Porträt

laut.de-Biographie

Joan Of Arc

Mehr als eine Band im traditionellen Sinne ist Joan Of Arc eine Gruppierung um einen Kern an festen Musikern, die sich an einer Vielzahl von Projekten beteiligen. So kompliziert es ist, die Tätigkeiten der Mitglieder zu verfolgen, so schwierig ist es, die Musik der Band festzunageln. Mal bietet sie Folk mit Akustikgitarren, mal eine laute Mischung aus Soundeffekten und wirren Texten. "Entweder liebt man sie oder hasst sie", weiß ihr US-Label zu berichten.

Den Angelpunkt der Band bildet der 1974 in Chicago geborene Tim Kinsella. Zu Beginn der 90er Jahre spielt er in der lokal bekannten Band Cap'n Jazz, die sich nach ihrem ersten Album "Burrito" (1994) und dem Abgang der Gitarristen Davey von Bohlen und Victor Villareal 1995 auflöst. Die übrig gebliebenen Mitglieder - neben Kinsella (Stimme) sein Bruder Mike (Schlagzeug) und Sam Zurick (Bass) – beschließen, die Instrumente untereinander zu tauschen und als Red Blue Yellow weiterzumachen.

Als sie nach kurzer Zeit feststellen, dass das Experiment nicht funktioniert, kehren sie zu ihre alten Rollen zurück. Die drei nehmen den Keyboarder Jeremy Boyle auf und nennen sich in Joan Of Arc um. Nach mehreren Singles und einer EP (1996) erscheint ein Jahr später ihr erstes Album "A Portable Model Of". Unter der Schar an Gastmusikern, die sich zum Trio gesellt, befindet sich auch der ehemalige Cap'n Jazz-Mitstreiter von Bohlen. Das Ergebnis ist "nicht immer vollständig ausgearbeitet, aber was ihnen gelingt ist beeindruckend genug", schreibt ein Kritiker, der sie mit Will Oldhams Palace Music vergleicht.

Das musikalische Experiment setzt die Band mit "How Memory Works" (1998), "Live in Chicago" (1999) – entgegen des Titels ein Studioalbum – und "The Gap" (2000) fort. "Liederstrukturen dekonstruieren und rekonstruieren", nennt ihr Label den Vorgang, der bei manchen Stücken beeindruckende 100 Spuren in Anspruch nimmt. Trotz nicht immer wohlwollenden Kritiken und Konzertauftritten mit einfachsten Mitteln erspielen sich Joan Of Arc auch in Europa eine treue Fanschar.

Ökonomische Schwierigkeiten und die Experimentierfreude der Mitglieder führen im neuen Jahrtausend zu einer ganzen Reihe an Seitenprojekten. Tim Kinsella nimmt unter dem Pseudonym Owen ein erstes Soloalbum auf, bevor er mit seinem Bruder, Bassist Zurick und dem ehemaligen Cap'n Jazz-Gitarristen Victor Villareal die Band Owls gründet. Nach dem gleichnamigen Debüt (2001) löst sie sich aber gleich wieder auf. 2002 sind die meisten Mitglieder im Projekt Friend/Enemy beteiligt, bei dem ein gemeinsames Album mehrerer Alternative-Musiker aus Chicago entsteht.

2003 steht plötzlich doch wieder ein Joan Of Arc-Album in den Regalen. Das Material stammt aus der Feder Kinsellas und Zuricks und sollte ursprünglich einen anderen Namen erhalten. Bei den Aufnahmesessions entstehen sogar zwei Platten. "So Much Staying Alive and Lovelessness" beinhaltet die eher hörbaren Stücke, während "In Rape Fantasy and Terror Sex We Trust" zum Teil aus wilden Soundcollagen besteht.

Als weiteres Seitenprojekt entsteht 2003 Make Believe, die aus den Gebrüdern Kinsella, Bassist Zurich und Gitarrist Bobby Burg bestehen. Als Produzenten für ihr Debüt "Shock Of Being" (2004) gewinnen sie Steve Albini (arbeitete unter anderem schon für die Breeders, die Pixies und Nirvana), der der Combo einen rockigen Schliff verleiht.

Als das Album im Dezember 2005 in Deutschland erscheint, steht bereits eine neue Scheibe von Joan Of Arc in den Regalen. Als neues festes Mitglied kommt für "Joan of Arc, Dick Cheney, Mark Twain..." (2004) der Vibraphon-Spieler Cale Parks hinzu.

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