Porträt

laut.de-Biographie

John Carpenter

"Ich kann zwar Piano und jedes Keyboard spielen, aber keine einzige Note lesen oder schreiben!" sagt der bescheidene Autodidakt John Carpenter über sein musikalisches Werk. Doch das ist weniger als die halbe Wahrheit. Der große Filmemacher ist für die Entwicklung elektronischer Musik ein wichtiger und einflussreicher Synthie-Pate. Viele seiner selbst verfassten Soundtracks haben recht tiefe Spuren im Genre hinterlassen.

John Carpenter - Lost Themes II
John Carpenter Lost Themes II
Tangerine Dream für Horrorfreunde.
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Bereits sein erster Score ("Dark Star" 1974) stellt ihn in eine Reihe mit Urgesteinen wie Tangerine Dream und Co. Egal ob schummrige Drones oder dräuende Ambientschübe: Der Mann ist seiner Zeit filmmusikalisch weit voraus. Das erklärte Ziel des Horrormeisters ist dabei klar umrissen: Das Entsetzen soll den Zuseher auch musikalisch packen und gleichzeitig optimal popcornig unterhalten. Keine leichte Gratwanderung!

Sein Konzept entlehnt er der Arbeitsweise seines eigenen Idols Bernard Herrmann ("Citizen Kane" (1941),"Vertigo" (1958), "Psycho" (1960)). Nach dessen Methode muss zunächst grundsätzlich eine möglichst effektive Grundmelodie gebastelt werden. Erst danach baut man den ganzen restlichen Score um diesen kleinsten gemeinsamen Nenner auf.

Zwei Faktoren greifen ihm dabei unter die Arme. Zum einen hat Carpenter als rein intuitiv agierender Komponist ein geradezu unheimliches Gespür für eingängige Themen. Zum anderen greift er bei einigen Soundtrack-Meisterwerken auf die technische Hilfe von Kumpel Alan Howarth zurück. Gemeinsam komprimieren sie die visuelle Gänsehaut zu schnuckeligen Drei-Minuten-Perlen im trendy Singles-Format (etwa "Halloween" (1978) oder "Escape From New York" (1981)).

Eine der frühen Glanztaten ist das Hauptthema von "Assault" (1976). Der ebenso hypnotische wie unvergessliche Track markiert schon vor Jarres "Oxygene" (1976) einen Weg, den parallel nun auch ehemalige Progrocker wie Vangelis langsam für sich entdecken. Carpenter jedoch bekommt von alledem nicht besonders viel mit und stärkt seine musikalische Autarkie durch bewusstes Abschotten von der Musikszene. Den Namen Tangerine Dream hört er erstmals 1977. Einzige Ausnahme: Die Gründung einer eigenen Hardrockband namens Coupe de Villes, die starken Hobbycharakter aufweist und wenig mit seinem sonstigen musikalischen Schaffen gemein hat.

Das Komponieren ist auch einer der Hauptgründe, weshalb Carpenter sich die eigenen Filme grundsätzlich nie wieder anschaut. "Wenn das langwierige Schneiden und vor allem das punktgenaue Draufsetzen der Musik getan ist, habe ich die eigenen Streifen so oft gesehen. Das muss danach nie wieder sein."

Auch andere musikalische Ikonen berufen sich gern auf den menschenscheuen New Yorker. Unter anderen beziehen sich die frühen Yello deutlich auf ihn. Gründungsmitglied Carlos Peron dazu: "Von Anfang an waren Jarre und vor allem auch Carpenter ganz wichtige Einflüsse. Beide haben uns in der Anfangszeit geholfen, einen Wechsel von Diskomusik zu Clubmusic einzuleiten."

Spätestens mit seinen 80er Soundtrackplatten zu Filmen wie "The Fog" (1980), "The Thing" (1982) oder dem zeitgeistigen "Christine" (1983) ist Carpenters Musik eine eigene Marke und nahezu jedem Freund gehobener Elektromucke ein Begriff. Dennoch gelüstet es JC mitunter nach Abwechslung. Für "Vampires" (1998) etwa packt er erstmals die Bluesgitarre aus und verpasst der gesamten Filmmusik einen ungewohnt organischen Klang.

2015 erscheint das erste echte Debütalbum Carpenters. Erstmals überhaupt widmet er sich seiner Musik ohne zugrundeliegende Filme. Das tut der Intensität seiner Klänge keinerlei Abbruch. Mal schmeichelnd, dann wieder schaurig verzaubern die Lieder jeden Fan früherer Werke im Handumdrehen.

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