Porträt

laut.de-Biographie

Mardi Gras.BB

Anfangs nennt sich die Mannheimer Combo noch Mardi Gras Brass Band. In der klassischen elfköpfigen New-Orleans-Brass-Band-Besetzung (Bass-Drum, Snare, Sousaphon, zwei Trompeten, zwei Posaunen, drei Saxophone und Vocals) erlangt sie Mitte der 90er mit ihrem schweißtreibenden Funk à la Tower Of Power lokale Berühmtheit. Das erste Studioalbum "Big Brass Bed" enthält nur Coverversionen - und was für welche: "Die Musik auf dieser CD lässt nur Taube oder Tote kalt", resumiert beispielsweise der Schallplattenmann.

Einen Wendepunkt in der Bandgeschichte markiert das 1999 erscheinende "Alligatorsoup". Mittlerweile hat sich die Band in Mardi Gras.BB (wobei "BB" für "bold bold" steht) umbenannt - weniger Name, mehr Selbstbewusstsein. Ihr zweites Studioalbum enthält fast ausschließlich Eigenkompositionen und schlägt in der Fachwelt ein wie eine Bombe.

Sänger, Arrangeur und Gitarrist Jochen "Doc" Wenz, der gelernte Mediziner, schreibt nun die Songs. Für eingängige Melodien wie für schräge Harmonien hat er offenbar ein Händchen, die Verruchtheit seiner Whiskey-Stimme verlegt The Big Easy nach Nord-Württemberg.

Die zweite Säule von Mardi Gras.BB war früher schon bei den legendären Krautrockern von Guru Guru tätig und nennt sich Reverend Krug: Den Credits zufolge beginnt sein Einfluss ganz unten mit den tiefen Schüben des Sousaphons und endet erst in den geistigen Höhen der "Spiritualisierung."

Eine "großkalibrige New Orleans-Groove-Attacke, die wie eine gemeinsame Session von Captain Beefheart, Tom Waits, Dr. John und Willy DeVille tönt" hören die Kritiker: "Big Band-Swing mit Schlagseite, afrokubanisches Feuer, Crime-Jazz, scheppernder Trümmer-Blues, Sousaphone und Rumbakugeln fusionieren zu einem fiebrigen Alptraum."

Mardi Gras.BB sind jetzt die "Voodoo-Teufel", dem drögen Mannheim werden subtropische Sümpfe angedichtet. Solcher Zauber hält nicht ewig, drum legt die Combo neue Alben vor, bevor die Suppe kalt ist. Gewürzt mit verstärktem Technikeinsatz (dank der Sättigungsbeilagen Orgel und DJ), schmecken "Supersmell" (2000) und "Zen Rodeo" (2002) nicht mehr so puristisch blechern und eher mainstream-tauglich.

Doch trotz einiger Unterstützung vom Majorlabel Universal, auf dem die Mannheimer insgesamt drei Alben veröffentlichen, bleibt der finanzielle Ertrag überschaubar. Als größten Erfolg verzeichnen Mardi Gras.BB den Chartseinstieg der Single "Psychoflute" vom "Supersmell"-Album von null auf eins - leider nur in den German Club Charts. Wohl auch deshalb kehrt die Band mit ihrem 2004er Album "29 Moonglow" zur kleinen Plattenfirma Hazelwood zurück. Der hohen Qualität ihrer Stücke tut dies keinen Abbruch, auch wenn die Scheibe etwas weniger groovt als die Vorgänger.

Mit dem in Trio-Besetzung aufgenommenen "Mardi Gras.BB Introducing The Mighty Three" (2005) vollziehen Mardi Gras den Wechsel von ihrem traditionellen Sound zum dreckigen Blues-Rock mit ein wenig Country. Schon an "The Exile Itch" (2007) wirkt aber die Bläsersektion wieder mit. Das im ersten Moment etwas chaotisch anmutende Besetzungs- und Stiledurcheinander hat jedoch ein klares Ausgangskonzept: Eine Pentalogie, in der Mardi Gras.BB "in fünf Etappen die popmusikalische Geschichte des letzten Jahrhunderst" abhandeln. Das Ende dieser Konzeptalbenreihe markiert "The Exile Itch".

Universal veröffentlicht mit "Pentalogy" eine Zusammenstellung von Stücken aus diesen fünf Alben. Mit "The Unveiling Of The Exile Bitch" erscheint zudem eine Live-DVD des Brass-Monsters, das auf der Bühne regelmäßig zu Höchstform aufläuft. Außerdem steuert die Band 2007 die Musik zum Kinofilm "Wir werden Uns Wiederseh'n" bei.

Völlig befreit von Konzeptalbenzwängen gibt sich Mardi Gras.BB, das "Groove-Chamäleon" (Jazzthing), mit "My Private Hadron" (2008) völlig entspannt: "Diesmal konnten wir losgelöst von diesem Korsett und einer künstlerischen Hypothek arbeiten."

In der Folge erweitern Mardi Gras.bb ihre stilistische Bandbreite und Besetzungs-Vielfalt noch weiter. Auf die Weltreise in "Von Humboldt Picnic" (2009), folgen die morbide, wie immer aber augenzwinkernden "Crime Story Tapes" (2012).

Alben

Mardi Gras.BB - Pentalogy: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2007 Pentalogy

Kritik von Giuliano Benassi

Die Zusammenfassung eines ehrgeizigen Projekts. (0 Kommentare)

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