Porträt

laut.de-Biographie

Reinhard Mey

"Solange ich hören kann, habe ich nach Auswegen aus dem Elend des deutschen Schlagers gesucht, dessen ewiggestriges internationalen Musiktrends Hinterherhinken und dessen peinliche Anspruchslosigkeit Schuld daran sind, dass deutsche Unterhaltungsmusik - wenn überhaupt - mit Spott und mitleidigem Lächeln bemerkt wird."

Schuh-Plattler: Spotify bezahlt für stille Streams
Schuh-Plattler Spotify bezahlt für stille Streams
Spotify überweist 20.000 Dollar für stilles "Sleepify"-Album. Dazu News zu Leonard Cohen, Beastie Boys, Weezer, 5 Fragen an Nine Black Alps, etc.
Alle News anzeigen

Also sprach Reinhard Mey, als ihn die Deutsche Phono-Akademie 1999 für den Schallplattenpreis Echo nominieren wollte - in der Kategorie Deutscher Schlager. Für Mey eine "Beleidigung". Nicht Schlagerfuzzi will er sein, sondern ein Liedermacher, der versucht, "in der kargen Dürre der deutschen Musiklandschaft die seltene, schöne, zarte Blume Chanson auszusäen, zu hegen und zu pflegen."

Doch ganz unschuldig ist Mey nicht an dem Schlager-Verdacht: Welcher andere deutsche Musiker hat es schon geschafft, dass Teile seiner Texte als Schlag(!)worte in die Umgangssprache eingehen? "Der Mörder ist immer der Gärtner" (1971) oder "Es gibt keine Maikäfer mehr" (1974), aber auch "Hymne an Frau Pohl" (1972) und "Ankomme Freitag, den 13." waren Lieder, deren Refrains Anfang der 70er jedes Schulkind auswändig konnte.

Da war der 1942 in Berlin geborene Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin auf dem Höhepunkt seines Ruhms und gleichermaßen in Deutschland wie - unter dem Pseudonym Frédéric Mey - Frankreich aktiv. Das heitere Augenzwinkern, mit dem alle seine Platten von der ersten Single ("Geh' und fang' den Wind", 1965) bis zum Album "Mein achtel Lorbeerblatt" (1972) vorwiegend private Themen behandeln, weicht allerdings in späteren Jahren zumindest teilweise einer gewissen Neigung zur Betroffenheit.

Sein Engagement für die Kinder-Aids-Hilfe und gegen sexuellen Missbrauch ist vorbildlich, an anderer Stelle wirkt die Bekenntniswut Meys eher wohlfeil und beliebig.

Mal schwärmt der Hobbyflieger von "grenzenloser Freiheit" über den Wolken, dann beklagt er den Missbrauch von Flugzeugen "als Waffe und als Mordwerkzeug": Da liegt das Urteil, der Sänger sei ein "nichtssagender Schnurrenerzähler" (Barry Graves) nicht mehr allzu fern. Der frankophile Mey ist halt doch ein sehr deutscher Idealist: Der denkt gelegentlich quer, will aber immer geradewegs das Gute. Der grillt vegetarisch und geht lieber nackt als in Pelze gekleidet. Der wird Botschafter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), denn er liebt die "See und alles, was damit zusammen hängt".

Die Fans bleiben ihm trotzdem treu. Seine Tourneen sind meist schon Wochen vor Beginn ausgebucht, seine Alben erreichen meist gute Platzierungen in den Charts. "Bunter Hund" erreicht sogar aus dem Stand Platz eins der Charts.

Im Jahr 2009 trifft Reinhard Mey ein familiärer Schicksalsschlag, als sein Sohn Maximilian infolge einer verschleppten Lungenentzündung ins Wachkoma fällt. Während dieser Zeit arbeitet Mey an dem Album "Mairegen", welches inhaltlich wesentlich nachdenklicher stimmt als die Veröffentlichungen zuvor.

Auch das Album "Dann Mach's Gut" steht im Frühjahr 2013 noch im Zeichens dieses Verlustes und handelt vor allem von Dingen, die einem Halt geben. Die Erkrankung seines Sohnes ist ein Wendepunkt in Meys Leben, nichts ist mehr wie es vorher war. "Das Leben hat mich mit Geschenken überhäuft, mit Glück und Liebe überschüttet und, wie um Gleichgewicht und Gerechtigkeit wiederherzustellen, auch mit dem größten Schmerz", schreibt Mey dazu auf seiner Homepage. Fünf Jahre lang pflegen er und seine Frau ihren Sohn, bevor Maximilian im Mai 2014 an den Folgen seiner Erkrankung stirbt.

Im Olymp deutscher Liedermacherkunst besetzt Mey längst einen der einflussreichsten Plätze. Viele seiner Songs zählen heute zu den Klassikern des Genres. Gleichzeitig stellen sie auch ein lebendiges Spiegelbild des jeweiligen zeitgenössischen Umfelds dar. Mey ist ein leiser, aber nie stiller Poet des Alltäglichen. Betonte Aggressivität überlässt er lieber Kollegen wie Wecker und Wader, bedient sich aber dennoch gern einmal deren Repertoire - wie z. B. die Adaption von Waders "Es Ist An Der Zeit" für "Dann Mach's Gut" beweist.

News

Alben

Noch keine Kommentare