Porträt

laut.de-Biographie

Paris (USA)

Jazz in den 20er Jahren, später Woodstock, die Rock-Bewegung, The Sex Pistols und Ton Steine Scherben, Public Enemy: die Geschichte politischer Musik ist lang. Hip Hop, als Stilrichtung politischer Auflehnung geboren, hat sich 2003 der Massentauglichkeit hingegeben. Blinkende Goldketten und fröhliche Champagner-Laune haben zum großen Teil die politischen Inhalte vertrieben. Trotzdem gibt es immer noch Rap-Artists, denen eine Aussage am Herzen liegt. Paris ist einer von ihnen. Ein Guerilla-Kämpfer in der Szene, der von Anfang an Politik und Musik verbindet.

Am 29. Oktober 1967 in San Francisco geboren, ist nicht von Beginn klar, dass der kleine Oscar Jackson jr. später einmal eine Ausnahmestellung im Rap-Geschäft einnehmen sollte. Auch in seiner Jugend macht er nicht den typischen Werdegang eines ghetto-geprägten Hip Hop-Hustlers durch. Nach einer erfolgreichen Schulkarriere graduiert er auf der University of California und kann sich fortan ein viel versprechendes Wirtschafts-Zertifikat über seinen Schreibtisch hängen. Der darauf folgenden Karriere als gut verdienender Börsenmakler steht nur eine Kleinigkeit im Wege: seine Liebe zum Rap. Vielmehr seine Liebe zum politischen Rap. Denn neben Buchhaltungs-Kursen und obligatorischen Freestyles mit seiner Crew, sind es besonders die Politik-Kurse, mit denen Paris seine Zeit verbringt.

Ohne den Segen seiner Eltern lässt er sein Zertifikat über dem Schreibtisch hängen und widmet sich voll und ganz der Musik. Schnell erkennt man bei Tommy Boy Records sein Talent und nimmt ihn unter Vertrag. Mit dem Erstlingswerk "The Devil Made Me Do It" kommen 1990 alle in den Genuss von Paris' Verbalattacken. Die Heads sind begeistert, und das Album behauptet sich in den Charts. Paris legt einen Grundstein für politischen Concious-Rap. Mit Songs wie "Panther Power", "Escape From Babylon" oder "The Hate That Hate Made" greift er das Thema Polizei-Brutalität gegen Afro-Amerikaner auf und bekennt sich als Unterstützer der Black Panther-Bewegung und Mitglied der Nation Of Islam. Neben Lob und Respekt für sein gelungenes Debüt muss er aber erstmals erfahren, dass er mit seiner politischen Meinung nicht der Gesamtheit aus dem Herzen spricht. So verweigert MTV das Video zu "The Hate That Hate Made" zu spielen. Der Musiksender ist der Meinung, dass die Animationen, in denen sich das bekannte Uncle Sam-Abbild in einen Teufel verwandelt, zu radikal für die jugendliche Zielgruppe seien.

Bei der Veröffentlichung seines zweiten Albums "Sleeping With The Enemy", zwei Jahre später, bekommt er die Macht der Plattenfirmen noch deutlicher zu spüren. Die Zeiten stehen ohnehin schlecht für den Release einer politisch brisanten Platte. Nur kurze Zeit vorher trennt sich der Musik-Riese Time Warner von Ice Ts Rap-Heavy Metal-Gruppe Body Count, die nach der Veröffentlichung des Songs "Cop Killer" in massive Kritik geraten sind. Leider kann die Plattenfirma auch Paris politische Brisanz nicht akzeptieren und werfen auch ihn vor die Tür. Besonders die imaginäre Ermordung des Präsidenten George Bush Senior. ("Bush Killa") oder die blutige Rache an einem rassistischen Polizisten ("Coffee, Donuts & Death") sind Tommy Boy und vor allem Time Warner ein Dorn im Auge.

Den Fans will Paris seine Platte jedoch nicht vorenthalten. Nach gescheiterten Verhandlungen mit Polygram und Def American nimmt er die Sache selbst in die Hand und releast "Sleeping With The Enemy" kurzerhand über sein selbst gegründetes Label Scarface Records. Die Fans kommen so in den Genuss eines Albums, dass sich ohne Schwierigkeiten mit Klassikern wie "It Takes Nation Of Millions To Hold Us Back" von Public Enemy oder N.W.A.s "Straight Outta Compton" messen kann.

1993 unterschreibt Paris, mit Scarface Records im Gepäck, beim Label Priority Records einen Vertrag. Hier scheint er endlich die richtige Plattform gefunden zu haben, denn Priority ist die Plattenfirma des ebenfalls ständig mit Label-Problemen konfrontierten Rappers Ice-T. 1994 erscheint das neue Album "Guerrilla Funk". An Paris' politischer Kompromisslosigkeit hat sich auch auf dem dritten Werk nichts geändert. Nur sein musikalischer Stil hat auf "Guerrilla Funk" einen eindeutigen G-Funk Einschlag erlitten. Trotz vermeintlicher Gemeinsamkeiten kommt es zum Bruch mit Priority. Aufgrund musikalischer Differenzen trennen sich die Wege nach nur knapp zwei Jahren Zusammenarbeit.

Neben der Arbeit an der neuen Platte widmet sich Paris ebenso dem Aufbau neuer Talente. 1993 produziert er das komplette Debüt-Album und schreibt die Lyrics für das weibliche Rap-Duo Conscious Daughters. Unterdessen geht seine Label-Reise weiter. 1997 kommt er für eine Platte bei Whirling Records unter. Die dabei releaste EP "Unleashed" bleibt aber, unter anderem wegen miserabler Arbeit des Distributors Rykodisc, größtenteils unbeachtet.

Der darauf folgende obligatorische Split mit dem Label und der mäßige Erfolg der Platte zwingen Paris dazu einen anderen Brötchenerwerb zu finden. Da kommt ihm sein Universitäts-Zeugnis ganz recht. Ohne sich von der Musik abzuwenden, startet er eine Karriere als Börsenmakler und kann sich in diesen Gefilden erfolgreich behaupten.

Ohne musikalischen Output stauen sich die Aggressionen, Ungerechtigkeiten und politischen Unzufriedenheiten in Paris jedoch auf und entladen sich 2003 mit dem Release des neuen Albums "Sonic Jihad". Von Problemen mit Plattenfirmen hat er genug. Er verbreitet die Platte über seine Homepage www.guerrillafunk.com. Die Seite eignet sich aber nicht nur für den Vertrieb, sondern bietet Paris auch eine perfekte Plattform für die Veröffentlichung seiner politischen Ideen und die Sicht der Dinge eines Rappers, der seit fast 15 Jahren im Geschäft ist.

Das Album "Sonic Jihad" ist wegen des expliziten Cover-Artworks in eine schwarze Extra-Hülle verpackt. Wie in seinen besten Zeiten schießt Paris auf pumpenden Beats und westcoastigen Synthies politische Salven gegen seine Feinde. Mit Unterstützung von Public Enemy, Dead Prez und Capleton wettert er gegen die amtierende Bush-Administration, Polizei-Brutalität, militärische Propaganda und den erbärmlichen Zustand der Hip Hop-Szene.

Eines hat "Sonic Jihad" erneut unterstrichen. Paris hat immer noch etwas zu sagen. Er denkt nicht einmal ans Aufhören. Nach etlichen Jahren im Geschäft und zahlreichen Problemen mit der Musikindustrie ist Paris immer noch im Business und kein bisschen leise.

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