Porträt

laut.de-Biographie

Julian Lennon

Wer einen so berühmten Vater hat, der muss viel leiden. Besonders, wenn er versucht, in dessen Fußstapfen zu treten und selber Musiker zu werden. Ein Fluch, der Julian Lennon bereits in die Krippe begleitet. "He's bloody marvellous, Cyn. Isn't he absolutely fantastic? Whose going to be a famous little rocker like his dad?" soll John zu seiner Frau gesagt haben, als er den Sohn im April 1963 kurz nach seiner Geburt zum ersten Mal sieht.

Seinen Vater sieht der junge Julian selten. Als Anführer der Beatles ist er kaum zu Hause, tourt ununterbrochen oder nimmt neue Schallplatten auf. 1968 lässt er sich von seiner Mutter Cynthia scheiden, um Yoko Ono zu heiraten und zu Beginn der 70er Jahre nach New York zu ziehen. Im Dezember 1980 verliert ihn Julian endgültig, als er von einem Irren erschossen wird.

Dennoch hinterlässt Julian bei der beliebtesten Band aller Zeiten die eine oder andere Spur. Im Alter von drei Jahren zeigt er seinem Vater ein Bild, das er gemalt hat. "Was soll das sein?", fragt er ihn. "Lucy in the sky with diamonds" antwortet der Junge. Zwei Jahre später schreibt Paul McCartney ein Lied, um ihn über die Trennung seiner Eltern hinweg zu trösten. Das Stück soll zunächst "Hey Dude" oder "Hey Jules" heißen, der endgültige Titel lautet schließlich "Hey Jude".

Trotz einer Schlagzeugspur, die er 1974 für seinen Vater aufnimmt, beginnt Julians musikalische Karriere erst zehn Jahre später. 1984 veröffentlicht Lennon Jr. unter der Führung des bekannten Produzenten Phil Ramone (Paul Simon, Billy Joel) das Album "Valotte". Die Singleauskopplung "'Too Late For Goodbyes" erreicht Platz sechs der britischen Singlecharts und sogar Platz eins in den USA. Das Album verkauft sich weltweit mehrere Millionen Mal.

Der Erfolg ist sicherlich auch auf Lennons musikalische Fähigkeiten zurück zu führen. Er spielt Gitarre, Schlagzeug, Perkussionen, Bass und Keyboards ein, was die Zuhörer aber am meisten beeindruckt sind sein Aussehen und seine Stimme, die beide stark an die seines Vaters erinnern. Flugs kommen Gerüchte auf, dass es doch eine Beatles-Reunion geben könnte – mit Julian als Ersatzmann.

Nach einer erfolgreichen Tour nimmt Lennon 1986 seinen Zweitling "The Secret Value Of Daydreaming" auf, der lediglich eine Single in den US Top 40 platzieren kann. Enttäuscht, zieht er sich in die Schweiz zurück, um in aller Ruhe über seine Karriere nachzudenken. "Mr. Jordan" (1988) ist der erste Versuch, sich von seinem Vater zu emanzipieren. Kritiker ziehen Vergleiche mit David Bowie, aber seine Plattenfirma ist von dem Produkt wenig begeistert. Aus Mangel an Promotion nimmt kaum jemand das Album wahr.

1991 versucht es Lennon erneut – mit dem emblematisch betitelten "Help Yourself". Die Singleauskopplung "Saltwater" ist weltweit ein Erfolg, mit Ausnahme der USA, wo ihm die Plattenfirma erneut die kalte Schulter zeigt. Vom jahrelangem Alkohol- und Drogenkonsum gezeichnet, zieht Lennon erst nach Norditalien, dann nach Südfrankreich, um Abstand vom Musikgeschäft zu gewinnen. Jahrelang rührt er kein Instrument an und beschäftigt sich mit weniger gefährlichen Sachen wie Architektur und Kochen.

Erstaunlicherweise erscheint 1998 sein fünftes Werk "Photograph Smile", für das er eigens das Label Music From Another Room gründet. "Ich wollte nicht, dass meine letzten Alben mein Vermächtnis an die Musikindustrie darstellen. Sie waren einfach nicht gut genug. Ich wollte ein Album machen, auf das ich stolz sein kann. Eines, über das ich die Kontrolle habe", erklärt er den Schritt 1998 in einem Interview.

Danach zieht er sich wieder ins Privatleben zurück. Ein zu Beginn des neuen Jahrtausends angekündigtes Album erblickt nie das Licht der Welt. Nach drei Jahren meldet sich Lennon im September 2005 auf seiner Webseite wieder, um zu sagen, dass er jegliche Interviewanfragen zum 25. Todestages seines Vaters ablehnt. "Vati war ein großes Talent, dessen Musik und Ideale Millionen Menschen inspiriert hat. Dennoch begegne ich ihm mit gemischten Gefühlen. Er war der Vater, den ich liebte, aber er hat mich in vielerlei Hinsicht enttäuscht. Wer weiß, wie sich unsere Beziehung entwickelt hätte, wenn er nicht ermordet worden wäre …" erklärt er dort.

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