laut.de-Kritik

Wunderbares Geburtstagskonzert mit vielen Star-Gästen.

Review von

Im Juli 2015 trat Joan Baez beim Paleo Festival am Genfer See auf. Mit Akustikgitarre, nach wie vor beeindruckender Stimme, Geschichten über Woodstock und einem Koffer voller Lieder aus mehr als einem halben Jahrhundert Karriere begeisterte sie das bunt gemischte Publikum vor der Hauptbühne. Später sang sie mit Patti Smith "People Have The Power" und gesellte sich zu Robert Plant, als der Frontmann von Led Zeppelin ihr den Opener "Babe I'm Gonna Leave You" widmete, ein Traditional aus ihrem Repertoire ("der allererste Song, den ich mit Jimmy Page gespielt habe").

Baez legte eine beeindruckende Energie und Fröhlichkeit an den Tag, die sie auch wenige Monate später bei ihrem Geburtstagskonzert in New York auszeichnete. Dort stand sie im Januar 2016 mit vielen befreundeten Musikern auf der Bühne, um ihr musikalisches Leben Revue passieren zu lassen. Ihre Stimme hat die schrillen Töne verloren, klingt aber nach wie vor erstaunlich jugendlich und passt so zu ihrem Erscheinungsbild. Im Angebot hatte sie wie gewohnt vor allem Cover-Versionen und Traditionals.

Wie beliebt sie bei ihren Kollegen ist, zeigte sich an den Gästen, die sie herzlich auf der Bühne begrüßte. Klingen die Duette mit David Crosby ("Blackbird" der Beatles), Damien Rice (der irische Traditional "She Moves Through the Fair") und Emmylou Harris (der US-Traditional "Hard Times Come Again No More") stellenweise etwas holprig, kommt spätestens mit "Seven Curses" Gänsehaut auf. "Wahrscheinlich ein Song aus Irland", erzählt sie. "Google behauptet aber, er sei von Bob Dylan". Ein Seitenhieb an ihren Ex-Lover, den das Publikum mit Gelächter quittiert.

Auf das Spiritual "Swing Low, Sweet Chariot", mit dem sie einst Martin Luther King von einem Mittagsschlaf weckte, folgen mit den fröhlichen Gospels "Oh Freedom/Turn Me Around" mit Mavis Staples die ersten großen Höhepunkte.

CD 2 hat sogar noch mehr zu bieten. Mit den Indigo Girls singt Baez das schottische Volkslied "The Water Is Wide" und Dylans "Don't Think Twice, It's Alright". "House Of The Rising Sun" ist ihre Hommage an den Mayor of MacDougal Street, Dave Van Ronk, der das Arrangement ersann, mit dem die Animals ihren größten Erfolg feierten.

Das bekannteste Stück aus eigener Feder, "Diamonds & Rust", singt Baez mit Judy Collins. Ein schönes Duett, in dem sie dem Ernst des Songs trotzen und sich zwischendrin über ihr Alter lustig machen.

Der endgültige Höhepunkt ist aber der Auftritt mit Paul Simon. Mit seiner wahrscheinlich gut gemeinten Einführung ("Diesen Song haben wir nur einmal zusammen gespielt. Bei Joans erstem 75. Geburtstag, vor etwa fünf Jahren") tritt er erst mal in ein Fettnäpfchen, auch verpasst er seinen ersten Einsatz, doch sobald Baez den Part Art Garfunkels übernimmt, ist das alles vergessen. Auch singen sie die "verlorene Strophe", die Simon & Garfunkel bei ihren Reunion-Konzert 1981 in Central Park sangen ("After changes upon changes we are more or less the same").

Bleibt noch Zeit, um sich bei ihrer Assistentin Grace Stumberg zu bedanken und mit ihr "The Night They Drove Old Dixie Down" von The Band zu singen. Nach dem obligatorischen wie spontanen Geburtstagsständchen seitens des Publikums schließt eine fröhliche All Star-Version von Dylans "Forever Young" den Abend ab.

Ende gut, alles gut? Joan Baez hat ihr Leben lang Missstände angeprangert und saß wegen ihres Protestes gegen den Vietnamkrieg im Gefängnis. Besser ist die Welt deshalb nicht geworden. "Dieses Stück ist wichtiger denn je, nun, da wir Händchen haltend auf den Abgrund zugehen", hatte sie "Before the Deluge" eingeführt, das sie mit Urheber Jackson Browne gesungen hatte. Dass sie trotzdem noch unbeschwert lachen und frotzeln kann, ist ein weiteres Zeichen ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Trackliste

CD 1

  1. 1. God is God
  2. 2. There But for Fortune
  3. 3. Freight Train (with David Bromberg)
  4. 4. Blackbird (with David Crosby)
  5. 5. She Moved Through the Fair (with Damien Rice)
  6. 6. Catch the Wind (with Mary Chapin Carpenter)
  7. 7. Hard Times (with Emmylou Harris)
  8. 8. Deportee (with Jackson Browne and Emmylou Harris)
  9. 9. Seven Curses
  10. 10. Swing Low, Sweet Chariot
  11. 11. Oh Freedom (with Mavis Staples)
  12. 12. Ain't Gonna Let Nobody Turn Me Around (with Mavis Staples)

CD 2

  1. 1. The Water Is Wide (with the Indigo Girls and Mary Chapin Carpenter)
  2. 2. Don't Think Twice, It's All Right (with the Indigo Girls)
  3. 3. House Of The Rising Sun (with Richard Thompson and David Bromberg)
  4. 4. She Never Could Resist A Winding Road (with Richard Thompson)
  5. 5. Before The Deluge (with Jackson Browne)
  6. 6. Diamonds And Rust (with Judy Collins)
  7. 7. Gracias A La Vida (with Nano Stern)
  8. 8. The Boxer (with Paul Simon and Richard Thompson)
  9. 9. The Night They Drove Old Dixie Down (with Grace Stumberg)
  10. 10. Forever Young

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