Porträt

laut.de-Biographie

Fard

Seltene Ausnahmeerscheinung oder nur ein weiterer Soldat der Gangsterarmee, die Deutschrap zu ihrer Besatzungszone gemacht hat? Wie bei so vielen Künstlern scheiden sich an Fard, dessen Name in etwa "religiöse Verpflichtung" bedeutet, die Geister.

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Der Gladbecker mit iranischen Wurzeln hat sich der Rap-Bewegung des Ruhrpott angeschlossen und dem Straßenrap verschrieben. Ihn deshalb mit den oft talentlosen Vertretern des Genres in einen Sack zu stecken, wäre allerdings etwas kurzsichtig. Dass Fard besonders in Bezug auf Battlerap über ein gesundes Maß an Skills verfügt, lässt sich nämlich nicht verleugnen.

Kein Wunder, seine Liebe zur Hip Hop-Kultur entdeckt der Ruhrpottler bereits im Alter von zehn Jahren. Allerdings sind es zu diesem Zeitpunkt noch die Breakdancer in seiner Stadt, zu denen er aufschaut. Besonders das respektvolle Wetteifern miteinander fasziniert ihn und motiviert ihn am Ende dazu, Battle-Rapper zu werden.

Als solcher feiert er erste Erfolge und macht sich in der Szene einen Namen. Unter anderem ist er auf mehreren der "1 on 1 Freestyle Battle"-DVDs vertreten. Außerdem kickt er einige Feature-Parts an der Seite von Ercandize oder Snaga & Pillath.

2006 beschließt Fard, seine gesammelte Erfahrung in seine erste Veröffentlichung fließen zu lassen und veröffentlicht im Oktober das Mixtape "Blut, Schweiß, Tränen und Triumphe", ohne Labelunterstützung über den Rough Trade Vertrieb. Wirklich Furore macht der Gladbecker aber erst 2007 mit seinem Auftritt bei "Feuer Über Deutschland 2", als er gegen den Berliner Bendt einen Sieg erringt und zusätzlich noch 100 Bars vom Stapel lässt.

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Außerdem beinhaltet der Battle gegen Bendt einen kleinen Seitenhieb gegen den Aggro-Berliner Sido, der natürlich nicht unbeantwortet bleibt. Im Laufe der Zeit folgt zwischen den beiden ein kurzer Schlagabtausch, der, beabsichtigt oder nicht, seinen Teil zu Fards Fame beiträgt.

Den hier gewonnenen Auftrieb macht sich Fard im darauf folgenden Jahr zunutze, indem er seine zweite Veröffentlichung, "Omerta", auf den Markt bringt. Der Pott-typische Hang zu Wortwitz und Punchlines sorgt dafür, dass "Omerta", anders als die Snaga/Fard Kollabo "Talion", von Publikum und Kritikern relativ gut aufgenommen wird.

Der Name des Streetalbums, der das Schweigegelübde der italienischen Mafia bezeichnet, lässt erahnen was den Hörer erwartet: Loyalität, Freundschaft, Ehre und Kriminalität lauten die Schlagworte, die wohl auch im Leben eines Ruhrpott-Rappers wichtig sind.

Mit "Alter Ego" legt Fard 2010 nach. Neben dem inzwischen erprobten Kollaborateur Snaga steuern diesmal Kollegah, Farid Bang und Summer Cem Feature-Parts bei. Immerhin: "Alter Ego" chartet auf Platz 66 der deutschen Albumcharts und schafft es in der Schweiz sogar auf Rang 56.

Kein Vergleich zu "Invictus", das im Jahr darauf den Einstieg in die Top 10 nur um einen schäbigen Platz verfehlt: für Fard zweifellos der größte Erfolg seiner bisherigen Karriere.

Im Rahmen der VOX-Show "Cover My Song" trifft er später im Jahr auf Hafencowboy Gunter Gabriel und erbarmt sich dort dessen Gassenhauers "Hey Boss, Ich Brauch Mehr Geld". "Wesentlich brutaler als meine Version", urteilt der Original-Urheber. "Auf jeden Fall hat die seine auch eine tiefe Wahrheit."

Im Frühjahr 2013 startet Fard neu durch. Schon die Gästeliste seines neuen Albums "Bellum Et Pax" lässt zumindest eine teilweise Neuausrichtung ahnen. Snaga ist zwar wieder mit von der Partie, daneben aber unter anderem Redman, Ryan Leslie und Bobby V.

Krieg und Frieden, Gut und Böse, Liebe und Hass - oft liefert die Gratwanderung zwischen den Gegensätzen die spannendsten Ergebnisse. Fard setzt dafür auf zweierlei: Technik und Authentizität.

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Fard & Snaga - Talion 2: Album-Cover
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