Porträt

laut.de-Biographie

Kool Keith

Wieso ist die Aneignung multipler Persönlichkeiten im Hip Hop eigentlich so verbreitet? Vielleicht liegt es daran, dass diese Gestalten zumeist mit zuviel Selbstbewusstsein für nur eine einzelne Person ausgestattet sind. Was die Einen jedoch unrechtmäßig zu viel an Selbstbewusstsein mit sich tragen, davon könnten Andere etwas mehr abbekommen. Kool Keith etwa ist seit Mitte der Achtziger eine feste Größe in der Hip Hop-Szene, genießt aber einen Bekanntheitsgrad, der seinem Einfluss auf die Szene bei weitem nicht würdig ist.

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Dabei hat der 1965 in der Bronx geborene Rapper und Produzent mit dem Ultramagnetic MC's und deren Album "Critical Beatdown" einen Meilenstein in der Geschichte der Hip Hop-Bewegung geschaffen. An der Seite von Ced Gee und DJ Moe Love sorgt Kool Keith 1988 für ein ebenso wichtiges Album wie Boogie Down Productions "Criminal Minded" oder Public Enemys "It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back".

Doch das Geschäft ist schnelllebig und einstige Helden fallen schneller vom Himmel, als es ihnen lieb ist. Was also tun? Keith Matthew Thornton stürzt sich in Arbeit und veröffentlicht in den Jahren nach dem Erfolg der Ultramagnetic MC's unter etlichen Pseudonymen zahlreiche Platten. Großen Erfolg bringt das zwar nicht, aber immerhin die Ablenkung davon, dass die Szene seine einstigen Helden allzu schnell vergisst. Eine Auswahl seiner Alter Egos: Dr. Doom, Rhythm X, Dr. Octagon, Big Willie, Mr. Gerbik oder Black Elvis. Trotz unterschiedlicher Ausprägung der Persönlichkeit haben alle eines gemein: Keiths Rap-Skills, die ihn vom Rest der Szene deutlich abheben.

Den Grundstein für seine Solo-Karriere legt Keith mit seinem Debüt als Dr. Octagon 1995 mit der Platte "Dr. Octagonecologyst". Die Zusammenarbeit mit dem Turntablist DJ Q-Bert und dem Produzenten Dan The Automator bringt zu dieser Zeit den Stein des, zuvor in dieser Form nicht bekannten, Undergound-Raps ins Rollen. Auf düstere, aber augenzwinkernde Weise, erfindet Dr. Octagon diese Form von Hip Hop und legt den Nährboden für Künstler wie Non Phixion oder die Def Jux-Posse. Über das britische Label Mo'Wax, auch die Heimat von DJ Shadow, findet die Platte den Weg nach Europa, wo man die Experimentierfreudigkeit des Doktors noch begeisterter als im Heimatland aufnimmt.

1997 kommen die Fans in den Genuss einer weiteren Facette von Keith, die der weiblichen Bevölkerung ein wenig aufstößt. Keith outet sich als Sex-Addict und macht auf "Sex Style" daraus auch keinen Hehl. In bester 2 Live Crew-Manier räsoniert der Rapper über das andere Geschlecht und erörtert in überzeugenden Metaphern und mit grandiosen Ideen, wieso und weshalb er an dieser Form der Schöpfung einen solchen Gefallen findet. Zur gleichen Zeit entdeckt er außerdem sein Talent und seine Begeisterung für explizite Fotografie und versucht sich daraufhin als Pornofotograf für einschlägige Magazine.

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Der Porno-Fotograf lässt Spielraum für die Fantasie.

In regelmäßigen Abständen folgen weitere Veröffentlichungen des umtriebigen Rappers: 1999 erscheint Dr. Dooms "First Come, First Served" sowie "Black Elvis/Lost in Space". 2000 kommt "Matthew", ein Jahr später "Spankmaster", beide unter seinem richtigen Namen Kool Keith. 2004 versucht er es - erstmals nach dem bedauerlichen Ende der Ultramagnetic MC's - erneut in einer Crew mit dem Namen Thee Undatakerz, jedoch von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet.

Die Zusammenarbeit mit Kutmasta Kurt im gleichen Jahr auf dem Album "Diesel Truckers" ignorieren die Heads, zumindest hierzulande, nicht komplett. So hilft die Mischung aus Underground-Rap und proletigem Pimp-Gehabe, den Namen Kool Keith wieder ins Gedächtnis der Szene zu rufen.

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Alben

  • Kool Keith

    Offizielle Seite.

    http://www.koolkeith.co.uk

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