mehrere Singles erfolgreich ausgekoppelt, darunter der schwebende Memphis-Soul-Ohrwurm "Take A Message" und das eher bluesorientierte "Color of The Day", in dem einem die Idee kommt, dass man vielleicht doch ganz gerne die Hammond wäre, die Remy bearbeitet. Das gesamte Album handelt von Liebe und so weiter - besonders schlecht scheint es Remy in der Hinsicht nicht zu gehen: Wütende Up-Tempo-Nummern hat er nach eigenen Angaben noch nicht für sich entdeckt, und mittlerweile ist er mit einer seiner wunderschönen Backgroundsängerinnen liiert und tourt lustig durch die Gegend.

Der Markt für "Neo-Soul", wie er auch genannt wird, ist in den letzten Jahren nie sonderlich groß gewesen, und doch tauchen immer wieder ganz erstaunliche Künstler auf, deren Wurzeln entgegen dem erfolgreicheren "charts-typischen" R'n'B noch in den alten Zeiten stecken, und die Soul weiterhin lebendig halten. Neben Erykah Badu, Indie Arie, D'Angelo und Maxwell jetzt auch die Kalkleiste Remy Shand, der sich mit all jenen sehr verbunden fühlt. Und wenn man ihn fragt, wie denn ein weißer Junge aus Winnipeg zu solchem Soul in der Lage ist, lacht er und spricht die wahren Worte: "Soul is a feeling, man. It's a state of mind. It really doesn't matter where you're from."

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