Porträt

laut.de-Biographie

Ocker

"Wer trägt lieber Seide als Cord, New York - Wer ist zur gleichen Zeit am selben Ort? New York - Banküberfälle sind besser als Mord, New York". Viele einheimische Bands klagen über die Schwierigkeit, hochwertige Texte in der Muttersprache zu verfassen. Noch mehr Bands lassen sich von dieser Tatsache leider nicht abschrecken. Nicht so Ocker. Dabei haben die vier Jungs aus der Elbmetropole Hamburg weitaus mehr auf dem Kasten, als nur feines Sloganeering.

Auf ihrem 2003er Debüt "1234 Love" stellen sie drei Jahre nach ihrer Gründung eine unerhört groovende Mischung aus dilletantisch sympathischen Elektro Pop-Songs zur Schau, die in keiner Sekunde Berührungsängste vor großen Melodien aufzeigen. Oft ist Schwerelosigkeit als zentrales Motiv erkennbar, bimmeln helle Glockenspiele über Sequencerbeats oder es rummst der Oktavbass, bis es Nacht wird auf der Reeperbahn.

Dort nehmen Ocker auch ihr erstes Video zu "New York FM" auf, das zumindest bei Kavkas MTV Spin auf einige Einsätze kommt. Als Vorbilder nennt das Quartett die obligatorischen Kraftwerk, aber auch deutsche Minimalelektronik, wenngleich sie sich eher als Liveband, denn als Studiotüftler sehen. "Wir sind eben keine richtigen Songwriter", erläutern sie im Gespräch mit laut.de und verweisen grinsend auf ihr Spezialgebiet des Experimentierens.

Auf diesem Terrain wiederum sind die Krautrock-Minimalisten von Neu! in den späten 70ern zu Weltruhm gelangt, und da für die überfällige Wiederveröffentlichung jener vergriffenen Kult-Alben Herbert Grönemeyer Pate stand, bewerben sich Ocker 2001 kurzerhand bei dessen Label Grönland. Der Mann aus Bochum findet zwar Gefallen an den Demos des Vierers, zu einer Zusammenarbeit kommt es letztlich aber nicht. Überlebt hat immerhin Grönemeyers knackiges Statement, Ocker seien "die Air von St. Pauli", was wir gerne so stehen lassen.

Nach zahlreichen Konzerten und einem Support-Gig mit Broadcast melden Ende 2002 die Leute von Pop Up Records Interesse an, gleichzeitig liegt Ocker ein Major-Angebot von Universal vor. Der Indie-Laden gewinnt. Somit ist der Weg nach unzähligen Compilation-Beiträgen (u.a. Alfred Hilsbergs "Geräusche für den Tag danach", "What's So Funny About"-Sampler) endlich frei zum Debüt, das vom Plewka- und Rammstein-Produzententeam veredelt wird. Die Greatest Hits des Debüts und andere Ferkeleien tragen Ocker dann auf einer kleinen Deutschland-Reise vor, die keine Zweifel daran lässt, warum die Band sich vor allem live zuhause fühlt. Keep On Rockin' In A Free World: Mit Synthie-Hymnen zwischen Captain Future und Walt Disney-Romantik.

Als sich Gerüchte um ein neues Album ranken, reibt man sich erstmal ungläubig die Augen. Drei Jahre ist das nun schon wieder her seit "1234 Love"? Ja. Nächster Schlag: "Public Transport", ab dem 24. Februar im Handel. Wer sich ob des fulminanten Debüts unsicher wähnte, ob die Hamburger diesem Paukenschlag hinterher trommeln können, darf beruhigt sein. Schon die Single "Hauptsache Popmusik" zeigt auf, dass alle Stärken nach wie vor gebündelt in den Sequencer eingeflossen sind.

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