Porträt

laut.de-Biographie

Kathryn Williams

In Zeiten fallender Verkaufszahlen, sinkender Umsätze und massiver Vorwürfe, mit Wegwerfprodukten nur noch auf die schnelle Mark zu setzen anstatt den Nachwuchs nachhaltig zu fördern, kommt eine wie Kathryn Williams für die großen Plattengesellschaften genau richtig: Zwei Alben in Eigenregie erstellt, produziert und vertrieben, mit dem zweiten aus dem Nichts sogar für einen der wichtigeren Musikpreise nominiert - und schließlich doch für ein Major-Verlag unterschrieben.

Was für viele Musiker das Ziel im Leben ist - einen Plattenvertrag in der Tasche zu haben, - ist für Williams aber eher das kleinere Übel. Dadurch sei der Vertrieb ihres Albums "Little Black Numbers" gesichert, erzählt sie in einem Interview, dazu genieße sie alle künstlerischen Freiheiten. Ein bisschen ökonomische Sicherheit sei auch nicht zu verachten.

1974 im englischen Liverpool geboren, lernt sie als Mädchen Klavier. Mit Vorbildern wie Nick Drake, Joni Mitchell, John Lennon, Bob Dylan oder Velvet Underground beginnt sie zu Schulzeiten Gitarre zu spielen. "Ich glaube nicht, eine besonders gute Gitarristin zu sein. Aber mein Stil gibt mir einen versteckten Rhythmus, auf dem ich singen kann," erklärt sie dazu.

Ernst mit der Musik wird es erst nach Ende ihres Studiums an der Kunsthochschule in Newcastle, als Freunde sie überreden, ihre Lieder vor einem Publikum vorzustellen. "Ich hatte verdammt viel Schiss, aber ich habe es getan. Drei Lieder an einem Liedermacherabend. Allen war ich scheißegal. Aber für mich war es sehr wichtig."

Immerhin wird jemand aus der PJ Harvey-Entourage auf sie aufmerksam. Williams nimmt ein Demotape auf, hört jedoch nie wieder etwas davon. Sie beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, gründet das Label Caw Records und bringt 1999 ihr Debut "Dog Leap Stair" heraus. Kritiker, die es zu hören bekommen, horchen auf, der Durchbruch kommt aber erst ein Jahr später mit dem Nachfolger "Little Black Numbers", das für den Mercury Award nominiert wird. Zwar gewinnt sie den Preis nicht, jedoch verkauft sie das Album sensationelle 30.000 Mal, bevor sie einen Plattenvertrag unterschreibt.

Sie tritt regelmäßig auf, leidet aber an Bühnenangst und verzieht sich lieber mit ihrer Begleitband in die Ruhe eines Wohnzimmers oder eines Studios. "Wenn ich mir die Demos zu meinen neuen Liedern anhöre, freue ich mich, dass ich den Mercury-Preis nicht gewonnen habe. So lange ich von mir denke, dass ich besser werden kann, werde ich besser. Ich glaube nicht, dass ich richtig gut bin. Noch nicht."

Nachdem sie 2002 mit "Old Low Light" einen beachteten Nachfolger abliefert, fällt sie nach eigenen Angaben in ein kreatives Loch. Sie beginnt, Coverversionen zu spielen, um sich "wieder in die Musik zu verlieben". Das Ergebnis ist "Relations", das im September 2004 erscheint. Unter den Stücken finden sich "Birds" (Neil Young), "Hallelujah" (Leonard Cohen), "Candy Says" (Lou Reed), "Easy And Me" (Lee Hazlewood), "All Apologies" (Nirvana) und "The Ballad Of An Easy Rider" (Roger McGuinn).

Es ist so etwas wie ein Neuanfang. Nach dem Ende ihres Vertrages mit dem Major Warner haucht sie neues Leben in ihr Label Caw ein. In den folgenden zwei Jahren veröffentlicht sie zwei Alben mit neuem Material ("Over Fly Over", 2005 sowie "Leave to Remain", 2006). Auf ihrer Webseite ist zudem eine CD erhältlich, die Williams mit vier Dichtern komponiert und aufgenommen hat. "Words From The Garden" (2007) ist nur in einer limitierten Auflage erhältlich.

Kathryn Williams und Neill MacColls erste Begegnung verläuft so harmonisch, dass sie sofort beschließen, noch bevor sie sich überhaupt "Hallo" sagen, gemeinsam eine Platte aufzunehmen. In nur sechs Tagen entstehen 21 Songs, dreizehn davon erscheinen in England, im März 2008 auf der LP "Two". Eine wunderschöne Zusammenarbeit von zwei Menschen, die sich auf Anhieb verstehen und nicht länger als zwei Wochen benötigen, um harmonische Stücke zu schreiben.

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