Porträt

laut.de-Biographie

Dam-Funk

"Es ist nicht Disco wie bei den Bee Gees, auch nicht wirklich P-Funk, aber irgendwo dazwischen." Wenn Genre-Fragen nicht einmal vom Künstler selbst eindeutig geklärt werden können, spitzen Musikbegeisterte gern die Ohren.

Zu Recht, denn Qualitätsmusik lebt von Aufgeschlossenheit und künstlerischer Verschmelzung. Dam-Funk, kalifornischer Edel-DJ und Keyboard-Wizard in Personalunion, hat dieses Prinzip verinnerlicht und serviert seinen betörenden Bastard aus Electro-Funk, 80s-Disco und Hip Hop als musikalische Sound-Suppe in Perfektion.

In seiner Heimatstadt Los Angeles nennt man den Keyboarder Damon Riddick schlicht den "Ambassador of Boogie Funk" und stellt ihn in die Tradition von Synthie-Legenden wie George Clinton und Prince. Der Weg dahin, zum eigenständigen und einer breiten Öffentlichkeit bekannten Künstler, war jedoch ein langer für Dam-Funk (sprich: Dame Funk).

Lange Jahre als wenig glamouröser Studiomusiker und engagierter Party-Veranstalter liegen vor dem Durchbruch beim Liebhaber-Hip Hop-Label Stones Throw Records. Musik macht der Freigeist aus Überzeugung und aus der Intention, den Sound einer vergangenen Zeit direkt in die Zukunft zu katapultieren. Voilà: Future Funk.

Der Funk-Botschafter will das Genre wieder dorthin zurückbringen, wo es zu Zeiten von Roger Troutman und Prince war, jedoch übersetzt ins 21. Jahrhundert. Die Hip Hop-Fans weiß er einerseits dank seines Labels Stones Throw Records, andererseits durch seine Live-Auftritte mit Rap-Größen wie Westside Connection und MC Eiht hinter sich.

Als in den Neunzigern das "P" vor dem Funk durch "G" ersetzt wurde, beauftragten die Produzenten aus den Problemvierteln der Cali-Metropole nicht selten Dam-Funk, die funky Chords für ihren typischen G-Funk-Sound einzuspielen.

Der Keyboard-Virtuose kommt jedoch nicht mit der artistischen Einstellung der Rap-Kollegen zurecht: "Eines Nachts kam ich nach Hause und beschloss, dass ich es nicht nötig habe, mich mit 25 saufenden Typen herumzuschlagen, während nur zwei davon an der Musik arbeiten."

Die Indie-Crowd auf der anderen Seite bauchpinselt er mit eklektischen Sound-Tüfteleien und einem Remix für Animal Collective. "Summertime Clothes", eine käsige 80s-Synths-Spielerei, trifft sowohl alte als auch neue Fans ins musikbegeisterte Herz.

Dam-Funks Auftritte bei den allwöchentlichen Funkmosphere-Veranstaltungen in Los Angeles verschaffen dem Produzenten eine treue Gefolgschaft. Die Partys sind Hauptstütze der Electro Funk-Szene L.A.s - ein Haufen Musikliebhaber zwischen G-Funk-Vergangenheit und Brainfeeder-Zukunft. Unter den Konzertgängern: Stones Throw-Chef und Musik-Connaisseur Peanut Butter Wolf.

Bald steht Dam-Funk als neues Pferd im Stones Throw-Stall. Dam ist in seinen späten Dreißigern, also weit entfernt von einem gehypten Newcomer. Genau das Richtige für das auf Qualität bedachte Indielabel, das mit Künstlern wie Baron Zen, Mayer Hawthorne, James Pants und Heliocentrics schon lange ein starres Hip Hop-Gewand abgestreift hat.

Das Debüt "Toeachizown" unterstreicht Dam-Funks Ausnahmestellung im kontemporären Musikbetrieb. Erhältlich als Doppel-CD bzw. Fünffach-Vinyl erwartet den Hörer über zwei Stunden Sample- und weitestgehend Gesangs-freier Modern Funk. Parliament/Funkadelic meets Prince meets J Dilla meets Science Fiction. Für den Kultur-Botschafter ein ganz natürlicher Prozess: "Ich bleibe einfach dem Funk treu."

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