Porträt

laut.de-Biographie

Phantom Black

"Die Leute da draußen sind alle offen", zeigt sich Phantom Black gegenüber rhyme-magazin.de überzeugt. "Dass man dazu tanzen und sie einfach fühlen kann." Bedürfnisse, die der Rapper befriedigen will.

Dabei startet sein Lebensweg weit, weit entfernt von seiner späteren Operationsbasis Hamburg: Leo Mosley erblickt 1971 in Wilmington in North Carolina das Licht der Welt. Als Artillerist bei der US Army zieht er in den ersten Golf-Krieg, anschließend wird er auf einer Army-Base in Gießen stationiert.

"Ich kann nicht sagen, dass das gut war", erinnert er sich im Interview mit Backspin TV an seinen Feldzug. 1991 war Mosley nach Deutschland zurück gekehrt, zwei Jahre später soll er wieder abkommandiert werden, diesmal nach Jugoslawien. Ihm reichts. "Ein Krieg war genug für mich. Eigentlich ist einer schon zu viel." Leo Mosley quittiert den Dienst und kehrt in die Staaten zurück. Nicht für lange: Seine in Deutschland zurück gebliebene Freundin ruft an, sie ist schwanger - und Mosley bald wieder hier.

"Ich konnte kein Deutsch. Das einzige, das ich machen konnte, war Musik." Die begleitet Mosley von Kindesbeinen an. "Ich bin mit Soul und Hip Hop aufgewachsen. Aber es lief auch Depeche Mode, Johnny Cash und überhaupt eine ganze Menge Country-Musik", beschreibt er seine Einflüsse. "Wenn ich Musik höre, höre ich eigentlich alles - außer Techno."

Trotzdem verschreibt sich Leo Mosley dem Rap und verpasst sich den Bühnennamen Phantom Black. 1995 kommt er erstmals nach Hamburg - und landet mitten im dort abhebenden Hip Hop-Hype. Zu einer Jam geladen, steht er erstmals mit 2 Ruff und den Britcore-Konsorten der Stunde auf der Bühne. Aus einem geplanten Wochenend-Aufenthalt werden drei Monate. Wenig später zieht Mosley ganz in die Hansestadt um.

Mit ebenfalls aus den USA stammenden Kollegen gründet er die Formation Prophets of the Underground, nimmt erste Demos auf und knüpft Kontakte zu unterschiedlichsten Kollegen und Produzenten. Zu einer ersten 12" ("I Have Nobody") und einer EP verhilft ihm das Magazin Backspin.

Deren Titel verrät, worauf man bald auch bei Eimsbush aufmerksam wird: Phantom Black liefert "Easy Flow Type Stuff", stylet überaus lässig - und macht sich zudem rasch einen Namen als derber Live-Act. Er tourt mit Samy Deluxe, Mr. Schnabel, Nico Suave, Jan Delay oder Blumentopf und liefert Gastpart um Gastpart ab. Die zweite EP erscheit beim Hamburger Kultlabel, auch ihr Titel spricht Bände: "Finally Connected".

Doch das Glück währt nicht lange: 2004 streicht Eimsbush, denen das Wasser schon länger bis zum Hals steht, die Segel. Phantom Black verliert die so wichtigen Labelstrukturen, nimmt es rückblickend aber gelassen: "Ich war vor Eimsbush pleite, und danach war ich auch pleite", kommentiert er lakonisch gegenüber Mixery Raw Deluxe.

Trotzdem dauert es einige Zeit, sich neu aufzustellen, neue Mitstreiter ausfindig zu machen. Um 2006 kommt Phantom Black aber bei PIAS Germany unter. Die Chemie stimmt. Es wird dennoch 2011, bis sein Debüt-Album "Leo Mosley" vorliegt. Die Wurzeln in Hamburg merkt man dem Longplayer nicht an. "Das wollte ich auch so", betont Phantom Black.

"Wenn ich da einen deutschen Artist drauf hätte, wäre sofort klar, das kommt aus Deutschland. Wenn man nur die Musik hört, denkt man nicht mal, dass es aus Europa kommt. Ich habe schon beim Aussuchen der Beats darauf geachtet. Ich wollte, dass man denkt, dass das Album aus den Staaten stammt." Wie sein Urheber eben.

Alben

Phantom Black - Leo Mosley: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2011 Leo Mosley

Kritik von Dani Fromm

Weckt Erinnerungen an Ty und stellenweise sogar an Guru. (0 Kommentare)

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