Porträt

laut.de-Biographie

Max Goldt

"Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun." Max Goldt über die BILD-Zeitung, nachzulesen in "Der Krapfen auf dem Sims".

Max Goldt heißt eigentlich Matthias Ernst und wird 1958 in Weende, Göttingen, geboren. Zehn Jahre lang schreibt er die Kolumnen "Onkel Max", "Informationen für Erwachsene" und "Manfred Meyer berichtet aus Stuttgart" für das Satiremagazin Titanic (1989 bis 1998). Zuvor sorgt er mit seinen humorvollen Geschichten für Aufmerksamkeit im kleinen Kreis der Berliner Underground-Zeitschrift "Ich und mein Staubsauger". Seit seinen erfolgreichen Titanic-Veröffentlichungen reist Goldt regelmäßig quer durch den deutschsprachigen Raum und trägt seine Texte vor.

1977 zieht es Goldt nach dem Abitur nach West-Berlin. Er beginnt zunächst mit einer Ausbildung als Fotograf, die er aber schnell abbricht, um sich lieber der Musik zu widmen. Im Zeitalter der Neuen Deutschen Welle gründet er gemeinsam mit seinem Kumpel Gerd Pasemann 1981 das Duo Foyer Des Arts (vormals Aroma Plus in englischer Sprache).

Die Lieder bieten nicht immer ernstzunehmende Lyrik. Goldt schreibt die Texte selbst und singt beispielsweise über "Schimmeliges Brot" ("Im Krater der Gesellschaft brodelt die Wut / Schimmliges Brot finden wir nicht jut!"). Die komplett improvisierte Platte "Die seltsame Sekretärin" erscheint im Gründungsjahr der Band und wird vom Label WEA vermarktet. Goldt und Pasemann wollen kein Teil der NDW-Szene sein, werden jedoch gegen ihren Willen mit Bands wie Palais Schaumburg oder Der Plan verglichen.

Der Vertrag mit WEA entpuppt sich schnell als Flop. Die Single "Wissenswertes über Erlangen" erreicht Platz 36 der Charts. Da kein kommerzieller Erfolg in Sicht ist, werden die beiden zu Promo-Auftritten im Fernsehen gezwungen, u. a. werden Sie von Dieter Thomas Heck in der ZDF-Hitparade angekündigt. 1986 gelingt ihnen endlich die Flucht aus dem Knebelvertrag und die nächste Platte "Die Unfähigkeit zu Frühstücken" kommt auf dem Independent-Label "Fünfundvierzig" heraus. Diese Veröffentlichung beschert dem Duo bescheidene Erfolge im Untergrund, spricht sich selbst bis nach England herum und beschert 1988 die ehrenvolle Einladung zur legendären John Peel-Session im englischen Radio.

Ein Projekt reicht dem kreativen Mann Max Goldt natürlich nicht. Er veröffentlicht Platten unter verschiedenen Namen, sowohl im Alleingang mit "Die Mäjestätische Ruhe Des Anorganischen" als auch im Duett mit Stephan Winkler als NUUK. Hier produziert er 1998 das Album "Nachts In Schwarzer Seilbahn Nach Waldpotsdam". Auch Matthias Reims Mega-Weisheit "Verdammt, Ich Lieb' Dich" gibt es, neben zwei gesprochenen Texten, in der Max Goldt-Version 1990 auf "Die Radiotrinkerin & Die Legendäre Letzte Zigarette" zu hören.

Neben der weniger ertragreichen Musikkarriere finanziert sich der freie Autor hauptsächlich durch den Verkauf seiner Bücher. Auf "Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz" (1984 ) folgen viele Kolumnensammlungen. Seit 1997 arbeitet er als Comic-Texter und wird mit dem Zeichner Stephan Katz in vielen Zeitungen und Zeitschriften, u.a. INTRO und ZEIT-Magazin, als Katz & Goldt bekannt.

Seit Januar 2005 schreibt Goldt unregelmäßig wieder für die Titanic. Nebenbei erscheinen sporadisch Textsammlungen (Kolumnen, Liedtexte, Fotos, Tagebucheintragungen…) in Buchform. Auf Empfehlung seines Schriftstellerkollegen Daniel Kehlmann wird Max Goldt 2008 mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet. Der Starkolumnist Goldt wird zum Meister der kurzen Prosa gekürt.

Man könnte Max Goldt als aufmerksamen Flaneur beschreiben. Er wandelt mit beobachtendem Auge durch einen oftmals absurden Alltag. In seinen Beobachtungen bleibt kein Tabuthema ausgelassen, immer wieder bringt er die Dinge lässig, klug und witzig auf den Punkt, sogar wenn es um ihn selbst geht: "Ich bin bekannt als jemand, der in punkto schonungsloser Tatsachenbrutalität kein Blatt vor den Mund zu nehmen pflegt" (aus seiner Kolumne "Warum Dagmar Berghoff so stinkt" in "Die Kugeln in unseren Köpfen).

Seine Plaudereien wirken meist komisch und belustigend, aber oft auch beklemmend und bedrückend, wenn er zum Beispiel über Nutella in Senfgläsern spricht oder die "tamponösen" Produkte einer großen Fastfood-Kette beschreibt. Für Aufsehen sorgten auch seine Äußerungen in der Süddeutschen Zeitung zum Anschlag auf das WTC in New York am 11. September 2001, die mit folgenden Worten beginnen: "Als es passierte" – dieser elegante Schlager des Popduos Paula geht mir durch den Kopf. Ja, wo war ich, als es geschah, wo war ich, als ich's erfuhr?"

Max Goldt ist ein Wortästhet, der sich mit Vorliebe der deutschen Sprachpraxis widmet und die verbale Kommunikation als "sprachliche Massenverwahrlosung" beschreibt. Nur wenige schimpfen mit derartiger Wortgewandtheit, wie der gebürtige Göttinger. Und oft freut man sich im Nachhinein nur darüber, dass man nicht selbst in die Fänge des Satirikers gerät, sondern nur die "schlechte Menschen, die Falsches tun".

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