Porträt

laut.de-Biographie

Andrew Bird

Es dauerte eine ganze Weile, bis der talentierte Mr. Bird auch hierzulande Aufmerksamkeit auf sich lenken konnte. Gute zehn Jahre nämlich, in denen der Geiger und Lippenkünstler, der seinen verträumten Folk so gern mit Labiallauten untermalt, ein Album nach dem anderen produzierte. In seiner Heimat, den USA, wurde man auf den Multiinstrumentalisten vor allem durch das 2007 veröffentlichte "Armchair Apocrypha" aufmerksam. Lobenden Erwähnungen in der Presse – die New York Times sprach von "elegant confections" – folgten Einladungen ins Fernsehen, etwa zu David Letterman oder Conan O'Brien.

Bird lebt abwechselnd in Chicago, seiner Geburtsstadt, und auf einer Farm in der Nähe von Elizabeth im Bundesstaat Illinois. Das passt nur zu gut zum verhuschten Image des Künstlers, der sich auf Fotos gern mal in Strickjacke oder Gummistiefeln zeigt. Auf seinem Anwesen soll er tatsächlich gern toten Tieren beim Verwesen zuschauen. Seit seinem vierten Lebensjahr spielt der 1973 geborene Künstler Geige. Unterrichtet wurde er nach der vom Zen-Buddhismus beeinflussten Suzuki-Methode, bei der es darum geht, sein Instrument möglichst kreativ und als Spielzeug zu nutzen.

Was sich schließlich auch in Europa auszahlt. Die Rezeption seines 2009 erschienenen Albums "Noble Beast" ist, wenn auch nicht euphorisch, so doch sehr wohlwollend. Die Spex spricht von "melancholischem, das Weite suchendem Folkpop", das Uncle Sally's Magazin erkennt in Bird "ein musikalisches Wunderkind, das sicher zu Schulzeiten mehr mit Geigen- als Knutschflecken prahlen konnte". Im Rolling Stone ist von "großer Poesie" die Rede.

Von lupenreinem Folk indes ist Bird weit entfernt, flirtet er doch gern mit Rock, Jazz, Country, lateinamerikanischen Rhythmen und auch Elektronik. Der Singer-Songwriter hat zudem ein Talent für höchst komplexe, kaum verständliche Lyrics, in denen er sich mit Flugzeugabstürzen und anderen Mysterien des Lebens auseinandersetzt. Auf "Noble Beast", das in den amerikanischen Charts einen erstaunlichen zwölften Platz erreicht, fabuliert Bird unter anderem von "Proto-Sanskrit Minoans to porto-centric Lisboans".

Er pflegt einen unprätentiösen, entspannten Sound, der mal an Townes Van Zandt, mal an die Fleet Foxes gemahnt. Als Teenager soll er sich von ungarischer Folklore und frühem Jazz genauso inspiriert haben lassen wie von Country oder indischer Musik. Bird, der klassische Geige studiert hat, begleitet sich selbst auf seinen Platten an diversen Instrumenten, von der Gitarre bis zum Glockenspiel. So auch auf seinem 2012 erschienenen sechsten Studioalbum "Break It Yourself". Dies hat er mit Mom+Pop Records in New York produziert.

Bei Live-Gigs geht es ihm eher darum, seinen Stücken durch Improvisation neue Seiten abzugewinnen, als darum, Albumversionen zu reproduzieren. Auf der Bühne wird Bird von den Multiinstrumentalisten Martin Dosh und Jeremy Ylvisaker unterstützt, in seiner Heimat Chicago soll er schon vor über 10.000 Menschen gespielt haben. Unbekannt allerdings ist, wie lang sich der eigensinnige Künstler davon auf seiner Farm erholen musste.

Alben

Andrew Bird - Noble Beast: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2009 Noble Beast

Kritik von Matthias von Viereck

Enigmatischer Folkpop jenseits von Chartsaffinität. (0 Kommentare)

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