Porträt

laut.de-Biographie

Milu

"Ein Text ist nur dann gut, wenn er auf eigenen Lebenserfahrungen beruht." Angesichts der in ihrer Musik herrschenden Melancholie glaubt man Anke Hachfeld sofort, wenn sie angibt, kein glückliches Kind gewesen zu sein. Geboren im Wonnemonat des Jahres 1973 startet sie nicht gerade in eine Bilderbuchkindheit. Anke ist oft krank, mehrmals auch lebensbedrohlich - schon früh wird ihr klar, dass der Tod zum Leben gehört. Aber: das traurige kleine Mädchen singt. Sie singt sich selbst in den Schlaf, singt für Verwandte und Freunde, singt auf Klassenfahrten - jeder Anlass ist recht.

Vordem noch als Leistungssportlerin aktiv, wendet sie sich mit 16 Jahren der Musik zu. Anke singt in mehreren Bands, darunter drei Jahre lang bei "Growing Daze". Die Formation spielt Popmusik mit leichten Soul- und Jazzeinflüssen, die Texte sind ausschließlich in Englisch gehalten. Unterschiedliche Ansichten über die einzuschlagende musikalische Richtung - den übrigen Bandmitgliedern ist Ankes Gesang zu melancholisch, während diese die Musik als zu poppig empfindet - führen zum Ende der Gruppe; die Wege trennen sich.

Anke, sie wohnt mittlerweile in Göttingen, begibt sich auf die Suche nach neuen Musikern. Eher zufällig lernt sie, vermittelt von einer Freundin, Katrin Beischer kennen. Diese erschließt Anke, die nie wirklich ein Instrument gespielt hat, mit ihrer Geige, der Flöte, Djembetrommeln und einem Sammelsurium anderer Percussionsgeräte ein vollkommen neues musikalisches Universum. Die Damen beginnen, gemeinsam zu musizieren. Ihnen gesellen sich bald die beiden Mitbewohner Katrins hinzu: Mit Drummer Søan Meyer und Maaf Kirchner, der sich für Keyboards und Sampling zuständig fühlt, sind Mila Mar 1996 komplett. Eines ihrer ersten Stücke ist "Follow Me".

Das Quartett arbeitet sich mit melancholischen, schwebenden Melodien, minimalistischen Arrangements, Ethnoeinschlägen aus afrikanischen, irischen und orientalischen Traditionen und nicht zuletzt dank Ankes vier Oktaven umfassenden Stimme zu einem festen Bestandteil der Schwarzen Szene empor. Ihr erstes Album "Mila Mar" verlegen sie 1997 noch in Eigenregie; der Nachfolger "Nova" kommt zwei Jahre später auf Strange Ways Records heraus. Mila Mar beeindrucken daneben durch schier permanente Livepräsenz. Bei ihren Auftritten legen sie neben der musikalischen Darbietung stets Wert auf atmosphärische Beleuchtung. Die Tour zum 2000 veröffentlichten Album "Elfensex" wird zum bisher größten Erfolg der Band. Politisch Stellung zu beziehen ist den Vieren dabei ein Anliegen. Mit ihrer Unterstützung für die Aktion "Schwarz statt braun - Gruftis gegen rechts" machen sie ihre Position ebenso klar wie mit konsequenten Absagen ihrer Auftritte, in Fällen, in welchen Acts zweifelhafter Gesinnung gemeinsam mit ihnen auf dem LineUp stehen.

Mila Mar bestehen in der genannten Besetzung bis 2002. In diesem Jahr trennen sich die Wege; Anke und Maaf führen das Projekt gemeinsam fort. 2003 erscheint "Picknick On The Moon". Für Live-Auftritte holen sich Mila Mar verschiedene Musiker ins Boot, darunter Bassisten und Cellisten B. Deutung und Geiger Jan Klemm, die beide unter anderem bei den Inchtabokatables ihre Instrumente streichen. Die Inchtabokatables sind, neben Deine Lakaien und den Guano Apes, auf "Picknick On The Moon" als Gäste zu hören. Die zugehörige Tournee zum Album erweist sich allerdings als lange nicht so gut besucht wie die vorige; gut möglich, dass die Schwarze Szene Mila Mar ihre zunehmend stärker einfließenden Popmusikelemente verübelt. Mila Mar verabschieden sich aus dem Showgeschäft in eine "kreative Pause".

Etwa in dieser Zeit beginnt Anke Hachfeld, eigene Wege zu gehen. Durch ihr musikalisches Engagement etwas ausgebremst, schließt sie 2002/2003 ihr Studium der Psychologie, Soziologie und Pädagogik ab. Diverse studienbegleitende Praktika im Hospizbereich sowie ihre Diplomarbeit, die sich mit Nahtodeserfahrungen befasst, liefern ihr Ideen, die in ihren düster-melancholischen Songs zur Entfaltung kommen.

2004 tritt Anke unter neuem Künstlernamen miLù mit dem Titel "Die Liebe" auf Schillers Album "Leben" in Erscheinung. Der Initiator des Trance/Ambient-Projekts, der Hamburger Christian von Deylen, kollaboriert für "Leben" mit unterschiedlichen Vokalisten, darunter Sarah Brightman, Kim Sanders (Ex-CultureBeat) und Wolfsheim-Sänger Peter Heppner. Die Grufti-Szene hat miLù damit endgültig abgehängt; ihr Engagement bei Schiller wird in den dunklen Kreisen als "Kommerzscheiße" abgetan. In diesem Jahr tourt miLù gleich zweimal mit Schiller: im April und im November. Bei dieser Gelegenheit lernt sie Peter Heppner und Kim Sanders kennen.

Für die Arbeit an ihrem Solo-Debüt "No Future In Gold" zieht miLù Produzenten Dirk Rieger heran. Rieger hatte einst einen Remix des Mila-Mar-Stücks "Sense Of Being" fabriziert und war seitdem für Mila Mar tätig. "No Future In Gold" vereint TripHop und Pop mit musikalischen Elementen der 20er Jahre; der Gesang ist - im Gegensatz zu Mila-Mar-Zeiten, als Anke mal deutsch, mal englisch, mal in einer selbst-kreierten Phantasiesprache sang - ausschließlich in Deutsch gehalten. Die erste Singleauskopplung "Aus Gold" erfolgt Ende 2004 und behauptet sich fünf Wochen in den Singlecharts.

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung initiiert miLùs Label Drakkar die Spendenaktion "Musik kann mehr". Ein Teil des Verkaufserlöses von "Aus Gold", das den Tod eines Kindes im Krieg, betrachtet aus unterschiedlichen Blickwinkeln zum Thema hat (miLù übernimmt den Part der trauernden Mutter, Kim Sanders die distanzierte Beobachterin, Peter Heppner den Soldaten), geht an Kinderheime in Afghanistan; die Initiative erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz. Nebenher tritt miLù mit einem klassischen Programm (akustisches Trio plus Gesang) bei den Leipziger Bachfestspielen auf und spielt mit Angelzoom ein Duett ein, das auf deren gleichnamigen Album veröffentlicht wird.

Nach der düsteren Stimmung in "Aus Gold" wirkt die zweite Single "Du Bist Schön" wesentlich fröhlicher. Der zugehörige Longplayer "No Future In Gold" erscheint im April 2005.

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miLù live im KUZ Mainz Auf der Bühne mal frivol, mal zerbrechlich aber immer mit großartiger Stimme.

Auf der Bühne mal frivol, mal zerbrechlich aber immer mit großartiger Stimme., miLù live im KUZ Mainz | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auf der Bühne mal frivol, mal zerbrechlich aber immer mit großartiger Stimme., miLù live im KUZ Mainz | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auf der Bühne mal frivol, mal zerbrechlich aber immer mit großartiger Stimme., miLù live im KUZ Mainz | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auf der Bühne mal frivol, mal zerbrechlich aber immer mit großartiger Stimme., miLù live im KUZ Mainz | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auf der Bühne mal frivol, mal zerbrechlich aber immer mit großartiger Stimme., miLù live im KUZ Mainz | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auf der Bühne mal frivol, mal zerbrechlich aber immer mit großartiger Stimme., miLù live im KUZ Mainz | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auf der Bühne mal frivol, mal zerbrechlich aber immer mit großartiger Stimme., miLù live im KUZ Mainz | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele)

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