Porträt

laut.de-Biographie

Vangelis

An Vangelis scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite erfährt er Verehrung als einfühlsamer Elektro-und Pop-Produzent. Andere, wie das verschiedene Britische Musikmagazin Melody Maker attestieren dem Griechen, "wenn es um maßlose Übertreibung geht, ist Vangelis in einer Liga mit Hitler und Attila, dem Hunnenkönig". Wie die Geschmäcker auch sind, eines ist sicher: Vangelis gehört in Sachen Melodie zu den Kraftsportlern im Musikgeschäft. Zahllose Soundtrack-Beiträge zu großen Kino-Erfolgen sprechen eine deutliche Sprache.

Vangelis kommt als Evangelos Odysseus Papathanassiou am 29. März 1943 im Sternzeichen des Widder in Griechenlands Hauptstadt Athen zur Welt. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern erhält er nie klassischen Musikunterricht und lehnt es auch später bewusst ab, welchen zu nehmen. Sein Talent zeichnet sich jedoch schon in früher Kindheit ab: Der Legende nach soll er bereits als Vierjähriger komponiert haben.

Später studiert Vangelis zwar, aber nicht Musik sondern Malerei. Um den Dreh herum gründet er die Combo The Formynx, die in Thessaloniki ihr Hauptquartier aufschlägt und bis 1966 in Griechenland sehr erfolgreich bleibt. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs verabschiedet sich Vangelis und arbeitet die folgenden zwei Jahre als Produzent und Songwriter für andere griechische Künstler.

1967 hebt er mit dem Bassisten, Gitarristen und Sänger Demis Roussos die Psychedelic Rock-Formation Aphrodite's Child aus der Taufe. Im selben Jahr putscht in Griechenland das Militär, so dass sie eigentlich nach London übersiedeln wollen, aber in Paris hängen bleiben. Die erste Single "Rain And Tears" avanciert in Frankreich und einigen anderen europäischen Ländern zum Überraschungshit. Von den beiden Alben "End Of The World" (1968)
und "It's Five O'Clock" (1969) haben sie zum Zeitpunkt als das Konzeptwerk "666" (bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes) erscheint und es die Band eigentlich schon gar nicht mehr gibt, bereits über 20 Millionen Platten verkauft.

Die Mitglieder verfolgen daraufhin Solo-Karrieren. Während Roussos zum pathetischen Schlagerfuzzi mutiert ("Goodbye, My Love, Goodbye"), schwingt sich Vangelis zum erfolgreichen New Age-Musiker und Soundtrack-Komponisten empor.

Seine neue Wahlheimat ist die britische Kapitale London, wo er sich ein Tonstudio einrichtet, um seine Sound-Vorstellungen ungestört umsetzen zu können. Erste Soloversuche setzt Vangelis aber bereits im Aphrodite's Child-Kontext um. Für den Film "Sex Power" (1970) mit Jane Birkin schreibt er die Filmmusik, Demis Roussos steuert einige Vocals bei.

Auch das 1973 erscheinende "L'Apocalypse Des Animaux" ist ein Soundtrack. Sein erstes richtiges Solowerk "Earth" erscheint 1974. Auf diesem ist neben Ex-Aphrodite's Child-Gitarrist Silver Koulouris der tunesische Sänger Robert Fitoussi zu hören, der 1982 unter dem Pseudonym F.R David mit seinem One Hit Wonder "Words" elf Wochen die Spitze der Deutschen Single-Charts besetzt.

Noch 1974 ist Vangelis als Nachfolger des abgewanderten Rick Wakeman bei Yes im Gespräch. Nach eingehenden Proben mit der Band ist aber klar, dass die Zusammenarbeit nicht funktioniert. Nichtsdestotrotz freundet er sich mit deren Sänger Jon Anderson an. Mit ihm nimmt er zwischen 1979 und 1991 unter dem Namen Jon & Vangelis die vier Alben "Short Stories" (1980), "The Friends Of Mr. Cairo" (1981), "Private Collection" (1983) und "Page Of Life" (1991) auf.

Mit der Auftragsarbeit für einen weiteren Naturfilm ("Opera Sauvage") bringt er sich als Filmkomponist in Hollywood ins Gespräch. Der Durchbruch in der Traumfabrik gelingt 1981 mit dem Score zu "Die Stunde Des Siegers", dessen Titelmelodie mit dem prägnanten Pianolauf wohl zu den meistgespielten Intstrumentals der Musikgeschichte zählt. Für diesen Soundtrack erhält er den Oscar.

Nur ein Jahr später stanzt der Grieche seinen Namen ein weiteres Mal in das Geschichtsbuch. Für den epochalen Streifen "Blade Runner" komponiert er die Musik, die zum apokalyptischen Grundton des Science Fiction-Films passt. Weitere bekannte Film-Kompositionen aus Vangelis' Feder sind die Arbeiten für "1492" und "Alexander" sowie Werke für den Naturfilmer Jacques Cousteau.

Als Musiker war es Vangelis immer wichtig, technisch auf dem neuesten Stand zu sein. Die Elektronik ist bei ihm jedoch kein Selbstzweck. So verzichtet er weitgehend darauf, seine Kompositionen im Nachhinein zu bearbeiten, sondern spielt sie lieber live ein.

Seine berühmten Kompositionen führen dazu, dass sich Vangelis vor Anfragen kaum retten kann, so dass sein musikalisches Schaffen schier unüberschaubar wird. Er arbeitet mit der Sängerin Milva, der Operndiva Montserrat Caballé, dem italienischen Rockmusiker Claudio Baglioni, Suzanne Cianni zusammen, vertont mit Sean Connery Poesie oder schreibt Musik fürs Theater, Opern und Ballett. Jedwede musikalische Ausdrucksform scheint willkommen, um die klanglichen Visionen umzusetzen.

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