Porträt

laut.de-Biographie

Haleek Maul

"And then I see a darkness." Das scheint unter jungen Rappern zu Beginn der Zehnerjahre ein beliebtes Motto zu sein. Während ein SpaceghostPurrp das sonnige Florida in seinen Lyrics und Videos negativ fotografiert, lässt ein 15-Jähriger in der Karibik die Jalousien 24 Stunden geschlossen.

Haleek Maul verschreibt sich ganz ähnlich wie der Amerikaner der Düsternis im Sprechgesang. Schwere Beats fallen auf atmosphärische Flächen, aggressive, ja beinahe desillusionierte Sätze füllen das schwarze Nichts. Im Zuge des Eklektizismus, scheint es, hat das Hipstergenre Witch House auch gute Teile des Hip Hop schwer eingefärbt.

Der junge Barbadier, geboren in New York, veröffentlicht im Juni 2012 die Debüt-EP "Oxyconteen" (Merok Records). Darauf versammelt der zu diesem Zeitpunkt 16-Jährige einerseits eine bereits stattliche Produzenten-Riege (Supreme Cuts, The-Drum, King Britt), zollt andererseits der kontemplativ walzenden Noir-Coolness Tribut – wenn da nicht "Gully" wäre, das mit Subbässen aus dem gediegenen Ambiente fällt. Als adoptierten Drake und Landsfrau Rihanna ein immer trauriges Kind, vergleicht The Fader.

Seinen Sound findet Haleek passend zum Witch House-Einfluss natürlich vor allem im Internet. "Ich bin ein großer Nerd. Seit ich acht bin, surfe ich im Netz. Ich habe alles gesehen", so Maul, den man zeitgeistkonform auf Presseshots dank Poly-Instagram kaum erkennen kann.

Mit elf beginnt er, als KidGenius an eigenen Boom Bap-Beats zu basteln und bei Schulevents aufzutreten. Dort besorgt die beste Freundin auch zusätzlichen Weirdo-Input: Der IDM-Produzent Otto von Schirach, die Noise-Elektroniker Fuck Buttons, außerdem Indie-Ikone Fever Ray, French House - diese und vergleichbare Stilrichtungen bringt eine gewisse Shannon ihm näher.

Gleichzeitig taucht er immer tiefer in die Beatmaker-Szene ein. 2011 beschließt der Outkast-Addict, das Horrorcore-Rapding konsequent durchzuziehen. Über Facebook baut er Kontakt zum Produzenten Supreme Cuts auf, der Rest ist Geschichte.

Über sein Alter philosophiert Haleek Maul völlig kompromisslos: "So viele Leute in meiner Generation hängen nur rum. Das ist doch witzlos. Ich habe das nie verstanden. Wenn man der Jugend schon früh einimpfen würde, dass man ein produktives Mitglied der Gesellschaft sein kann … einige ruhen sich einfach auf ihrer Minderjährigkeit aus und das stört mich."

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