Porträt

laut.de-Biographie

Refractory

Von "refractory materials", feuerfesten Materialien, wird gemäß der deutschen Industrienorm verlangt, "einen Kegelfallpunkt größer SK 17" zu besitzen. Ehe man nun über Segerkegel und das damit zusammenhängende Maß sinniert, von dem selbst das Lexikon kündet, es besitze keinerlei praktische Relevanz, denke man lieber über Dinge nach, die aus feuerfesten Materialien hergestellt werden. Schmelztiegel zum Beispiel - damit kommt man dem französischen Musik-Projekt wesentlich näher.

Hinter Refractory stehen in erster Linie zwei Franzosen: Jean François Blanco und der Saxophonist Loius Beaudoin. Deren Erfahrungen zeigen, kaum treffen sie aufeinander, dass elektronische Produktionen eine ganz eigene Atmosphäre entfalten, bringt man sie mit Jazz in Kontakt. Besonders gut gedeiht das neue Gewächs, krallt es seine Wurzeln fest in fruchtbare Hip Hop-Erde.

Blanco und Beaudoin veröffentlichen 2004 ihr erstes gemeinsames Album unter dem Titel "Refractory". Ihre lässigen Produktionen, die sich mit entspannter Eleganz zwischen den Stilen bewegen und Soul-, Pop-, Rap-, Jazz-, Funk- und Latin-Elemente gleichermaßen aufsaugen, finden zudem Eingang auf diverse Sampler.

Die Musik überschreitet Grenzen, ihre Schöpfer tun es ihr gleich: Die beiden Drahtzieher kehren Frankreich den Rücken, um die Welt zu sehen. Die Suche nach immer neuen Klängen für den bandeigenen Sound bildet die Triebfeder.

Berührungsängste? Für Blanco und Beaudoin ein Fremdwort. Sie arbeiten mit koreanischen Sängern, darunter der Jazz-Vokalist Youn Sun Nah, einem ungarischen Sinfonieorchester, erkunden die traditionelle Musik Indonesiens, touren mit Kollegen wie DJ Vadim und The Herbaliser oder spielen unzählige Jam-Sessions in New York.

Bei einer solchen Gelegenheit läuft ihnen Rapper Bruce Sherfield alias MC Jester über den Weg und wird umgehend assimiliert. Weiteres Ausstrecken der Tentakel beschert der aufgeschlossenen Combo die zauberhafte Soulstimme Sena Dagadus aus Ghana. Weitere Musiker und Produzenten, darunter der Pianist Matthieu Jerome und Hip Hop-Producer DJ Eanov, runden das Gesamtbild ab.

Das akustische Resultat entzieht sich so erfolgreich jedem Kategorisierungsversuch, dass Kritiker Verleiche mit Gurus Jazzmatazz bemühen. Beide Projekte eint die Verankerung im Hip Hop und die musikalische Offenheit über vermeintliche Genre-Schranken hinweg. Im Refractory-Schmelztigel findet zusammen -
ähnlich wie unter Gurus Regie - was im Grunde schon immer zusammen gehörte, auch, wenn es zunächst gar nicht so aussieht.

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