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In der Gothic-Szene haben sie schon lange einen Namen. Unermüdlich touren sie rund um den Globus und rocken die Clubs der Welt. Mit ihrer Platte "Futureperfect" ernten VNV Nation endlich die Früchte ihrer unermüdlichen Arbeit: Der Longplayer erreicht Platz 26 der deutschen Charts und lässt VNV Nation in eine Liga aufsteigen, in der bisher lediglich der Indie-Szene entwachsene Acts wie Deine Lakeien oder Wolfsheim zu Hause sind.
Als die Band um das irische Mastermind und Sänger Ronan Harris zu Chartsehren kommt, hat sie schon eine über zehnjährige Bandgeschichte hinter sich. 1990 machen Victory Not Vengeance zum ersten Mal auf sich aufmerksam. Die ersten beiden Maxis "Body Pulse" und "Strength Of Youth" bringen die Schwarzkittel sofort zum Tanzen. Auch Nitzer Ebb wissen die neuen Dancebeats zu schätzen und engagierten VNV Nation, nachdem diese nach Kanada übergesetzt haben, als Supportact für ihre dortige "Ebbhead"-Tour.
Zurück in Europa kommt Ronan mit VNV Nation beim deutschen Label Discordia unter, auf dem 1994 das Debüt "Advance & Follow" erscheint. Zu dieser Zeit stößt auch Mark Jackson zunächst als Live-Drummer und kurz darauf als festes Mitglied zur Band.
Den guten Eindruck der ersten Scheibe festigen sie 1998 mit "Praise The Fallen" und drei Monate später erscheinenden "Solitary EP". Inzwischen beim ebenfalls deutschen Off-Beat Label unter Vertrag, starten VNV Nation im September ihre erste Headlinertour durch Deutschland.
Technoide Klänge in der Tradition von Front 242 stehen ab Mitte der 90er auch bei den Gothics immer höher im Kurs. VNV Nation sind an vorderster Front dabei, wenn es darum geht, dunkle Stimmungen mit tanzbaren Beats zu untermalen.
Nach einer Tour mit Covenant gründen sie 1999 zusammen mit eben diesen, Suicide Commando und Velvet Acid Christ ihr eigenes Label Dependent. "Empires", die erste Produktion, entwickelte sich zum Szenehit (Platz eins in den DAC) und beschert VNV Nation ausverkaufte Konzerthallen und Festivalauftritte vor 20.000 Zuschauern, so geschehen beim Zillo Festival, dem Jahrestreffen der schwarzen Szene.
Es folgen eine US-Tour mit Apoptygma Berzerk und ein paar weitere Dates, die VNV Nation alleine bestreiten. Anschließend remastern sie ihr Debüt und legen es unter dem Titel "Advance and Follow v2" neu auf.
Noch bevor im Januar 2002 das nächste Werk erscheint, gehen sie erneut auf Headlinertour durch Europa und Nordamerika. "Futureperfect" toppt den bisherigen Erfolg noch und steigt bis auf Platz 25 in den offiziellen deutschen Charts, worüber sich Ronan im Interview sehr freut. Nach dem Release der Single "Beloved" trennen sich VNV Nation von Dependent. Sie gehen ein weiteres Mal in den Staaten auf Tour und gründen im Anschluss ihr eigenes Label Anachron Sounds.
Die erste Veröffentlichung stellt die DVD "Pastperfect" dar, die aber ungefähr zwanzigmal verschoben wird, ehe sie im Mai 2004 endlich erscheint. Die Arbeiten an "Matter And Form" laufen dazu parallel, Album Nummer fünf erscheint Anfang April 2005.
Zwischendurch haben sich VNV Nation auch noch am EHW (Elektronisches Hilfswerk) beteiligt, Konzerte organisiert und so 48.000 Euro für die Deutsche Krebshilfe, SOS Kinderdorf und Die Tafeln aufgebracht. Um "Matter And Form" auch live zu promoten, sind Ronan und Mick zusammen mit Diorama und Soman schon ab Ende März unterwegs durch deutsche Clubs.
Danach stehen die USA auf dem Plan, wo VNV Nation immer größer und bekannter werden. Kaum wieder zurück in Hamburg, geht Ronan nahtlos dazu über, die ersten Ideen für das nächste Album festzuhalten. Zufällig hat er in Kalifornien die Jungs von AFI kennen gelernt. Die outen sich als Fans von VNV Nation und laden Ronan ein, an ihrem Album "December Underground" (2006) mitzuproduzieren. Der lässt sich nicht lange bitten und trägt seinen Teil zum Erfolg der Scheibe bei.
Doch natürlich kommt dabei sein eigenes Baby nicht zu kurz. 2007 liegt das nächste Album in trockenen Tüchern. Noch ehe "Judgement" Anfang April erscheint, sind VNV Nation schon wieder auf Tour. Dieses Mal haben sie Modulate und Imperative Reaction dabei. Wenn man Ronan so über die Bühne flitzen sieht, scheint außer Frage zu stehen, ob der Mann Rock'n'Roll im Blut hat.
Vor allem in den USA sind Ronan und Co. in der Folgezeit viel unterwegs. Insgesamt vergehen beinahe neun Monate, ehe sie wieder zurück in Hamburg sind und sich erst einmal um den Bau eines neuen Studios kümmern müssen. Neben Dates in Australien und Südafrika befassen sie sich auch mit einem neuen Album und einem Boxset, das Anfang 2009 erscheint. "Reformation 01" ist sowohl in den USA, als auch in Europa auf 9000 Kopien begrenzt und bietet zwei CDs, eine DVD und ein 32-seitiges Booklet.
Musikalisch halten sich die Veränderungen auf Alben wie "Of Faith, Power And Glory" (2009) oder "Automatic" (2011) in engen Grenzen.
Ronan Harris über Dirndl am Oktoberfest, Erziehung und seinen Lieblingsautor.
Mit VNV Nation-Schwergewicht Ronan Harris gibt es immer was zu quatschen. Zuletzt etwa hat der quirlige Ire nicht nur auf dem Oktoberfest in Lederhosen gesungen, er kennt auch die Nachteile der Trachten-Kleidung ganz genau!
Einmal mehr ist es die Frankfurter Batschkapp, wo Ronan Harris mit VNV Nation Station macht - auf dieser Tour gleich an zwei ausverkauften Tagen hintereinander. Eine größere Halle wäre zu teuer gewesen.
Ronan ist wie immer gut aufgelegt und passt in das angesagte Chaos im Backstagebereich bestens hinein. Mir soll's recht sein, ich hantier erst einmal am Aufnahmegerät und an meiner Kamera rum, da eine ebenfalls anwesende junge Dame gern ein Bild mit dem Sänger hätte.
Moment, ich hab's gleich.
Ronan Harris: Ja is klar. Vor allem auf der Tour in Amerika hab ich eins festgestellt: Männer sind absolut unbrauchbar, wenn es darum geht, eine Pocketkamera zu bedienen. Es sind immer die Frauen, die die Bilder mit mir und dem Kerl schießen müssen. Wenn die Mädels dann Fotos haben wollen, heißt es immer nur: 'Häh, wie funktioniert das jetzt?' Frauen schießen von allem möglichen Fotos. Natur, Freunde, was auch immer. Männer nur, wenn der Kumpel grad besoffen auf die Schnauze gefallen ist. Aber genug davon. Eddy, was für abgedrehte Fragen hast du für mich?
Och, ich hab mir auf dem Weg die Treppe hoch ein oder zwei ausgedacht. Den Rest erledigst du doch eh mit irgendwelchen Geschichten selbst, oder du schweifst dermaßen weit vom Thema ab, dass sich die Frage eh erledigt hat ... Jahaha, da hast du wohl recht. Lass mir einfach das Aufnahmegerät da, und du kannst noch ne Runde in der Stadt drehen. Das funktioniert immer.
Stimmt. Was sagen wir? Ich bin in ner Stunde wieder da und hol das Ding ab?
Sagen wir zwei. Du kannst ja nachträglich noch ein paar Sachen von dir rein schneiden, dass es wie eine Unterhaltung klingt. Warum sehen wir uns eigentlich erst jetzt wieder? Wo warst du denn die letze Zeit?
Also ich war hier, aber du warst doch andauernd in den Staaten auf Tour.
Stimmt, jetzt wo du es sagst … Hast du wirklich keine Fragen?
Ja, bislang waren sieben Shows ausverkauft, und zwar die größeren Hallen. Die Show heute ist auch ausverkauft.
Wäre es da nicht vielleicht klüger gewesen, das Konzert gleich in ne deutlich größere Halle zu verlegen?
Was du nicht sagst, aber das Problem war einfach, dass sich weder für gestern, noch für heute auf die Schnelle eine größere Halle hat auftreiben lassen. Als wir das letzte Mal hier gespielt haben, war der Club erst an der Abendkasse ausverkauft. Wir wollten schon in ne größere Halle, aber die waren sauteuer. Deswegen haben wir einfach zwei Tage hier reserviert, für den Fall der Fälle. Der erste Tag war schnell ausverkauft, deswegen also die zweite Show heute. Für das nächste Mal müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Die Batschkapp ist wirklich der kleinste Club dieser Tour. Sogar Rostock war größer und ebenfalls fast ausverkauft, was in Rostock eine echte Leistung ist. Sogar der Promoter war erstaunt und sagte, dass er seit Jahren nicht mehr eine so große Menge an Leute gesehen hat, bei einer Band die nicht in der Major-League spielt. Der nächste große Schritt wäre also ein ausverkaufter Gig in Eisenhüttenstadt. Ich glaube, wer das schafft, ist wirklich King! Aber bisher läuft es wirklich klasse. Sogar in München hatten wir über 1.100 Leute vor Ort, womit wirklich niemand gerechnet hätte. Außerdem habe ich "Beloved" in Lederhosen gesungen. War ja schließlich gerade Oktoberfest.
Du schämst dich auch für gar nichts, oder?
Nö, wieso denn? Ich liebe die bayerische Kultur. Ich hab sehr viel Respekt vor Volkskulturen, ich bin Ire, da hat man so was im Blut. Ich war zum ersten Mal seit Jahren auf dem Oktoberfest und wir hatten uns im Löwenbräu-Haus einen Tisch reserviert. Ich hab seit Jahren nicht mehr so viel gelacht wie an den Abend. Und Dirndl sind einfach eine großartige Sache, wenn du weißt, was ich meine (lacht). Darin sehen Frauen noch wirklich wie Frauen aus. Die sind einfach sexy und sehr feminin.
Ja, aber wenn man die Dinger aufmacht, muss man meistens erst mal in Deckung gehen, weil es passieren kann, dass einem die Hupen und die Ohren fliegen oder gleich um die Knie schlackern.
Jahaha, könnte passieren und glaub mir, ich hab auch ein paar sehr unschöne Dinge an dem Abend gesehen. Nicht JEDE Frau sollte ein Dirndl tragen! Aber auch diese Lederhosen sind nicht unbedingt ideal konstruiert. Ich meine, du sitzt da den ganzen Abend und trinkst jede Menge Bier. Die vielen Knöpfe und der ganze Kram den man erst mal aufmachen muss, wenn man auf's Klo geht ... keine gute Idee. Aber zurück zu den Auftritten, es ist wirklich erstaunlich, was für einen großen Sprung wir in Sachen Zuschauer gemacht haben und ich weiß nicht mal, woran das liegt. Vielleicht an den wirklich starken Festival Shows diese Sommer, dass sich das rumgesprochen hat und die Leute auch in die Clubs kommen. Das ist einfach klasse.
Hat sich euer Publikum verändert? Ist es mittlerweile breiter gefächert? Ja, auf jeden Fall. Aber nicht im kommerziellen Sinne. Mittlerweile interessieren sich auch Leute für uns, die sonst eher Indie Rock oder vielleicht ein paar New Wave Bands hören. Was ich mit nicht im kommerzielle Sinne meine ist, dass die neuen Fans nicht auf uns stehen, weil wir gerade einen großen Hit hatten oder irgendwo besonders angesagt sind. Wäre das der Fall würde ich vermutlich sagen: "Ok, jetzt ist es an der Zeit für ein Black Metal Album oder was in der Art." Dann bist du solche Leute ganz schnell los. Ich will VNV Nation nie im Leben als Wegwerfprodukt behandelt sehen. Das wäre furchtbar. In den USA haben wir ein unglaublich gemischtes Publikum und wir tauchen auch in sehr unterschiedlichen Magazinen auf. Egal ob Print oder Online. Die sehen uns schlicht und ergreifend als eine Alternative Band an und im Grunde sind wir das ja auch.
Denkst du, dass deine Arbeit mit AFI dazu beigetragen hat?
Ja, auf jeden Fall, denn vor allem Davey ist jahrelang mit einem Shirt von uns rumgerannt. Und ich hab ja auch mit einigen anderen US-Bands gearbeitet, die entsprechend vermarktet wurden und sich in unseren Shirts haben ablichten lassen. Die Mundpropaganda ist auch nicht zu verachten. Wir haben über 1,7 Millionen Abrufe für das Video zu "Illusion", das ein Fan zusammen gebastelt hat. Die Leute hören von uns auf die seltsamsten Art und Weisen und vor allem auch ein paar recht bekannte Leute. Aber egal, der Markt scheint sich verändert zu haben, immer mehr Leute kommen zu unseren Shows, alle haben eine gute Zeit und VNV Nation scheinen immer noch weiter zu wachsen. Alles ist gut, nächste Frage!
Würdest du sagen, dass sich der Sound von VNV Nation seit dem letzten Album großartig verändert hat?
Ja schon, wenn auch nicht unbedingt musikalisch. Das letzte Album hat mit einer Menge Dinge experimentiert. Obwohl mir das jede Menge Spaß gemacht hat, ging es mir dieses Mal eher um schlüssige Songs und starke Melodien. Das jetzige Album ist so was wie eine Sammlung all meiner Einflüsse in VNV Nation Songs. Es sind sehr emotionale Stücke auf der Scheibe. Einige Türen wurden geschlossen und viele neue geöffnet. Mittlerweile sind viele Leute zu mir gekommen und haben mir gesagt, dass sie bei "Of Faith, Power And Glory" das Gefühl haben, sich ein Buch anzuhören. Es führt sie durch verschiedene Abschnitte ihres Lebens und ist sowas wie eine Begleitung. Das finde ich einfach großartig. Das schönste Kompliment für mich war, als mir Leute sagten, dass sie die Texte tief bewegt haben, sie die Musik aber auf eine Art von ihrem alltäglichen Leben befreit hat. Sie auf eine Reise geführt hat. In Frankreich hat uns das größte Alternative Magazin in seiner Review als eine der wichtigsten Alternative Bands der letzten Jahre bezeichnet. Sowas macht mich erst mal sprachlos. Auch allmusic.com haben sich ähnlich ausgedrückt und das war wirklich das Letzte, was ich erwartet hatte. Nachdem ich mit dem Album fertig war, war ich felsenfest davon überzeugt, dass die Leute die Scheibe weitgehend hassen würden. Das dachte ich wirklich. Ich selbst hab meine Lieder von Anfang an geliebt, weil sie für mich tonnenweise Emotionen transportieren.
Ich denke die Art und Weise wie du etwas ausdrückst, war für mich schon immer fast wichtiger, als das was du ausdrückst. Was bringen dir Texte, die den Aussagegehalt einer Inhaltsangabe auf dem Rücken einer Ketchup-Flasche haben? Die Art und Weise, wie etwas rüber gebracht wird, die Emotionen, die durch die Stimme und Tonlage transportiert werden, sagen eigentlich immer mehr aus, als das, was tatsächlich formuliert wird. Deswegen ist es für mich verdammt wichtig, dass meine Texte, meine Stimme und meine Musik die gleichen Emotionen transportieren, und DAS ist für mich auch der Teil, an dem ich sehr lange und hart arbeite.
Als Beispiel: Der Song "Illusion" ist vor einem interessanten Hintergrund entstanden. Ein Freund von mir bat mich, ein Gespräch mit seiner Tochter zu führen, die gerade im Teenager-Alter war und eine Menge Probleme mit sich und ihrer Umwelt hatte. Er konnte nicht mehr zu ihr durchdringen, weil er als Vater nur als Autoritätsperson wahrgenommen wurde. Ich war zwar ein Freund von ihrem Vater, aber auch von ihr und er bat mich, mit ihr zu reden, weil sie kurz davor war, sich selbst vollkommen zu Grunde zu richten. Wir saßen eine Nacht lang zusammen und haben uns über alles Mögliche unterhalten und auch viel gelacht dabei. Wir redeten darüber, wie dumm das Leben doch sein kann und wie dumm viele Menschen sein können. Wie wichtig es doch ist, dass man sich einen eigenen Standpunkt und eine eigene Sicht auf die Dinge und vor allem einen wachen Verstand bewahrt. "Illusion" basiert im Prinzip auf diesem Gespräch. Klare Worte, die jeder verstehen kann. Es gab keinen Grund, meine Intention sonderlich poetisch zu verpacken. Hier sind die Worte, mach draus was du willst. Meine Schwester gab den Text an ihre Kinder weiter und meinte nur: "Kids, hört euch den Song an. Darum geht es im Leben. Danke für eure Aufmerksamkeit."
Es geht doch nichts über irische Erziehungsmethoden.
Ganz recht, mein klugscheißender Freund. Ich hab absolut nichts gegen Leute, die meine Musik nur hören, weil man gut dazu tanzen kann. Super, wenn ihnen das eine tolle Zeit bringt – alles klar. Aber die meisten der Leute, die nach einem Konzert zu mir kommen und mit mir reden, sind von den Texten genauso beeindruckt wie von der Musik, und das bedeutet mir dann sehr viel, weil BEIDES für mich wichtig ist.
Ich hab das Gefühl, dass du auf der Scheibe wieder eine Spur rauer klingst. Stellenweise fast schon angepisst von manchen Dingen.
Klar, manche Dinge machen auch mich wütend. In "Nemesis" behandle ich beispielsweise eine Thematik, bei der ich einfach nicht ruhig bleiben kann. Der Song ist so was wie ein Tribut an die Pop/Punk-Bands der 80er. Und wenn man einen Punksong singt, kann man nicht gerade wie ein Chorknabe klingen. Ich zitiere in dem Song auch nur Ausschnitte aus dem Buch "Art Of War". Es ist faszinierend, wie viele Leute mich fragen, warum ich nicht einen eigenen Text dazu geschrieben hab. Ganz einfach: weil ich möchte, dass ihr das Buch lest! Lest das Buch, es ist es wirklich wert. Aber so wirklich angepisst bin ich eigentlich nirgends auf dem Album. Dazu gibt es auch keinen Grund, da mein Leben momentan recht harmonisch verläuft. Es ist eine gewisse Melancholie auf dem Album, aber es geht weitgehend eher darum, mit sich ins Reine zu kommen. Jeder hat in seinem Leben Fehler gemacht und Dinge, die er bedauert. Aber irgendwann muss man sich auch selbst vergeben und einfach einen Abschluss finden. Darum geht es weitgehend in "Ghost". In vielen meiner Songs gibt es einen hohen Grad an Spiritualität, aber darauf kann ich jetzt nicht zu explizit eingehen, weil uns das vermutlich mehr Batterien für dein Aufnahmegerät kosten würde, als dir zur Verfügung steht (lacht). Aber im Grunde geht es um innere Stärke und das Erreichen von einer gewissen Ausgeglichenheit. Ich könnte damit jetzt noch stundenlang weiter machen, aber hast du noch ne sinnvolle Frage oder war's das?
Ok, dann kommen wir zu meinem letzten Punkt, bevor du endlich Richtung Buffet verschwinden kannst. Welches Buch würdest du deinen Fans ans Herz legen?
(Wie aus der Pistole geschossen): "Norwegian Wood" von Haruki Murakami. Für meinen Geschmack ist Murakami einer der bedeutendsten Autoren unserer Zeit. Er schreibt Bücher über Modern Fiction. Es ist immer eine Schicht Mystizismus dabei, doch alles vor einem sehr realen Hintergrund. Meine Freundin hat mich auf ihn gebracht. Auch die deutschen Übersetzungen sind fantastisch. "Dance, Dance, Dance" ist ebenfalls großartig. Aber du fragst mich nach Büchern? Wie intellektuell soll das hier denn noch werden? Du solltest irgendwo das Wort Titten unterbringen, sonst liest das kein Schwein bis zum Ende.
Selten war ein Interview so einfach: VNV Nation-Sänger Ronan Harris stellt man einfach ein Mikrofon vor die Nase, drückt auf Aufnahme und macht sich nebenher was zu essen. Den Rest übernimmt der Mann quasi im Alleingang, der Redakteur muss nur ab un zu bekräftigend nicken.
Hey Eddy, wie geht's dir denn so. Schön, ein bekanntes Gesicht zu sehen.
Die Worte "schön" und "Gesicht" höre ich im Zusammenhang mit mir eher selten, aber ich freu mich auch dich zu sehen. Wie läuft die Tour denn bisher?
Absolut fantastisch! Das Album verkauft sich gut, in den USA sogar hervorragend, womit eigentlich niemand gerechnet hat. Ich am wenigsten. Wir müssen wohl irgendwas richtig gemacht haben auf "Matter & Form".
In unserem letzten Interview haben wir uns auch über Charts unterhalten. Wie siehts da in Bezug auf "Matter & Form" aus?
Ach, da lief wieder einiges schief, weil viele der großen Musikläden die CD erst eine Woche nach dem Release in ihren Regalen hatten. Irgendwas hat mit der Belieferung nicht geklappt, aber dennoch sind wir auf Platz 38 in die Charts gekommen, was nicht wirklich schlecht ist. Aber das war noch lange nicht das einzige, was schief lief und mich mächtig angepisst hat. Wir haben die Europa Tour so gebucht, dass wie mindestens eine Woche Pause hatten, bevor es auf die US Tour geht. Also musste das Veröffentlichungsdatum so gelegt werden, dass es sowohl für Europa, als auch für Amerika schon vor der Tour erhältlich ist. Eine Booking Firma wollte uns für ein Festival in den USA für Anfang Mai, weshalb wir die Europa Tour auf Anfang April angesetzt haben und das VÖ Datum ebenso. In Amerika müssen sie das Album immer zweieinhalb Monate vor Erscheinen haben, frag mich nicht warum. Also mussten wir uns beinahe ein Bein ausreißen für 'ne Sache, die im Endeffekt gar nicht hingehauen hat, weil wir für das Festival nicht gebucht wurden. Aber wir haben eigentlich kein Problem damit für ein Album zu touren, dass noch gar nicht erhältlich ist. Das haben wir schon so oft getan und es hat immer funktioniert. Auf dieser Tour gibt es nun einen Unterschied und zwar den, dass die Leute unsere neuen Lieder mitsingen und sie auch weitersingen, wenn wir schon von der Bühne gehen. Das ist mir auf dieser Tour zum ersten Mal passiert. Wir sind von der Bühne gegangen und haben Backstage gehört, wie sie "Perpetual" gesungen haben. Das ist sowieso ein Song, von dem ich mir alles andere als sicher war, dass die Leute ihn akzeptieren und verstehen. Ich hab in letzter Zeit eine Menge Gitarrenmusik gehört und ich war gespannt, ob die Leute offen genug sind, sich auch auf so eine Art Indie-Poprock, oder Indie-Punk einzulassen. Aber das war überhaupt kein Problem und das finde ich großartig.
Ich muss gestehen, dass ich wirklich erstaunt war das Album auch zum angekündigten Zeitpunkt in den Händen zu halten. Die DVD wurde ja ungefähr 83 mal verschoben.
Oh, hör bloß auf, das war eine Geschichte. Die Firma, mit der wir gearbeitet haben ist voll gefloppt und wir mussten uns eine andere suchen. Dann gab es noch Probleme mit der GEMA, mit allem Möglichen und Unmöglichen. Manchmal glaube ich echt, dass ich das Chaos anziehe, aber was soll's, hahaha. Letztendlich kam die DVD wohl zum richtigen Zeitpunkt raus. Sie erschien zwar sieben Monate später als geplant, aber bis dahin wusste schon jeder von dieser DVD und war heiß drauf sie zu bekommen. Diese mysteriöse, geheimnisvolle DVD auf die man so lange warten musste. Jeder wollte wissen, was da denn jetzt so Tolles drauf ist, dass das so lange dauert, hahaha.
Ihr habt dieses Mal mit einem Produzenten gearbeitet?
Ja und das war eine sehr sinnvolle Sache. Es war sehr entspannend für mich einfach jemandem zu sagen: "Hey ich will, dass das so klingt und hier diese Stimmung auftaucht". Auf der anderen Seite hat er mir auch geholfen, dass ich mich nicht in irgendwelchen Kleinigkeiten verrenne und zu lange damit aufhalte. Wir hatten eine Menge Spaß und hätten noch neun Monate weiter produzieren können. Wir hatten letztendlich an die 30 Songs, von denen es nur elf aufs Album geschafft haben. Kann gut sein, dass nächstes Jahr schon ein neues VNV Nation Album erscheint. Wir haben auf jeden Fall tonnenweise B-Side Tracks. Für die Single "Homeward" hab ich schon jede Menge Ideen.
Dann versteh ich umso weniger, warum ihr fünf instrumentale Nummern auf dem Album habt.
Was geht eigentlich ab? Jeder hackt darauf rum, dass wir so viele instrumentale Stücke auf "Matter & Form" hätten. Wir hatten auf jedem Album einige Instrumentals, auch auf "Futureperfect" waren es vier. Ich mag das einfach, denn ich bin nicht der Meinung, dass Musik eine Stimme benötigt, um eine Botschaft zu vermitteln. Ich liebe Soundtracks und dafür brauchst du einfach keinen Gesang. Ich habe letztendlich aus einer Liste von 16 Songs ausgewählt, welche Tracks auf der Scheibe landen. Einer der Songs die es nicht geschafft haben heißt "Suffer" und einer unserer Live-Keyboarder hat mitbekommen, dass ich diese Nummer nicht verwenden will und er fragte mich: "Hast du eigentlich 'nen Schatten? Der Song ist doch großartig, der muss auf die Scheibe!" Ich sagte nur: "Nein". Jedes Album hat für mich ein Konzept und diese Breaks und die EBM oder Techno-lastigen Nummern sind unbedingt notwendig.
Wenn du schon von Soundtracks sprichst, ich denke dass man bei Soundtracks keinen Gesang benötigt, weil einfach eine bestimmte Atmosphäre schon allein durch die großartige und opulente Musik erzeugt wird. Bei diesen Techno-Nummern kommen zumindest bei mir keine großen Emotionen bei rum.
Bei mir auf jeden Fall schon und ich weiß auch, dass Mark sehr auf "Lightwave" steht und mir geht es ebenso. Ich mag einfach diese Goa und EBM Sachen und das ist wohl so eine Art Tribut an meine Vergangenheit. Ich kann einfach kein Album mit zehn Songs machen, in denen überall Gesang auftaucht. Das wäre für mich wie ein kommerzielles Songwriteralbum. Ich hab ein paar richtig starke Songs auf diesem Album geschrieben und ich habe gemerkt, dass ich ein wirklich guter Songwriter sein kann, wenn ich das tatsächlich will, aber ich will einfach nicht einer dieser perfekten, kleinen, sauberen, kommerziellen Acts sein. Ich brauche diese Abwechslung, denn gerade dadurch passen die Sachen für mich zusammen. Das ist genauso, wie wenn du heutzutage in irgendwelche Clubs gehst, wo die DJs den selben Scheiß immer wieder spielen und es einfach keine große, stilistische Abwechslung mehr gibt. Diese Abwechslung war und ist für VNV Nation aber unersetzlich. Auf der einen Seite steh ich sehr auf Dark Ambience Sounds oder auch Sachen wie Sigur Rós, auf der anderen Seite mag ich aber auch Künstler wie Death In Vegas sehr. Ich kenne Leute, die lieben "Lightwave" über alles, können aber mit dem Rest nichts anfangen und genauso gibt es Leute wie dich, bei denen es ungekehrt ist. Das hat doch auch was für sich. Zum Beispiel hat mir neulich einer gesagt, dass er "Endless Skies" total Scheiße findet. Er meinte, das würde ihn an einen Song von ... äh, verdammt wie hieß der noch mal. Irgendein teuflisch schlechter Künstler und es war einfach offensichtlich, dass der Kerl nicht mal wusste worüber er da spricht.
Auch wenn eine größtmögliche Abwechslung schon immer ein wichtiger Faktor war, so hat sich euer Sound doch merklich verändert.
Auf jeden Fall. Wir haben uns ein gutes Stück von dem ganzen Trance Zeug entfernt. "Futureperfect" war sowas wie der Sargnagel für dieses Genre und das ist auch ganz gut so, denn inzwischen kann ich so einen Kram nicht mehr hören. It annoys the shit out of me! Das ist aber auch ein großes Problem der Szene, denn es gibt immer noch zu viele Leute, die eine feste Vorstellung davon haben, wie ein Lied oder eine CD klingen müssen und das ist mir einfach zu langweilig. Deswegen brauche ich ein Stück wie "Chrome". Wenn der Song ein paar bpm mehr hätte, könnte das ein Ramones Song sein. Glaub mir, wir haben das tatsächlich ausprobiert, hahaha. Wir haben es auf 150 bpm hochgefahren und es mit ner Gitarre gespielt, das war großartig!
Der Song klingt auch sehr wütend, meiner Meinung nach.
Das ist er auch in gewisser Art. Auf "Futerperfect" hab ich mir textlich die Welt betrachtet und gesagt: "Ich mag diese Scheißwelt um mich herum nicht. Wir müssen was daran ändern." "Matter & Form" ist etwas mehr auf Personen und mich selbst bezogen. Bisher war ich immer der Meinung, dass mit mir soweit alles in Ordnung ist und nicht ich mich ändern muss, sonder die anderen, hahaha. Aber inzwischen geh ich damit doch etwas differenzierter um. Ein Song wie "Endless Skies" dreht sich um Menschen, die ihr ganzes Leben nur rennend verbringen, ohne sich einfach mal die Zeit zu nehmen, anzuhalten und etwas Schönes nur zu betrachten und zu bewundern. Ich war in New Mexico und bin da aus dem Bus ausgestiegen. Auf der eine Seite des Busses war so ein indianischer Touristenstand aber auf der anderen Seite stand ich plötzlich vor dem größten, verdammten Himmel den ich je in meine Leben gesehen hatte. Die Farben und der endlose Horizont, das war absolut unglaublich! Ich stand einfach nur da und dachte: "Verdammt, ich liebe das." Verstehst du, diesen Himmel gibt es jeden verdammten Tag irgendwo zu sehen, aber kaum einer ist sich dessen bewusst. Ich habe durch das Schreiben der Texte sehr viel gelernt, vor allem über mich, aber auch über das Musikmachen selbst.
Eine Sache die mich schon immer interessiert hat ist: Du schreibst die Musik und deine Texte doch eigentlich komplett allein. Wie wichtig ist Mark für VNV Nation?
Oh, sehr wichtig. Er war Anfangs nur als Live-Drummer dabei, wurde aber schnell ein festes Mitglied und ich brauche einfach seine Präsenz. Wir reden viel über die Songs. Die Chemie zwischen uns ist einfach perfekt und bei der Entwicklung der Songs sehr wichtig. Er ist ein wichtiges, psychologisches Mitglied der Band, denn ich hab ihn immer im Hinterkopf, wenn ich Songs schreibe. Ich weiß, was er mag und was nicht, und das beachte ich, wenn ich für VNV Nation schreibe. Würde ich ein Solo-Album machen, würden seine Vorlieben und Abneigungen keine Rolle für mich spielen. Ich brauche Mark definitiv in dieser Band um mich auf einer gewissen Linie und fokussiert zu halten. Ich habe jede Menge Stücke, die sich für ein Solo-Projekt eignen, das ich sehr gern machen will. Diese Sachen unterscheiden sich dann auch deutlich von VNV Nation. Ich habe ein paar Sachen in der Hinterhand, die sich auf zehn Geschichten stützen, die ich mit Leuten erlebt habe, die ich irgendwo getroffen habe. Eine z.B. handelt von einer Frau, die ich um vier Uhr Morgens in einem Truck Stop in Amerika traf. Ich bin da rein, um einen Kaffee zu trinken, da der Bus für 'ne halbe Stunde Pause machte. Ich traf da diese Frau und ich liebe es einfach wildfremde Menschen zu fragen, was in ihrem Leben so passiert. Die Frau erzählte mir dann, dass sie von ihrem Mann weggelaufen ist, der sie missbraucht und geschlagen hat und mit dem sie ein Kind hat. Bei ihrer ganzen Geschichte sprach sie aber mit einer Gleichgültigkeit und Ergebenheit der du angemerkt hast, das dieser Frau einfach schon zu viel angetan wurde. Sie war innerlich tot und abgestumpft. Ich habe dann genau darüber mit ihr gesprochen und versucht, ihr mit ein paar Erlebnissen aus meinem Leben zu helfen. Das faszinierendste daran war aber, wie diese Frau schon beinahe poetisch ihr Leben, ihre Träume und Wünsche beschrieben hat. Das war unglaublich und in dieser Art sind auch die anderen neun Geschichten aufgebaut. Ich glaube du solltest präzisere Fragen stellen, sonst laber ich dir hier vier Stunden lang auf’s Band.
Kein Problem, sprich einfach ins Micro, ich mach mir so lang was zu essen.
So siehst du aus, hahaha. Aber als ich mich mit diesen Geschichte befasst habe, dachte ich mir auch, dass ich damit meine Zukunft verbringen könnte. Die Songs schrieben sich beinahe selber und diese Menschen inspirierten mich ungemein. Ich könnte mich als Geschichtenerzähler oder Songwriter durchschlagen, immerhin kann ich so gut wie nie die Klappe halten, hahaha.
Schon mal daran gedacht, in der Art von Henry Rollins oder Danko Jones ein paar Spoken Word Performances zu machen?
Das mach ich in Amerika schon. Naja, es ist ein Teil der Show und so in etwa 'ne halbe Stunde lang. Das ist alles immer spontan und nicht geplant. Es macht aber einen Höllenspaß, und ich bringe das Publikum zum Lachen, schaffe es, dass sie auf bestimmte Dinge wütend werden, über andere nachdenken, usw. Das ist schon faszinierend, wenn man spontan einen Einwurf aus den Publikum aufgreift und den Faden einfach weiterspinnt. Das ist in Deutschland nur verdammt schwierig, wegen der Sprachbarriere.
Du hast mit Anachron Sounds dein eigenes Label. Denkst du, dass sich dadurch mehr Vor- oder Nachteile ergeben? Hast du mehr Stress oder vereinfacht es ein paar Sachen?
Es ist definitiv mehr Stress, vor allem jetzt, wo das Album raus ist und ich mich um alles kümmern muss. Ich hatte jemanden, der mir bei der Arbeit geholfen hat, aber derjenige hat Hamburg aus persönlichen Gründen verlassen. Das kam natürlich wieder zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt aber letztendlich bin ich ganz froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Immerhin dreht es sich dabei um meine Musik, um meine Worte, mein Herzblut und ich möchte, dass das mit der entsprechenden Hingabe vermarktet wird und das wird kaum jemand so gut machen, wie du selbst. So seltsam das ist, aber seit ich diese Entscheidung getroffen habe, sind mir tatsächlich immer wieder ein paar Menschen begegnet, die eine ähnliche Leidenschaft für die Produkte an den Tag legen, die sie vermarkten, wie ich mir das für VNV Nation wünsche. Es ist auch eine gewisse Art von Kunst, ein Produkt entsprechend zu vermarkten und mit diesen Leuten will ich in Zukunft auch zusammen arbeiten. Auf der einen Seite ist es also verdammt stressig, wenn du dich um alles selber kümmern musst, auf der anderen Seite will ich die Freiheiten dabei einfach nicht mehr missen. Ich will mir einfach von keinem Label und auch sonst niemanden vorschreiben lassen, was ich zu tun und zu lassen habe. Was hat ein verdammter A&R Manager schon für eine Ahnung davon, wie deine Musik zu klingen hat? Was soll der Scheiß? Ich kenne ein paar Bands aus unserer Richtung, die zu einem Major Label gewechselt sind und ihnen wurde jeden Tag erzählt: "Hey ihr seid die verdammt beste Band dieser Welt. Die Songs werden alle auf Platz 1 gehen". Das ist toll wenn jemand an dich glaubt, aber dann doch bitte in einem realisierbaren und realistischen Rahmen. Im Endeffekt haben die alle ihren Deal wieder verloren, weil es den Labels nur darum geht, Geld zu machen. Die Leidenschaft für die Musik fehlt einfach. Alles in allem bin also schon glücklich mit der Situation. Wenn es mir nur darum gehen würde Geld zu verdienen, dann könnte ich auch irgendwelche Scheiß-Pop Songs machen. Dann wäre ich der Dieter Bohlen der Elektro Mucke, hahaha.
Das wollen wir doch wenn möglich vermeiden.
Kein Problem, außerdem fehlen mit die Haare um das glaubwürdig rüberzubringen, hahaha.
Ich kann dir ein paar leihen, wenn du magst. Willst du eigentlich auch andere Bands auf dein Label holen?
Wenn die Zeit es erlaubt, auf jeden Fall. Ich kenne ein paar Künstler, die ein enormes Potential haben, das aber noch nicht ganz ausgereift ist. Es wäre großartig sie dabei unterstützen zu können und ihnen eine gewisse Richtlinie zu geben. Das möchte ich irgendwann in Zukunft auch machen, aber momentan ist das alles eine Zeitfrage. Es ist aber auch einfach so, dass es so viele gute Bands gibt, die es alle irgendwie verdient hätten, gehört zu werden, aber das funktioniert eben nicht. Das ist auch teilweise die Schuld der DJs, die immer wieder die gleichen Sache spielen und sich dabei dann auf die großen Namen konzentrieren. Gerade in so einer Position hast du doch die Chance, jungen Bands dem Publikum vorzustellen, warum nehmen das so wenige war? Keiner ist mehr bereit, ein Risiko einzugehen, sie wollen nur die Tanzflächen durchgehend gefüllt halten.
Das ist im Radio oder im Fernsehen doch nicht anders.
Da hast du Recht, aber ist doch traurig. Ich bin es einfach leid in irgendwelche Clubs zu gehen und immer wieder dieselben, alten Song zu hören. Deswegen versuche ich, wenn ich selber irgendwo auflege, das Material so variabel wie möglich zu halten.
Auf eurer Homepage kann man sich ne Remix-Version von "Cold" mit dem freundlichen Hinweis darunter: "Dieser Remix beinhaltet hochgradig zensiertes Material der Erwachsenenunterhaltung und sollte von Erwachsenen mit hoher Lautstärke gehört werden."
Ja und genau das tun sie auch, hahaha. In den USA wurde das Ding wie blöd heruntergeladen. Das war nur so 'ne Spaßnummer, die ich mit meinem alten Mitbewohner aufgegriffen habe. Der ist House-DJ und wir haben das nur aus Spaß gemacht. Das ganze hatte seinen Ursprung in einer Band, die ich mit drei Freunden gründen wollte. Wir waren damals alle Single und wollten ne Punk Band mit dem Namen My Imaginary Girlfriend gründen. Das lag daran, dass wir ab und zu zusammen saßen, tranken und uns gegenseitig unsere imaginären Freundinnen vorstellten. Wir haben dann ein paar Sachen angefangen und es kam natürlich nur Blödsinn dabei raus. Das war sozusagen die Grundlage, für diese Remix-Version. Wir haben das Teil dann online gestellt und ich finde es nach wie vor witzig. VNV Nation haben sonst immer einen sehr ernsten Hintergrund, aber wir wollten zeigen, dass wir auch Humor haben.
Aha, das Teil klingt für mich ein bisschen nach 'nem Soundtrack zu einem Homeporno.
Jahaha, da hast du schon recht, aber wir haben ja mit den allmächtigen Beeps gearbeitet, hahaha. Wir haben die Dinger aber so kurz wie möglich gehalten, so dass du immer genau weißt, was gesagt wird, es aber nicht exakt hörst. Das macht es für mich nur noch witziger, weil wir es selbst zensiert haben, aber eigentlich vollkommen umsonst. Die Messsage kommt definitiv rüber. Aber das hält uns juristisch natürlich den Rücken frei, hehe. In der ersten Woche hatten wir schon beinahe 1.600 Downloads, das war echt der Hammer. Wir hatten auch dazu geschrieben, dass sie das Teil auf CD brennen und ihrem DJ in die Hand drücken sollen. Daraufhin haben mich mehrere DJs angeschrieben und gesagt: "Ihr Bastarde, mir werden am Abend 15 CDs mit dem Remix in die Hand gedrückt, damit wir den Scheiß-Song spielen." Das Teil wurde ein richtiger Hit in den Staaten.
Da gibt es immer noch 'ne Sache, für die ich dich hasse. Erinnerst du dich noch daran, wie du mich im letzten Interview wegen den Festivals und Weihnachten verarscht hast?
(liest kurz den Teil durch und lacht sich dann halb schlapp) Öh, ok, das nimmst du mir doch nicht übel, oder. Du bist viel größer und stärker als ich, hahaha.
Quatsch, Mann, ich bin doch jedes Mal froh mich mit Leuten zu unterhalten, die einen ähnlichen Humor wie ich haben.
Das geht mir genauso. Ich nehme das, was ich mache sehr ernst, aber ich muss auch meinen Spaß haben. Ich kann es nicht leiden, wie manche Leute alles zu ernst nehmen. In Amerika behandeln uns manche schon beinahe wie eine Religion, aber wir sind auch einfach nur ein paar lustige Typen, das glauben wir zumindest. Das eine funktioniert ohne das andere einfach nicht richtig.
Na wenn das kein wahres Wort zum Schluss ist.
Das Interview führte Michael Edele
Obwohl nur 25 Minuten Zeit am Hörer zur Verfügung standen, kaute Ronan Harris, treibende Kraft bei VNV Nation, LAUT-Redakteur Edele beinahe ein Ohr ab.
In der Gothicszene haben sie sich schon lange einen Namen gemacht. Unermüdlich tourten sie rund um den Globus und rockten die Clubs der Welt. Mit ihrer Platte "Futureperfect" ernten VNV Nation endlich die Früchte ihrer unermüdlichen Arbeit.
Hi, wie ist das Wetter in England, beschissen wie immer?
Im Großen und Ganzen, ja.
Gehen dir die Interviews schon auf den Sack, ich nehm mal an, dass du schon einige hinter dir hast für heute.
Das auf jeden Fall, ich geb jetzt seit neun Stunden Interviews und das selbe mach ich morgen auch. Trotzdem macht es immer wieder Spaß, sich mit interessanten Leuten zu unterhalten. Du bist für heute der Vorletzte, deswegen bist du mir schon sympathisch.
Na wenns nur daran liegt ... Ihr seid mit "Futurperfect" ja auf Platz 26 in die Charts eingestiegen. War das der höchste Platz den ihr bis dato belegen konntet?
Ja, bisher schon. Wir waren auch mal mit einem anderen Album für eine Woche in den Charts, aber das ist bisher unser bestes Ergebnis. Das ist natürlich eine fantastische Sache.
War etwas in der Art zu erwarten?
Die Leute von unserem Label waren überzeugt davon, dass das Album in die Charts kommt. Ich selber habe von so etwas wie den Top 50 geträumt, mit den Top 30 hätte ich aber nie gerechnet. Das hat mich doch ziemlich aus den Socken gehauen, wenn ich ehrlich sein soll. Es ging auch gar nicht um den höchstmöglichen Charteinstieg an sich, sondern eher darum, dass wir mit diesem Einstieg ein paar Leute auf uns und unsere Art von Musik aufmerksam machen und somit vielleicht ein paar Türen für andere Bands öffnen können.
Denkst du, dass die Erwartungen der Fans nach eurem letzten Album besonders hoch waren und solch ein Einstieg sozusagen Pflicht?
Ich denke es gab viele, die einfach die übliche Weiterentwicklung von uns erwartet haben und viele, die sich dachten, dass "Futureperfect" ein großes Pop Album werden würde. Beide lagen irgendwie falsch. Da "Genesis" aber in die Charts ging, haben wohl auch viele gehofft, dass sich das mit dem Album wiederholen würde. Das ist ja auch von dem Standpunkt aus was tolles, dass wir unseren Sound nicht massiv verändert haben, sondern es vielmehr geschafft haben, mit unserer Art Musik in die Charts zu kommen. Musik, die von der Öffentlichkeit bisher nicht sonderlich beachtet wurde. Jetzt ist der Anreiz, sich auch mit uns zu beschäftigen, einfach größer und das freut bestimmt nicht nur uns.
Da gibts dann auf der anderen Seite aber gleich wieder die Die-Hard-Fans, die Sold Out schreien und euch nur für sich alleine haben wollen. Sogar Gerüchte über ein Video geistern ja schon durch die Gegend.
Es wird definitiv kein Video geben. Ich weiß aber, auf was du hinaus willst. Ich denke nur, dass es an der Message der Musik und an ihr selber nichts ändert, ob jetzt zehn oder 1000 Leute sie hören. Ich kann die Leute schon irgendwo verstehen, wenn auf einmal jeder ankommt und so tut, als ob er die Band schon immer gehört habe, im Endeffekt aber keinen Plan von der Sache hat. Ich wollte immer ein gewisses Feeling mit der Band einfangen und ausdrücken. VIVA würde unser Video doch nicht mal spielen, wenn wir Millionen von Dollars dafür ausgeben würden. Es gibt doch immer noch so viele Vorurteile gegenüber dieser Szene, dieser Musik. Wir schaffen es zwar inzwischen immer wieder, dass uns große Zeitschriften ohne vorgefasste Meinung erst mal anhören, aber bei VIVA denken die doch immer noch, dass alle aus der Szene ihre Haustiere opfern. Diese Erfahrung haben wir auch schon mit den meisten Radiostationen gemacht. Die sagten dann: "Nee, diese Art Musik spielen wir nicht". Diese Art Musik? Viele Bands klingen ähnlich wie wir, aber wir kommen eben aus dieser "Gruftie-Szene". Scheiße, Mann, wir sind doch keine Grufties (lacht), wir haben einfach gute Songs, wo auch noch einiges an Message rüberkommt. Wir haben auch so viel unterschiedliche Sachen in den Songs.
Inzwischen laufen doch auch Projekt Pitchfork und De/Vision auf MTV und VIVA. Denkst du nicht, dass du da etwas zu schwarz siehst?
Ja, Pitchfork waren auf MTV, ok. Aber es ist eine andere Frage, ob es ihnen wirklich was gebracht hat, oder nicht. Ein Video käme für mich sowieso nur dann in Frage, wenn es im Einklang mit Musik, der Band und der Message stehen würde. Etwas, das zeigt was wir sind, das den Leuten klar macht: "Egal ob ihr für oder gegen uns seid, wir gewinnen!" Das war der Slogan auf dem Rücken unseres ersten T-Shirts. Es gibt einfach genügend andere Wege die Menschen zu erreichen, ohne ein Video zu drehen. Ein Video sagt eigentlich nur: "Hey, wir haben jede Menge Kohle, haha". Haben wir aber nicht, wenn wir jetzt ein Video drehen, sind wir einfach nur arm und ich bekomme nie den Audi TT, den ich unbedingt haben will (knallt mit dem Kopf beinahe auf den Tisch vor lachen). Naja, vielleicht einen fürs Regal. Quatsch, die Kinder wollen einfach was zu essen haben. Das Music Biz ist ja auch dermaßen kompliziert, bis man da jeden überzeugt hat, dass das Video unbedingt laufen muss, usw. Ok, ich gebs zu, es gab ein Video und VIVA haben es abgelehnt. Punkt, aus, Ende. VIVA spielen doch sowieso, was sie wollen und nicht, was die Zuschauer wollen. Das ist ein privates Unternehmen, da hat Demokratie nichts zu suchen. Sie spielen das, was sie für cool, hip und angesagt halten und das stimmt meist mit dem Programm von MTV überein.
Lass uns mal etwas über das Album an sich plauschen. Für meine Ohren klingt „Futureperfect ziemlich melancholisch und hat auf der anderen Seite irgendwie die Ecken und Kanten von "Empires" verloren.
Ich finde eigentlich, dass "Empires" auch ein sehr melodisches Album war. Das neue Album geht meiner Meinung nach nicht unbedingt so schnell ins Ohr. Es ist aber doch etwas strukturierter. Vieles hat auch damit zu tun, dass ich immer mehr über die Art und Weise lerne, Songs zu schreiben, zu produzieren, die Song letztendlich so klingen zu lassen, wie ich das möchte. In der Vergangenheit war ich immer am Ausprobieren und Experimentieren und war am Ende glücklich mit dem Ergebnis. Es war eine Sache der Entwicklung.
Denkst du, dass du jetzt das Beste heraus geholt hast, an der Spitze bist?
Keine Chance, vergiss es, da ist auf jeden Fall noch mehr drin. Es liegt noch ein langer Weg vor uns.
Wie siehst du die Aussage von "Futurperfect"? Ist sie positiv, oder eher negativ?
Öh, so jetzt im kurzen? Schwer zu sagen. Es ist von beidem etwas, sozusagen: "Schau dich um und sag mir, was du siehst." Anstatt einfach nur zu denken, das man eh nichts ändern kann, sollte man sich nicht damit abfinden, sondern es versuchen, denn man kann immer etwas ändern, jeder einzelne. Wenn man will kann man verdammt viel verändern, sei es im Privatleben oder sei es in der Gesellschaft. Wir leben in einer sehr dunklen und orientierungslosen Zeit, wir wissen irgendwie nicht, wohin es eigentlich geht und die Probleme werden nur noch größer, wenn wir die Finger nicht aus dem Arsch nehmen und endlich etwas unternehmen. Das weißt du, das weiß ich, das sollte eigentlich jeder wissen, schließlich offenbare ich hier nichts elementar Neues.
In dem Essay, der auch auf eurer Homepage zu finden ist, sprichst du vom Verlust von Glauben und Vertrauen. Denkst du, dass ein Gott überhaupt noch notwendig ist?
Weiß nicht, aber Religion hat ja an sich nichts mit Aberglauben zu tun. Da ist ja mehr, als nur Geburt, Aufwachsen, Sterben und in Staub verwandeln, ich glaube nicht, dass es damit dann einfach vorbei ist. Schließlich war man vor ein paar hundert Jahren noch davon überzeugt, dass die Erde flach ist und man über den Rand stürzt, wenn man sich zu weit von der Mitte entfernt. Ich denke in der Zukunft wird man erkennen, wie ignorant wir doch waren, vom Tod als absolutem Ende auszugehen. Ich bin auch ein sehr skeptischer Mensch, aber die eine gute Sache, die ich in Religionen sehe, ist die, dass sie den Menschen einen Halt, eine Führung geben, so etwas wie eine Orientierung und daran kann ich nichts Falsches sehen. Es schwingt natürlich auch sehr viel Negatives bei Religionen mit, aber der Grundgedanke ist positiv. Wie können wir aber so vermessen sein, zu denken, wir wären besser als Gott? Hey, wir brauchen keinen Gott mehr, wir haben einen Computer, ha! Wir hier im Westen sind inzwischen auf so einem verdammt hohen Level der Arroganz, dass wir uns echt für die absolute Krönung der Schöpfung halten. Warum wundern wir uns eigentlich, dass nicht alle Länder unsere ach so wundervolle Demokratie übernehmen wollen? Hey, Demokratie ist an sich ne feine Sache, aber wenn man in manchen Städten abends nicht vor die Tür kann, wegen der hohen Kriminalitätsrate, wenn man die Bilder von Vergewaltigungen und Drive-by-Shootings sieht, dann würde ich auch zweimal überlegen, ob die Demokratie, die mir da angeboten wird, wirklich so verlockend ist.
Würdest du sagen, dass "Futureperfect" den Menschen die Möglichkeit bietet, dieser traurigen Realität für die Dauer der CD zu entfliehen?
Nicht unbedingt, es bietet eher so etwas wie eine Alternative zur Realität an. Eine Welt, in der diese Probleme erst gar nicht aufgetreten sind. Ich betrachte die Vergangenheit mit ihren Werten, die wir dummerweise fallen gelassen haben und kommentieren die Gegenwart von diesem Standpunkt aus. Ich sage: "Denkt mal darüber nach. Ist es wirklich das, was ihr wollt?" Unsere Musik hat schon immer Leute zu irgendwelchen Gedanken oder Taten verleitet, die mich immer wieder sehr erstaunen und auch glücklich machen. Wenn ich von solchen Dingen dann erfahre, macht mich das unheimlich stolz. Durch unsere Musik können wir Menschen mit absolut unterschiedlichen Background zusammen bringen, das ist schon eine feine Sache. Dieses Gefühl des Zusammengehörens möchte ich weiter geben und verbreiten. Das Leben ist nicht immer besonders schön, aber wie sagten sie in Matrix: "Die Menschen sind erst glücklich, wenn sie leiden."
Warum wird es von der "Beloved" Single zwei Versionen geben?
Ich mag es nicht, Singles mit drei Songs zu veröffentlichen. Wir hätten eine EP rausbringen können, mit den entsprechenden Songs der Singles, oder eben zwei Singles mit unterschiedlichen Tracks. Das Problem bei EPs ist, die gehen nicht in die deutschen Charts und da wollten wir nun mal rein. Die Fans können so auch frei entscheiden. Wenn sie sich beide Singles zulegen, zahlen sie in etwa den Preis, den sie für eine EP hätten hinblättern müssen. Sie können aber auch einfach nur eine von beiden kaufen. Das hat also nichts mit abzocken zu tun. Wie gesagt, dadurch, dass wir es in die Charts schaffen, können wir hoffentlich ein paar Türen öffnen. Vor Jahren hätte man Radiohead nie im Leben im Radio oder im Fernsehen laufen lassen, aber die Zeiten haben sich geändert. Warum sollen sie sich nicht wieder ändern, so dass wir diesmal was davon haben?
Es war ja ursprünglich geplant die Single am 07.02. rauszubringen. Woran ist es gescheitert?
Wir mussten das Ganze auf Ende März verschieben. Das lag an vielen Gründen, auf die ich hier aber nicht näher eingehen will. Es lag aber auch daran, dass unsere Tour ja Anfang April beginnt und deshalb ist es nicht schlecht, dass die Single kurz zuvor erscheint. Ein weiterer Grund war, dass eines unserer Konzerte in den USA gebootlegged und übers Internet ausgestrahlt wurde. Somit hatten einige Leute "Beloved" schon lange, bevor das Album überhaupt erschien. Ich finde die Idee, dass man Musik übers Internet verbreiten kann, an sich nicht schlecht, aber das hat mich wirklich angekotzt. Vor allem, als ich in den Staaten drei Tage später in einen Club in San Francisco ging und der DJ auf einmal "Beloved" laufen ließ. Den Leuten hat es fantastisch gefallen, aber mir ist beinahe der Unterkiefer abgehauen. Ich liebe den Song einfach zu sehr.
Die Frage, welcher Song dir auf der Scheibe am besten gefällt, ist dann wohl auch müßig?
Ja, schon, die hab ich mehr oder minder gerade beantwortet, haha. Das Witzige daran ist, dass ich den Song erst eine Woche vor der Tour geschrieben habe. Das ist kein Witz, das Teil war ursprünglich auch als Instrumental geplant. Das war eher ein Zufall, dass da überhaupt Text dazu kam. Ich wollte aber unbedingt Text dazu haben. Die Melodie existiert in Grundzügen schon seit zwei Jahren und ich wollte den Song auf dem Album haben. Als ich mich dann wieder daran setzte, hat sich das irgendwie verselbstständigt. Es wurde immer mehr Text, die Ideen flossen nur so aus mir heraus. Es geschah einfach und ich bin sehr Stolz darauf.
Ist das der übliche Weg für dich, Songs zu schreiben.
Ja, schon irgendwie. Viele meiner Songs entstehen durch Zufall, "Solitary" zum Beispiel. Naja nicht ganz, ich hatte diese Gesangslinie in meinem Kopf und auch den Text schon mehr oder minder, was fehlte, war die Musik, der Style, der Ausdruck. Der Zufall kam dann ins Spiel wo es darum ging, den Text mit der Musik zu verbinden. Es war ein guter Zufall. Es kann eben sein, dass du einfach eine tolle Melodie auf einmal im Kopf hast, um die du dann den Song entwickelst.
Wird es Festivals dieses Jahr geben?
Ja jede Menge. Wär doch doof wenn es dieses Jahr keine gäbe. Und bevor du fragst, es wird auch wieder Weihnachten geben, Eddy, ganz bestimmt.
Klugscheißer, spielt ihr auch auf einem?
Klar werden wir spielen, ist aber noch nicht ganz raus, wo und wann. Wir haben insgesamt mal drei ins Auge gefasst. Wir wollen die nicht überfüttern. Manche Bands treten echt überall auf und dann kann das schon beinahe auf den Sack gehen. "Was The Cure schon wieder, ach du liebe Scheiße!"
OK, dann die letzte Frage, die vor allem für meine Freundin wichtig ist ...
Ob ich sie heiraten werde, nö, tut mir leid Eddy. Da spiel ich nicht mit. Ihr Deutschen seid ja schon ganz schön strange.
Aber ihr Briten habt keinen an der Waffel, oder? Ich wollte eigentlich nur wissen, ob du dich nach dem Konzert in Mainz auch mal vor der Bühne blicken lässt um Autogramme zu geben?
Auf jeden Fall, wie gesagt, der Kontakt zu den Leuten ist mir sehr wichtig. Ich denke da lässt sich auf jeden Fall was machen. Bis dahin.
Reformation 01 (2009)
Pastperfect (2004)
Empires (1999), Praise The Fallen (1998), Advance & Follow (1994)
Im corporate Image gestaltete Page mit Bandhistory, Shop und Konzertdaten.
http://vnvnation.com/
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