Porträt

laut.de-Biographie

Reinhard Mey

"Solange ich hören kann, habe ich nach Auswegen aus dem Elend des deutschen Schlagers gesucht, dessen ewiggestriges internationalen Musiktrends Hinterherhinken und dessen peinliche Anspruchslosigkeit Schuld daran sind, dass deutsche Unterhaltungsmusik - wenn überhaupt - mit Spott und mitleidigem Lächeln bemerkt wird."

Also sprach Reinhard Mey, als ihn die Deutsche Phono-Akademie 1999 für den Schallplattenpreis Echo nominieren wollte - in der Kategorie Deutscher Schlager. Für Mey eine "Beleidigung". Nicht Schlagerfuzzi will er sein, sondern ein Liedermacher, der versucht, "in der kargen Dürre der deutschen Musiklandschaft die seltene, schöne, zarte Blume Chanson auszusäen, zu hegen und zu pflegen."

Indessen hat es durchaus seinen guten Grund, dass Reinhard Mey solch üblen Verdächtigungen ausgesetzt ist: Welcher andere deutsche Musiker hat es schon geschafft, dass Teile seiner Texte als Schlag(!)worte in die Umgangssprache eingehen. "Der Mörder ist immer der Gärtner" (1971) oder "Es gibt keine Maikäfer mehr" (1974), aber auch "Hymne an Frau Pohl" (1972) und "Ankomme Freitag, den 13." waren Lieder, deren Refrains Anfang der 70er jedes Schulkind auswändig konnte.

Da war der 1942 in Berlin geborene Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin auf dem Höhepunkt seines Ruhms und gleichermaßen in Deutschland wie - unter dem Pseudonym Frédéric Mey - Frankreich aktiv. Das heitere Augenzwinkern, mit dem alle seine Platten von der ersten Single ("Geh' und fang' den Wind", 1965) bis zum Album "Mein achtel Lorbeerblatt" (1972) vorwiegend private Themen behandeln, weicht allerdings in späteren Jahren zumindest teilweise einer gewissen Neigung zur Betroffenheit.

Sein Engagement für die Kinder-Aids-Hilfe und gegen sexuellen Missbrauch ist vorbildlich, an anderer Stelle wirkt die Bekenntniswut Meys eher wohlfeil und beliebig.

Mal schwärmt der Hobbyflieger von "grenzenloser Freiheit" über den Wolken, dann beklagt er den Missbrauch von Flugzeugen "als Waffe und als Mordwerkzeug": Da liegt das Urteil, der Sänger sei ein "nichtssagender Schnurrenerzähler" (Barry Graves) nicht mehr allzu fern. Der frankophile Mey ist halt doch ein sehr deutscher Idealist: Der denkt gelegentlich quer, will aber immer geradewegs das Gute. Der grillt vegetarisch und geht lieber nackt als in Pelze gekleidet. Der wird Botschafter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), denn er liebt die "See und alles, was damit zusammen hängt".

Die Fans bleiben ihm trotzdem treu. Seine Tourneen sind meist schon Wochen vor Beginn ausgebucht, seine Alben erreichen meist gute Platzierungen in den Charts. "Bunter Hund" erreicht sogar aus dem Stand Platz eins der Charts.

Im Jahr 2009 trifft Reinhard Mey ein familiärer Schicksalsschlag, als sein Sohn Maximilian infolge einer verschleppten Lungenentzündung ins Wachkoma fällt. Während dieser Zeit arbeitet Mey an dem Album "Mairegen", welches inhaltlich wesentlich nachdenklicher stimmt als die Veröffentlichungen zuvor. Auch Meys letztes Studioalbum "Dann Mach's Gut" steht im Frühjahr 2013 noch im Zeichens dieses Verlustes und handelt vor allem von Dingen, die einem Halt geben im Leben.

Im September 2011 geht der Liedermacher auf große Deutschland-Tournee. Den Abend im Münchner Circus Krone lässt der Berliner mitschneiden. Das Ergebnis dieses Auftritts wird im Frühjahr 2012 auf CD gebannt und unter dem Titel "Gib Mir Musik!" im Mai veröffentlicht.

Reinhard Mey zeigt sich sichtlich beeindruckt, als er erstmals Fotos und Aufnahmen zu Gehör bekommt: "Wenn ich die Bilder sehe, und in die vielen, vielen freundlichen Gesichter im Saal, kann ich noch immer kaum glauben, dass ich all diese glücklichen Abende selbst erlebt habe - welch eine wunderbare Reise wir hatten ..."

Im Olymp deutscher Liedermacherkunst besetzt Mey längst einen der einflussreichsten Plätze. Viele seiner Songs zählen heute zu den Klassikern des Genres. Gleichzeitig stellen sie auch ein lebendiges Spiegelbild des jeweiligen zeitgenössischen Umfelds dar. Mey ist ein leiser, aber nie stiller Poet des Alltäglichen. Betonte Aggressivität überlässt er lieber Kollegen wie Wecker und Wader, bedient sich aber dennoch gern einmal deren Repertoire - wie z. B. die Adaption von Waders "Es Ist An Der Zeit" für "Dann Mach's Gut" (2013) beweist.

News

Alben

Reinhard Mey - Mairegen: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2010 Mairegen

Kritik von Artur Schulz

Vom Straßenstrich und Schein-Exekutionen. (0 Kommentare)

Reinhard Mey - Rüm Hart: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2002 Rüm Hart

Kritik von Joachim Gauger

Der Berliner präsentiert sich musikalisch so vielseitig wie lange nicht. (0 Kommentare)

Reinhard Mey - Solo: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2001 Solo

Kritik von Hagen Wäsche

Wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. (0 Kommentare)

Reinhard Mey - Einhandsegler: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2000 Einhandsegler

Kritik von Joachim Gauger

Vor das Vergnügen hat der Berliner auch diesmal den guten Willen gesetzt (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare