Porträt

laut.de-Biographie

Lizzy Mercier Descloux

Ende der 70er rumort es mächtig im New Yorker Untergrund. Disco, Punk und New Wave bahnen sich vorsichtig ihren Weg an die Oberfläche, in den Mainstream. Kreative Geister aus allen Herren Ländern bevölkern Soho und das Village, vermischen sich zu einer lebendigen Szene, in der beinahe alles erlaubt ist, was gefällt. So schlägt sich auch die junge Französin Lizzy Mercier Descloux durch. 1978 kommt sie in die Stadt am Hudson River, zieht in eine große Wohnung in Soho, die sie sich mit der Sängerin Patti Smith und dem Gründer des New Wave Labels ZE Records Michel Esteban teilt.

Schnell entwickelt sich die Wohnung des Trios in ein Künstleratelier mit Fotostudio, Zeichenzimmer und Bandproberaum. "Do it yourself" lautet das Motto der Stunde, getreu dem in jenen Tagen omnipräsenten Punkethos. Überall sprießen neue Kunstprojekte wie Pilze aus dem Boden. Suicide lärmen erstmals vor Publikum, Lydia Lunch steckt die Grenzen der Performance-Kunst neu ab, und Larry Levan begründet in der legendären Paradise Garage den Mythos des modernen DJs.

Lizzy Mercier Descloux spielt zusammen mit DJ Banes zunächst in der obskuren Formation Rosa Yemen, die es jedoch lediglich auf eine von nervösen Rhythmen durchzogene sechs Track EP bringt. 1979 entsteht in einer improvisierten 10-Tage-Aufnahmesession zusammen mit Eric von Marie & Les Garcons das Album "Press Color" mit dem Arthur Brown-Cover "Fire", das sich in der No Wave-Szene der Stadt genauso zum Hit auswächst wie die "Mission Impossible"-Interpretation des Duos.

Zur Aufnahme ihres zweiten Albums "Mambo Nassau" zieht sich die eigenwillige Französin auf die Bahamas zurück. Der improvisierte Charakter von "Press Color" bleibt auch hier erhalten. Gleichzeitig verraten die afrikanischen Rhythmusmuster und die fremd anmutende Melodieführung ihr Interesse an Weltmusik im weitesten Sinne, ergänzen sich zu einem eklektizistischem Stilmix. Kurze Zeit später kehrt sie New York den Rücken und lässt sich wieder in Frankreich nieder.

Dort sorgt sie 1984 mit dem nationalen Hit "Mais où sont passées les gazelles" für Aufsehen und veröffentlicht in der Folge noch zwei weitere Alben, bevor es ruhig wird um Lizzy Mercier Descloux. DOch 1995 meldet sie sich wieder zurück. Der Musiker und Produzent Bill Laswell plant eine Lesung mit Gedichten von Arthur Rimbaud und Theophile Gautier. Im Auge für dieses Unterfangen hat er Protagonisten der frühen Punktage wie Iggy Pop, John Cale, Patti Smith und Lizzy Mercier Desloux. Die Aufnahmen werden zum großen Wiedersehen. 2003 macht das neu gegründete Label ZE Records einen Teil des Backkatalogs von Lizzy Mercier Descloux wieder zugänglich.

Alben

Lizzy Mercier Descloux - Press Color: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2003 Press Color

Kritik von Daniel Straub

Eine Reise in die Zeit, als sich Disco und Punk in NYC trafen. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare