Porträt

laut.de-Biographie

Lil Xan

Zwischen 2016 und 2017 wächst der Soundcloud-Hype zu einer regelrechten Schwemme an. Nachdem sich Young Thug und Lil Uzi Vert endgültig als Superstars etabliert haben, brechen im Monatstakt immer noch obskurere und noch exzentrischere Rapper mit dem omnipräsenten Namensbeisatz in den Mainstream durch. Im August 2017 taucht ein junger Mann im öffentlichen Bewusstsein auf, der der Grenze zur Selbstparodie endgültig zu erodieren scheint.

Lil Xan - Total Xanarchy Aktuelles Album
Lil Xan Total Xanarchy
"Wie man einen Hype nicht nutzt" für Dummies.

Lil Xan, benannt nach der berüchtigten Droge Xanax, veröffentlicht seinen ersten Song "Betrayed". Ein Name auf dem Level von Lil Windex, dem nach Fensterputzmittel benanntem Rap-Meme. Ein blasser, weißer Junge, Gesichtstattoos und Stoner-Delivery auf Autotune. Im Klischee-Lotto zieht Lil Xan den Sechser mit Zusatzzahl und Kusshand. Doch wie das Internet nun einmal so spielt, findet diese Ästhetik direkt viralen Anklang.

Die Geschichte von Diego Leanos beginnt 1996 in Kalifornien. Als Spross einer ärmeren Familie verbringt er große Teile seiner Kindheit in verschiedenen Motels, bricht die Schule ab, wird drogenabhängig und fegt beruflich Straßen. Erst der Kontakt zu ein paar Musikerfreunden gibt ihm neuen Antrieb: Begleitend zur Tour seiner Bekannten übernimmt Xan die filmische Dokumentation. Auch wenn seine eigene Xanax-Abhängigkeit ihm Steine in den Weg legt, scheint er sich in dieser Situation einigermaßen wohlzufühlen.

Ein Bruch entsteht dann allerdings, als ihm im Laufe seiner Arbeit die Kamera gestohlen wird. Um rasch wieder an ein Arbeitsgerät zu kommen, braucht Diego also schnell viel Geld. Sein Plan: Rap. Was einigermaßen hirnrissig klingt, funktioniert einwandfrei.

Mit dem neuen Künstlernamen Lil Xan und der ersten Single "Betrayed" bewaffnet, macht er sich auf, um das Internet zu erobern. Zu seinem Glück gerät er mit diesem Plan an Cole Bennett, den derzeitigen Guru der Soundcloud-Szene, der ihm prompt ein Musikvideo zu seiner ersten Single kredenzt.

Die Konstellation aus Meme-Appeal, exzentrischer Absurdität und einem eingängigen Refrain erobert das Internet daraufhin im Sturm. "Betrayed" unterwandert die Top 100, erreicht zwar nur Rang 64, verbringt aber dennoch stolze 20 Wochen in der Liste. Das Interesse der Öffentlichkeit ist geweckt, ein Plattenvertrag unterzeichnet, und schon 2018 reicht Xan neben einem Track mit Diplo sein Debütalbum "Total Xanarchy" nach. Auch wenn die Kritik an dem Album relativ verheerend ausfällt, baut er mit Kollaborationen mit Acts wie Charli XCX, Rae Sremmurd und 2 Chainz dennoch zumindest seine Clout in der Szene aus.

Konträr zu seinem Namen vertritt Lil Xan übrigens eine klare Anti-Xanax-Haltung. Mehrere seiner Songs setzen sich mit seinen Schwierigkeiten und unglücklichen Erfahrungen mit der gefährlichen Droge auseinander. Dass er wegen seines Namens und der selbstzerstörerischen Ästhetik zwar eine gewisse Strahlkraft auf den Drogenmissbrauch ausübt, lässt sich zwar diskutieren, tatsächlich kann man ihm aber dennoch nicht vorwerfen, Drogen aktiv zu verherrlichen. Insbesondere in der Folge von Lil Peeps Tod verdeutlichte Xan seine Position zu diesem Thema.

Alben

Surftipps

Noch keine Kommentare