Porträt

laut.de-Biographie

Glacier

Glacier fahren Gegenkurs. Zum "ehrlichen und minimalistischem Alternative Rock", den man in ihren Augen zur Zeit besonders häufig antrifft, möchten sie ein Anti-Programm starten. "Keine Angst vor großen Gesten" ist das Motto.

Aufgewachsen in Zeiten von unberührbaren und großen Soundlandschaften und entsprechenden Interpreten, den 1980ern, werden Glacier seither von der Neigung zur Musik begleitet, die eine enge Reihe dichter Attribute in sich vereint: atmosphärisch, ätherisch, orchestral. Bereits die Besetzung der Band, die sich aus einem guten Bündel anderer Indie-Gruppen zusammengefunden hat, zeigt, wie das dann klingt: Richard Arthur McPhail, zuständig für Gesang, Gitarre und Synthesizer (bei Tocotronic am Keyboard und ehemals bei Venus Vegas), Benny Ruess (Drums und Gesang, ehemals bei Les Garcons), Catharina Ruess (Synthesizer und Gitarre, von den Peeptoes), Stefan Nielsen (Bass, Synthesizer und Gesang, auch bei Tigerbeat) und Sunny Vollherbst - er macht das Sound Design und ist ebenfalls an den Synthesizern anzutreffen (Hamburger Bandhopper, u.a. Tocotronic, Kettcar, Tigerbeat).

Mit acht Händen an den Synthesizern, drei Stimmen und zwei Gitarren wird bereits rein in Zahlen gefasst klar, was man von der Band zu erwarten hat: ordentlich Klang. So greifen sie auch auf längst vergessene Töne der Vergangenheit zurück und nehmen damit nicht nur eine große instrumentale Bandbreite zu Hilfe, sondern auch eine große Zeitspanne, die sich, selbst eingespielt und produziert, auf ihren Platten wiederfindet. Zeitlos wollen sie sein und zitieren ELO, Pink Floyd und Spiritualized genauso wie Sonic Youth, Pulp und Radiohead.

In einer nihilistischen Weltsicht wollen sie sie sich in Noten bis zu der Erkenntnis vorgrübeln, doch keine Lösung für die Allgegenwärtigkeit der irdischen Probleme zu haben und vielleicht sogar "selbst das Problem zu sein". Live sieht das dann so skurril wie faszinierend aus: In kleinen Clubs erwirken sie mit einer mobilen Lichtshow Stadion-Gefühl und packen hier technisch noch einmal alles aus, was an Instrumenten mengenmäßig ohnehin schon vorhanden ist: Nebelwände, Laser und die Lichtanlage einer mittlerweile in die Geschichte eingegangenen Rockband aus den 1970ern.

Die Jungs und das Mädchen von nebenan will die Band des neuen Jahrtausends nicht sein. Stattdessen belegen sie sich mit einem Unterfangen, wie es der Romantiker des 18. Jahrhunderts nicht schöner hätte tun können: In ihren Klangwelten wollen sie Jungs und Mädchen von nebenan eine Fluchtmöglichkeit bieten. Raus aus allzu weltlichem Alltag, rein in den Glacier-Kosmos. Den kann man ein erstes Mal auf dem Album "A Sunny Place For Shady People" betreten, das im Oktober 2006 erscheint.

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