Porträt

laut.de-Biographie

Buraka Som Sistema

"Es ist lustig, wir versuchten harte Dancefloor-Tunes zu machen und jetzt tanzen Zehnjährige und irgendwelche Omas auf Festivals zu unserer Musik", erzählt Rui Pité der BBC nach dem durchschlagenden Erfolg der EP "From Buraka To The World" im Jahr 2006. Allerdings spiele das Alter ohnehin keine Rolle, wie MC Kalaf ergänzt. Leute dazu zu bringen, zu tanzen wie die Hölle, zu schwitzen wie die Hölle und zu schreien wie die Hölle, sei der primäre Ausgangspunkt des Schaffens des Quartetts.

Dabei ist Quartett eigentlich die falsche Bezeichnung, vielmehr handelt es sich beim Projekt Buraca Som Sistema um einen losen Zusammenschluss von Produzenten, Tänzern und MCs aus aller Welt. Einer davon ist Kalaf, die Schaltzentrale bedienen jedoch Pité (DJ Riot), Joao Barbosa (Lil' John) und Andro Carvalho (Conductor), ein gebürtiger Angolaner. So weitreichend die Zusammensetzung, so unterschiedlich die musikalische Herkunft der drei Köpfe: Während Riot für Drum'n'Bass und Breakbeats steht, fühlt sich Conductor eher im Bereich Rap/Hip Hop zuhause. Irgendwo dazwischen siedelt sich Lil' John an.

Geografisch könnte sich das Trio kaum näher sein, haben sie ihre Wurzeln doch allesamt in und um Lissabon. In die portugiesische Stadt strömen jährlich abertausende Einwanderer und Flüchtlinge aus Afrika. Mit den Menschen kommt die Kultur: Kuduro hält Einzug in das Leben der Menschen in Amadora, dem suburbanen Bereich Lissabons, in dem die meisten angolanischen Einwanderer leben. Es handelt sich dabei um einen tanzbaren Musikstil, der in Luanda, der Hauptstadt Angolas, entsteht, und dessen Geburt auf die späten 80er zurückgeht.

"BSS entstand aus der Lust, Kuduro zu erkunden - ein Genre, dass sich unserer Ansicht nach immer weiter zu etwas entwickelt hat, was absolut bahnbrechend klingt", so Lil' John gegenüber myvillage.com. Reedits der Arbeiten angolanischer DJs entstehen, wobei ein europäischer Einfluss nicht ausbleibt: "Wir folgten den jeweiligen Trends und mischten das Zeug mit Drum'n'Bass, Grime, Dubstep, Dancehall." Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten, als Buraka Som Sistema geben sie 2006 noch ohne offizielle Veröffentlichung ihren ersten Gig. Der Name geht zurück auf Buraka, einem Distrikt Amadoras sowie einer unzureichenden portugiesischen Übersetzung von "Soundsystem" bei einem lokalen Händler.

Die Reaktionen des Publikums sind gut, innerhalb von acht Wochen verkaufen sie 750 Kopien ihrer EP und die Terminkalender quillen über. Nach mehreren Monaten auf Tour und Auftritten auf dem Glastonbury Festival sowiein Roskilde, veröffentlichen BSS das M.I.A.-Feature "Sound Of Kuduro", das durch die Blogs und Clubs der ganzen Welt geistert. Nicht zuletzt ein sehr unterhaltsames Video, das den in Angola entwickelten Tanzstil zu Kuduro dokumentiert, sorgt für noch mehr Aufmerksamkeit.

Inspiriert ist der Tanzstil tatsächlich von einer Szene aus dem Jean Claude Van Damme-Streifen "Kickboxer". Spätestens dann tanzen, schwitzen und schreien die Massen wie in der Hölle.

Alben

Buraka Som Sistema - Black Diamond: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2009 Black Diamond

Kritik von David Hilzendegen

Angolanischer Kuduro rollt über Portugal die Tanzwelt von unten auf. (0 Kommentare)

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