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Die besten Bands entstehen doch eh aus 'ner Bierlaune heraus, also was solls? Das dachte sich wohl auch Ex-The Spook Sänger Lou, als er 2002 auf den ehemaligen Pitmen-Kontrabasser Grischa trifft. Nach ein paar Bier und mindestens so vielen Jägermeistern ist klar, dass dabei unbedingt auch was Musikalisches rauskommen muss. Zwei Monate ziehen ins Land, bis Lou die Rocketboys-Mucker Syd Vega (Gitarre) und Drummer Rocco sowie Gitarrist Dan überzeugt hat, mit ihm und Grischa die Heartbreak Engines zu gründen.
Ist die Band vorerst noch als Nebenprojekt geplant, nimmt sie mehr und mehr Form an, nachdem Lou bei The Spook aussteigt und sich Pitmen auflösen. Die Songs, die die Jungs das Jahr über geschrieben haben, sind irgendwo zwischen Punk, Rockabilly und Rock'n'Roll angesiedelt und sorgen für jede Menge gute Laune. Der gleichen Meinung ist das Dortmunder People Like You-Label und nimmt die Engines unter Vertrag.
Das Debüt "Good Drinks, Good Butts, Good Fellows" hat nicht nur einen arschcoolen Titel, sondern auch elf Nummern am Start, die auf jeder besseren Party recht am Platz sind. Anschließend müssen natürlich die Clubs gerockt werden. So geht es im Oktober 2003 mit Demented Are Go und Karloff auf Tour durch das Vereinigte Königreich von Queen Elisabeth II. und anschließend durch Deutschland. Hier sind allerdings Phenomenauts dabei.
Das folgende Jahr spielen die Heartbreak Engines diverse Festivals und teilen sich die Bühne unter anderem mit The Bones, The Meteors oder den V8Wankers, bevor eine längere Tour mit Nekromantix folgt. 2005 stehen zunächst die Aufnahmen für das zweite Album an, ehe sie im Vorprogramm der Toy Dolls zwei Shows reißen. "Love Murder Blues" erscheint Mitte August und knüpft nahtlos an den Vorgänger an.
Die Scheibe rockt wie Sau. Entsprechend verhalten sich die Herren selber. Während der Popkomm teilen sie sich die Bühne mit einem Kerl namens Ski-King, Deadline und The Bones. Anschließend sind sie noch für eine ganze Anzahl an Einzelgigs allein unterwegs, ehe sie ein wenig Ruhe einkehren lassen. Die hält allerdings nicht lange an, denn schon Mitte April sind sie mit Demented Are Go, Roger Miret, The Bones und natürlich dem Ski-King auf der 'Bad Boys For Live-Tour 2006' wieder auf Reisen.
Auch in der folgenden Zeit sind sie immer mal wieder live zu sehen, konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf die Vorproduktion für ihr nächstes Album. Drummer Rocco hat sich ein kleines Studio eingerichtet, wo sich die Heartbreaks detailliert auf die neue Scheibe vorbereiten. Im Sommer 2007 begeben sich die Heartbreak Engines schließlich ins Studio, um dort mit den Aufnahmen zu beginnen. Kaum sind die Arbeiten erledigt, geht es auch schon wieder zurück auf die Bühnen. Die hat Basser Grischa derweil nur selten verlassen, spielt er inzwischen doch auch bei Demented Are Go mit.
"One Hour Hero" erscheint Mitte September; Anfang Oktober steht mit The Rocket Dogs und Radio City Riot eine Tour durch Europa an. Doch obwohl das Album richtig stark ist und die Band sich auf ihren Touren den Arsch aufreißt, scheint sich alles gegen sie verschworen zu haben. Die Konzerte werden kaum beworben, die Veranstalter halten sich nicht an Abmachungen, die Fans bleiben aus und die Band verliert mehr und mehr Geld.
Dass dabei der Enthusiasmus flöten geht, ist klar. So wird es 2008 recht still um die Band. Während Dan hin und wieder bei den Solo-Auftritten der The Creepshow-Sängerin Sarah Blackwood aushilft, basteln Lou und Syd schon an ihrem nächsten Projekt namens Death Of A Demon. Schließlich kommen alle zu dem Entschluss, dass man die Heartbreak Engines vielleicht zu Grabe tragen, zumindest aber eine längere Pause einlegen sollte.
Bevor das geschieht, geben die Jungs auf ihrer MySpace-Seite noch diverse Songs zum Download frei und spielen am 30. Dezember ihren vorerst letzten Gig im Wild At Heart in Berlin.
Die Engines über gestern, heute und morgen.
Beim Bier plauschen die Heartbreak Engines über Zeitmanagement, Zukunftspläne, den Bau eines eigenen Studios und das ewige Problem, den Live-Sound auf CD zu bannen.
Im September 2007 kam mit "One Hour Hero" das letzte Heartbreak Engines-Album auf dem Markt. Dank kaum vorhandener Werbung und ausbleibender Unterstützung seitens des Labels war mit der Band nach wenigen Gigs allerdings erst einmal Schicht im Schacht.
Basser Grischa war zu der Zeit bereits als Mitglied von Demented Are Go eifrig unterwegs. Daniel Flamm zog eine Zeit lang als Gitarrist mit der Creepshow-Sängerin Sarah Blackwood durch die Lande, und Sänger Lou und Gitarrist Syd bastelten kurze Zeit später unter der Aufsicht von Drummer Rocco in dessen Heimstudio am Debüt ihrer neuen Band Death Of A Demon. Lange Zeit deutete nichts darauf hin, dass man von den Engines so bald wieder etwas hören würde.
Doch dann gab es doch wieder den ein oder anderen Gig, zum Teil sogar in Finnland. Auf einmal schließen die Ruhrpottler ein weiteres Album zumindest nicht mehr kategorisch aus. Was liegt also näher, als einen Besuch in Essen dazu zu nutzen, sich mit Daniel, Syd und Lou auf ein Bierchen zu verabreden. Auch Drummer Rocco kommt zum gemütlichen Stelldichein dazu gehumpelt. Der Mann hat sich beim Bau eines neuen Studios den Rücken ruiniert und fühlt sich vermutlich so, wie ich tagsüber aussehe. Dennoch genießen alle das sonnige Wetter im Biergarten eines Irish Pubs und man quatscht locker über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Die Herren, als ich letztes Jahr wegen eigener Studioarbeiten gerade in Essen war, bin ich durch Zufall über euch gestolpert, wie ihr im Panic Room einen Gig abgerissen habt. Wie kam es dazu - und warum wusste ich nichts davon?
Lou: Weil das eine sehr kurzfristige Sache war. Wir haben das eigentlich nur gemacht, um dem Laden ein wenig zu helfen. Dem ging es zu der Zeit finanziell nicht sonderlich gut und wir wurden gefragt, ob wir nicht eine Show spielen würden, um ein paar Leute mobil zu machen. Da das ein echt cooler Club ist und wir da auch schon viel und oft abgehangen sind, war das natürlich Ehrensache.
Rocco: Wir kennen den Besitzer sehr gut und haben das quasi als Gefallen getan, da wir im Ruhrpott doch noch einige Leute ziehen. Ein bisschen später haben wir im Nord Open Air nochmal gespielt. Dann kamen halt immer wieder ein, zwei Sachen noch dazu. Auch die Show in Finnland. Jede einzelne Show war eben der Oberhammer, vor allem von Seiten des Publikums. Und da wir alle zusammen doch immer noch einen Riesenspaß haben, kommt man dann schon ein bisschen ins Grübeln. Zumal wir die Band damals ja nicht auf Eis gelegt haben, weil wir uns nicht mehr verstanden hätten, sondern einzig und allein deswegen, weil es eben nirgendwo hin geführt hat. Uns ging das alles einfach zu sehr auf den Sack. Dann geht dir auch der Spaß an der Musik und der Band flöten.
Syd: Einfach ohne Druck und Verpflichtungen drauflos zu spielen, das ist schon 'ne feine Sache. Die Songs sind ja da und nach wie vor auch gut, da kann man schon mal ein paar Shows spielen, wenn die Anfrage da ist und wir nicht noch oben drauf zahlen müssen. Dafür haben wir ja alles jetzt unsere anderen Projekte (alle lachen). Es ist ein bisschen kompliziert. Wir sind uns eigentlich alle darüber einig, dass in Sachen Heartbreak Engines noch nicht alles gesagt ist und auch, dass wir gern ein neues Album machen würden. Aber die Problematik ist nach wie vor die gleiche, wenn nicht noch schlimmer. Wo kommt es raus, wer zahlt dafür, wie können wir auf Tour gehen? Lässt sich das noch mit den anderen Projekten vereinbaren, mit dem Job, der Familie? Wo fängt man da an?
Lou: Syd und ich sind ja beides Sozialarbeiter und haben damit einen sehr zeitintensiven Job. Freizeit ist für uns mittlerweile so kostbar wie nie zuvor. Entsprechend muss man auch schauen, wie viel Energie man wo reinsteckt. Das Songwriting ist ja gar nicht mal so das Problem, es ist viel eher eine Zeitfrage und wie man das alles unter einen Hut bringen kann. Bei fünf Individuen ist das heute noch problematischer als früher. Schon allein, was die Proben angeht. Zumal Dan und Grischa mittlerweile allein von ihrer Musik leben müssen. Da rangieren die Engines eben nicht mehr an erster Stelle.
Syd: Das ist absolut richtig. Wenn, dann wollen wir das auch richtig machen und nochmal richtig Gas geben. Ein mittelmäßiges Album braucht niemand. Das muss dann schon richtig ballern.
Rocco: Die Idee war tatsächlich schon mal im Raum, jetzt wo Dan und ich – und die anderen eigentlich auch – gerade an einem Studio bauen. Da ist dann aber auch noch die ärgerliche Frage mit den Songrechten zu klären. Aber Tatsache ist nun mal, dass wir schon 1000 mal gelesen haben, dass wir live deutlich besser klingen würden als auf CD. Super Songs, aber der Sound auf CD – naja. Und im Grunde genommen haben die Leute ja auch Recht.
Das Gefühl hatte ich auch schon, aber ich denke es ist wohl auch nicht so einfach, die Gitarren wirklich fett braten zu lassen und dennoch den Kontrabass entsprechend in Szene zu setzen.
Syd: Das ist in der Tat ein Problem, aber nichts, was sich nicht zumindest deutlich verbessern ließe. Gerade Love Murder Blues leidet sehr unter dem mittelmäßigen Gitarrensound. Auch die Drums klingen nicht optimal. Ist halt die Frage, wie wir das heute nochmal reproduzieren könnten. Nimm doch nur dieses Anthrax-Album [er meint "The Greater Of Two Evils". d. Red.]. Das hat für mich irgendwie nicht so funktioniert, obwohl es an sich ja besser gemacht wurde. Wir haben das Thema auch noch nicht endgültig abgehakt. Auch ein paar Akustikversionen von einzelnen Songs, das wäre mal eine Idee. Es muss halt einfach passen, aber quasi als Comeback-Album wollen wir schon neue Songs am Start haben. Den anderen Kram kann man eher zwischenschieben oder dann als Download auf die Homepage knallen. Der Status Quo in Sachen neues Album ist im Grunde der: Wir hätten alle Bock, aber weiter sind wir noch nicht (lacht).
Lou: Bevor das in irgendeiner Form in einen Krampf ausartet und wir uns was abbrechen, lassen wir es aber bleiben. Wir sind ja in keiner Weise in irgendeinem Zugzwang, das ist quasi der Vorteil von unserer Erfolglosigkeit. Wenn wir nicht hundertprozentig mit dem Material zufrieden sind und es die vorherigen Scheiben nicht in den Schatten stellt, dann braucht das kein Mensch. Ist ja eh die Frage, ob die Welt noch ein neues Heartbreak Engines-Album braucht.
Hm, das halte ich für 'ne sinnlose Frage. Das kann man sich bei jeder Band und bei jeder Musikrichtung fragen. Die Frage muss eher lauten, ob ihr noch Bock auf ein Album habt und dass ihr das Gefühl habt, dass ihr noch was zu sagen habt.
Rocco: Das denke ich eigentlich auch. Als Kriterium sollte man das nicht nehmen. Wir müssen uns primär erst mal selbst damit zufrieden stellen. Das wird schon schwer genug, glaub' mir. Wirklich zufrieden waren wir mit den bisherigen Alben nämlich nie, gerade in Sachen Sound. Aber man muss da halt immer Kompromisse eingehen, die wir mit dem eigenen Studio jetzt außen vor lassen könnten. Die perfekte Mischung wäre die Rohheit des ersten, die Qualität der Songs von der zweiten und die Eingängigkeit des dritten Albums. Das hat bislang nie auf einem Album stattgefunden und deswegen sind wir auch so dahinter her, eine vierte Scheibe zu machen.
Daniel: Hallo, mein Name ist Daniel Flamm, ich bin 25 Jahre alt …
… und spielst gern im Schatten mit Muttis alten Kleidern.
Daniel: … (alle lachen) … Ja, genau. Neben den Heartbreaks spiel' ich noch bei Ski's Country Trash und bei den Frantic Flintstones aus Berlin, wo ich gerade mit beiden Bands Alben vorproduziere und aufnehme - und den Stress tu' ich mir nie wieder an! Das war die letzten vier Wochen der absolute Horror. Das ging nur von Essen nach Nürnberg, von Nürnberg kurz nach Essen, Klamotten wechseln, dann nach Berlin, und alles wieder umgekehrt. Im November hab' ich dann endlich mal 'ne Pause und werd' dann irgendwo hinfahren, wo es warm ist. Mallorca oder so.
Jaaa, da isses im November mindestens 40 Grad im Schatten! Fahr' doch nach Wanne-Eickel, da isses im November auch sehr sonnig.
Daniel: Dann eben Marokko oder was in der Art. Auf jeden Fall gibt es im Januar und Februar zwei Veröffentlichungen von und mit mir. Dann bin ich entsprechend auch wieder viel live unterwegs. Bis dahin haben der Rocco und ich dann auch unser Studio fertig. Damit wollen wir dann ja auch andere Bands produzieren.
Wie sieht es bei euch aus, Syd und Lou? Was steht bei Death Of A Demon an?
Syd: Ja, mit Death Of A Demon geht es auf jeden Fall weiter, da wird es mit Sicherheit ein zweites Album geben. Im Moment sammeln wir noch Ideen, aber wir kommen ganz gut voran. Es wird vermutlich noch härter als das erste Album sein und mehr in Richtung Metal gehen. Die Band passt gut zusammen, auch wenn der Jan leider schon wieder aus Zeitgründen ausgeschieden ist und wir nur noch zu viert sind. Momentan sind wir auf Proberaumsuche, aber es arbeitet auch jeder für sich schon an neuen Songs.
Ist bei Death Of A Demon die Labelfrage denn geklärt? Wird das zweite Album auch bei Fiendforce Records erscheinen?
Lou: Puh, das weiß ich auch nicht. Wir haben ein sehr lockeres Verhältnis mit Fiendforce und haben dort auch alle Freiheiten, was im Umkehrschluss auch heißt, dass sie zwar die Option auf ein zweites Album haben, aber natürlich auch ablehnen können. Wir machen letztendlich ja keinen Horrorpunk und auf der nächsten Scheibe noch viel weniger. Auf "Doomsday Euphoria" gab es ein paar Danzig-Anleihen. Wie das auf dem nächsten Album aussieht, muss man sehen. Die Songs werden vom Tempo her auf jeden Fall schneller, und wie Syd schon sagte, auch härter werden. Ob sich Fiendforce für die Scheibe dann auch begeistern können, wird man dann sehen. Da wir aber dann bei Rocco und Danny im Studio aufnehmen werden, wird das ja eh 'ne halbe Heartbreak Engines-Produktion (lacht). Außerdem holen wir dich ja noch für ein paar Backing Vocals dazu, das war ja schon abgesprochen.
So, Rocco, dann schieß mal los.
Rocco: Ich hab' keine Band, nur 'nen Band-Scheibenvorfall …
Brüller!
Rocco: Ja, gebrüllt hab ich da auch schon vor Schmerzen. Ich hab zwar bei 'ner Deutsch Rock-Combo mal ausgeholfen, was auch Spaß gemacht hat, aber das hatte nicht so wirklich das Identifizierungspotenzial, um mich langfristig zu begeistern. Das ging mir musikalisch einfach zu sehr in die Onkelz-Ecke. Mit dem Sound konnte ich noch nie was anfangen. Dabei waren die Texte von dem Sänger etwa 1000 mal besser und hatten auch 'ne korrekte Aussage, aber musikalisch war das einfach nicht meine Welt. Von daher konzentriere ich mich im Moment eigentlich nur darauf, dieses Studio endlich fertig zu bauen, um mit den Engines, Death Of A Demon oder eben auch ein paar Sachen, die Danny und ich zusammen basteln, entsprechend aufzunehmen und zu produzieren. Das wird dann Proberaum und Studio in einem, was die Wege und die Zeit natürlich extrem verkürzt. An dem Bau bin ich mittlerweile seit Mai dran. Das ist halt sehr anstrengend und sehr, sehr viel Arbeit. Und jetzt kommt noch der Bandscheibenvorfall dazu, das macht es natürlich nicht besser. Aber bis Ende des Jahres wird dann alles fertig sein. Durch die guten Connections von Danny hoffen wir dann, auch ein paar andere Bands zu uns ins Studio zu holen, mit denen wir arbeiten können.
Okay, und was ist mit Grischa?
Lou: Den haben wir quasi freigestellt. Der kann und soll auch mit Demented Are Go machen, was er kann und muss. Da hat er mittlerweile ja auch administrative und operative Tätigkeiten übernommen, sprich: Ohne den Grischa würde der Laden wahrscheinlich gar nicht mehr laufen. Gerade was das Organisatorische angeht, lief Demented Are Go bisher noch nie so gut. Deswegen würden wir vom Grischa jetzt auch nie verlangen, dass er uns da gefälligst zur Verfügung zu stehen hat, wenn wir mit den Engines was machen wollen. Das würden wir einfach alles zu viert vorbereite und vorproduzieren und lassen Grischa dann immer wieder seinen Senf dazu abgeben. Die Grundstrukturen können wir ja definitiv ohne ihn machen. Wenn es aber ein Echtes Heartbreak Engines-Album geben soll, muss Grischa natürlich mit dabei sein.
Die Rock'n'Roller über die neue Platte und ein Fingerschnipp-Casting.
Drei Wochen bevor das dritte Album "One Hour Hero" der Heartbreak Engines im Laden steht, spielen die Jungs einen Gig im Café Central in Weinheim. Keine Frage, dass ich mich da ins Auto schwinge, um den Herren vor Ort ein wenig auf den Zahn zu fühlen und ein paar Informationen zu den Aufnahmen und dem aktuellen Stand der Dinge zu erfahren.
Schon am Samstag Vormittag klingelt mein Handy und Basser Grischa informiert mich, dass die Band gerade kurz vor Weinheim sei. Ob mich das interessiert? Nicht die Bohne. Wann ich kommen will? Na irgendwann heute Abend, schließlich will ich zuvor noch ein paar Stunden ins Freibad. Welche Schuhgröße ich habe? 46. Nein, ich kann ihm keine Schuhe leihen. Blöd, wenn man die mit vollem Kopf zu Hause gelassen hat ....
Abends auf dem Parkplatz in Weinheim sitzen Sänger Lou, die beiden Gitarristen Syd und Dan sowie Drummer Rocco vor dem Café Central in der Gegend rum und schlagen die Zeit bis zum Auftritt tot. Während ich mein Aufnahmegerät auspacke, knallt sich Lou nochmal im Auto auf die Liege, weil der Kreislauf nicht so ganz mitspielt. Dafür gesellt sich Grischa zu uns und beschwert sich erstmal, dass man als Vegetarier hier nichts anständiges zu Essen bekommt. Mit vollem Bauch ist mir das relativ egal und ich drück das Mikro erst mal Rocco in die Hand.
Rocco: Was soll ich denn sagen? Du musst uns ein paar coole Sprüche sagen, die wir dann ablassen können.
Du meinst so nach dem Motto, ich zeig auf jemanden und der sagt dann: Yeah!
Rocco: Genau, das fänd ich gut.
Ok, den Job hat dann Dan ab jetzt. Test ...
Dan: Yeah! (alle lachen)
Passt. Ihr seid ja dieses Mal quasi perfekt vorbereitet ins Studio gegangen, so mit Vorproduktion und allem drum und dran. Hat sich das bei den Aufnahmen denn auch bezahlt gemacht?
Rocco: Auf jeden Fall. Die Sachen waren zu gut 90% fertig ausgearbeitet und wurden dort auch so aufgenommen. Naja, eigentlich war tatsächlich alles soweit vorbereitet und 90% haben wir unverändert so eingespielt. Ein paar Sachen arrangierten wir im Studio noch neu. Das waren ein paar Feinheiten, die El Producente, Tim Buktu, mit uns noch ausgearbeitet hat.
Ein paar Fills oder Breaks, also im wesentlichen irgendwelcher Kleinkram. Wir hatten ja fast ein dreiviertel Jahr, in dem wir an der Vorproduktion gearbeitet haben und auch in dieser Zeit stand ich schon durchgehend mit ihm in Kontakt. Wir haben also ständig über alles gesprochen und er hat uns somit auch schon in dieser Zeit ständig begleitet.
Wie viel Zeit habt ihr im Studio denn noch gebraucht?
Rocco: Das Einspielen der Instrumente hat elf Tage gedauert, für den Mix benötigten wir nochmal neun und ein Tag ging fürs Mastern drauf. Scheiße, das war im Endeffekt echt teuer, aber wir wollten es ja so. Wir wollten uns dieses Mal einfach auch was gönnen, denn zum mastern waren wir im Monoposto-Studio in Düsseldorf beim Michael Schwabe, der auch schon mit den Toten Hosen und den Beatsteaks gearbeitet hat.
Wir wollten dieses Mal einfach, dass das Ergebnis stimmt. Auch bei der Wahl von Michael hat uns unser Produzent geholfen, der sich da natürlich deutlich besser auskennt als wir. (In dem Moment rauschen zwei Jungs auf ihren Choppern vorbei und Rocco hat nichts besseres zu tun, als das Mikro an den Auspuff zu halten und mir hier und jetzt beim abhören die Löffel explodieren zu lassen).
Dan: Yeah!
Guter Einsatz.
Rocco: Ja, wo war ich? Ach ja, die Aufnahmen liefen jetzt auch nicht komplett am Stück. Wir haben in einer Woche die Sachen eingespielt und dann gabs Stückwerk. Da hat man sich dann Abends mal zusammen gesetzt, die Sachen angehört und ein, zwei Dinge noch verbessert. Im Vergleich zur Vorproduktion klingt jetzt alles einfach fetter und vor allem auch differenzierter, was den Mix angeht.
Wie viel Zeit habt ihr denn für "Love Murder Blues" gebraucht?
Grischa: Das war ungefähr der gleiche Zeitraum. Allerdings sind wir da auch ohne Vorproduktion ins Studio gegangen und hatten auch mit dem Produzenten im Vorfeld keinerlei Kontakt. Das lief alles ein wenig hopplahopp und erst jetzt haben wir gemerkt, dass man mit dem Mann wirklich gut arbeiten kann.
Bekommt ihr von People Like You eigentlich die Studiokosten vorgestreckt?
Rocco: Jein, wir haben sowas wie ein Gesamtbudget für Platte und Promotion und das wird dann eben miteinander verrechnet. Wir haben mit unserem Label einen finanziellen Rahmen abgesprochen, den wir natürlich gnadenlos gesprengt haben (lacht). Wir dachten eigentlich, dass wir durch die Vorproduktion weniger Zeit im Studio bräuchten. Das war aber ein Irrtum.
Ursprünglich hatten wir für jedes Instrument einen Tag eingeplant und wollten so in sieben Tagen durch sein. Für Gesang musste ja immer zwei Tage rechnen, weil der kann ja nicht alles an einem Tag durchbölken. Im Endeffekt haben wir doppelt so viel Zeit benötigt, aber das Label ist glücklich, wir sind glücklich. Das wars wert. Für die Produktion müssen wir uns auf jeden Fall nicht schämen. Gerade in dem Bereich ist so ein fetter Sound und so eine Produktion alles andere als alltäglich. Was wir bisher an Reaktionen bekommen haben war schon toll. Die Leute, die das gehört haben, sind einfach weggeflogen. Da muss man sich echt die Eier festkleben (lacht).
Dan: Yeah!
Grischa: Stimmt, aber das war auf der letzten Scheibe auch schon ansatzweise der Fall. Ich kann hier nicht die typische Rockabilly- oder Psychobilly-Kontrabass-Schiene spielen, sondern muss mich eben auf das Schlagzeug einstellen. Rocco spielt ja auch einen ganz anderen Stil als die Drummer in den Psychobilly-Bands und arbeitet viel mehr mit Akzenten.
Dem muss ich mit meinem Bassspiel einfach Rechnung tragen und das ist zum Teil schon verdammt schwierig. Das ist ne ganz andere Welt, aber natürlich auch ne tolle Herausforderung. Ich musste mich stellenweise sehr zurücknehmen und die ganzen Läufe, die ich normalerweise sehr gern spiele alle außen vor lassen.
Das war nicht ganz leicht, klingt aber letztendlich einfach besser. Als ich mir das Endprodukt angehört hatte, waren alle Zweifel dahin. Das ist schon genau richtig so! Manchmal musste ich die Bassläufe von der Vorproduktion komplett nochmal über den Haufen werfen, weil sie einfach nicht zum Song gepasst haben. Das war teilweise ganz schön harte Arbeit, um Betonungen richtig auszuarbeiten und zu reduzieren.
Redet ihr bandintern darüber, mit welchem Augenmerk ihr an bestimmte Songs herangehen wollt?
Grischa: Ja sicher, aber manche Sachen haben wir im Vorfeld gar nicht so gemerkt. Das ist uns einfach nicht wirklich aufgefallen.
Rocco: Dazu hast du aber auch einen Produzenten, der dich in solch einem Fall auch darauf hinweist, dass du hier zu viel oder dort zu wenig spielst. Da bist du als Musiker einfach zu nah an dem Song dran, um das selber zu merken. Du denkst in dem Moment einfach, dass das was du da spielst, das Allergrößte ist. Bis der Produzent dir dann sagt, dass es ein Viertel davon auch tut.
Wenn du dir das hinterher anhörst, hat er da meist recht, aber bis du dich darauf eingestellt hast, dass dir einer in deine Songs reinlabert, das dauert schon etwas. Das kratzt schon mal schnell am Ego, aber mit Tim funktioniert das einfach perfekt. Der erklärt dir auch immer, warum er das so haben will und spielt dir ein paar Beispiele vor.
Meist hatte er mit seinen Vorschlägen einfach Recht und wenn du das hinterher dann anhörst, biste einfach ein glücklicherer Mensch (lacht). Bei "Love Murder Blues" war eben das Problem, dass wir alle noch sehr in unsere Instrumente verliebt waren und jeder zeigen wollte, was er kann. Dieses Mal haben wir das alles sehr gestrafft.
Grischa: Spielen ist immer was ganz anderes als hören. Es ist einfach verdammt wichtig, sich mal hinzusetzen und dir anzuhören, was du da überhaupt fabrizierst und deswegen war die Vorproduktion auch notwendig.
Dan: Yeah!
Na also. Aber damit du auch mal mehr erzählen darfst, wer hat denn bei "Bad Job Jesus" die Orgel eingspielt?
Dan: Das war unser Produzent Tim Buktu höchstpersönlich. Der ist ein echt guter Pianist, hat seine Orgel ausgepackt und dann Gas gegeben. Die Idee, da Orgelsounds mit einzubringen ist aber auf unserem Mist gewachsen. Das war eben auch ein Teil der Vorproduktion, bei der man sich Gedanken über solche Sachen machen kann.
Rocco: Ja, aber dabei sind wir auch von einigen Sachen wieder abgerückt. Wie unser Produzent immer sagt: 'Weniger ist mehr. Aber dafür auf den Punkt.' Gerade mit der Hammond-Orgel ... Im ersten Moment dachte ich noch, dass dasn bisschen schwul wäre, aber als ich den Song dann fertig abgemischt gehört habe, hatte ich echt Pippi in den Augen, ganz ehrlich. Ich habe den Lou noch nie so gut singen hören und auch wir als Band klingen einfach scheiße gut! Vor allem, weil die Nummer ja vollkommen aus dem Rahmen fällt. Ich hätte nie gedacht, dass wir so klingen können.
Lass doch den Syd auch mal ans Mikro.
Syd: Der will aber gar nicht. Oh Mann, jetzt habe ich mich grade hingelegt. Wat gibts?
Wie viele Gitarrenspuren habt ihr denn verbraten?
Syd: Och, ne Menge. Dan und ich haben uns während der Vorproduktion schon viele kleine Geschichten überlegt, die wir auch alle umgesetzt haben. Bei den Aufnahmen waren Dan und ich auch immer beide anwesend, um uns besser aufeinander abstimmen zu können. Wir haben dann mit Tim angefangen, verschiedene Sachen auszuprobieren, hier noch ein Solo zu verändern, da noch was reinzubasteln.
Das war teilweise auch sehr spontan, was ich persönlich sehr liebe, weil da meistens die interessantesten Sachen bei rauskommen. Wenn man nicht lang nachdenkt, sondern sich einfach in den Song reinsteigert und davon mitreißen lässt. Das liegt mir eigentlich am meisten. Da sind schon einige Spuren für draufgegangen. Vor allem haben wir auch sehr viele verschiedene Gitarrenspuren, die alle was anderes spielen. Seltsamerweise klingt das aber alles noch toll zusammen. Aber es können ja nie genug Gitarren sein (alle lachen).
Wie viele von den neuen Songs habt ihr denn schon live getestet?
Syd: Bisher glaube ich vier. Wir haben die halbe Platte schon geprobt und könnten die auch spielen. Für die Tour werden wir uns dann natürlich alle draufpacken, damit wir die ständig abrufbereit haben. Da haben wir uns noch nicht festgelegt, aber in erste Linie werden wir natürlich die neue Platte spielen.
Dan: "Black Gold Rebel" werden wir auch heute Abend auf jeden Fall spielen. "One Hour Hero" leider nicht, der ist noch ne Nummer zu hart. Da müssen wir erst noch strukturieren, wer die Backings übernimmt, wo wann welche Gitarre einsetzt und so Kram. Im Studio kannste ja machen, was du willst, aber live ist das immer son Ding.
Das Problem bei dem Song ist, den kannste ja nicht in der Mitte bringen. Das ist definitiv ein Opener, mit dem musste einsteigen. Für Syd und mich ist das kein Problem, aber für Rocco, Lou und Grischa ist der Song gleich am Anfang ne ganz schön harte Nuss. Wir Gitarristen sind ja eh immer entspannt und cool, uns macht das keine Probleme. Die anderen drei müssen da aber ganz schön kämpfen (lacht).
Wir ziehen die ja eh immer hinterher. Nein, aber bis zur Tour müssen wir den als Opener schon drauf haben. Allerdings ist das auch der abwechslungsreichste Song der Scheibe. Was da alles an Parts drin ist, merkt man auf den ersten Höreindruck gar nicht.
So Grischa, jetzt du nochmal?Grischa: Wieso, hab doch gar nix zu sagen.
Doch und zwar habt ihr ja zwei Gäste auf dem Album dabei.
Grischa: Echt? Wen denn?
Rocco: Na den Sparky und den Patrick. Du erinnerst dich? Wir haben da ein neues Album ...
Grischa: Ach ja, stimmt. Richtig, wir haben ein neues Album. Wat willste wissen?
Äh, die beiden Gastsänger ...
Grischa: Genau. Wir haben zwei Leute mit aufs Album genommen ... das heißt, eigentlich drei. Ein Kollege von mir durfte auf "Bad Job Jesus" noch mit den Fingern schnippen. Der konnte am lautesten schnippen.
Wie, ihr habt da vorschnippen lassen? So mit Casting und so?
Grischa: Genau. Wir sind da mit vier Mann oder so gestanden und der hatte den besten Schnipp.
Faszinierend!
Dan: Yeah!
Grischa: Aber wie! Ansonsten hatten wir noch den Patrick mit dabei, der uns auf der 'Bad Boys For Life'-Tour begleitet hat, als Dan nicht konnte. Das war einfach klar, dass wir den in irgendeiner Art und Weise mit auf die Platte bringen mussten, weil der nicht nur ein toller Musiker ist, sondern auch ein sehr guter Freund!
Und dann natürlich noch Sparky von Demented Are Go. Der ist ebenfalls ein guter Freund und vor allem großer Fan von uns. Man muss aber auch sagen, dass wir "Gunwitch" schon so ein wenig für Sparky geschrieben haben. Zumindest in der Art, dass Lou und er da im Duett ordentlich was hinlegen können. Das Ding knallt wie Sau und Sparky hat auch richtig Spaß gehabt, die Nummer einzusingen.
Hat er das bei euch im Studio eingesungen oder wie lief das?
Grischa: Eigentlich war geplant, dass er nach Deutschland kommt. Letztendlich war ich aber während wir hier noch aufgenommen haben für ein paar Tage in London und hab dort den Demented-Gitarristen Stan besucht. Der hat so ein kleines Homerecording-Studio und da hat Sparky das auf die Schnelle eingesungen. Den Rest haben wir dann bei uns im Studio erledigt und fertig war der Song.
Und wie läuft das mit Demented Are Go und dir jetzt weiter? (Grischa ist seit Mitte des Jahres Live-Basser der Band)
Grischa: Pfff, keine Ahnung, spielen und dann sehen wir weiter (lacht). Ne konkrete Zukunftsplanung gibts da nicht. Ich spiel so lange bei denen mit, bis ich was anderes höre. Wir treffen uns irgendwo in Europa, machen zusammen ne Show, haben nen schönen Abend. Das ist schon ok.
Rocco: Wenn unser Zeitplan das zulässt, dann wollen wir mit Demented im nächsten Jahr ne Split-EP mit denen machen. Wir fahren ja jetzt erst einmal ein paar Touren, aber wenn das zeitlich eben klappt, dann wollen wir jeweils zwei Songs pro Band haben, wo dann die Musiker untereinander ausgetauscht werden oder die eine Band nen Song von der anderen spielt, was auch immer.
Wenn alles wirklich so klappt, wie wir uns das vorstellen, wären wir damit nächstes Jahr wohl auch so im September am Start. Du siehst, wir arbeiten hart (lacht). Wir sind sogar jetzt schon wieder dabei, Songs zu schreiben, oder wie unser Produzent sagt: Den Kanal leer zu machen. Also die Restideen, die man alle noch im Kopf hatte.
Da ist so ein kleines Tonstudio im Proberaum natürlich ne verdammt feine Sache.
Rocco: Ooooh ja. Da muss ich nur aufs Knöpfchen drücken, dann rauscht das Band mit und ich misch das alles in Ruhe ab, dass man sich auch was drunter vorstellen kann.
Eure erste Tour zum neuen Album startet in zwei Wochen?
Rocco: Richtig, das geht am 2. Oktober mit der Release-Party im Zwischenfall in Bochum los und endet zum ... äh ... 700. Mal in Berlin im Wild At Heart. Ich weiß nicht, wie oft wir da schon gespielt haben, aber da freuen wir uns richtig drauf. Wir kommen da mal wieder ganz in Europa rum.
Mongolei, eure größte Fanbasis östlich von Brunsbüttel wird auch bedient?
Rocco: Natürlich, aber erst später im Jahr (lacht). Im November stehen dann noch so vier, fünf Einzelgigs an und im Dezember gehts nochmal richtig rund. Danach hoffen wir auf diverse Festivals für den Sommer. Da werden wir dann mal hoffentlich ein paar Leute erreichen, die uns bis dahin noch nicht bemerkt haben.
Dan: Yeah!
Schönes Schlusswort ...
Ein Tourbus-Gespräch mit den Ruhrpott-Rockabillys über Drummer mit Abitur und Fans in der Mongolei.
Ein Interview mit den Heartbreak Engines schiebe ich nun schon seit der Veröffentlichung von "Love Murder Blues" vor mir her. Das eine Mal klappts nicht, weil die Jungs nach dem Gig in Berlin direkt weiter müssen, das andere Mal leert man sich lieber ein paar gemeinsame Bier rein und ist danach irgendwie auch nicht mehr in Stimmung.
Im Rahmen der Bad Boys For Life-Tour mit The Bones bleibe ich daher in Frankfurt hart und kralle mir Basser Grischa und Sänger Lou. Im Tourbus, den sich die Essener mit den alten Säcken von Demented Are Go teilen, quetsch ich die beiden schließlich aus.
Grischa: So, wat willste denn wissen, Junge?
Naja, erst mal so die ganz essentiellen Dinge. Habt ihr euch denn in der Band alle lieb? Kuschelt ihr gemeinsam bevors in die Koje geht, oder wie ist das?
G: Och, das kommt drauf an. Normalerweise schon, aber wir wissen natürlich auch alle, wo's beim anderen besonders weh tut und das nutzt man dann kräftig aus. Wir wissen allerdings auch genau, wo die Grenze liegt und überschritten wird die nicht. Zumindest selten ... manchmal, hahaha.
Das ist für euch jetzt die erste größere Tour für das People Like You-Label. Wie läufts denn bisher?
G: Super! Wir verstehen uns mit den Bands echt klasse, haben uns jetzt die Tage auch alle kennen gelernt und das sind alles supernette Leute. Auch Roger Miret und seine Disasters sind einfach nur locker drauf. Anstatt einen auf dicke Hose zu machen wegen seinem Background mit Agnostic Front ist der einfach nur locker und relaxt. Natürlich hochprofessionell, aber cool.
Lou: Ich hab noch nie jemanden erlebt, der so wenig Starallüren hat, nach dem was er erreicht hat. Roger Miret ist einfach nur nett und unglaublich cool!
Draußen am Fenster läuft The Bones-Basser Andi gerade mit ner netten Schnitte vorbei, was Lou offensichtlich immens ablenkt. Lou, du als Bandgroupie, wie kommst du damit zurecht, dass man dich einfach rumreicht?
L: Da kann ich noch gar nicht so mit umgehen, das verletzt mich innerlich total.
Kann ich verstehen, aber lassen wir die Schmuddelgeschichten mal außen vor. Ihr habt Klein-Daniel (eigentlich zweiter Gitarrist bei den Engines) auf dieser Tour nicht dabei. Warum?
G: Also zuerst mal, Klein-Daniel ist das nicht. Das ist'n ganz Großer, ja? So geht’s ja nicht! Die Sache ist nur die, er ist noch Schüler und bereitet gerade sein Abitur vor oder macht es gerade oder irgendwas in der Art.
Wahnsinn, wie du dich da auskennst. Welche Prüfungsfächer hat er denn?
G: Öh, was war das nochmal? Pädagogik-LK und äh, Häkeln, ich weiß es echt nicht. Aber das ändert ja nix dran, dass das Abi wichtig für den Kerl sein wird. Und bevor er da jetzt sein Abi verhaut, nur weil er mit uns auf Tournee gehen will, haben wir eben gesagt, dass er daheim bleiben und lernen soll. Nu isses aber so, dass die Tour für uns auch enorm wichtig ist und wir sie auf jeden Fall fahren wollten. Dan war so verständnisvoll zu sagen, dass das keine Frage ist und somit haben wir uns um einen Ersatzgitarristen für diese Tour gekümmert.
L: Genau, und das ist jetzt der Patrick von der Band Golden Cockring! Ein begnadeter Musiker, eine Rampensau par excellence und ein ganz toller Sänger!
G: Das war echt großes Glück! Ein Telefonat, er kam vorbei, hat kurz ne Nummer mitgespielt, sich die Konditionen angeschaut und war dabei. Wir haben ihm einfach ein Tape mit den entsprechenden Songs rausgesucht und ihm zugeschickt. Wir meinten dann: "Hör zu, du hast drei Monate Zeit, hau dir die Scheißdinger rein und dann proben wir zwei, drei Mal!" Das hat so perfekt geklappt und jetzt sind wir hier. Ohne dass wir das überhaupt angefragt hätten, hat er auch gleich noch ein paar Backing Vocals mit einstudiert und der Kerl hat echt ne richtig gute Stimme.
L: Kann ich nur unterschreiben. Wenn man den Mann mit uns auf der Bühne sieht, könnte man direkt glauben, er gehört fest zur Band.
G: Quatsch, die schmecken voll lecker, die Dinger. Die hab ich letztes Jahr schon dem Sänger von den Necromantix geschenkt, als er ein paar Probleme mit der Stimme hatte. Fand er ganz toll und ist seitdem Fan von dem Zeug.
Faszinierend! Kommen wir aber zu den wichtigen Dingen des Lebens: Wie ist der Stand der Dinge in Sachen neues Album. Schon was am Start?
G: Das läuft soweit ganz gut an und ist auch schon fest in Planung. Wir hatten uns letztes Jahr ja schon mal kurz 'ne Auszeit genommen und ein paar Sachen angecheckt. Im Proberaum haben wir schon ein paar Sachen aufgenommen.
L: Ja, wir haben auch schon einen ganz tollen Titel für die Platte, den wir hier jetzt aber nicht nennen können, weil der sonst sofort geklaut wird.
Is klar. Die Tür vom Bus geht auf und Gitarrist Syd kommt reingeschlappt, ohne zunächst auch nur zu bemerken, dass wir grad am Interview sitzen. Wenn ihr jetzt mit The Bones auf Tour seid, beeinflusst euch so ein Sound auch ein wenig oder wie müssen wir uns die neuen Sachen vorstellen?
L: Nö, gar nicht. The Bones sind in ihrem Stil einfach unnachahmlich und was hätte es da für einen Sinn, uns jetzt an denen zu orientieren. Ich denke, wir hatten auf unserer letzten Scheibe eine richt gute Mischung aus verschiedenen Stilen und die werden wir einfach soweit mal beibehalten. Da beeinflussen uns weder The Bones, noch Roger Miret oder Demented Are Go.
G: Ich denke, auf unseren beiden Alben ist nicht viel drauf, mit dem man das vergleichen könnte. Vielleicht in Ansätzen die Necromantix, wobei wir das auch erst nachher festgestellt haben, als wir zusammen auf Tour waren. Davor kannten wir die nicht mal wirklich. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass wir alle aus recht verschiedenen Musikrichtungen kommen und entsprechend unterschiedliche Einflüsse haben. Das gibt eben 'ne interessante Mischung, aber deswegen gehen wir natürlich nicht hin und sagen: Lass uns doch mal nen Song machen, der nach der und der Band klingt! Wär ja Schwachsinn.
L: Das versuchen wir auch schon allein dadurch zu vermeiden, dass wir noch nie eine Coverversion gespielt haben. Wir haben uns da auch noch nie drüber unterhalten, aber anscheinend sieht da auch keiner von uns eine Notwendigkeit drin.
Demented Are Go-Zombie Sparky kommt in den Bus und hat seine neuesten Klamotten-Einkäufe dabei, die er nachher noch auf der Bühne präsentieren wird. Grischa erklärt ihm kurz, dass wir gerade ein furchtbar wichtiges Interview machen, was Sparky zu dem kurzen Statement "Fuck Off!" hinreißt und schon isser wieder weg.
L: Ich war vorhin mit den Demented Are Go-Jungs in der Stadt und wir haben da ein paar Runden gedreht. Dabei meinte Sparky, dass er uns gerne für eine gemeinsame Tour in die Staaten rüberholen würde. Das wäre schon 'ne geile Sache, da Sparky anscheinend fest davon überzeugt ist, dass unsere Mucke auf dem amerikanischen Markt durchaus was reißen könnte. Da wir beide nun beim selben Booking-Partner sind, würde das eigentlich ganz gut passen.
Das glaub ich aber auch, dass ihr da gut ankommen würdet. Wo wurde "Love Murder Blues" eigentlich überall veröffentlicht?
G: Also in Europa ist die Scheibe wohl flächendeckend erschienen. In den Staaten hab ich das nicht so ganz gepeilt, aber da sind wohl auch ein paar Exemplare aufgetaucht. Das ist da 'ne ganz verworrene Geschichte, aber es ist in Arbeit. Von der Resonanz her kommt das meiste natürlich aus Europa und davon auch recht viel. Die letzten paar Monate bekommen wir aber auch immer mehr Feedback aus den Staaten, vor allem von der Westküste her. So blöd das jetzt klingt, aber ich denke daran hat myspace.com durchaus seinen Anteil. Man schaut dann ja auch immer mal auf die Page von dem, der einen da anschreibt und kann so immer weitere Kontakte knüpfen.
L: Ja und wir sind besonders stolz auf den ersten Heartbreak Engines-Fanclub, der in der Mongolei gegründet wurde!
Auf einmal wacht auch Drummer Rocco wieder auf.
Rocco: Häh, wo haben wir nen Fanclub? In der Mongolei?
L: Ja, sicher! Ach komm, du glaubst auch jeden Scheiß, hahaha.
Genau, da sitzt dann ein Rudel Tartaren, Freitags um neun in Ulangata in einem Zelt, hören sich "Love Murder Blues" an und saufen Sprudel. Anschließend reiten sie zu "The Stalker" in den Sonnenuntergang, das rockt!
G: Ja, fände ich mal eine schöne Idee! Ne, aber mal im Ernst, wir bekommen in letzter Zeit wirklich verstärkt Resonanz, sei es jetzt durch das Internet oder während der Shows, die wir spielen. Der Agenturwechsel hat sich definitiv gelohnt, wir spielen sogar schon diverse Headlinershows.
L: Auch was den Merchandise angeht, da hatten wir ja ein bestimmtes Kontingent eingeplant und inzwischen sind wir da schon fast beim vierfachen davon. Oh, was ist das denn?
Draußen stöckeln schon wieder ein paar hübsche Damen vorbei. Lou, lass gut sein, in den Badeschlappen machste da keinen Stich!
Syd: Du warst nicht in Wien, Alter. Wenn du da dabei gewesen wärst ... ich könnte da Sachen erzählen. Das könnt ihr euch nicht vorstellen!
Alle im Chor: Aber hallo!
Details, Leute, Details.
L: Nee, lass mal, das war alles andere als jugendfrei und zum Teil echt nicht schön anzuschauen.
G: Aber Wien war schön. Nach dem Gig haben alle Bands noch zusammen gefeiert, da wir erst recht spät zurück in den Bus mussten. Das war echt ein cooler Abend. Wir sind dann in trauter Eintracht gleichmäßig verpeilt in unsere Busse gestiegen und los ging's.
Wahnsinn! Phrasen dreschen wie die Großen. Sagt eigentlich nichts aus, klingt aber enorm wichtig, hahaha.
R: Ja, das haben wir inzwischen richtig gut gelernt. Es ist einfach enorm wichtig, unglaublich bedeutsam aufzutreten, ohne dass man was zu sagen hat.
G: Damit hat man viel mehr Erfolg. Kann ich nur jedem empfehlen, haha. Auf jeden Fall soll das Album im Januar erscheinen, wenn uns nicht noch 'ne Tour in der Mongolei dazwischen kommt. Aber mal ohne Scheiß, es ist einfach super, wie die Zusammenarbeit zwischen Label, Booking-Agentur und uns inzwischen läuft. Jeder meldet seine Vorstellungen und Termine immer so weit im Voraus schon an, dass wir bisher eigentlich alles immer so einhalten und ausführen konnten wie geplant. Wir sind aber natürlich nicht die einzige oder die wichtigste Band bei People Like You und dementsprechend wird ein Timetable ausgearbeitet, nach dem sich dann alle richten. Das funktioniert bisher prima.
L: Man sagt ja immer, dass das dritte Album das wichtigste ist und deswegen wollen wir, dass da im Vorfeld alles stimmt. Vor allem, was die Promotion angeht, da versuchen wir, dass vielleicht ein, zwei Songs schon vorab auf diversen Samplern landen. Da kommt es sehr auf's Timing an und vor allem von dieser Tour versprechen wir uns sehr viel. Wir sind zwar nur der Opener, aber der Laden ist meistens schon voll wenn wir spielen. Wir versuchen einfach nach wie vor bescheiden an die Sache ranzugehen. Wir erwarten nicht zuviel und freuen uns auf alles was kommt.
G: Für den Spottpreis von 17 Euro bekommst du hier vier klasse Bands zu sehen und allein der Ski-King ist das Geld schon wert. Der Typ ist der Hammer, da haben wir echt 'nen neuen Freund gewonnen.
L: Das ist echt ein verdammt netter Kerl. Der Typ und wir werden auch 'ne kleine Kooperation machen. Er wird bei uns auf der Platte mitsingen und wir werden dafür auf seinem, geplanten Album ein paar Sachen machen.
Wird er auch bei People Like You veröffentlichen?
G: Die Pläne sind auf jeden Fall dahingehend und da wir uns eben so gut mit ihm verstehen, hat er gefragt, ob ich nicht was mit ihm ausarbeiten will. Er wird uns heute Abend auch auf der Bühne bei "Built My Hate Around You" aushelfen. Das ist echt geil.
S: Der Kerl ist echt der Hammer. Allein gestern Abend hat der nach der Show noch 'ne halbe Stunde beim Merchandise-Stand gesungen und einfach 'ne Mördershow gemacht. Du kennst den ja auch schon von unserem Gig in Berlin und auf der Bühne ist der schon 'ne Macht.
Keine Frage. Vor allem die Idee, zwischen den Bands den Umbau damit zu überbrücken, das hat schon Stil.
G: Hast du den ganzen Schwachsinn eigentlich aufgenommen? Ne, echt? Da fliegt ja wohl mindestens die Hälfte von raus, oder?
Klar, Grischa, ganz bestimmt!
Hätte vielleicht ein wenig mehr Farbe vertragen.
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