Porträt

laut.de-Biographie

Beangrowers

Alison Galea (Gesang, Gitarre, Keyboard), Mark Sansone (Bass) und Ian Schranz (Schlagzeug, Gesang) haben es von Anfang nicht leicht. Auf einem 350.000-Seelen-Eiland wie Malta das Licht der Welt zu erblicken - wohl die denkbar schlechteste Ausgangssituation für die Rockrevolution. Zwar lässt sich ein solcher Mikrokosmos, in dem jeder mit jedem benachbart ist, dank Mundpropaganda schnell erobern, aber Maltas Charthits haben wohl noch keinem der wenigen Musiker der Insel (1991 wanderte Phillip Boa dorthin aus) einen geruhsamen Lebensabend beschert. Kein Wunder also, dass sich das Trio aus dem Städtchen St. Julians um Sängerin/Gitarristin Alison mit mediterranen Lorbeeren nicht zufrieden gibt.

Eigentlich nimmt die Welteroberung 1992 ihren Ursprung. Mark und Ian, zusammen gerade einmal 30 Jahre alt, gründen die Band. Schon damals sind die beiden mit der späteren Frontfrau befreundet. Zunächst stößt sie als Keyboarderin dazu, als Alison sich 1995 eines Tages ans Mikrofon stellt, ist das Lineup komplett. In dieser Formation schreiben die drei erste Songs und geben einige Gigs. Schnell haben sie sämtliche Clubs und Kneipen Maltas bespielt.

Als eines Tages ein Auftritt bei einem Festival auf dem Programm steht und der Veranstalter nach dem Bandnamen fragt, hilft der Zufall aus. Während man beisammen sitzt und einen passenden Begriff sucht, hält eine Freundin ein Buch über das Bohnenzüchten in der Hand. Der Name gefunden, tüfteln die Beangrowers weiter an ihrem Sound. Bei der Stilsuche entstehen krude Demos: die Band bastelt SciFi-Filmgeräusche der 1950er Jahre mit Computerspielgefiepse zusammen.

Ein deutscher Produzent (es ist nicht überliefert, ob er gerade seinen Urlaub Vorort verbringt) gerät an ein solches Demo und stellt die Bohnenzüchter 1997 einer deutschen Musikagentur vor. Das Feedback ist so positiv, dass sie für eine kleine Supporttournee gebucht werden. Alison: "Die Zuschauer waren von Anfang an begeistert und legten keine großen Wert darauf, dass wir aus Malta kamen."

Der Grundstein ist gelegt, der logische nächste Schritt: der erste Plattenvertrag. Die deutsche Rough Trade-Niederlassung erhält schließlich den Zuschlag. Im folgenden Jahr, 1999, feiern die Beangrowers CD-Premiere. Der Titel "48k" spielt auf einen alten Computertypus an, das Album selbst enthält in erster Linie aufpolierte Versionen der Demos.

Eine ausgedehnte Konzertserie durch Zentraleuropa folgt, im Zuge derer man auch gemeinsam mit dEUS bei der Eröffnungsveranstaltung der Popkomm spielt. Im Spätsommer des jungen neuen Jahrtausends suchen die Beangrowers erneut die Temple Studios ihrer Heimatinsel auf. Heraus kommt Platte Nummer zwei, die die Band deutlich gereift präsentiert. Klavier, Flügelhorn und Trompete sind nun zu vernehmen. "Nicht nur der Spaß, den wir im Studio hatten, ist herauszuhören, sondern auch die Freude daran, etwas Neues zu schaffen", blickt Drummer Ian zurück.

Auf der 2001-Tour eröffnen die Malteser für Slut, wenig später stehen sie als Hauptact auf den Bühnen Europas. Inmitten einer Phase mit täglichen Interviews, Auftritten und Radioshows zerreißt eine familiäre Hiobsbotschaft eines Bandmitglieds die Erfolgssträhne. Obendrein wird Rough Trade aufgelöst, sämtliche Promotion dadurch umgehend eingestellt. Die Beangrowers übertragen daraufhin ihren gesamten Backkatalog an BMG. Alison arbeitet währenddessen kurzzeitig mit Phillip Boa zusammen.

Einige Zeit später hat sich die Band rehabilitiert und feiert erst in Großbritannien, dann in den Vereinigten Staaten Tourpremiere. Der Dreier wird teils frenetisch gefeiert (u.a. bei einem Auftritt beim prestigeträchtigen SXSW-Festival), was zu neuen Studiotaten motiviert. Anfang 2004 ziehen sich die Beangrowers erneut in die maltesischen Temple Studios zurück. Im Herbst des Jahres wird Platte Nummer drei auf Malta und in Österreich veröffentlicht.

Hierzulande erscheint "Dance Dance Baby" erst im Sommer 2005. Darauf präsentieren sich Alison, Ian und Mark als gewachsenes Indierock-Trio. Das Album enthält sowohl tanztauglichen Rock'n'Roll als auch Ausflüge in die ausufernde Dramatik von Garbage. Mehr denn je klingt die Frontfrau nach Molokos Roisin Murphy. Auch das 2008er Viertwerk steht klang- und gesangstechnisch in Nichts nach und bietet obendrein ordentlich Tanzpotential.

Und was denkt man in der Heimat über die Musik des Trios? Spätestens seit dem dritten Album, sind dort alle hin und weg, bestätigt Frontfrau Alison: "Auf Malta waren alle ganz stolz auf uns." Kein Wunder also, dass die Drei dort immer wieder zum Aufnehmen zusammenfinden. "Auf Malta kommst Du, gehst zwischendurch mal auf einen Kaffee nach Hause, gehst wieder ins Studio, während Du Dich woanders voll auf die Arbeit konzentrierst", heißt es im Interview. Den Auskopplungen hört man diese entspannte Grundstimmung in der Tat auch an.

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