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Es begab sich aber zu der Zeit (genauer: anno 1985), dass der in Hamburg und Freiburg studierte Schlagzeuger, Pianist und Dirigent Ernst Horn aus München und der Sänger Alexander Veljanov, der zu dieser Zeit noch Film- Theaterwissenschaften studiert, eine Band namens Deine Lakaien gründen. Ernst schaltet zuvor in einer Zeitung eine kleine Annonce, nach dem Motto: "Suche experimentierfreudigen Sänger".
Bereits 1986 erscheint das erste Album, allerdings im Eigenvertrieb und Ernst und Alexander ziehen noch eigenhändig von einem Laden in den anderen um ihre CDs an den Mann zu bringen. Die Musik von Deine Lakaien, eine gefühlvolle Harmonie aus Veljanovs eindringlicher Stimme und Horns melodiösem musikalischem Background, findet den Weg in die Indie-Club-Szene und so dauert es nicht lange, bis Plattenfirmen auf sie aufmerksam werden.
1991 erscheint das zweite Album "Dark Star" bei Chrom Records und es folgt eine Tour, bei der es Deine Lakaien zum ersten Mal live zu sehen gibt. Das Duo präsentiert sich auf der Bühne mit zwei weiteren Musikern und die live völlig umarrangierten Titel bieten den Zuschauern eine spannende Synthese aus komplett live gespielter Elektronik, Gesang und klassischen Instrumenten. Aufgrund des großen Erfolges dieses Programms setzen Deine Lakaien die Tour 1992 auf der Dokumenta in Kassel fort. Sie ist erneut komplett ausverkauft und die Band experimentiert mit einem rein akustischen Programm mit Flügel und Gesang.
1993 folgt "Forest Enter Exit", mit dem der Band der Durchbruch und zum ersten Mal der Weg in die deutschen Charts gelingt. Mittlerweile sind sie so etwas wie das Aushängeschild der deutschen Elektro-Indie-Bewegung. Erneut findet die Tour akustisch statt, die Resonanz ist umwerfend. Das Livealbum "Acoustic" geht 1995 für mehrere Wochen in die deutschen Charts. Nach einem weiteren Album wird es 1997 ruhig um die Band. Beide Musiker widmen sich Soloprojekten. Ernst Horn nimmt für den Bayrischen Rundfunk preisgekrönte Hörspiele auf und arbeitet an Hörkollagen.
'98 zeigt sich Veljanov von einer deutlich erdigeren Seite und bringt sein Solo-Debüt "Secrets Of The Silvertongue" heraus. Vor allem in den Ruhephasen bei Deine Lakaien beschäftigt sich Alexander mit seinen Solo-Scheiben. Auch Ernst Horn hat neben seinen beiden Projekten Qntal und vor allem Helium Vola, noch andere Eisen im Feuer.
Im Frühjahr '99 erscheint mit Kasmodiah das erste Album nach einer längeren Pause. Im Jahr 2000 bleibt es weitgehend ruhig um das Duo. Im April 2001 kommt "The Sweet Life", Veljanovs zweites Soloalbum, über das er im Interview plaudert.
Anfang 2002 folgt White Lies. Damit gehen sie ausgiebig auf Tour und nehmen nicht nur eine Doppel Live-CD, sondern auch die DVD "Live In Concert" auf. Auf der Tour werden sie von Cellist B.Deutung (Ex-The Inchtabokatables), Gitarrist Robert Wilcocks und den beiden Violinistinnen Ivee Leon und Sharifa begleitet.
Da die Zusammenarbeit live so hervorragend klappt, entschließt sich das Münchner Duo dazau, auch im Studio mit dem Quartett zu arbeiten. Nachdem sie von Sony zum nächsten Major Label Capitol/EMI wechseln, beginnen sie mit den Arbeiten an "April Skies". Das Album erscheint Mitte März 2005 und ist deutlich dynamischer als der Vorgänger. Über musikalisch sehr abwechslungsreichen Stücken trohnt wie immer Alex' Stimme.
Nach diesem Release ist es an der Zeit, sich selbst so richtig abzufeiern, schließlich feiern Deine Lakaien 20-jähriges Jubiläum. So treten sie im August in Hannover auf, wo am 12. das "Concert That Never Happened Before" statt findet und wo das Duo nur Lieder aus den ersten zehn Jahren der Bandgeschichte zum Besten gibt. Im Februahr 2007 stehen sie schließlich unter anderem in Frankfurt mit dem dort ansässigen Orchester Neue Philharmonie in der Alten Oper auf der Bühne.
Bei einem Konzert in der Arena zu Oberhausen lassen sie wieder die Kameras laufen und bannen das Dokument auf DVD. "20 Years Of Electronic Avantgarde" erscheint im Juni 2007.
Ober-Lakai Veljanov über die Sünden der Geistlichen und Latex-Schnepfen in der Wave-Szene.
Deine Lakaien sind mittlerweile schon ein Vierteljahrhundert alt. Und mit "Indicator" haben sie gerade einen Meilenstein in ihrer Karriere veröffetlicht.
Zeit also, mit Sänger Alexander Veljanov Rückschau und Ausblick zu halten. Der eloquente aber oft als reserviert und eher zugeknöpft geltende Deutsch-Mazedonier zeigt sich dabei sehr offen und redselig. Für verfehlte Politik und schlimme Musik findet er deutliche Worte.
Hallo Alexander, zum Einstieg: Hast du eigentlich schon einmal deinen eigenen Wikipedia Eintrag gelesen? Da steht sehr staatstragend "Leben und Werk" als Überschrift. Klingt Goethe-artig und auch ein wenig nach Epitaph; als wenn du nicht mehr unter den Lebenden weilen würdest.
Alexander Veljanov: Kenne ich wirklich nicht. Ich boykottiere Wikipedia ganz bewusst. Ich lehne es komplett ab. Wenn man Halbwahrheiten und schlecht recherchierte Pseudofakten haben möchte, dann sollte man sich definitiv auf Wikipedia verlassen. Aber "Leben und Werk"? Grundsätzlich ist ja schon der Begriff Werk für schöpferisch tätige Menschen eher angestaubt. Nee, echt, Werk geht gar nicht.
Was geht: erstmal herzlichen Glückwunsch zum 25-jährigen Bestehen der Band.
Ist eigentlich erst nächstes Jahr offiziell geplant.
Moment, die Gründung datiert doch anno 1985.
Ja, du hast Recht. Die Gründung war 1985. Insofern schon 25 Jahre Lakaien. Aber Ernst und ich gehen für uns immer von der ersten Veröffentlichung aus. Und die war 1986.
Dann lass uns doch mal eine vergleichende Rückschau halten. Wenn du den Alexander von heute mit dem damaligen vergleichst in Bezug auf Texte, Gesang und Komposition, inwieweit näherst du dich der Musik anders als früher?
Es wäre ja fast schon tragisch, wenn es heute dasselbe wäre wie damals. Als Anfänger orientiert man sich zunächst viel mehr an Vorbildern. Das gibt sich. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich nie ausschließlich selbst geschriebene Texte gesungen habe. Im Gegenteil; anfangs war es umgekehrt. Bei den Lakaien hat sich das so auf mehr oder weniger fifty-fifty eingependelt. Es wäre doch für das Publikum langweilig und auch ein wenig enttäuschend, wenn man sich in so langer Zeit nicht zumindest ein wenig zum Besseren entwickeln würde. Allein schon die Beherrschung der Stimme als Instrument ist doch so ein Punkt. Und natürlich konnte ich in den Lyrics nicht die jugendliche Naivität und Unverfälschtheit auf Dauer konservieren. So fließen doch mit der Zeit die sehr intimen Erfahrungen ein, die unser aller ganzes Leben bestimmen.
Die Themen von "Indicator", Politik, gesellschaftliche Missstände und eine Menge Wut, sind tatsächlich sehr ungewöhnlich, wenn man die rein romantischen Darkwave-Anfänge bedenkt. Ist der Realismus bei den Lakaien eingekehrt?
Das kommt in der Tat unabhängig voneinander sowohl von Ernst und mir. Wir stellten fest, fast gleichzeitig Texte geschrieben zu haben, die das gleiche Thema berühren. Jedoch ohne es abgesprochen zu haben. "Immigrant" z.B. wurde von Ernst getextet.
Ach tatsächlich? Bei dem Text hätte ich nun wirklich gedacht, er käme von dir; gerade wegen deines bi-nationalen Hintergrunds.
Sollte man meinen, aber "Europe" ist von mir. Das Thema ist identisch. Es geht um Migration und die europäische Frage. Wer darf was? Wichtig war uns jedoch, die Thematik aus zwei völlig verschiedenen Blickwinkeln auszuloten. Immigrant handelt von einem Menschen aus der dritten Welt, der versucht, übers Mittelmeer irgendwo hin zu gelangen, wo er sich eine würdige Existenz erarbeiten kann und darf. Der Chorus gipfelt dann auch in der Frage nach einem ganz normalen Leben. Wer darf dieses Ansinnen in Frage stellen? Darfst du mir das Recht nehmen? Der Text ist sehr direkt aus der Ich-Perspektive eines Opfers. Ein sehr gehetztes Lied. Ich denke auch musikalisch gelungen umgesetzt. Die Angst, das Getriebensein und das nicht wissen, was passiert, hat Ernst sehr gut inszeniert. Man ist doch ausgeliefert sowohl den Naturgewalten als auch den politischen Gewalten. Wird man erschossen? Wird man zurück getrieben? Eingesperrt? Oder schafft man es? Und zu Hause wartet die Großfamilie, die eben in dem jungen starken Mann den fähigsten erwählt hat, das Schicksal zu wenden.
Und inwiefern ist Europa da das Gegenstück oder besser Partnerstück?
Da geht es eher um die Frage, wer reagiert auf den Wunsch von Menschen, sich zugehörig und integriert zu fühlen; z.B. in die EU? Wer entscheidet über die Einteilung in verschiedene Klassen in Europa. Wir wissen doch alle selbst, dass es die großen Reichen gibt. Dann gibt es die kleinen Reichen. Und an dritter oder vierter Stelle stehen dann die Bittsteller, aufgenommen oder eben noch nicht aufgenommen. Aber warum? Diese Einteilung ist doch wesentlich von der europäischen Geschichte der letzten Jahrhunderte geprägt. Es sind damals wie heute die Interessen Londons, Frankreichs, auch Russlands und nicht zuletzt Deutschlands. Alle haben ihre Vasallen und Verbündeten; ob das jetzt Italien, Spanien ist oder die Balkanstaaten. Da gibt es ja Verwicklungen und Verbindungen, die über Jahrhunderte gehen. Gleichzeitig hat Europa noch immer nicht geklärt, wofür man steht. Was soll es denn am Ende für ein System sein; wirtschaftlich, kulturell und sozial?
Eine andere Sache, die dir sehr am Herzen liegt, scheint die Verwaltung der Religion durch die Geistlichen zu sein. Richtet sich deine Wut hier speziell gegen die christlichen Staaten oder ist das eher als allgemeine Kritik zu werten?
Hier geht es in "Europe" natürlich aufgrund des Europabezugs vor allem um die christlichen Kirchen, die immer versucht haben, Macht zu konservieren und zu mehren. Das geht bis heute. Nicht mehr so offensichtlich. Und da stellt sich doch die Frage, wo sind sie denn eigentlich, die echten Hüter des Christentums? Das frage ich auch unseren deutschen, bayerischen Papst an oberster Stelle. Wo sind jene, berufen, die Rechte der Menschen zu verteidigen; dafür zu sorgen, dass Gerechtigkeit auch umgesetzt wird in Europa?
Wie stellst du dir das denn konkret vor?
Schau dir nur mal diesen schlimmen Widerspruch an. Auf der einen Seite versucht die katholische Kirche in einem Kontinent voller Armut, Überbevölkerung und AIDS-Epidemien noch immer, die Verhütung zu verbieten. Andererseits heißen sie aber nicht aktiv jene hier willkommen, die aufgrund dieser Umstände geboren werden und später nach Europa wollen, weil sie nur ums nackte Überleben kämpfen.
Wenn man die Entwicklung deines Gesangs seit dem letzten Album beobachtet, könnte man sagen, du kommst langsam bei Jacques Brel und Scott Walker an?
Das freut mich nun wirklich sehr zu hören. In der Tat ist Brel ein wirklich ein extrem wichtiger Einfluss von Jugend an. Seit der Kindheit schon. Walker kam dann tatsächlich hinzu als ich 16 war. Schön, dass das jemand wirklich herauszuhören in der Lage ist. Gerade bei Walker treffen sich ja die Welten mit den Solosachen, wo er u.a. auch Brel gecovert hat. Oder Bowie nicht zu vergessen.
Bowie? Du meinst dessen 1972/73er Versionen von "Amsterdam" und "My Death"? Die finde ich auch hervorragend, obwohl das damals nicht so bei den Kritikern ankam.
Absolut richtig. Ich muss ohnehin sagen, dass französische Musik mich stets sehr interessiert hat. Das lag wohl auch an meiner Herkunft und Erziehung. Dass ich weder richtig deutsch noch richtig makedonisch war. Da habe ich mir als Kind eine Art Ersatzsprache zugelegt. Und das war französisch. Das hat mich einfach fasziniert, noch mehr als das Englische. Ich habe mich eigentlich ein Leben lang mit dieser Sprache und Kultur auseinandergesetzt.
Gibt es denn auch kulturelle Wurzeln aus dem makedonischen Raum?
Oh ja, ich habe beide Kulturen, deutsch und makedonisch von Anfang an mitbekommen. Da haben meine Eltern sehr drauf geachtet; sowohl die makedonische familie meiner Mutter und die deutsche Seite meines Vaters. Nach White Lies, also Anfang 2002 habe ich auch gemerkt, dass mir da noch etwas fehlt. Das schwarze Loch durch die Kriege in den 90ern musste aufgefüllt werden. Also habe ich diesen Versuch der Wiederentdeckung der zweiten Heimat ... nein ... zweite Heimat klingt furchtbar. Sagen wir der anderen Heimat. Das habe ich 2007 in ein Album münden lassen. Das war mir sehr wichtig als Mensch und als Künstler. Und genau da merkt man auch am Gesang die von dir bemerkte Entwicklung der Stimme. Die Stimme bewegt sich weniger hinter und durch Bilder.
Das hat viel mit den gemachten Erfahrungen zu tun. Ich sah doch wie Kollegen und Freunde in diesen Jahren gelitten haben. Hierzulande wurde die Bevölkerung glücklicherweise verschont von Blutvergießen nach dem Mauerfall. Dort unten war das anders. Das kleine Mazedonien wurde und ist doch bis heute weder anerkannt von Bulgarien, noch von Serbien oder Griechenland. Jetzt sind die Griechen selbst am Rande der Existenz als Staatsgebilde. Versteh mich nicht falsch. Die meisten Griechen können ja gar nichts dafür.
Sehr weites Feld. Und dennoch im Lakaienkontext.
Ja, das hätte ich mich früher nicht getraut. Aber wir wissen jetzt: Es geht alles! "Indicator" hat die alten Stärken aufs Wesentliche reduziert. Überflüssiges wurde vermieden. Also haben wir hier ein Album, das hoffentlich nicht später nur als routiniertes Alterswerk durchgeht.
Vieles liegt hier auch an den Streichern. Sie nehmen nach meinem Eindruck genau den Platz ein, den früher das Piano bei euch hatte.
Interessante Analyse. Das mag vielleicht wirklich so sein. In der Tat sind sie nicht allgegenwärtig, aber, wenn sie mal vorkommen, sind sie sehr präsent und dominant. Wir haben versucht, Streicher zu wählen, die auch die Stimme tragen. Das war bewusst.
Keine Pseudo-Klassiksoße, meinst du?
Exakt, es sind eben keine Samples. Keine synthetisierten Geigen und Celli. Du hörst genau die Instrumente, die auch auf der Bühne stattfinden.
Bei so viel Authentizität dann mal eine kritische Frage. Würdest du mir zustimmen, dass du mitunter auch unter künstlerischen Gesichtspunkten ein recht unglückliches Händchen hast was die Auswahl der Kollaborationen betrifft?
Gastauftritte meinst du?
Ja, Künstler, denen du die Stimme geliehen hast.
Ganz ehrlich: Ich sage da meistens nur aus Sympathie zu und nicht unbedingt, weil die Musik der Leute jetzt das ist, was ich am überzeugendsten finde. Leider machen oft die nettesten Menschen die schlechtere Musik und leider ist die Musik, die einem gefällt, oft mit Menschen verbunden, die man nicht so sehr mag.
Das ist nicht dein Ernst.
Doch, das ist ein Erfahrungswert. Aber wenn du schon so direkt bist, dann sag doch bitte auch an, was für besonders gute und besonders schlechte Projekte du da im Auge hast.
Gern! Zitat von dir: Blöd seine Songs runterdudeln und dazu irgendwelchen klebrigen Klassiksirup drüber gießen, das ist ganz schlimm.
Ja stimmt, und?
So etwas Richtiges und Wichtiges sagt der Alex, und dann geht er zu Schiller. Ich nenne diese Beliebigkeit für mich immer die Peter-Heppner-isierung der eigenen Gesangskarriere. Ebenso erzählst du mir hier von wichtigen Texten und lyrischer Entwicklung. Und dann gehst du zu Stendal Blast, die nun wirklich eher mit gängiger Szene-Klischeelyrik glänzen. Und auf der anderen Seite so großartige Projekte wie The Perc Meets The Hidden Gentleman. Was bitte soll das denn? Wie soll man daraus schlau werden?
Hm, naja, also ... mir war auch ganz klar und mir ist auch klar, dass Schiller Tapetenmusik ist, wenn auch auf hohem Niveau mit vielen internationalen Gästen. Ich wollte einfach mal wissen, wie es funktioniert, mit jemandem zu arbeiten, der absolut das Gegenstück zu einem Ernst Horn, einem unermüdlichen Elektrofrickler ist. Schiller als einer, der aus dieser klassischen Tapeten ... äh ... Elektronik, World, Ambient Musik à la Michael Cretu stammt. Aus dieser Schule. Ich wollte wissen, wie der mit mir umgeht, mit meiner Stimme. Wie kann ich mit meinem Text und meiner Melodie dieser sehr oberflächlich gestalteten Gebrauchsmusik etwas entgegensetzen. Das fand ich wirklich spannend. Und meistens sagte ich Leuten in der Vergangenheit zu, weil man sich kannte und privat gut miteinander auskam. Weil man sich einfach sympathisch war. Und Emilio von The Perc Meets The Hidden Gentleman kannte ich wirklich schon, als ich noch keine einzige Platte verkauft habe. Bei dem habe ich früher in der Kneipe in Schöneberg gejobbt, um Geld zu verdienen. Und Stendal Blast hast du noch erwähnt. Ja, das sind wirklich auch sehr nette Kerle.
Und wie steht es mit dem Klischeebild der Lakaien? Viele versuchten euch stets in die typische Darkwave-Ecke zu drängen. Am besten als deutsches Flaggschiff der schwarzen Szene. Alles Quark? Alles überwunden?
Ach, einerseits sind wir doch als typisches 80er Elektroduo gestartet. Sänger und Schrauber. Nur hatte eben kaum eines dieser zahlreichen Duos eine solch lange Lebensdauer, außer vielleicht den Pet Shop Boys. Ästhetik über Elektronik war der Ausgangspunkt. Aber die transportierten Songs klingen ja nicht durch die Elektronik wie Songs, sondern, weil man sie klassisch komponiert. Klavier, Stimme Text! Und genau das haben wir auch bewiesen. Wir waren, glaube ich, die erste Elektroband der Welt, die unplugged mit präpariertem Klavier à la John Cage und Gesang aufgetreten ist. Ernst hat das ja auch studiert und oft auf der Bühne gemacht. Unsere Elektromusik kommt direkt von der Cage Schule. Das ist kein Klischee. Das war ein Wagnis damals.
Was also seid ihr?
Gut, lange Rede kurzer Sinn. Wir sind weder Klassik, noch Pop, noch Avant Garde. Wir sind einfach eine Band, die versucht, Dinge zusammen zu bringen, die scheinbar nicht zusammen passen. Orchesterarrangements, die eben nicht sind wie Metallica plus Symphoniesoße.
Du meinst die "S&M"? Das ist für mich auch das ewige Mahnmal dafür, wie man es nicht machen sollte.
Es gibt sicherlich noch viel Schlimmeres. Aber von Metallica hätte ich wirklich erwartet, dass sie es besser hinkriegen. Auch diese ganzen Queen meets Royal Philharmonic Sachen. Das ist doch wirklich völlig indiskutabel. Aber eine Band wie Metallica, die intelligent war und auch wegweisend, der hätte ich wirklich was Besseres zugetraut als eine Auftragsarbeit machen zu lassen mit einem typischen Hollywood-Soundtrack-Streicher-Sirup. Unsere Arrangements sollten eben beweisen, dass es anders geht. Und dieses neunte Studioalbum ist für mich ein ganz persönlicher Beweis dafür, dass ich in den letzten Jahren nicht alles falsch gemacht habe. Sondern tatsächlich eine Entwicklung genommen habe, die mich als individuelle Stimme innerhalb unseres Konzeptes identifizierbar macht, aber gleichzeitig nicht in dem Stil, der Geste und dem Habitus verharrt.
Ist dir in diesem Zusammenhang mal aufgefallen, dass man euch bzw dich für genau diesen Gesang heutzutage lobt, bei dem der Musikexpress und viele andere anno "Forrest Enter Exit" noch schrieben: Bedenkliche Vocals!?
Ach, die Moden kommen und gehen. Es dreht sich alles und kommt und geht. Zur Zeit haben wir diese Post Joy Division Revival Stimmung. Ich glaube auch, wenn "Indicator" jetzt das Album einer unbekannten englischen Band wäre, würde es ganz anders aufgenommen und beurteilt werden, als wenn da der Lakaienstempel drauf ist. Aber das ist eben der Gang der Dinge. Wir waren nie hip oder zeitgeistig. Man hat das auch zu Zeiten unseres Durchbruchs 1994 oft eher befremdlich gefunden. Ich weiß noch, Spex schrieb damals Smells like Weltschmerz. Und heute werden wir so als die Godfathers of Darkwave bezeichnet. Ein Begriff, den es damals übrigens noch gar nicht gab. Den haben wir quasi mitgeprägt.
Wie positionierst du dich denn zur Darkwave- und und Gothic-Szene in ihrer Entwicklung? Epigonentum ohne Ende?
Ich habe da keinen Einblick mehr, ehrlich gesagt. Ich habe aber das Gefühl, dass es heute mehr denn je nur um die Äußerlichkeit geht. Mit einer Musik, die man in Endeffekt auch durchaus als schlagerkompatibel vermarkten könnte, vermischt man düster schwarze Attribute. Ebenso die musikalisch fast volkstümlich mittelalterlichen Weisen. Nur eben, das die Jungs sich heute Bärenfelle umhängen. Ergebnis: Etiketten funktionieren immer. Oder deutschsprachiger Rap. Da haste auch vom Bierzelt-Schenkel-Klopfer, von Maria, pack deine was weiß ich aus, bis hin zu wirklich feingeistigen gesellschaftspolitischen Texten alles dabei. Ich denke, das ist in allen Genres ähnlich.
Sehr diplomatisch, die Überdachung mit allen Genres. Aber lass mich kurz nachhaken. Ihr spielt immerhin nicht wenige solcher Festivals und du kennst altersbedingt auch die Anfänge der Waveszene mit Größen wie Bauhaus und Co. Wie heimisch fühlt man sich denn heutzutage in diesem Umfeld?
Es gibt natürlich gerade auf Festivals zu viele Musiker oder Bands, die meinen, es reicht, irgendeine Latex-Schnepfe auf die Bühne zu stellen. Oder gleich mehrere, die dann hoppla-hoppla-hoppsassa machen. Das ist schon sehr peinlich. Das sind quasi die Totengräber einer einstmals interessanten, mit echten Künstlern bestückten Bewegung nach der Punkära. Wenn man 20 Bands dieser Bewegung aus den 80ern nimmt und sie mit heutigen 20 Bands vergleicht, die auf den Festivals spielen. Dann kann man eigentlich nur beschämt wegschauen. Punkt!
Ja, das kannst du tatsächlich so sagen. Es gibt ein Lied auf dem Album "Zeichnungen Des Patienten OT". Dort heißt es: Auch Lakaien haben Taktgefühl. Das hat uns damals sehr gut gefallen. Gerade wegen der sprachlichen Mehrdeutigkeit. Wir wollten wirklich einen haben, der nicht nach NDW, Deutschrock oder ähnlichen Sachen klingt. Aber er sollte deutsch sein und uns als deutsche Band ausweisen. Es sollte auch zeigen, dass wir keine typischen Popstars werden wollen.
Haben sich die Neubauten bzw. Blixa denn jemals dazu geäußert?
Mir persönlich gegenüber nicht. Ich kannte Blixa zwar ein wenig aus dem Berliner Nachtleben, habe mit ihm auch mal ein paar Sätze gewechselt. Aber da warten wir noch sehr jung. Das war in den 80ern.
Was kann denn nun noch kommen für die Lakaien? Ihr habt fast alles durch. Bleibt nur noch die Hinwendung zum Jazz als Steigerung des eigenen Anspruchs?
Och ja, gerne. Aber wohl eher solo als mit dem Lakaien. Ich bin ja dem Jazz auch nicht abgewandt. Es gibt ja auch so fantastische Jazzsänger. Ich finde es nur immer so gruselig, was für ein massenkompatibler Kram uns heute von Sängern wie Robbie Williams oder Michael Bublé als Jazz verkauft wird. Bäh! Aber so jemand wie Cassandra Wilson z.B. ist natürlich sehr beeindruckend. Es gibt da soviel hervorragende Sachen. Und vergiss bitte nicht: Unser Song "Alabama" von der neuen CD ist ja auch ganz bewusst John Coltrane gewidmet.
Also keinerlei Berührungsängste?
Nein, warum auch? Mit guter Musik grundsätzlich nicht!
Das wäre auch ein Schlag für die so genannte seriöse Presse, die euch gern ignoriert und die Szeneblätter des Darkwave, die euch auch nicht verstehen.
Ich glaube auch, dass das Internet hier die Zukunft ist. Da geht es oft mit mehr Enthusiasmus zu als bei den Kollegen der immer überflüssigeren Branche des gedruckten Wortes. Das gedruckte Papier in punkto Musikkritik ist doch höchstens so attraktiv wie ... naja ... ich habe mich wohl gerade ein wenig verbrannt.
Nein, du hast ja völlig Recht. laut.de ist ja immerhin Deutschlands größte Onlinemusikseite und kein gedrucktes Kioskprodukt. Mich beleidigst du damit nicht.
Hätte ich auch nicht beabsichtigt.
Nachdem wir Alexander Veljanov im Laufe seiner Solo-Tour schon etwas auf den Zahn gefühlt hatten, war es an der Zeit, zur Veröffentlichung der neuen Lakaien-Scheibe Ernst Horn ans Telephon zu bitten. Wie sich zeigte, hat der Mann nicht nur jede Menge Humor, sondern ist auch ein sehr angenehmer Gesprächspartner.
Hallo, hier ist Ernst Horn von, äh, Moment mal, ah ja, Deine Lakaien. Wieso ruf ich dich eigentlich nicht in Konstanz an, sondern in Mainz?
Weil ich da gelegentlich studiere, wenn ich nicht gerade Interviews führe. Warum rufst du mich aus Hamburg an und nicht aus München?
Weil ich gelegentlich bei unserer Plattenfirma rumhänge um Interviews zu machen, wenn ich nicht gerade in München bin.
Damit wären die Formalitäten geklärt. Euer neues Album heißt "White Lies", ist das korrekt? Ich hab hier nämlich nur eine Promo mit dem Titel "Album 2002" vorliegen. Wie wird denn das Cover letztendlich aussehen?
Das wird ein weißes Kaninchen sein, auf dessen Auge ein Bar-Code zu erkennen ist. Mund und Nase des Tieres werden auch nicht zu erkennen sein, alles geht etwas ineinander über. Alles in weiß auf einem weißen Hintergrund. Es weißelt, aber zumindest die Schrift bleibt schwarz, damit auch klar ist, um wen es sich handelt.
Ist diese Idee auf eurem Mist gewachsen?
Nein, der Vorschlag kam von unserem Art-Director. Wir hatten aber mehrere Optionen zur Auswahl, in welche Richtung wir gehen wollen und haben uns dann dafür entschieden. Das war Anfangs gar nicht so einfach, da weiß ja nicht unbedingt unsere Farbe ist (lacht). Auf er anderen Seite hat er uns seine Idee sehr plausibel erklärt, mit weiß als Unschuldsfarbe und als Sinnbild des Unberührten, welches mit diesen kleinen Irritationen verletzt wird. Auch die Photos von uns sind auf gewisse Weise entfremdet, dass irgendwo was raus wächst und solche Späße. Es schien uns letztendlich doch schlüssig und zu unserer Musik und unserem Konzept passend. Wir konnten die Verbindung durchaus herstellen, wobei uns natürlich bewusst war, dass wir einen riskanteren Weg gehen. Aber damit sind wir halt mal wieder an die Diskussionsfront zurück gekehrt, kann auch nicht schaden.
War es dann auch auf Antrieb dieses Art-Directors hin, dass das Video zu "Generators" entsprechend ausfiel?
Na klar, wir hatten uns für dieses Konzept entschieden und ab da hatte der Mann eigentlich freie Hand. Das ist aber auch sehr wichtig, dass jemand, der entsprechende Vorstellungen hat, auch alles dementsprechend umsetzen kann und darf. Er hatte die Oberaufsicht über das Video, die Single, die Plakate, das Cover, eigentlich die gesamte Gestaltung. Nur auf die Live-Tour hat er keinen Einfluss. Die beschränkt sich ja nicht auf ein Album.
Das wäre meine nächste Frage gewesen, ob das Weiß auch auf der Bühne umgesetzt wird?
Ich denke eher nicht. Es gibt zwar dementsprechende Wünsche und Vorstellungen, aber ich glaube nicht. Das fängt ja schon damit an, dass weiß für jeden Beleuchter ein Horror ist, und geht damit weiter, dass wir auf unseren Konzerten immer etwas sehr Eigenständiges mache, unabhängig vom Album. Du denkst jetzt wahrscheinlich an einen weißen Frack am weißen Flügel (lacht).
Das wär doch mal was Feines. Oder ihr splittet einfach euren Set in eine weiße Hälfte und eine schwarze?
Och, ich glaub da sind wir einfach zu faul. Dann mit umziehen und so ein Kram, nee, lass mal.
Dann erzähl mir doch mal etwas mehr zu den Lyrics. Gleich der erste "Wunderbar": welche Idee steckt dahinter, das einzige deutsche Wort des Textes, welches nicht mal zum Zusammenhang passt, als Titel zu verwenden?
Doch eigentlich passt es schon, es geht ja um einen Betrunkenen, der einen Laternenpfahl ansingt und in seinem Zustand eben alles wunderbar findet. Im Laufe der Strophe kommt dann eben heraus, dass nicht alles wunderbar ist, sondern dass es sich bei diesem Mann um jemanden handelt, der sozial abgestürzt ist, was auch mit diesem Laternenpfahl zu tun hat, den er mit dem Auto mal rammte. Ich 'wunderbar' in diesem Zusammenhang einfach ein tolles Wort, welches die Amerikaner und Engländer ja auch alle kennen. Dass ist so wie Kindergarten. Ich finde es einfach viel schöner als wonderful. Diesen Text hab ich ursprünglich für Alexanders Solo Projekt geschrieben, den er aber dann nicht verwendete. Es kann gut sein, dass ich den Text, wenn ich ihn direkt für Deine Lakaien angelegt hätte, anders verfasst hätte. In diesem Wort 'wunderbar' ist so ein Stück Freiheit drin, sie ich sehr mit seinem Solo Projekt verbunden habe, wobei es schon ein Lakaien Stück ist.
Das Text Konzept klingt aber so etwas nach Situationskomik. Basiert das auf eigenen Beobachtungen?
Schon irgendwie, die Situationskomik ist natürlich schon vorhanden, aber es ist auch eine traurige Komponente da, es ist Winter, der Mann ist am Ende, er schläft unter dieser Laterne, ist ja nicht unbedingt ein tolles Leben.
Nicht wirklich. Das Stück "Generators" unterscheidet sich auf der CD doch von der des Videos, warum?
Warum nicht, es unterscheidet sich auch von der auf der Single. Beim Video gibt es ja immer bestimmte Vorgaben. Wir hatten einfach noch diese relativ harte Club-Version, mit einem etwas explosiveren Mittelteil, der etwas mehr in die Vollen gegangen ist, das hat unserem Art-Director sehr gut gefallen und das konnte man visuell auch sehr schön umsetzen. Somit mussten andere Parts etwas gekürzt werden und es entstand eine neue Version.
Ich muss gestehen, ich fand die Video-Version bei den ersten Durchläufen sehr sperrig und wurde nur sehr langsam warm damit.
Das ist doch voll in Ordnung, in dem Fall war es ja auch so, dass man diesen Song nicht unbedingt als Single veröffentlicht hätte. Es ist ein sperriger Song, deswegen fand ich es auch gut, dass das Video in eine künstlerische Ecke geht. Wir werden uns bei den Fernsehsendern eh immer schwer tun, genauso wie wir uns bei den Radiosendern schwer tun. Warum also nicht eine künstlerisch klare Linie zeigen, mit dem Risiko, dass man weniger gespielt wird. Auch wenn wir uns anbiedern würden, wäre die Situation wohl die gleiche.
Der Song wächst aber mit der Zeit und ist inzwischen einer meiner Favoriten.
Das habe ich schon öfter gehört, danke. Viele sagten zu Anfang, dass das mit den Trommeln überhaupt nicht nach Deine Lakaien klingen würde. Mir persönlich war aber genau dieser Effekt wichtig, damit das nicht nur so vor sich hin plätschert, da ja auch textlich diese Geborgenheit thematisiert wird. Wer hätte was davon, wenn wir "Return II" geschrieben hätten.
Was natürlich textlich aber auch musikalisch absolut heraus sticht ist "Stupid". Wie kam es zu dieser Selbsterkenntnis, äh, will sagen, Selbstironie? Fühlt ihr euch von der Presse oft missverstanden?
Das ist einfach ein Song für dumme Musiker, für dumme Kritiker, für dumme Geschäftsleute ... Ach Gott, ja es hat sich über die Jahre schon so ein bisschen Frust angestaut. Jeder will dir sagen in welche Richtung du dich eigentlich entwickeln solltest und die meisten verstehen einfach nicht, worum es uns geht. Aber es ist in erster Linie eine kleine Selbstironie, wir sind halt dumm, aber ihr doch auch.
Kein Einspruch. Wurde bei "Lost" der Anfangspart eigentlich nachträglich bearbeitet? Das ist ja nicht ganz einfach, den Teil so einzusingen.
Du meinst, weil es von der Harmonie her wie Kraut und Rüben klingt? Aber nein, das hat Alex direkt eingesungen, der kann das. Das macht der mit links.
Dann erzähl mir doch mal ein bisschen was zum Text von "Prayer".
Die Inspiration stammt von Michel Houellebecqs Buch "Elementarteilchen" der auch in der letzten Konsequenz eine Klonung favorisiert. Wobei dort dann ein zwischengeschlechtliches Wesen entsteht, wo alle dann wirklich gleich sind, ohne Unterschiede. Somit gibt es auch keine Ungerechtigkeit mehr, unter welcher der Protagonist leiden musste. Keine Unterteilung mehr in schöne und hässliche Menschen, usw. Ich hab da dann einfach ein Küchenlied draus gemacht, hahaha.
Bitte was?
Ich habe daraus die Mär von einer Frau gemacht, die ihr ganzes Leben lang beschissen worden ist, ein Mauerblümchen war, die sich aber ein goldenes Herz, eine wunderbare Seele bewahrt hat und deswegen dann millionenfach geklont wurde. Es ist sozusagen ein Plädoyer für die Muttchen, die Omis mit dem goldenen Herzen, wenn man so will. Klonen ist ja eigentlich ständig ein schwieriges, diskutiertes Thema. Viele Leute nehmen das Argument mit dem Ausmerzen von Erbkrankheiten bzw. die frühe Erkennung, später wird damit sicher jede Menge Blödsinn getrieben. Schönheit von Geburt an, charakterliche Feinabstimmung, lauter seltsame Sachen.
Denkst du, der Charakter wird vom Erbgut bestimmt? Ist somit also schon vorgeprägt und kann von deinen Erfahrungen nur noch geeicht werden?
Sicher beides. Er wird sicher durch die Umwelt geprägt, aber ich denke, es ist auch schon viel veranlagt. Man merkt das ja schon bei kleinen Kindern. Es gibt Kinder, die sind von Anfang an sehr mitfühlend und andere, die eher auf sich selbst bezogen sind.
Diese Diskussion ließe sich bestimmt endlos führen, was bei einer Tasse Bier sicher angenehmer wäre. Kommen wir doch lieber auf die "Generators" Single zu sprechen. Da sind weitere drei Songs drauf, die nicht auf dem Album stehen. Sozusagen value for money.
Das mit den drei Songs kann man so oder so sehen. Es sind zwei Versionen von "Generators" auf der Single und zwei komplett neue Songs, die auch nicht auf dem Album sind. Es ist auch nicht geplant, die Songs nachher in einer Digi-Pack Auflage des Albums plötzlich noch mal zu veröffentlichen. Die Songs sind auf der Single und wer sich die kauft, hat somit vier Songs mehr, als die anderen. Das soll schon so sein. Wir sind ja an sich keine Single Band, da ist es dann schöner, wenn man einfach so eine Art Mini-Album daraus macht, wo wir dann auch schon darauf achten, dass die Stücke zueinander passen. Das macht für uns persönlich einfach mehr Sinn und ich denke, das ist den Fans auch fair gegenüber. Solange die nicht mehr als die normalen Singles kosten, sehe ich da kein Problem.
Ihr habt ja wieder mit ein paar Studiomusikern zusammen gearbeitet. Wie tretet ihr mit solchen Leuten in Kontakt? Hast du zu Beginn der Produktion schon immer feste Vorstellungen, mit wem du ins Studio möchtest?
Klar, ich wollte eine klassische Geigerin und einen klassischen Cellisten. Den Cellisten kannte ich schon von der Theaterarbeit her, er spielt Cello im Modern String Quartett, ein recht bekanntes Avantgarde-Ensemble. Die Geigerin ist offiziell noch an der Hochschule und macht da die Meister-Klasse, spielt aber auch schon bei den Münchner Philharmonikern. Sie wurde mir über einen Bekannten vermittelt. Den Gitarristen kannte ich auch vom Theater her, weil der auch Schauspielmusik macht. Dann gibt es da noch eine Drehleier, aber die hab ich einfach aus den Aufnahme Sessions von Helium Vola (auch ein Projekt von Ernst Horn d. Verf.) geklaut. Ich hab ein paar Tracks gefunden, die nicht auf der CD waren, die sich aber ganz gut für "Kiss" geeignet haben. Das lief natürlich mit seiner Genehmigung ab.
Gibt es irgendwelche Künstler mit denen du gerne zusammen arbeiten würdest?
Natürlich, ich war früher nur immer etwas scheu in dieser Hinsicht und dachte, dass ich das nicht so kann mit dem Studio und dem ganzen Kram. Das sind aber weniger bekannte Musiker, sondern solche Ideen kommen mir, wenn ich zum Beispiel in der Fußgängerzone jemanden mit einer chinesischen Geige höre. So jemanden würde ich gerne mal zu mir ins Studio holen. Es steht ja immer wieder im Raum, ob wir live einen Drummer und einen Bassisten mitnehmen wollen. Es wird immer wieder aufgegriffen, dann wieder verworfen, es ist immer eine offenen Sache. Das scheiterte bisher immer daran, dass das doch ein ganz tiefer Einschnitt wäre, der uns von der Basis her sozusagen umkrempeln würde. Die Gefahr wäre dabei, dass wir auf einmal wie eine normale Rockband klingen, und diese spezielle Identität, die wir durch diese elektronischen oder halbakustischen Sounds haben, könnte darunter leiden. Schon durch die akustische Gitarre bei "Fleeting" wird der Song, allein durch die Assoziationen, die man dadurch hat, in eine ganz andere Richtung gebracht. Das ist für Alex und mich sehr verblüffend gewesen. Man muss einfach abwarten und sehen, was passiert. Es ist einfach die Frage, wie eigen wir dann noch sind. Ein Drummer hat natürlich auch seine Vorteile.
Ich denke eigentlich, dass du das schon in entsprechende Bahnen lenken könntest, ohne dass ihr eure Trademarks verliert. Gerade mit E-Drums kann man doch verdammt feine Sachen anstellen.
Da sind aber auch schon einige Bands ganz schön mit eingebrochen. Massive Attack zum Beispiel, die arbeiten zwar schon mit Drummern im Studio, aber letztendlich werden dann einzelne Stücke heraus geschnitten und als Loops verwendet. Live haben die dann mit einem echten Drummer gespielt und irgendwie hat das dann aber nicht mehr funktioniert, die Magie der Loops ging irgendwie verloren.
Kommt es vor, dass andern Musiker an euch heran treten und mit euch arbeiten wollen?
Gelegentlich, aber eher selten. Leider, wie ich sagen muss, aber irgendwie hab ich da halt keine großen Kontakte, da ich mich bisher eben nicht getraut habe, mit anderen Acts in Kontakt zu treten. Vielleicht sollten wir auch einfach mal hingehen und sagen, dass wir irgendwelche Musiker brauchen, dann wäre der Kontakt wahrscheinlich einfacher. Interessant wäre es bestimmt. Ich finde die Idee, dass jemand an uns heran tritt und mit uns spielen will, ganz und gar nicht absurd.
Verfolgst du eigentlich die Musikszenen noch, oder interessiert dich das nicht so sehr.
Doch schon, ich hab ja auch ein paar Leute in der Verwandtschaft, die immer up to date sind und mich informieren. Ich bekomme ja auch vom Verlag ab und zu ein paar CDs und kaufe mir auch selber welche. Ich bin durch meine ständige Arbeit im Studio zeitlich stark eingeschränkt und wenn ich zu Hause mit meiner Familie bin, dann möchte man auch meistens erst mal abschalten. Ich versuche aber in Grunde genommen schon, mitzubekommen, was gerade angesagt ist.
Dann dürfte dir ja Apocalyptica ein Begriff sein. An die musste ich nämlich denken, als ich "Hands White" gehört habe, da die Atmosphäre durch das Cello sehr bedrohlich wirkt. Könntest du dir vorstellen mit denen mal zu arbeiten.
Die hab ich schon ein paar mal live gesehen und auch persönlich ein bisschen kennen gelernt. Natürlich würde ich mit denen arbeiten, die sind jetzt leider nur schon zu berühmt. Ich hatte sogar schon mal angedacht, mit denen zusammen eine Doppel-Headliner-Tour zu machen und auch verschiedene Stücke dann gemeinsam zu intonieren, aber die sind jetzt wirklich sehr groß geworden. Das hat sich wohl inzwischen erledigt. Apocalyptica haben zwar auch mit Matze von den Farmer Boys kooperiert, die auch nicht so groß sind, aber es ist doch ein Unterschied zwischen einer einmaligen Zusammenarbeit und einer Tour. Ich hab aber Alex schon ein paar mal vorgeschlagen, doch mit Apocalyptica zusammen zu arbeiten, da seine Stimme meiner Meinung nach großartig zu denen passen würde. Aber das ist wohl eher eine private Mutmaßung.
Mir fiel auf, dass es nur bei "Hands White" und "Live Is ... " musikalisch etwas heftiger zur Sache geht.
Ja, das hat sich einfach so ergeben. Wir hatten ursprünglich noch einen schnelleren, härteren Song mit im Programm, haben den aber letztendlich rausgeschmissen, da er uns nicht mehr wirklich gefiel im Konzept. Dafür haben wir dann aber eine Ballade drin gelassen, die einfach besser rein passt. Es ist jetzt einfach ein ruhiges, balladen-orientiertes Album, das den Stand repräsentiert, auf dem wir uns im Augenblick befinden. Die besten Stücke müssen aufs Album, dabei bleiben dann eben auch mal ein paar schnellere auf der Strecke.
Erzähl mir noch ein bisschen zu "White Hands".
Der weibliche Gesang stammt von Sabine Lutzenberger von Helium Vola. Ihren Gesang haben wir in italienisch gehalten, da es sich thematisch um die Manos Bianca, eine politische Protestbewegung, handelt, die bei den Globalisierungsdemonstrationen in Genua diese Jahr, komplett ins weiß gekleidet friedlich demonstriert haben. Sie haben dann immer ihre weiß bemalten Hände hoch gehalten, was sehr beeindruckend rüber kam. Das Thema an sich beschäftigt mich einfach schon seit Jahren und jetzt hab ich einfach mal ein Statement mit diesem Song abgelassen.
Wie kommt es, dass du bei "White Lies" für den Bärenanteil auch der Texte verantwortlich bist? War Alex noch zu sehr mit seiner Solo-Scheibe beschäftigt?
Ja, schon. Das war eher eine Zeitfrage. Bei "Kasmodiah" war das ja anders.
Wie würdest du sagen unterscheiden sich deine Texte von denen von Alex?
Ich habe im wesentlichen zwei Themen: Das ganz depressive alles-umsonst-Thema und auf der anderen Seite das philosophisch, politische. Grübeleien eben, ich versuche mich aber so einfach wie möglich auszudrücken und feile sehr lange an meinen Texten herum. Bei Alexander ist das anders, da er über viele Themen schreiben kann. Er hat auch einen poetischeren, flüssigeren Stil. Dadurch, dass ich doch meistens die Texte vertone, ist das Ganze etwas freier, wohingegen, wenn ich einen Text schreibe, hab ich meistens auch schon eine Vorstellung, wie das musikalisch klingen soll.
Also bringt Alex die Texte und du machst dann die Musik dazu?
Ja, im Prinzip schon, aber auch auf unterschiedliche Art und Weise. Manchmal sitzen wir zusammen, manchmal bin ich alleine beim Komponieren, aber auch Alex kommt hin und wieder mit Melodien an, die er mir dann vorsingt und ich gebe sie in den Sequenzer ein. Wir treffen uns also durchaus und komponieren gemeinsam, was bei Rockbands wohl so was wie jammen ist.
Habt ihr euch schon Gedanken über die Live-Umsetzung gemacht?
Wir sind mit unseren Überlegungen bisher leider noch zu keinem endgültigen Schluss gekommen, deswegen kann ich hier jetzt auch nicht mit viel Infos ankommen. Wir werden aber auf jeden Fall andere Musiker mit auf der Bühne haben und auch vom Konzept her etwas Neues zu machen. Davon werde ich dir jetzt aber natürlich nichts erzählen. Wir werden Anfang März starten und den Monat wohl auch auf Tour sein.
Die Promo hier kann nicht am PC abgespielt, geschweige denn kopiert werden. Ist das für das Album auch geplant?
Nö, dieser Sticker müsste nämlich in einer gewissen Größe auf dem Cover prangen und das wäre für unseren Art-Director das Todesurteil. Außerdem hat sich heraus gestellt, dass es mit diesem Kopierschutzzeug nur Ärger gibt. Mal läuft es doch, mal läuft es auf älteren Anlagen gar nicht, das ist noch nicht so ausgereift. Da lassen wir es dann lieber sein. Das hat ganz einfach technische Gründe. Wir wollen uns damit nicht anbiedern und sagen: "Schaut her, wir machen keinen Kopierschutz drauf." Ich verurteile das nicht von vorne herein, finde aber, es ist kleineren Bands gegenüber unfair. Es ist aber nicht so, dass wir da ein moralisches Ding draus machen.
Nach dem sehr erdigen "Secrets Of The Silver Tongue" legt der Sänger von Deine Lakaien mit "The Sweet Life" sein zweites Solo-Album vor, das sich kaum noch vom Stil der Hauptband unterscheidet.
Wie sich das Soloprojekt zur "Hauptband" Deine Lakaien verhält, und wie der Kontakt zu Nico-Produzent David Young zustande kam, erzählte uns Alexander Veljanov vor seinem Konzert in Mainz.
Als erstes würde mich natürlich interessieren, worin du den Unterschied siehst, zwischen ...
Dir und mir? (grinst)
Öhh, eigentlich eher zwischen "The Sweet Life" und den Scheiben von Deine Lakaien. Auf "The Secrets Of The Silver Tongue" hast du doch wesentlich mehr mit Gitarren gearbeitet.
Da kann ich dir nur teilweise zustimmen. Ich denke, das Album klingt wesentlich elektronischer als es wirklich ist. "The Secrets Of The Silver Tongue" war recht frei von Elektronik, aber auch auf der neuen Platte haben wir wieder viel mit Gitarren gearbeitet. Viele Sachen verschmelzen einfach derart, dass sie sehr elektronisch klingen. Gerade bei "Fly Away" könnten aber viele denken, sie hören einen Synthesizer, dabei sind es Gitarren. Wir haben auch wieder viel mit echten Drummern gearbeitet, die dann halt mit Loops und so was vermischt wurden.
Es ist doch eine sehr ausgewogene Mischung, weswegen wir auch bei der Live-Umsetzung vor einigen Problemen standen. Der Hauptunterschied zu Deine Lakaien ist aber mit Sicherheit der, dass die Stimme im Mittelpunkt steht, dass die Musik für mich und meine Stimme da ist. Bei den Lakaien werden bestimmte Themen immer wieder aufgenommen und weiter gesponnen, bei meinen Soloscheiben sind die persönlichen Texte mehr mit der Musik verbunden.
Unterscheiden sich dann auch die Entstehungsprozesse zwischen den Lakaien und deinen Solo-Scheiben?
Hm, bei Deine Lakaien gibt es Songs, die Ernst alleine schreibt, dann arbeiten wir manche auch zusammen aus. Oft ist ein Text von mir schon da und dann entsteht die Musik dazu. Das läuft aber auch ab und zu anders herum ab. Bei "The Sweet Life" sind die Songs eigentlich alle in einer Art Klausur in London bei meinem Freund und Produzenten David Young entstanden. Er wollte, dass ich nach London komme, um mit ihm dort zusammen am Album zu arbeiten, da ich nach Abschluss der "Kasmodiah"-Tour doch in einem kreativen Loch war. Diese anderthalb Jahre waren doch sehr anstrengend und so bin ich nach einer kurzen Pause dann nach London geflogen. Wir haben angefangen zu arbeiten, ohne zu wissen, was dabei rauskommt. Wir kennen uns zwar schon sehr lange, haben aber noch nie gemeinsam Songs geschrieben.
Tretet ihr heute als Band auf, also mit Gitarre, Schlagzeug und Bass?
Ja auf jeden Fall, das ist mir auch sehr wichtig. Ich hasse Playback-Shows. Selbst bei Deine Lakaien gab es so etwas nie, obwohl das im Elektronik-Bereich ja öfters passiert. Ich hab mit meinem Produzenten 'ne Band aus Berliner Musikern zusammengestellt, jetzt sind wir insgesamt zu sechst auf der Bühne.
Sind auf "The Sweet Life" eigentlich Songs, die du mit Deine Lakaien nicht hättest verwirklichen können?
Öh, na ja, sie wären ohne David Young wohl erst gar nicht entstanden, da alle in Kooperation entstanden sind, natürlich bis auf die Coverversionen. Die Texte habe ich aber alle selber geschrieben, wobei das natürlich so 'ne Sache war, da David sie, als Muttersprachler, sehr kritisch unter die Lupe genommen hat. Da dachte ich dann auch: "Öha, pass mal auf, dass Du da keinen Blödsinn zusammentextest." Aber er mag meine Texte und die Bilder die ich beschreibe. Er sagt, sie seien denen von Jim Morrison und David Bowie sehr ähnlich, was natürlich ein Riesen-Kompliment ist. Manchmal hat er mich auch dazu angespornt, an diesem oder jenem Text noch zu feilen, aber die meisten fand er recht gut.
In "Fly Away" singst du die Zeilen " ... I close my eyes to see the picture of your hand." Ist es nicht eher das Gesicht eines Menschen, an das man sich erinnert?
Kann ich so nicht sagen. Es ist eine wahre Begebenheit und ich habe diese Hand als so erinnerungswürdig erachtet, dass ich das in diesen Text habe einfließen lassen. Es gibt ja auch wunderschöne Hände, nicht nur Gesichter. Mehr möchte ich darüber aber nicht erzählen. Ich denke es reicht, dass ich es in Musik passe. Ich liebe die Metapher, das Verklausulieren und das Mehrdeutige.
Warum ist der Titeltrack zweimal vertreten und vor allem, in welcher Sprache ist die zweite Version?
Das ist so etwas wie die Klammer des Albums und die zweite Version ist in meiner Heimatsprache Makedonisch. Die Stimmung des Songs hat mich sehr an dieses Land erinnert, deshalb wollte ich ihn auch in dieser Sprache aufnehmen. Ich finde es auch sehr spannend, Musik in einer Sprache anzubieten, die kaum einer versteht.
Im Presseinfo wirst du mit den Worten zitiert, dies sei deine Definition von Pop Musik. Meinst du, die Käuferschicht geht damit über die von Deine Lakaien hinaus?
Mit Definition von Pop meine ich ja nicht kommerziellen Pop. Das war auch eher so ein flapsiges Statement, da Pop heute mit Wegwerfmusik verwechselt wird. Deshalb sind die Songs auf dem Album eine Hommage an frühere Jahrzehnte. Popmusik war mal was ganz Großartiges, heutzutage wird an billigen Computern mit billigen Sounds, billige Drecksmusik gemacht und an die Leute verkauft.
Was würde passieren, wenn die Plattenverkäufe von Veljanov die von Deine Lakaien überholen?
Wäre doch schön, haha. Wenn man seit fünfzehn Jahren Musik macht und veröffentlicht, aus dem Nichts gekommen ist und sich immer weiter hoch gearbeitet hat, dann weiß man gar nicht so recht, wieso das so ist. Es hängt von Geldern ab, die die Firmen zur Verfügung stellen, oder auch nicht, und dann gibt es da noch die schwer zu knackende Nuss namens Charts. Der ganze Medienapparat ist natürlich auch verdammt wichtig. Ich sehe das eher so: Die Lakaien sind mein halbes Leben und mein Solo-Projekt ist der Luxus, den ich mir dank Deine Lakaien leisten kann.
Gab es für die Cover-Version von "Black Girl" einen besonderen Grund?
Das war Davids Idee. Leadbelly ist für ihn ein sehr wichtiger Mensch gewesen und nach ein paar Gläsern Wein fasste er dann den Entschluss, den Song mit mir zu machen. Die Entfremdung gefällt mir sehr gut. Dass Nirvana den Song auch schon gecovert hatten, haben wir beide erst nach der Veröffentlichung des Albums erfahren. Ich finde es aber schön, dass ich auf meinen Soloplatten eben auch Songs verarbeiten kann, die im ersten Moment völlig untypisch für mich erscheinen. Deswegen ist das Album so vielseitig, was nicht heißt, dass wir uns mit Deine Lakaien limitieren würden. Wir sind einfach eine Band, die ihren Stil gefunden hat und bisher mit keiner anderen verglichen wurde. Viele deutsche Elektrobands wurden immer wieder mit Depeche Mode verglichen, wir dagegen noch nicht.
Was hat es eigentlich mit dem deutschen Track auf dem Album auf sich? Für mich klingt der Song sehr im Stile alter Balladen und hat für mich schon Ansätze von Minnegesang.
Das Lied hat einen mittelalterlichen Touch, da hast du recht. Das Lied ist ursprünglich aus den 40ern und wurde schon von Hildegard Knef und Marlene Dietrich gesungen. Ich kannte den Song von Nico (Velvet Underground). Das letzte Album von Nico, welches Mitte der 80er aufgenommen wurde hieß "Camera Obscura" und auf dieser Scheibe ist dieses Lied drauf. Als ich David dann vor acht oder neun Jahren kennen lernte, erzählte ich ihm irgendwann, wie sehr ich dieses Album liebe. Er erzählte mir dann, dass er es mit John Cage zusammen produziert hatte.
Da ist mir dann erst mal mein Herz in die Hose gerutscht und jetzt haben wir uns eben wieder daran erinnert, kramten die Platte heraus und hörten sie uns an. Er erinnerte sich dann hauptsächlich an die damals schlimme Zeit, da John Cale und Nico beide böse auf Drogen waren und er versuchte, die beiden irgendwie zu retten. Die eigentliche Idee, das Stück zu covern stammt auch von David. Ich wollte eigentlich gar nicht mehr, denn mit Göttinnen wie Marlene Dietrich und Hildegard Knef willst du doch nicht verglichen werden, das geht in die Hose. Aber ich habe mich dann gezwungen, das Lied einzusingen und im Endeffekt sind wir damit sehr zufrieden.
In einigen Kritiken, in denen mein Album nicht sehr gut abschneidet, wird dieser Song trotzdem als äußerst gelungen bezeichnet, was mich auf der einen Seite wundert, auf der anderen natürlich stolz macht, wenn gerade der Song, bei dem man selber am meisten Zweifel hat, so gut ankommt. Wahrscheinlich ist da dann aber der eigene Anspruch auch höher. Aber was du sagtest mit Minne und so, das ist schon richtig, da die Original-Komponisten Heilmann und Gilbert schon bei irgendeinem Mittelalterlied geklaut haben. "Das Mädchen von Thule", glaube ich hat einen ähnliche Melodie, aber ich finde auch den Text des Liedes einfach großartig. Sogar meine Tochter liebt das Lied.
Wie stehst du zu Internet und Napster?
Die sollen sich nicht so anstellen. Organisierte Raubkriminalität ist natürlich bekämpfenswert. Aber das Geschrei der Plattenfirmen, die selber so viel Kohle machen und die Künstler ausbeuten, die sollen sich nicht so anstellen. Bei den CD-Preisen muss sich doch keiner wundern. Früher wurden Kassetten kopiert, heute sind es eben CDs. Welches Kid kann sich denn 20 CDs die Woche kaufen? Wenn man auf eine CD wirklich steht, kauft man sich doch trotzdem das Original.
Welche CDs besorgst du dir?
Ich werde mir auf jeden Fall die neue Radiohead besorgen. Die neue Nick Cave liegt bei mir zu Hause rum, habe ich aber noch nicht angehört. Coldplay finde ich klasse und auch Senor Coconut hat mir gut gefallen.
Live In Concert (2003)
Winter Fish Testosterone (1996), Acoustic (1995), Forest Enter Exit (1993), Dark Star Live (1992), 2nd Star (Remixes) (1991), Dark Star (1991), Deine Lakaien (1986)
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Alexander Veljanov Mystical Shadow |
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