Porträt

laut.de-Biographie

Mercury Rev

Ende der Achtziger, Upstate New York, Catskill Mountains. Hört sich an, als könnte dort nichts Bewegendes passieren. Doch gerade in der Einöde dunkler Wälder gibt es Menschen, die unglaublich kreativ sind - oder einfach nur der Langeweile entgehen wollen. David Baker (Vocals), Jonathan Donahue (Gitarre, später auch Vocals), Grasshopper (aka Sean Mackowiak, Gitarre und anderes), Suzanne Thrope, Dave Fridmann (Bass) Jimmy Chambers (Drums) ersetzt, gehören zu diesen Menschen.

Ihr erstes Demo nehmen sie angeblich auf einem 34mm-Film auf. Zu dieser Zeit arbeitet Jonathan als Veranstalter, trifft bei einem Konzert die Flaming Lips und heuert bei ihnen als Gitarren-Techniker an. Auf ihrem 90er-Album "In A Priest Driven Ambulance" spielt er die Leadgitarre.

Das Demo geht währenddessen seinen eigenen Weg. Es landet auf dem Schreibtisch des legendären englischen Indie-Labels Rough Trade. Dort ist man begeistert und möchte das Debüt der Band heraus bringen. "Yerself Is Steam" erblickt 1991 das Licht der Welt. Es scheint richtig gut loszugehen: Die Kritiken sind hervorragend, auch über die Verkäufe lassen sich gut an. Doch schon einige Wochen nach der Veröffentlichung geht dem amerikanischen Ableger von Rough Trade das Geld aus. Mercury Rev stehen ohne Label da.

Trotzdem bekommen sie die Chance, in England auf Tour zu gehen - ohne zuvor den Proberaum von innen gesehen zu haben. Da kann es schon mal vorkommen, dass ihr Sänger mitten im Song von der Bühne springt, um sich einen Drink zu holen. Zurück in den Staaten gehen die Bandmitglieder wieder ihre eigenen Wege. Das Glück verlässt die Band indes nicht: Sony nimmt sie unter Vertrag und veröffentlicht das Album ein weiteres Mal.

Doch auch dieser Erfolg lässt die Gerüchte nicht verstummen, Sänger Baker wolle die Band verlassen. Noch ein Album, das 1993 erscheinende "Boces", hält er aus, fährt auf der Tour aber in einem separaten Bus. Dann verabschiedet er sich und bringt 1994 sein Solodebüt "World" unter dem Namen "Shady" raus.

Das Video zur Single "Something For Joey" drehen die restlichen Mercury Rev-Mitglieder mit dem Pornostar Ron Jeremy. Wundert sich da jemand, dass der Clip kein Airplay bekommt? Die übrigen Bandmitglieder gehen wieder ins Studio und heraus kommt 1995 das Album "See You On The Other Side". Parallel dazu nimmt die Band unter dem Namen "Harmony Rockets" ein noisig-experimentelles Album mit dem Titel "Paralized Mind Of The Archangel Void".

Auch Suzanne Thrope und Jimmy Chambers halten das Bandleben nicht länger aus und steigen aus. Donahue, der nach dem Ausstieg von Baker den Gesangspart übernommen hat, und Grasshopper machen mit Adam Snyder (Keyboards) und Jeff Mercel (Drums, Keys) weiter. Mit V2 als Label im Rücken beginnt die Band mit den Aufnahmen zu "Deserter's Songs" (1998). Die Single "Goddess On A Hiway" entwickelt sich zu einem veritablen Indie-Hit, fast ein Klassiker. Die Platte verkauft sich in England im sechsstelligen Bereich.

Zum Trio zusammengeschrumpft (Donahue, Grashopper sowie Jeff Mercel), geht ihnen aber auch Ex-Basser Fridmann nicht ganz verloren. Als Producer (und manchmal eben doch noch am Bass) ist er zumindest bei den Aufnahmen weiter dabei. Im Jahr 2006 zieht dieses Trio erstmalig Bilanz über 15 Jahre Band-Dasein mit der Werk-Rückschau "The Essential Mercury Rev", die auch gleichzeitig einen Stilrichtungswechsel markieren sollte.

Erstes Zeugnis dieser Veränderung legt 2008 die LP "Snowflake Midnight" ab: "Ich erinnere mich daran, gedacht zu haben, dass dieses Album von einer nahezu anderen Band kommen müsse. Wir wollten gewohnte und bequeme Herangehens- und Arbeitsweisen hinter uns lassen, alte Ideen nicht erneut ausschlachten, die erlernten Muster umgehen und uns auf die Grundmauern stützen."
So gesehen haben sich Mercury Rev, die sich aufgrund steter Fluktuation lange Zeit einer notwendigen Veränderung gegenübersahen, genau diese nun zur Tugend und zum Konzept gemacht.

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